Monat: Februar 2011

Bilder!

Habe jetzt doch ein schnelles Internetcafe gefunden und konnte ein paar Bilder hochladen! Sie sind im Eintrag „rolling hills…“ und beziehen sich auf die davorliegende Woche (also „vom Dach der Tour“). Habe leider keine aktuellen Bilder dabei, da ich davon augegangen bin, ohnehin nix verschicken zu koennen. Ab Kenia gibts wieder Bilder UND Text.

Take care and enjoy your live. Its the one and only.

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Rolling hills…

rolling hills...

im aufstieg zur blue nile gorge. noch 2 km bis zum gipfel

Guten Tag, mein Name ist Money und ich bin eine radelnde Geldspuckmaschine. So kam ich mir zumindest in den letzten Tagen vor, denn seit Addis Ababa haben die „you, you“-Rufe nahezu aufgehört und sind durch „money, money“-Rufe abgelöst worden.

Für uns Radler ist das ein konstantes Wechselbad der Gefühle, denn wenn man über 100 Kilometer nahezu jeden Menschen, der einem begegnet (und in Äthiopien begegnen einem VIELE Menschen…) „money, money“ rufen hört und dabei ausgestreckte Hände sieht, geht einem das irgendwann auf die Nerven.

Und auf die Nieren, denn hinter all dem steht ja auch immer noch die Frage, wie es den Menschen hier eigentlich wirklich geht…

die abfahert der gorge. gegenueber kann man den aufstieg erkennen

Für mich waren die letzten Tage die zugleich schönsten wie auch traurigsten Tagen auf meinem bisherigen Tour-Abenteuer.

Gestern beispielsweise stand eine 116 Kilometer-Etappe an, die mit einem langen Anstieg (17 Kilometer) begann, der einfach phantastisch war. Das lag einerseits an einer wirklich schönen Strecke, die fordernd aber nicht überfordernd war, andererseits aber auch daran, dass wir just zu jenem Zeitpunkt auf der Straße waren, als die Kinder auf dem Weg in die Schule waren. Die Straßen zu beiden Seiten waren gesäumt mit begeisterten Kindern und Jugendlichen, die uns nach Kräften anfeuerten und großen Spaß hatten, uns so leiden zu sehen. Bisweilen fühlte ich mich wie bei der Tour de France, wenn es den Alpe d’Huez hinaufgeht und die Gasse für die Fahrer immer enger wird.

heissgeliebte coke (oder macciato-) stopps

Aber auch wir hatten unseren Spaß. Während ich mich durch diese wogende Masse den Berg hinaufschraubte, probierte ich sämtliche mir vorliegenden Fremdsprachkenntnisse aus und konnte feststellen, dass es ziemlich egal ist, ob man nun auf Englisch, Deutsch, Amharisch, Tschechisch, Französisch, Kisuaheli oder Niederländisch kommuniziert – die Antwort ist immer dieselbe: nämlich großer Jubel und Gelächter.

Die Kids liebten es, egal, ob ich mit einem „Guten Morgen, alle miteinander“ an ihnen vorbei fuhr, ihnen ein „Salut, tous le monde“ zurief oder landestypisch mit „Salam“ grüßte. Hauptsache, ich rief etwas und winkte dabei fröhlich.

Großen Erfolg hatte ich auch mit einer La-Ola-Welle, die ich in einem Dorf ausprobierte und die versammelte Zuschauerschaft damit in lautstarke Begeisterung versetzte. Es war einfach phantastisch, was aber auch daran lag, dass die Kids wirklich mit fröhlicher

auf dem dah der tour - 3211 meter, alle hochgeradelt. uff!

Begeisterung bei der Sache waren und nur selten mal ein „money, money“ zu hören waren.

Die vier Radel-Tage seit Addis Ababa waren aus meiner persönlichen Sicht die bislang besten seit dem Start in Kairo. Die Landschaft war grandios, die Anstiege teilweise wunderschön zu fahren und die Abfahrten rasant. Gesundheitlich bin ich derzeit in jeglicher Hinsicht auf dem Damm, und dass die Kraft da ist, konnte ich vor allem an den Anstiegen spüren.

Entsprechend früh kam ich jeden Tag im Camp an, obwohl ich mir nach dem Lunch stets noch eine ausgedehnte Pause in einem dieser phantastischen Macchiato-Lokale gegönnt und das Leben genossen hatte.

Die Strecke bestand vor allem aus den schon mal erwähnten „rolling hills“, die südlich von Addis Ababa allerdings nicht mehr ganz so unbarmherzig wie im Norden sind. Mental sind sie trotzdem herausfordernd, denn meistens sieht man während der Abfahrt schon den gleich beginnenden Anstieg und „freut“ sich auf die dann einsetzende Bremswirkung. Insgesamt sind wir in den vier Tagen erneut auf rund 6.000 Höhenmeter gekommen, obwohl wir bis auf 1.500 Meter hinabgestiegen sind.

unsere konkurrenz auf der strasse ist gross, laut und stinkt

Der Straßenbelag hat sich leider etwas zum Negativen verändert. Rau, von dicken Löchern durchsetzt und häufig mit Rollsplitt belegt. Zudem gab es regelmäßig ein paar off-road-Abschnitte, die von Staub und Steinen geprägt waren.

Auf der heutigen letzten Etappe nach Arba Minch (116 km) kurbelten wir sogar weitestgehend auf teilweise übelster off-road-Piste, die schlimme Erinnerungen an den Sudan weckten. Zudem zeigte sich die Jugend in einigen Dörfern etwas arg aggressiv und empfing uns schon am Ortseingang mit Steinen und Stöckern. Äthiopien ist und bleibt ein Land, in dem man ständig zwischen „ich liebe es“ und „ich hasse es“ schwankt.

