Monat: Mai 2011

Und nun nochmal richtig: Heimkommen!

Liebe Leute
 
Jede Reise geht einmal zu Ende – und mag sie auch noch so lang sein. Der Traum Afrika ist gelebt, und selbst meinen ersten Ausflug über hiesige Straßen habe ich bereits hinter mir.
 
Doch zuvor heißt es, offiziell „heimzukommen“ – und wo könnte ich dies besser tun, als an der Benzstraße?
 
Am kommenden Freitag (27. Mai) werde ich um 18.30 Uhr standesgemäß auf meinem Crosser, der mich so tapfer 12.000 Kilometer lang über Stock und Stein, durch Sand und Wasser getragen hat, auf dem RSV-05-Sportplatz einfahren und mich offiziell „zurückmelden“. Nix dramatisches, nix pompöses. Einfach ein „hallo, da bin wieder“ 😉
 
Ab 19 Uhr gibt es dann ein 90minütiges schwarz-gelb-grünes Unterhaltungsprogramm, das hoffentlich zu einem Feuerwerk wird.
 
Wer Lust hat auf beides, der sei herzlich willkommen!
 
Euer hardy cyclist
  
P.S.: Ich habe mich inzwischen entschlossen, diesen Blog einfach online zu lassen, da demnächst sicher das eine oder andere Bike-Abenteuer für mich anstehen wird. Ein sehr konkretes habe ich schon im Kopf – dauert diesmal allerdings nur knapp zehn Tage und spielt sich in den Alpen ab.
 
P.P.S.: Alpen = Frankreich = Tour de France. Wer da dieses Jahr hin will und noch was zur Orientierung braucht, dem möchte ich den frisch erschienenen Reiseführer von Bürte Hoppe (ja ja…) ans Herz legen. Super Teil, und das sage ich, obwohl ich natürlich total beeinflusst bin 😉
 
Hier der Link zum Buch:
Advertisements

Später Etappensieg!

Na, das ist ja eine schöne Überraschung!

Ganz zum Schluss habe ich mir dann doch noch einen Etappensieg eingefahren! Nachträglich sozusagen. Und auch keinen richtigen, das will ich gleich zugeben. Die 94. und letzte Etappe von Yzerfontein nach Cape Town war ja neutralisiert. Will heißen: wir bekamen alle 5 Stunden Fahrtzeit angerechnet. Aus irgendeinem mir völlig unerfindlichen Grund werde ich nun aber in der offiziellen Wertung als Erster geführt und könnte mich damit theoretisch als Etappensieger fühlen.

Ja, und das mache ich dann einfach auch mal. 😉

Rank Flag Plate Name Time
1 Flag_germany #121 Hardy Grüne 5:00.00
2 Flag_denmark #119 Kim Frandsen 5:00.00
3 Flag_germany #123 Jörg Hartmann 5:00.00
4 Flag_dutch #155 Peter Van As 5:00.00
5 Flag_canada #114 Tori Fahey 5:00.00
6 Flag_usa #122 Shan Guo 5:00.00
7 Flag_canada #135 Steven Murchison 5:00.00
8 Flag_britain #150 Paul Spencer 5:00.00
9 Flag_newzealand #112 Mary Broome 5:00.00
10 Flag_denmark #108 Kim Lindberg Christensen 5:00.00
11 Flag_britain #111 Ruth Dobson 5:00.00
12 Flag_germany #126 Dennis Kipphardt 5:00.00
13 Flag_britain #151 Francis Staunton 5:00.00
14 Flag_canada #104 Jean Bernier 5:00.00
15 Flag_newzealand #120 Lindsay Gault 5:00.00
16 Flag_australia #136 Luke Naish 5:00.00
17 Flag_safrica #141 Ryan Paetzold 5:00.00
18 Flag_usa #110 Scott DeMoss 5:00.00
19 Flag_canada #164 Paul Wolfe 5:00.00
20 Flag_britain #152 Adam Stickler 5:00.00
21 Flag_australia #160 Terry Wall 5:00.00

Home is where the heart is

finally reunited!

Die Heimat hat mich wieder. Nach einem problemlosen und dank eines sympatischen italienischen Macho-Nachbarn durchaus unterhaltsamen Rückflug gabelte mich Frau Hoppe erfolgreich am Frankfurter Flughafen auf. Es folgte ein längerer Irr- und Wirrgang durch den halben  Frankfurter Flughafen zu unserer kleinen Lupine, in der der gewaltige Bike-Kartons mit einigen Mühen schließlich komplett verschwand.

Daheim wartete die nächste Überraschung auf mich, als Philipp, Heino, Lorenz, Matthias und Axel auf unserem Hof saßen und mir einen launigen Empfang bereiteten. Danke, liebe Leute, das war echt schön!

schwarz-gelb-grüne Empfangsbrigade!

und ab gehts

Und, was glaubt ihr, was habe ich getan, nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte? Na klaro – ich kletterte aufs Bike! Mit meinem Flitzer drehte ich eine allerdings nur kleine Runde, da sich einerseits am Horizont ein Gewitter ankündigte und ich andererseits dann doch so eine gewisse Müdigkeit nicht abstreiten konnte.

