Rolling hills…

rolling hills...

im aufstieg zur blue nile gorge. noch 2 km bis zum gipfel

Guten Tag, mein Name ist Money und ich bin eine radelnde Geldspuckmaschine. So kam ich mir zumindest in den letzten Tagen vor, denn seit Addis Ababa haben die „you, you“-Rufe nahezu aufgehört und sind durch „money, money“-Rufe abgelöst worden.

Für uns Radler ist das ein konstantes Wechselbad der Gefühle, denn wenn man über 100 Kilometer nahezu jeden Menschen, der einem begegnet (und in Äthiopien begegnen einem VIELE Menschen…) „money, money“ rufen hört und dabei ausgestreckte Hände sieht, geht einem das irgendwann auf die Nerven.

Und auf die Nieren, denn hinter all dem steht ja auch immer noch die Frage, wie es den Menschen hier eigentlich wirklich geht…

die abfahert der gorge. gegenueber kann man den aufstieg erkennen

Für mich waren die letzten Tage die zugleich schönsten wie auch traurigsten Tagen auf meinem bisherigen Tour-Abenteuer.

Gestern beispielsweise stand eine 116 Kilometer-Etappe an, die mit einem langen Anstieg (17 Kilometer) begann, der einfach phantastisch war. Das lag einerseits an einer wirklich schönen Strecke, die fordernd aber nicht überfordernd war, andererseits aber auch daran, dass wir just zu jenem Zeitpunkt auf der Straße waren, als die Kinder auf dem Weg in die Schule waren. Die Straßen zu beiden Seiten waren gesäumt mit begeisterten Kindern und Jugendlichen, die uns nach Kräften anfeuerten und großen Spaß hatten, uns so leiden zu sehen. Bisweilen fühlte ich mich wie bei der Tour de France, wenn es den Alpe d’Huez hinaufgeht und die Gasse für die Fahrer immer enger wird.

heissgeliebte coke (oder macciato-) stopps

Aber auch wir hatten unseren Spaß. Während ich mich durch diese wogende Masse den Berg hinaufschraubte, probierte ich sämtliche mir vorliegenden Fremdsprachkenntnisse aus und konnte feststellen, dass es ziemlich egal ist, ob man nun auf Englisch, Deutsch, Amharisch, Tschechisch, Französisch, Kisuaheli oder Niederländisch kommuniziert – die Antwort ist immer dieselbe: nämlich großer Jubel und Gelächter.

Die Kids liebten es, egal, ob ich mit einem „Guten Morgen, alle miteinander“ an ihnen vorbei fuhr, ihnen ein „Salut, tous le monde“ zurief oder landestypisch mit „Salam“ grüßte. Hauptsache, ich rief etwas und winkte dabei fröhlich.

Großen Erfolg hatte ich auch mit einer La-Ola-Welle, die ich in einem Dorf ausprobierte und die versammelte Zuschauerschaft damit in lautstarke Begeisterung versetzte. Es war einfach phantastisch, was aber auch daran lag, dass die Kids wirklich mit fröhlicher

auf dem dah der tour - 3211 meter, alle hochgeradelt. uff!

Begeisterung bei der Sache waren und nur selten mal ein „money, money“ zu hören waren.

Die vier Radel-Tage seit Addis Ababa waren aus meiner persönlichen Sicht die bislang besten seit dem Start in Kairo. Die Landschaft war grandios, die Anstiege teilweise wunderschön zu fahren und die Abfahrten rasant. Gesundheitlich bin ich derzeit in jeglicher Hinsicht auf dem Damm, und dass die Kraft da ist, konnte ich vor allem an den Anstiegen spüren.

Entsprechend früh kam ich jeden Tag im Camp an, obwohl ich mir nach dem Lunch stets noch eine ausgedehnte Pause in einem dieser phantastischen Macchiato-Lokale gegönnt und das Leben genossen hatte.