Der Ruhetag in Arba Minch ist der letzte in Äthiopien und zugleich die letzte Chance, sich auf sieben aufeinanderfolgende Radeltage vorzubereiten, von denen die meisten wohl off-road sein werden. Mit dem Grenzübertritt nach Kenia werden wir dann „endlich“ auch auf die berühmt-berüchtigte Lavapiste treffen, über deren Horror schon seit Kairo wilde Gerüchte durch das Lager geistern.

Immerhin soll das Internet in Kenia im Vergleich zu Äthiopien ein Traum sein, so dass ich wohl auch endlich mal wieder Bilder posten kann – hier geht das bei Spitzengeschwindigkeiten von 1 Bit pro Minute schlicht und einfach nicht.

das ethiopisch-deutsche hotel, von dem ich schrieb

Zum Schluss noch etwas trauriges. Gestern musste ein niederländischer Fahrer (Henry) nach Hause fliegen, weil er sich bei einem Zusammenprall mit einem Mädchen am Ellenbogen verletzt hatte und die Wunde trotz eines zweitägigen Krankenhausaufenthaltes in Addis Ababa nicht heilen wollte.

Das zeigte einmal mehr, wie knapp der Grat ist, auf dem wir hier wandeln. Henry hofft, in den Niederlanden zu regenerieren und in drei Wochen zurückzukommen. Ich drück Dir die Daumen, Henry!

Ich hingegen konnte von Glück reden, denn gestern hätte es um ein Haar mich erwischt – und zwar verdammt knapp. Ich war ungefähr mit 50 km/h abwärts unterwegs, als ich in ein Dorf kam, an dessen Ausgang ein Seil über die Straße gespannt war – die dienen hier häufig als Begrenzung für Kontrollposten. Als ich das Seil sah, war es längst zu spät, um noch zu bremsen, doch gottseidank hatte der Wachposten aufgepasst und senkte das Seil wenige Sekunden vor meiner Ankunft rasch ab – ich hatte mich schon durch die Luft fliegen sehen. Danach musste ich erstmal anhalten und mein wild pochendes Herz beruhigen. Was passiert wäre, hätte der Posten das Seil nicht mehr rechtzeitig auf die Erde bekommen, mag ich mir wahrlich nicht ausmalen.

Soviel für den Moment von Euerm „hardy cyclist“

ENGLISH UPDATE

Sorry, your guys, again no proper english update. just a shortage of time. I am fine, cycling as good (and fast)as never before and feeling well in general. Ethiopia is a fascinating country that you either hate or love – most of the time both, and that is on the same day. Try to write a bit more neext week and update you properly. We have seven days of cycling coming up. Only two are paved, five are off-road. So, that means suffering again.