Vorsicht Suchtgefahr!

ich will da raus!!!!

Ja, ja, ich geb’s ja schon zu: ich vermisse das tägliche Radeln. So sehr, dass ich schon am Dienstagmorgen das Internet hoch- und runtersurfte und mich fragte, was als nächstes drankommt. Die Anden? Die Silk-Route? Oder Paris-Dakar, wenn das mal wieder stattfindet? Dieses kleine Radabenteuer hat mich offensichtlich süchtig gemacht. Und großmäulig. Aber wer einen Kontinent wie Afrika auf dem Rad durchquert hat, der darf doch wohl mal eine dicke Lippe riskieren, oder? Und nach dem Motto „think big“ handeln. Also, mein Favorit ist eindeutig die Silk Route, die von Paris nach Peking geht und diese ganzen ehemaligen Sowjetrepubliken im Kaukasus durchquert.

bild stammt nicht von mir und auch nicht aus afrika. warum es dann hier auftaucht? keine ahnung... NUR DER RSV

Vorher fliege ich aber erst mal nach Hause und versuche mich an der Re-Organisation meines Alltags. Das dürfte kompliziert genug sein, und ich hoffe, dass mir ein netter Frühsommer dabei helfen wird. Mein offizielles „welcome home“ werde ich übrigens am Freitag, den 27. Mai feiern – natürlich an der Benzstraße (schließlich bin ich ja Mitglied der RSV-05-Radsportabteilung). Wer mich also wiedersehen möchte und zugleich ein klein bisschen Lust auf eine mitreißende Fußballequipe in Schwarz, Gelb und Grün hat, der kann sich ab 18.30 Uhr auf dem RSV-05-Platz an der Benzstraße in Geismar/Treuenhagen einfinden (Anstoß ist 19 Uhr). Ich werde natürlich standesgemäß anreisen – auf meinem Focus Mares, das so klaglos die 12.000 Kilometer über Stock und Stein überstanden hat.

mit wolfgang am cape of good hop(p)e

A propos 05. Die Welt ist ein Dorf. Das ist allgemein bekannt. Und auf jedem Dorf kennt man den ruhmreichen Klub Göttingen 05. Das wissen längst nicht alle, sollten aber alle wissen. Selbst in Kapstadt haben die Schwarz-Gelb-Grünen einen glühenden Fan. Wolfgang nämlich, der seit 25 Jahren hier lebt und in den 1970ern regelmäßiger Besucher der Spiele im Maschpark war. Wolfgang hatte meines Blog verfolgt und mir gestern einen wunderbaren Sightseeingtag am Cape of Good Hope verschafft. Nebenbei schwelgten wir ein wenig von alten Zeiten, von Rolf Husmann und Walter Plaggemeyer, von Helmut Hinberg und Frank-Michael Schonert. Und planen nun für seinen nächsten Besuch in der alten Heimat einen gemeinsamen Ausflug an die Benzstraße. Oder vielleicht in den Maschpark?

gefunden in einem phantastischen cd-laden in der longstreet. so true, so true

Ansonsten hat Cape Town seine Wirkung auf mich allmählich entfaltet. Anfangs habe ich mich noch ein wenig gewehrt, weil mir die Stadt nach vier Monaten in der afrikanischen Pampa viel zu groß, laut und hektisch erschien, doch alles ich am Dienstagabend auf der Suche nach einer netten Kneipe über die Straßen marschierte, da konnte ich den Vibe erstmals deutlich spüren. Multikulturell, relaxed und spannend, dazu eine sensationelle Kulisse mit dem Tafelberg auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite – allmählich kann ich verstehen, warum der „Lonely Planet“ warnt: „diese Stadt kann süchtig machen“.

habe am ende tatsächlich noch eine plakette mit meiner beeindruckenden gesamtzeit von 573 Stunden und 23 Minuten bekommen.

Über Sucht hatte ich ja weiter oben schon mal geschrieben. Es ist wirklich so, dass ich die tägliche Radelerfahrung irgendwie vermisse. Diese ständige körperliche Anstrengung, die Routine, jeden Tag etwas Neues sehen und sich auf der Landkarte wieder ein paar Zentimeter vorwärts bewegt zu haben, das sind Dinge, die mir fehlen. Als wir gestern runter zum Cape of Good Hope gefahren sind, da wäre ich am liebsten aus dem Auto gesprungen und hätte dies herrliche Piste mit ihren vielen schönen Wellen auf zwei Rädern bewältigt. Im Januar habe ich mich noch gefragt, ob man wohl nach vier Monaten Dauerradelei sein Rad einfach nicht mehr sehen kann und es den ganzen Sommer über im Keller versteckt, oder ob die Lust noch da sein wird. Nun habe ich die Antwort. Ich kann’s auf jeden Fall kaum abwarten, wieder in den Sattel zu steigen und Gas zu geben. Und dann wartet da in der Heimat ja auch noch die durchaus spannende Erfahrung, nach vier Monaten mit der Kompaktschaltung wieder auf einem Dreifachblatt zu fahren, wie es auf meinem Renner montiert ist. Vermutlich werde ich mit der vielen Schalterei gar nicht mehr zurecht kommen und ständig nach dem richtigen Gang suchen…

