Monat: August 2018

Lieblingsorte: Thiershäuser Teiche

Im heimischen Revier zu radeln hat einen großen Vorteil: man kennt sich bestens aus und braucht meistens noch nicht einmal eine Karte, weil jede Kurve, jede Kreuzung, jeder Abzweig irgendwann mal gefahren wurde. Das gibt Raum für viel Kreativität und Spontanität. Häufig rolle ich daher zu einer Lust- und Trainingsrunde einfach los und entscheide unterwegs, wo ich langfahre.

Im heimischen Revier zu radeln hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: man kennt sich eben bestens aus, und weil jede Kurve, jede Kreuzung und jeder Abzweig irgendwann mal gefahren wurde hat es auch etwas langweiliges, weil die Überraschungen fehlen.

Doch dafür gibt es Lieblingsorte! Orte, die irgendetwas besonderes haben und zu denen man immer wieder gerne fährt. Ich will an dieser Stelle in lockerer Reihenfolge meine Lieblingsorte in Südniedersachsen vorstellen und auch ein paar Tipps zum Nachradeln geben.

Lieblingsort #1: Thiershäuser Teiche

Ruhe zu finden ist im südniedersächsischen Hügelland nicht so schwer. Sowohl Richtung Solling/Weserbergland als auch im Eichsfeld/Vorharz gibt es zahlreiche stressentschleunigte Orte, die auch eine ambitionierte Radeltour zum Vergnügen machen. Zu meinen persönlichen Highlights gehören die Thiershäuser Teiche zwischen Gillersheim und Renshausen, also am nördlichen Rand des Eichsfeld.

Wer die Tour von Göttingen aus macht kommt auf etwa 60 Kilometer, was ambitionierten Rennradlern möglicherweise nicht allzu viel Respekt einflösst. Doch Vorsicht, in Südniedersachsen geht es niemals flach zu, und da kommen auf 60 Kilometer schon mal 1.000 Höhenmeter zusammen.

Die Route führt über Bovenden nach Nörten-Hardenberg, wo man die alte B3 verlässt und auf ruhige Nebenstraßen abbiegt. Eckpunkte sind Bishausen, der Golfplatz Levershausen mit seiner langen Serpentinienanfahrt, Suterode, Wachenhausen sowie Gillersheim, wo man den Wegweisern nach Renshausen/Holzerode folgt.

Nach etwa drei welligen Kilometern erreicht man Thiershausen, ein winziger Weiler, der eigentlich nur aus einem Bauernhof und einer (derzeit leider aufgegebenen) Gaststätte besteht. Und einer wunderbaren Teichlandschaft, an der zu jeder Tagseszeit tiefenentspannte Angler hocken und ihr Glück versuchen. Es ist eine Oase der Ruhe in der Ruhe. Als würde der Teich alle Geräusche schlucken, stellt sich in mir jedesmal tiefer Frieden ein – selbst wenn ich „nur“ vorbeipedaliere. Oft genug halte ich aber auch an und hocke mich auf einen der hölzernen Stege, die leicht erreichbar sind, und genieße die malerische Lage und die tiefe Ruhe.

Auf den ersten Blick sieht man nur einen Teich, doch wer genau hinschaut erkennt, dass der Plural in „Thiershäuser Teiche“ durchaus gerechtfertigt ist. Denn insgesamt sind es knapp 30 unterschiedlich große Teiche, die zusammen ein Naturschutzgebiet bilden. Dass der Ort seine Aura ausbilden kann, liegt sicher auch daran, dass er kein normales touristisches Ziel ist. Hier gibt es keine Ablenkung von der Natur und ihren Reizen, und selbst die Gastwirtschaft sieht nicht so aus, als würde sie demnächst wieder in Betrieb gehen. Berufshektiker dürften hier schnell nervös werden ob des nicht vorhandenen Ablenkungsangebots.

Ein wunderbarer Sonntagsausflug mit der Familie, der sich aber auch prima in eine flotte Feierabendrunde nach stressigem Arbeitstag einbinden lässt.

Zurück nach Göttingen geht es dann über Renshausen und Holzerode auf die B446 bis nach Reyerhausen, wo der kleine Hüpfer über den Plesseberg ansteht. Wer da keinen Bock mehr drauf hat kann den „Chicken Run“ nehmen, der fast flach auf allerdings etwas kaputter Oberfläche verläuft. Dazu auf die Plessestraße beim ersten Feldweg (an der Baubrache) rechts rein. Nach etwa 500 Metern links und immer geradeaus bis nach Eddigehausen.

Bon voyage!

Route

– Von Göttingen auf der alten B3 nach Nörten-Hardenberg. Im Ortszentrum rechts Richtung Sudershausen/Holzerode.

– Nach etwa zwei Kilometern in Bishausen links Richtung Bühle und dann weiter Richtung Sudheim.

– An der Kreuzung kurz vor Sudheim rechts Richtung Golfplatz Levershausen/Gillersheim und etwa drei Kilometer bergauf (Spitzenwerte: 8 Prozent) zum Golfplatz Levershausen

Anstieg aus dem Leinetal zum Golfplatz Levershausen

– Am Golfplatz vorbei hinunter nach Suterode. Dort der zweiten Abzweigung rechts nach Wachenhausen folgen (kein Straßenwegweiser, lediglich Radwegweiser).

– In Wachenhausen bis zur T-Kreuzung in der Ortsmitte, dort rechts und an der nächsten Kreuzung rechts Richtung Gillersheim.

– Langer und in Teilen steiler Anstieg auf den Steinberg mit anschließender rasanter Abfahrt (10 Prozent Gefälle) nach Gillersheim.

– In Gillersheim links Richtung Lindau und kurz darauf rechts Richtung Holzerode/Renshausen.

– Nach ca. drei Kilometern Ankunft in Thiershausen und damit an den Teichen.

– Zur Weiterfahrt nach Göttingen zunächst nach Renshausen, dort rechts nach Holzerode (kurze steile Rampe im Ortszentrum!).

– Holzerode durchfahren bis zur B446, rechts nach Nörten-Hardenberg.

– Durch Billingshausen und Reyershausen bis zum Abzweig (links) nach Bovenden/Eddigehausen und über den Plesseberg nach Eddigehausen bzw. Bovenden. Wer den Berg nicht will: Am Ortsausgang Reyershausen rechts in den bedingt rennradtauglichen Feldweg.

– Über Bovenden und Weende auf der alten B3 zurück nach Göttingen.

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