Big hugs to all of you, going to have some ethiopian cake now on you

Gruesse vom Dach der Tour

Meine Güte, was war das für eine Achterbahnwoche!
8.500 Höhenmeter haben wir in den sieben Tagen überwunden, seit wir Gonder verlassen haben. Den Nichtradlern unter Euch mag das nicht viel sagen, doch die Konsequenzen können wir alle an unseren müden Beinen ablesen. In Äthiopien geht es nur in zwei Richtungen: entweder bergauf oder bergab. Und das nicht zu knapp. Gestern zum Beispiel war unsere 105-Kilometer-Strecke nach Addis Ababa (Lektoren, lasst die Rotstifte stecken, die Stadt heißt tatsächlich Ababa, und nicht Abeba!) eine einzige Achterbahnfahrt. Über fast die gesamte Zeit ging es über ungefähr zwei- bis drei Kilometer mit 6 bis 8 Prozent zunächst bergab und dann über eine ähnliche Distanz wieder bergauf. In der Praxis hieß das, dass ich mich regelmäßig für etwas zwei Minuten mit bis zu 65 Stundenkilometern die Abfahrten heruntergestürzt habe, um in der Sohle kurz noch mal alles zu geben, ehe ich dann am Anstieg das Gefühl hatte, an einem gigantischen Gummiband zu hängen und mit wohlwollend 12 km/h den Anstieg hochächzte. Die Kette wechselte eigentlich nur von ganz rechts nach ganz links und dann wieder nach ganz rechts – und das über mehr als 100 Kilometer! Einfach eine irre Strecke, die ich in meinem Leben noch nicht gefahren bin.
Aber ich so manches von dem, was ich hier tue, in meinem Leben noch nicht getan. Zum Beispiel zweimal binnen eines Monats mit der großen Scheiß- und Kotzerei flach zu liegen und keinerlei Möglichkeit zu haben, die Sache auszukurieren. Ich hatte ja schon von meiner etwas turbulenten Nacht vor dem Aufstieg nach Gonder berichtet. Von Gonder bin ich dann nach Bahir Dar geradelt, ehe ich in Bahir Dar erneut meinen Mageninhalt zur Beschauung frei gab – übrigens recht
spektakulär über die Balustrade der Hotelterrasse in dritten Stockwerk und zum Erstaunen eines größeren Publikums (will sagen: ich habe Tour-Geschichte geschrieben..). Spätestens da war klar: auch ich habe mir die im Camp grassierende Magen- und Darminfektion eingefangen. Zwei Tage kämpfe ich vergeblich dagegen an, ehe der erneute Griff zum Antibiotika unausweichlich wurde. Insgesamt verlor ich durch die ganze Sache zwei Fahrtage, an denen ich mit leichenbitterer Mine auf dem Truck saß und hinter jedem Baum ein vermeintlich Klo sah. Schöne Scheiße, im wahrsten Sinne des Wortes.
Am dritten Tag war ich dann endlich wieder fit und konnte an jenem Spektakel teilnehmen, auf das ich mich sehr gefreut habe und das ich nur höchst ungern verpasst hätte: der Durchquerung der Blue Nile Gorge, der Schlucht des Blauen Nils. Das ist ein traditionelles Highlight auf der TdA und zudem ein Ereignis, an dem stets ein Bergzeitfahren angesetzt ist. Auch darauf hatte ich mich gefreut – aber dazu später mehr.
Nach drei Tagen wieder auf dem Bike zu sitzen, war phantastisch aber auch anstrengend. Das Dumme an den Magen-/Darmsachen ist ja, dass man einfach seine Kräfte einbüßt. Man verliert viel Energie durch die übermäßigen Ausscheidungsvorgänge, und die Nahrungsaufnahme ist, nun, sagen wir mal, „schwierig“. Entsprechend vorsichtig bin ich
losgefahren, denn am Ende der Etappe wartete ein 20 Kilometer langer und berüchtigt schwerer Anstieg, den ich um alles in der Welt fahren (und nicht schieben!) wollte. Und ich kann stolz verkünden, dass ich es geschafft habe! Zwar bin ich im Zeitfahren Schlusslicht geworden, doch das lag zum einen an den erwähnten Schwächen und zum anderen an meinem Beschluss, dass mir die Zeit egal ist. Folge: Insgesamt kann man von meiner Fahrzeit sicherlich ne Stunde abziehen, während der ich einen ausgedehnten Coke-Stopp gemacht habe (es gab eiskalte Cola, da musste ich gleich zwei von vertilgen) und zudem zigfach anhielt, um die grandiose Aussicht zu genießen und Fotos zu schießen. Bei einem Zeitfahren natürlich nicht die wirklich effektive Vorgehensweise, um ein gutes Resultat zu erzielen.
Insgesamt war die Etappe der Wahnsinn. Ich will mal versuchen, das mit Worten zu beschreiben. Vom Camp ging es über 48 Kilometer welliges Terrain bis zum Lunch-Stopp, der auf etwa 2.400 Metern über