Die Strecke bestand vor allem aus den schon mal erwähnten „rolling hills“, die südlich von Addis Ababa allerdings nicht mehr ganz so unbarmherzig wie im Norden sind. Mental sind sie trotzdem herausfordernd, denn meistens sieht man während der Abfahrt schon den gleich beginnenden Anstieg und „freut“ sich auf die dann einsetzende Bremswirkung. Insgesamt sind wir in den vier Tagen erneut auf rund 6.000 Höhenmeter gekommen, obwohl wir bis auf 1.500 Meter hinabgestiegen sind.

unsere konkurrenz auf der strasse ist gross, laut und stinkt

Der Straßenbelag hat sich leider etwas zum Negativen verändert. Rau, von dicken Löchern durchsetzt und häufig mit Rollsplitt belegt. Zudem gab es regelmäßig ein paar off-road-Abschnitte, die von Staub und Steinen geprägt waren.

Auf der heutigen letzten Etappe nach Arba Minch (116 km) kurbelten wir sogar weitestgehend auf teilweise übelster off-road-Piste, die schlimme Erinnerungen an den Sudan weckten. Zudem zeigte sich die Jugend in einigen Dörfern etwas arg aggressiv und empfing uns schon am Ortseingang mit Steinen und Stöckern. Äthiopien ist und bleibt ein Land, in dem man ständig zwischen „ich liebe es“ und „ich hasse es“ schwankt.

Der Ruhetag in Arba Minch ist der letzte in Äthiopien und zugleich die letzte Chance, sich auf sieben aufeinanderfolgende Radeltage vorzubereiten, von denen die meisten wohl off-road sein werden. Mit dem Grenzübertritt nach Kenia werden wir dann „endlich“ auch auf die berühmt-berüchtigte Lavapiste treffen, über deren Horror schon seit Kairo wilde Gerüchte durch das Lager geistern.

Immerhin soll das Internet in Kenia im Vergleich zu Äthiopien ein Traum sein, so dass ich wohl auch endlich mal wieder Bilder posten kann – hier geht das bei Spitzengeschwindigkeiten von 1 Bit pro Minute schlicht und einfach nicht.

das ethiopisch-deutsche hotel, von dem ich schrieb

Zum Schluss noch etwas trauriges. Gestern musste ein niederländischer Fahrer (Henry) nach Hause fliegen, weil er sich bei einem Zusammenprall mit einem Mädchen am Ellenbogen verletzt hatte und die Wunde trotz eines zweitägigen Krankenhausaufenthaltes in Addis Ababa nicht heilen wollte.

Das zeigte einmal mehr, wie knapp der Grat ist, auf dem wir hier wandeln. Henry hofft, in den Niederlanden zu regenerieren und in drei Wochen zurückzukommen. Ich drück Dir die Daumen, Henry!

Ich hingegen konnte von Glück reden, denn gestern hätte es um ein Haar mich erwischt – und zwar verdammt knapp. Ich war ungefähr mit 50 km/h abwärts unterwegs, als ich in ein Dorf kam, an dessen Ausgang ein Seil über die Straße gespannt war – die dienen hier häufig als Begrenzung für Kontrollposten. Als ich das Seil sah, war es längst zu spät, um noch zu bremsen, doch gottseidank hatte der Wachposten aufgepasst und senkte das Seil wenige Sekunden vor meiner Ankunft rasch ab – ich hatte mich schon durch die Luft fliegen sehen. Danach musste ich erstmal anhalten und mein wild pochendes Herz beruhigen. Was passiert wäre, hätte der Posten das Seil nicht mehr rechtzeitig auf die Erde bekommen, mag ich mir wahrlich nicht ausmalen.

Soviel für den Moment von Euerm „hardy cyclist“

ENGLISH UPDATE

Sorry, your guys, again no proper english update. just a shortage of time. I am fine, cycling as good (and fast)as never before and feeling well in general. Ethiopia is a fascinating country that you either hate or love – most of the time both, and that is on the same day. Try to write a bit more neext week and update you properly. We have seven days of cycling coming up. Only two are paved, five are off-road. So, that means suffering again.

Big hugs to all of you, going to have some ethiopian cake now on you

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Ein Kommentar

  1. Hardy go go go!! Ich bin jeden tag mindestens einmal auf deiner seite (via rss), um zu sehen, was es neues gibt. Schon das bild mit der eingezeichneten route der Tour d’Afrique erzeugt bei mir derart einen inneren drive, dass ich fast auf der stelle losfahren möchte. Mindblowing! Aber du schreibst auch sehr gut, ohne viel füllwörter und ohne floskeln. SUPER!

    Bernhard

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