Meeresspiegel direkt an der Kante der Schlucht lag (wer grade eine Äthiopien-Karte zur Hand hat: das war in Dejen). Dann ging es hinab, und ich stürzte mich in die wildeste Abfahrt meines Lebens. Über eine mit Schlaglöchern, Rollsplitt, Hitzebeulen etc, gespickte Straße ging es in schönen Serpentinen über 20 Kilometer hinab ins Tal, das auf 1.100 Meter Höhe liegt. Wie im Rausch jagte ich an zig den steilen Berg nur herunterkriechenden LKW vorbei und versuchte, urplötzlich auftauchenden Dingen wie Esel, Kühen oder Mopedfahrern auszuweichen. In der Spitze schlug mein Tacho bis auf 69 km/h aus, und vom ständigen Bremsen glühten mir förmlich die Armgelenke. Zudem musste ich ständig anhalten, um diese wahnwitzige Aussicht auf das gesamte Flusstal zu fotografieren. Viel zu schnell war ich dann unten, wo Gabriel schon auf mich wartete, um mir das Freizeichen für das Bergzeitfahren zu geben. Mit dem schlauen Spruch „you want to play, you have to pay“ erinnerte er mich noch mal daran, dass ich nun für die schöne Abfahrt mit einer umso härteten Auffahrt bezahlen müsse und schickte mich auf die Reise. Schon nach der ersten Kurve zeigte mir der Berg seine hässlich Fratze: eine schnurgerade 10-Prozent-Rampe wollte erklommen werden – und das bei ungefähr 35 Grad, denn unten im Tal war es deutlich wärmer als oben auf der Hochebene.
So ging das dann über 20 Kilometer. Wie der Mont Ventoux hat auch die Blue Nile Gorges nur wenige Stellen, an denen der gebeutelte Radler mal ein wenig durchatmen kann. Ich kann mich überhaupt nur an zwei Momente erinnern, in denen das Gefälle mal unter 6 Prozent fiel, und die beiden waren vernachlassenswert kurz. Hinzu kam folgendes Problem: Bei den Vorbereitungen auf die TdA habe ich lange überlegt, welche Schaltung ich montieren will. Nach langem hin- und her habe ich mich eine Kompaktschaltung mit 50/34 entschieden, die ohnehin auf meinem Cross-Rad drauf war und grundsätzlich sowohl auf flachen als auch auf bergigem Terrain gut geeignet ist. Hier aber habe ich meiner Dreifach-Schaltung (die ich am Rennrad habe) bitterlich
hinterhergeweint und mir einen „Rettungsring“ gewünscht. Ich glaube, ich habe auf dem gesamten Berg höchstens zehnmal geschaltet. Nahezu ständig lag die Kette komplett links, quälten sich meine Beine wie in Zeitlupe hoch und runter, um Rad und Fahrer irgendwie in Schwung zu halten.
Und doch hat es unendlich Spaß gemacht! Berge fahren ist einfach die Krönung im Radsport, und so fuhr ich zwar langsam aber stetig an den Flanken meines Gegners der Sonne entgegen. Irgendwann war die Hälfte erreicht, und der erwähnte Coke-Stopp mit der wirklich EISKALTEN Cola bremste mich für mehr als eine Viertelstunde aus, dann kam ein etwas längerer „gemäßigter“ Anstieg (zwei Kilometer 4-6 Prozent), ehe es im letzten Drittel noch mal mit bis zu 13 Prozent so richtig zur Sache ging. Dann war ich oben, und ich war einfach nur noch … stolz. Scheiß auf meine miserable Zeit, scheiß aufs Rennen, ich hatte die Blue Nile Gorges erklommen. Ich war unschlagbar!
Am nächsten Tag ging die Kletterei weiter, und die Höhenmeter purzelten weiterhin fleißig aus meinem Tacho heraus. Irgendwann erreichten wir mit 3.122 Metern den höchsten Punkt, den wir während der gesamten TdA überqueren. Das „Dach der Tour“ war erreicht, und stilgerecht gab es dort oben einen Lunchstopp sowie eine Fotosession für jeden willigen Fahrer. Die Hoffnung, dass es danach nur noch bergab gehen würde, wurde aber rasch getäuscht, denn dies hier ist Äthiopien. Erst 20 Kilometer vor dem nächtlichen Camp hörten die Achterbahnwellen auf, ging es nahezu kontinuierlich talwärts, flog ich förmlich ins Lager.
Auf dem Weg dorthin passierte ich ein Schild mit der Aufschrift „Etiho-Germany Park Hotel“, das natürlich mein Interesse weckte. Unser Camp war nur einen guten Kilometer entfernt, und so bin ich
Nachmittags mal losgegangen, um zu gucken, was denn so ein
„Etiho-Germany Park Hotel“ ist. Was ich entdecke, ist ein Paradies, das ich Euch leider nicht zeigen kann, da ich dummerweise meine Kamera nicht mitgenommen hatte. Geführt von einem Äthiopier, der 38 Jahre lang in Deutschland gelebt und ein Restaurant geführt hatte, besteht es aus kleinen Rundhütten und einem sehr gepflegten Restaurant, das wahrlich alle Möglichkeiten zur gepflegten Entspannung bietet. Die Übernachtung kostet 200 Birr pro Hütte (1 Euro sind 14 Birr), wobei der gigantische Ausblick auf ein Tal eines Nebenflusses des Blauen Nils schon das Geld wert ist. Der Chef des Hauses, der ein absolut perfektes und fehlerfreies Deutsch spricht, hat zudem jede Menge Geschichten aus der Region auf Lager. Wer mal was Besonderes machen will… ich habe die Telefonnummer mitgebracht…
Äthiopien ist ganz bestimmt einen Besuch wert. Für mich ist es das bislang spannendste und interessante unserer drei bereits
durchquerten. Es ist landschaftlich wunderschön (die Hochebene erinnert häufig an die Alpenhochebene, nur das hier alles gelblich trocken und eben nicht saftig grün ist, obwohl wir hier grade mitten im Winter sind und die Einheimischen alle in dicken Klamotten rumlaufen), die Städte/größeren Orte bieten eine üppige Infrastruktur und die Einheimischen sind aufgeschlossen und häufig auch des Englischen mächtig. Im Gegensatz zum Sudan ist vieles westlich geprägt. Viele Menschen tragen westliche Kleidung und verhalten sich „westlich“ (lasst mich das jetzt hier bitte nicht definieren…). Dazu gehören auch Sonnenbrille, Handy und Macho-Gehabe bzw. bei den Frauen bisweilen sehr sexy Kleidung. Gleichzeitig sieht man viele
traditionell gekleidete Landbewohner, die ihr Vieh über die Straßen treiben. Das ganze gibt dann ein Gemisch, dem man stundenlang zuschauen kann (wenn man nicht immer mal wieder Rad fahren müsste) und immer wieder etwas neues entdeckt.
Und noch etwas fällt auf: die Äthiopier sind fast ausnahmslos sehr hübsche Menschen. Das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. Sie haben einen würdevollen und zugleich lässigen Gang, gehen fast kerzengerade aufrecht und haben weiche, feine Gesichtszüge. Außerdem lachen sie gerne und viel.
Aber Äthiopien hat auch ein zweites Gesicht. Wie quasi überall in Schwarzafrika sind es auch in Äthiopien die Frauen, die fast alle schwere Arbeit leisten und ohne die sämtliche Strukturen vermutlich zusammenbrechen würden. Jeden Tag begegnen uns in den Dörfern und Orten zig Frauen (bzw. häufig noch Mädchen), die turmhoch mit Brennholz oder Marktware bepackt sind und damit häufig kilometerweit laufen müssen, während die Männer gemütlich in den Kneipen sitzen und dieses Gânja-Kraut kauen, das einen mehr als nur leicht bekifft macht. In Afrika führen viele Lösungen zweifelsohne über die Frauen, und da darf ich dann gleich mal wieder die Arbeit von Plan International ins Blickfeld rücken, die genau das berücksichtigt,
Ein weiteres Gesicht, das vor allem wir ständig zu sehen bekommen, sind die Kinder. Die sind manchmal einfach unfassbar unglaublich. An das ständige „you, you“ kann man sich ja vielleicht noch gewöhnen. Aber an das permanente „money, money“…. Vorgestern hielt ich in einem Ort, weil ich ein Foto machen wollte. Von weiten sah ich einen kleinen Jungen von vielleicht fünf Jahren auf mich zulaufen, der immer wieder nur „money, money“ rief. Irgendwann stand er mit ausgestreckter Hand vor mir und guckte mich mit großen Augen an, wobei er weiterhin sein „money, money“ rezitierte. Man ist manchmal einfach sprachlos. „You“ und „money“ sind häufig die einzigen englischen Worte, die die Kids können, wodurch keinerlei Konversation möglich ist. Während die jüngeren Kindern zumindest auf Lächeln oder Gesten noch ansprechen und häufig zurücklachen, werden die älteren böse, wenn man nichts gibt. Daraus resultieren dann im Endeffekt auch die Steinwürfe, die sich in der Woche fortgesetzt und auch mich betroffen haben. Ich würde gerne mal den Effekt von humanitärer Hilfe und das Verhalten der
äthiopischen Kinder (und die hohe AIDS-Rate bzw. dadurch bedinget Waisenrate) in Zusammenhang bringen. Ich vermute, da würden sich ein paar interessante Aspekte ergeben.
Wow, das war nun ein echter Monolog. Ich hoffe, ich habe Euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr schaltet wieder ein, wenn ich in vier Tagen aus Arba Minch das nächste Mal funken werde. Bestimmt gibt es bis dahin wieder ein paar Berge- und Täler zu über- bzw. durchqueren, und bestimmt erleben wir auch wieder ein paar neue Sachen. Und ich hoffe, ich muss Euch (und mich) bis zum Ende der Reise nicht mehr mit Magen- und Darmgeschichten belästigen. Denn die bin ich wirklich ziemlich leid. In diesem Zusammenhang auch gleich noch eine Verlautbarung an all diejenigen unter Euch, die mich hier nicht nur als Afrikareisenden sondern auch als Radrennsportler sehen. Weil ich die Befürchtung habe, dass ich mich, ohne es zu wollen, wegen des Rennens manchmal einfach etwas zu sehr pusche, habe ich folgendes beschlossen:
ich werde weiterhin als Rennfahrer angemeldet sein und auch am Rennen teilnehmen, mich aber nicht mehr für meine Zeiten interessieren, solange ich hier unten bin. Erst, wenn ich zurückkehre, schaue ich sie mir an. Dieses Rennen führt beispielsweise zu der absurden Situation, das man sich „Rennen im Rennen“ liefert. Will heißen, ich sehe, ich bin auf Platz 15 und habe 14 Minuten Rückstand auf Fahrer X, der 14er ist. Am nächsten Tag sehe ich Fahrer X zufällig auf der Straße und denke „oh, die 14 Minuten knöpf ich ihm jetzt ab“. Also gebe ich Vollgas und rase durch irgendwelche äthiopischen Dörfer, durch die ich in meinem ganzen Leben nie wieder kommen werde, um am Ende des Abend statt auf Position 15 auf Position 14 zu stehen. Leuchtet der dahinterstehende Wahnsinn ein? Daher werde ich mich ab sofort nicht mehr um meine Platzierung/Zeiten kümmern, sondern einfach fahren und gucken, wo ich am Ende lande (hinzu kommt übrigens noch eigene Blödheit. Gestern zum Beispiel ging das Rennen nur bis zum Lunchstopp. Ich war schon eine halbe Stunde da und hatte bereits ein leckeres Baguette verzehrt, als mir das einfiel und ich mich ausloggte – wir haben so einen kleinen Pin, mit dem wir uns beim Start einloggen und am Ziel ausloggen müssen – ich habe also eine halbe Stunde Fahrzeit hinzubekommen, weil ich zu blöd war, rechtzeitig auszuloggen…) Schöne Grüße in die Heimat von Euerm „hardy cyclist“

Sorry, keine Bilder. Bin zwar in der drittgroessten Stadt Afrikas, aber die Internetverbindung war nie schlechter…

Rest Day in Bahir Dar

Schon mal was von Bahir Dar gehört? Ich nicht. Schade eigentlich, denn es ist ein höchst angenehmer Ort am Lake Taha, der eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlt und in dem selbst die äthiopischen Kinder ihr unablässiges „you, you“ vergessen zu scheinen haben. Man kann gemütlich über die Straßen flanieren, ohne ständig angesprochen zu werden, was ein höchst angenehmer Unterschied zum Radeln durch das äthiopische Hochlandplateau ist. Und wie in Gonder verfügt auch Bahir Dar über jede Menge Restaurants, Cafes und Saftshops, denen ich mich nach Fertigstellung dieses Blogeintrages mal wieder hingeben werde. Vor allem die frischgepressten Säfte haben es mir angetan, und ich überleg schon die ganze Zeit, ob es eher Mango oder eher Papaya sein soll. Es ist im Übrigen erstaunlich, welche Mengen an Nahrungsmittel man auf solch einer Tour so in sich reinstopfen kann… (und trotzdem kontinuierlich abnimmt).
Und das in einem Land, auch das sollte mal gesagt werden, in dem noch immer rund die Hälfte der Einwohner unterernährt ist und nicht einmal jeder zweite Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Unter diesen Gesichtspunkten relativieren sich meine Probleme wahrlich zu Luxussorgen. Vor allem in den Städten kann man den krassen Unterschied zwischen arm und reich sehen. Da sitzen dann westlich gekleidete Äthiopier mit Handy und Sonnenbrille, während völlig verlumpte Kinder (Äthiopien hat dank AIDS rund eine halbe Mio. elternloser
Straßenkinder) wortlos um ein paar Birr betteln und in der Regel mit einem achselzuckenden Blick abgewiesen werden. Meine
Partnerorganisation „Plan International“ ist übrigens auch in Äthiopien aktiv. Schaut mal oben in der Leiste unter
„unterstützung/support“.
Nach den beiden Rest days in Gonder ging es am Montagmorgen weiter südlich durch das Hochland in Richtung Bahir Dar. Gonder zu verlassen war ein Abenteuer in sich. Zum einen ging es über 20 Kilometer bisweilen sehr steil bergab, zum anderen liegt am Fuße der Stadt eine Art Industriequartier, in dem ein Gewühl herrschte, das alles, was wir bislang erlebt hatten, in den Schatten stellte. Liebend gerne hätte ich einfach die Kamera draufgehalten und die Ortsdurchfahrt gefilmt, doch das wäre lebensgefährlich gewesen, denn ich brauchte wirklich beide Hände am Lenker, um mich durch dieses Chaos aus Ochsen- und Eselkarren, Bussen, LKW, Tuk-Tuks, Motorrädern etc. zu navigieren, Die Tiere marschieren einfach kreuz- und quer über die Straße, der entgegenkommende Verkehr überholt ohne Rücksicht auf Verlust und jeder (jeder!) äthiopische LKW-Fahrer betätigt seine bisweilen martialische Hupe, sobald er uns zu Gesicht bekommt. Es war also eine wahre Kakophonie der Eindrücke, Gerüche und Geräusche, bei der wir alle etwas erleichtert waren, als wir sie hinter uns gelassen hatten. Dann kam der erste Berg und ich merkte, wir sind auf 2.000 Metern. Meine Güte, ging das an die Substanz. Ein Gefühl, als halte mir jemand einen Filter vor die Nase, so schwer war es, die Luft durchzupressen. Nach den vier Wochen fast auf Meeresspiegel fiel uns die Höhenlage natürlich doppelt schwer, und so hatten auch die Spitzenfahrer tüchtig zu kämpfen mit der dünnen Luft. Da macht man was mit!
Die Etappe ging über 117 KM und hatte zwei wunderschöne Anstiege zu bieten, die wirklich nett zu fahren waren. In Serpentinen schraubten wir uns die Berge hoch, und hinter dem Gipfel kam jeweils die Belohnung mit rasanten Abfahrten. Die eine führt direkt zum
Lunchstopp, die andere auf eine 20-km-Gerade, die uns dann ins abendliche Camp führte. Die Gegend ist unglaublich dicht besiedelt. Überall laufen Menschen auf den Straßen rum, selbst in scheinbar einsamen Gebieten im Hochland. Fast alle tragen Stöcker über ihren Schultern, und nach den Ereignissen der letzten Tage sieht man so etwas immer mit etwas Skepsis. Sobald man anhält, ist man binnen Sekunden von Kindern umringt, die „you, you“-Rufen oder gleich nach „money“ fragen. Ein manchmal sehr trauriges Bild, das ebenfalls den Kontrast zwischen arm und reich im Land verdeutlicht. Für die Äthiopier sind wir eine seltene Chance, mal einen Weißen aus der Nähe zu beobachten. Die anderen Weißen, die kommen, sitzen ja in ihren klimatisierten Geländewagen und steigen nur an den touristischen Hotspots aus. Wir hingegen durchradeln ihre Dörfer, und weil es dabei manchmal tüchtig bergauf geht, sind wir noch nicht einmal wirklich schnell. Man kann also bequem neben uns herlaufen und gucken, was der komische Weiße da so macht.
Keine Privatsphäre zu haben, ist für unsereins gewöhnungsbedürftig. Dreimal musste ich anhalten, ehe ich endlich einen Platz zum Pinkeln fand, an dem ich nicht sofort von neugierigen Kindern umringt war. Und auch das Gefühl, am Straßenrand zu sitzen, einen Energieriegel zu essen und dabei von ungefähr 25 Kinderaugen angeblickt zu werden, ist etwas eigenartig.
Nach einer ordentlichen Fahrt war ich recht früh im Camp, in dem die Stimmung etwas gedrückt war. Zig Leute sind krank, und das Kotz- und Würgkonzert in der Nacht zum nächsten Tag war vielstimmig. Das Problem mit einem Virus bei einer derartigen Gruppe: er geht natürlich immer wieder aufs neue herum. Und so spürte ich am nächsten Morgen auch schon wieder dieses vertraute Gefühl im Magen, das mir ankündigte, dass da was am rumoren war. Nach etwas mehr als 20 Kilometern war dann tatsächlich Schluss für mich, und gegenwärtig bin ich ernsthaft am Überlegen, einfach mal für zwei/drei Tage auf den Truck zu steigen, um mich wirklich auszukurieren. Denn vielen geht es ähnlich: kaum etwas erholt, klettern wir wieder auf die Räder, doch eigentlich ist der Körper noch gar nicht so weit. Ich würde es zwar sehr bedauern, denn gerade auf die Bergetappen hier in Äthiopien habe ich mich doch sehr gefreut, aber dann muss ich auch gleichzeitig sehen, dass ich gerade mal den ersten von vier Monaten hinter mir habe, mein alter Körper also noch ordentlich was zu leisten hat.
Wie einfach geht das doch vergleichsweise im technischen Bereich der Tour: da habe ich nämlich heute erstmals die Kette gewechselt. 3.000 Kilometer sind absolviert, und nun darf mein Focus mit neuem Antrieb durch die Gegend pesen.
Nun geht es fünf Tage durch das Hochland zur Hauptstadt Addis Ababa, aus der ich mich dann wieder melden werde. Haltet die Ohren steif!

ENGLISH Just a short update from Bahir Dar, Ethiopia. After just two days riding we arrived at this very attractive sea resort at Lake Tana. Riding has been tough due to the mountains as well as lasting stomach problems. Some kids here in Ethiopia have been a hassle, but most of the Ethiopian are very friendly and just curious. And they do brew some fantastic coffe, offer great cake (Mary and Mel: next gtime Ethiopia?) and produce thick juices made of Mango or Papaya. Lots of love to all of you

Urlaub im Paradies

Frühmorgendlicher Blick vom Camping auf Gonder

Zwei Tage Pause kommen einem nach ziemlich genau einem Monat auf dem Fahrrad wie ein langer Urlaub vor.

Vor allem aber verschafften sie mir endlich mal die Gelegenheit, ein bisschen in Afrika einzutauchen. Und ich muss sagen, Gonder war die perfekte Stadt dafür!

Gestern Abend marschierte eine kleine Gruppe TdAler ins Zentrum, und ich war wirklich positiv erstaunt über die Ausstrahlung und Atmosphäre dieser Stadt, von der ich vorher ehrlich gesagt nicht allzu viel gehört hatte.
Überall gibt es gemütliche Kaffeehäuser, kleine Kneipen, niedliche Shops und Restaurants. Dazu sind jede Menge Leute auf der Straße, und es herrscht eine weitestgehend fröhliche Stimmung.

Kein Vergleich zu Sudan, wo die Sharia die Stimmung doch ein wenig drückt, und auch kein Vergleich zu Accra, wo ich 2008 bei der Afrikameisterschaft nicht einmal so eine Atmosphäre gefunden habe.

war am Abend leider nicht mehr besetzt

Die Leute tragen bunte, fast westliche Klamotten. Jeans, T-Shirts, Turnschuhe. Es gab endlich wieder händchenhaltende Pärchen auf den Straßen und in den Restaurants (im Sudan streng verboten), und überall spielt fröhliche Musik.

Dazu wird viel gelacht – vor allem von den Tuk-Tuk-Fahrern, die auch hier für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs sorgen.

Diese schon mal erwähnten Dreiräder mit Mofamotor sind einfach der Wahnsinn, und ich finde, die sollten unbedingt im Raum Südniedersachsen eingesetzt werden!

Scheiß auf große Busse, die eh nur alle achteinhalb Stunden fahren, sauteuer und zudem meistens leer sind – TukTuks sind die Antwort auf unsere Verkehrsprobleme! Matze, bitte übernehmen!

TukTuks

Solltet ihr jemals nach Äthiopien kommen, müsst ihr unbedingt den Kaffe probieren. Sagenhaft! Ein derart intensiver Geschmack, da können sich die Italiener mit ihrem Gebräu wirklich verstecken.

 Dazu kommt allerlei Gebäckstücke, die mindestens ebenso lecker sind, sowie fette Fruchtsäfte, in denen der Strohhalm senkrecht stehen bleibt, weil sie so voller Fruchtfleisch sind.

Ein Paradies also für ausgehungerte Radfahrer. Ich habe denn auch ordentlich Birr (lokale Währung) auf den Kopf geknallt, um mir Magen und Seele etwas zu füllen.

Heute bin ich dann gleich noch mal runtergefahren, um mir das ganze noch mal bei Tageslicht anzuschauen. Und siehe da: es war immer noch grandios. Ich konnte sogar einen Ersatz für meine vor drei Tagen in einem Camp gestohlene Kappe bekommen (das war meine geliebte Bristol-Rovers-Kappe, aber wenn ich mir die Tabelle der Div 1 anguckte, war das wohl abzusehen, dass die hier verschwinden wird… Snief… Und doch: Rovers till I die!).

Nun schützt mich eine chinesische Armeemütze vor allzu intensiver Sonneneinstrahlung.

Ansonsten ein paar Nachrichten aus dem Camp: Nahezu alle sind inzwischen irgendwie krank. Magen und Darm sind die größten Probleme. Dazu Schürf- und Hautwunden, sowie ein paar Erkältungen.

 Dass es hauptsächlich die Därme sind, lässt sich gut an Geräuschen und Gerüchen erkennen. Vor allem die in der Luft liegenden „Düfte“ sind bisweilen nicht allzu leicht zu ertragen.

Campidylle 1

Im Grunde genommen ist die TdA ein ständiger Anpassungsprozess des Körpers an die Umstände.

 Zunächst hatten wir es mit den langen Fahrradstrecken zu tun.

Dann kamen das ungewohnte Essen und die Bedingungen in den Wüstencamps ohne für uns selbstverständliche sanitäre Dinge wie eine Toilette oder eine Dusche.

 Seit Khartoum ist nun die Hitze dazu gekommen. Viele von uns haben unter einer regelrechten Austrocknung gelitten, und ein paar mussten sogar an den Tropf, nachdem sie ins Camp kamen. Wie gesagt, man kann gar nicht so viel trinken, wie man hier verdunstet.

Campidylle 2

Ohnehin frage ich mich ständig, ob mein Körper gerade das bekommt, was er alles braucht und ärgere mich ein bisschen darüber, dass ich mich vorher nicht intensiver mit der Ernährungsfrage beschäftigt habe (leider sind meine Biochemie-Kenntnisse aus dem Abi doch ziemlich verschütt gegangen).

Wie sieht es mit Eiweißen und Proteinen aus, mit Mineralstoffen, mit Vitaminen? Was fehlt dem Körper, wenn es hier zwackt, was, wenn es dort zischt?

Dass die Anstrengungen gekostet haben, kann ich an meinem Hosengürtel erkennen, der gestern ein neues, handgeschlagenes Loch bekam, da mir die Hose im letzten vorhandenen Loch trotzdem vom Arsch gerutscht war. Wenn das so weiter geht, muss ich mich nach meiner Rückkehr wohl neu einkleiden und kann dann auch mal in der Kinderabteilung gucken gehen 😉

dieser Supper Markt" hatte superleckere schokoriegel!

Nun sind wir in Äthiopien, und es sind die Berge sowie die bisweilen doch mehr als unangenehmen Kinder, mit denen wir uns zu arrangieren haben (einige Fahrer sind sogar mit Peitschen verprügelt worden, als sie die Berge hochkrochen).

Und das nächste Thema dürfte schon jetzt klar sein: Regen. Irgendwann so um den Äquator wird er uns erwischen, und wie das dann sein wird, mag ich mir kaum ausmalen. Na, ihr werdet früh genug davon erfahren.
Jetzt ist es egal. Jetzt sind die Batterien wieder aufgeladen, die Klamotten (so gut es ging) gewaschen, das Bike geputzt und die Kette geölt. Alles ready also für die nächsten beiden Tage, die uns bis Bahir Dar führen werden.

Das soll ein sehr attraktives Seebad auf 1.700 Meter Höhe sein, an dem uns eine schicke Seepromenade den nächsten freien Tag versüßen soll. Dass wir nur zwei Tage fahren, deutet übrigens darauf hin, dass jene Tage ziemlich heftig werden – sonst würden wir wohl kaum so schnell schon wieder eine Pause brauchen…

Blick von der Rückbank (= Fahrgastraum) eines TukTuks

Wie sagte doch Steve, einer unserer Truckfahrer, vorgestern zu mir: „you guys will do a lot of climbing here in Ethiopia“. Seine Worte in Bikers Ohren.

Bis die Tage, Euer hardy cyclist

Manchester im Hochland von Äthiopien

So funktioniert Globalisierung! Plötzlich tauchen hier massenhaft Einheimische auf, setzen sich vor den Fernseher, auf dem BBC seit Stunden live aus Kairo berichtet hat, schalten um und plötzlich läuft das Manchester-Derby live hier in Gonder, Äthiopien über den Bildschirm.
Gibt also doch Fußballfans in Äthiopien!

English update „eight days in hell“

Hello everybody in Brezh, Oc, Wales, the Southwest, China (and whereever you are). This is Gonder. Gonder, Ethiopia. 2.450 meter up in the sky, all climbed by bike. At the end of a long and exhausting week we spend two very much deserved rest days in the former capital of Ethiopia.

Our eight days of horror started last Thursday when we left Khartoum. During the night the temerperatures never dropped lower than 30 degree (thats Celsius, not Fahrenheit!), and it was the beginning of a hot week. First day back on the road we hit the 40-degree-mark, second day the 50 degree-mark fell. Not so comfortable when you sit on a bike and have to cycle 150 or more kilometres. The water in the bottles gets hotter and hotter, the heat gets almost unbearable and you just cycle from one coke-stop to the next. On the first two days we made close to 300 kilometres until we hit off-road first time on the third day.

Discussion had been high on the best tyre for the road. I chosed the marathon plus in 32 wich come out to be the best decision. All mountain biker which much bigger tires had a lot of punctures while I could cycle all day without caring for my bike. It got worse the fourth day when we cycled off road for the whole day. 100 kilometres on a horrible road almost constantly washboard or deep sand took its toll as many of us fell from the bike. I hit my knee but was lucky enough to escape with a minor injury. Punctures were much more – Tory and Luke both had ten puncutures on just 100 k. I again could cycle all day without being bothered.
But it was hard. Very hard. The heat, the trail, the sand, the constant „babababa“ of the washboard are driving you just crazy. I’ve never been as exhausted in my whole life as on the fourth day. And don’t forget that there is no shower waiting for us at the end of the day but a plain camp in open sun and dirt. Any idea how we lokked after this eight days? No, we looked worse…

Well, that was before the fifth day…

Then we had about 30 km nice trail with some up- and downhill sections I really enjoyed. I could speed up to 30 km/h and was first at the lunch truck. Those guys there weren’t even ready for us driver and that it was me and not one of the „real racer“ who appearded first gave me some curious looks. Four kilometer later my day got worse when I missed a turn and drove uphil for about six kilometres until I realized I’m on the wrong track. So I had to go back and add another 12 kilometres to an already packed day with more than 50 kilometres horrible track. This time it was a little bit like a very dry agricultural field with big gaps and patches of soil you honestly couldn’t cycle on well.

Those three days had been included in the tour to give us an impression how it used to be cycling thorugh Africa until the Chinese started to pave the whole country. So in comparison to former years our journey really is a holiday adventure…

Day 6 brought us back to much appreciated tarmac. We just flew to the border between Sudan und Ethiopia which is not more that a rope that you go through by showing your passport – after you passed serveral offices of the immigration on both sides, that is.

Ethiopia is much different to Sudan. People are much more open and always try to get in contact with us. Gone are the days were we left by ourselves in Sudan and enjoyed a little privacy… First nigth camp in Ethiopia gave us a good impression, but it got more exciting in the second camp which had even been roped off to prevent the youth of the nearby villages to invade our small tent camp. A little bit disturbing as we’ve been told always watching our belongings as there vanished a couple of things in the last years.

Cycling in Ethiopia is different as well. After 3000 km in the flat desert we all were happy to see the mountains of ethiopa which gave us a welcome change to the boring days on just one straight roads. Of course, its more than just hilly and we do have quite a bit climbing coming up in the next weeks, but I don’t mind.

Much more of a problems are the kids. I got spitted at, got stones thrown at me, got frequently asked for money and got hassled quite a few times. It’s only a few of them, but it makes you to watch for everyone when you enter a town. As well as you have to watch the traffic. It compromises everything. donkeys, cows, goats, dogs, cars, trucks, pick-ups – whatever. And nobody cares for the other – you just have to defend your own space.

On the morning of the eight day my body signalised me enough is enough. After some beans in the dinner the night before I had a troubled nigth and decided to skip the day. So I jumped on the truck and rode to the next camp here in Gonder where we are now having a two days rest. Since arriving I’ve much recovered and ready to attack again on Monday, when we head for Bahir Dar.

That’s for now. Hope, everything is well. Hear from me again as soon as possible.

P.S.: For pictures please look at the german update „Acht Tage in der Hölle“. With the internet here is just to slow…