 So, zum Schluss möchte ich noch zu einer kleinen Arie der Danksagung ansetzen. An Volker und Sauer für einen phantastischen Ergebnis- und Informationsdienst, der nicht nur mich, sondern auch viele meiner Blogbesucher beeindruckt hat. Glücklich ist, wer solche Freunde hat! An Hardy für sein intensives Teilen der Tourgefühle. Irgendwie bist Du auch diesmal wieder mitgefahren! An alle, die meinen Blog verfolgt haben (wenn ich mir die täglichen Zugriffszahlen angucke, wird mir schwindelig!), und an alle, die in den Tagen seit unserer Ankunft in Kapstadt so nette und aufbauende Grüße hinterlassen bzw. Mails geschrieben haben. Es freut mich, dass ich Euch offensichtlich „gut“ unterhalten habe. A pleasure! Etwas Sorgen hat mir allerdings die Nachricht bereitet, dass meine fehlergespickten englischen Ergüsse Schülern zur Erweiterung (Erheiterung?) ihrer Sprachkenntnisse vorgelegt wurden. Liebe Frau Kipphardt: ich fühle mich geehrt und schäme mich zugleich für all die peinliche mistakes oder wenn ich mal wieder „live“ und „life“ verwechselt habe…

the taste of tda

Auf der Tour gab es ein paar Nasen, die mochte ich lieber, als andere Nasen. So ist das nun mal in größeren Gruppen. Horst zum Beispiel war mir ein wichtiger Gesprächspartner, mit dem ich auch wunderbar „gossip“ teilen konnte. Und, lieber Horst, danke für Deine hilfreichen Arschtritte hier und dort! Mit Shan Guo lieferte ich mir ein episches Dreieinhalbmonatsduell um Platz 14, das ich witzigerweise schließlich als 13. beendete. Und doch sind wir die wahren Könige des Mittelfeldes! Mit Aman und Martin habe ich so viel lachen können, dass mir der Bauch manchmal schmerzte. Martin weihte mich zudem in die Geheimnisse der bike mechanic ein. Asante Sana, Rafiki!

Und dann waren da noch zwei, ohne die ich diese Tour vermutlich nie überstanden hätte: Wolf Maahn, der mir vor allem in Äthiopien buchstäblich den Arsch rettete und mich mit seiner fantastischen Combo nach vielen Tagen des Kotzens und Scheißens (excuse my language) mental wieder aufrichtete. Und Johnny Cash … ja, was soll ich zu Johnny Cash noch sagen? You are the greatest. Walk the line!

Mein letzter Gruß geht nicht zurück, sondern nach vorne. Lass uns ein Wunder sein!

ENGLISH

It’s over. I’m already longing to get back on my bike and have been searching the internet for the next experience. The Andes? The Silk-Route? Paris-Dakar? Well, first of all I’ll fly home and try to settle back in “normal life”. Will be difficult enough…

After enjoying a couple of splendid days here in faboulous Cape Town I’m ready to head home. But I would like to thanks a couple of guys for there support in the last months. First of all Volker and Sauer for a superb information and resulat service. Thanks to you guys I always knew what was going on in places like Benzstraße, Roudourou and Horfield. Really appreciated that. Happy, who has friends like you. My name-brother Hardy followed me as if he would pedal right next to me all the time. See you in Ulm! And a warm thank you to all of you who left comments or send e-mails. I’m very happy to learn that I entertained you well with this blog. It’s been a pleasure! However, I was a little worried when I learned that the English bits of this blog were given to German pupils to improve their knowledge of the English language. I’m delighted, but at the same time I’m embarrased about all the mistakes I made. And that I never will learn the differences between “live” and “life”. Take care guys, and never forget to enjoy life. It’s the only one you got!

At the Tour d’Afrique there were a couple of guys I liked more than other. That’s the way it is with big groups. I would like to say thank you to Horst, which whom I shared a lot of common thoughts and which whom I could gossip so well. And cheers for all the support on “special” days. Shan Guo and me competed for almost three and a half month for place 14 in the race. Funnily enough, I ended up 13th in the end. But, my dear Shan: we’ll always be the kings of the midfield! With Aman und Martin I could laugh so much that I almost had to cry. You are a funny bunch of guys and it was an honour to cycle with you. And next time, my dear brother, we DO swop passports! To Martin another warm thank you as he teached me very well in the mysteries of bike mechanics. You are a wizzard! Asante Sana, Rafiki.

Last but not least there are two more guys I wouldn’t have survived the Tour without. Wolf Maahn, who literally saved my arse in Ethiopia, when I was shitting and vomitting for days (excuse my language) and his faboulous music mentally brought me back to life. And Johnny Cash. What can I say about Johnny Cash? You are the greatest! Walk the line.

There is one more person, although with her I wouldn’t like to look back but forward: Let’s be a miracle!

Finale, oho!

noch fragen?

Wow, was für ein Finale! Als wir uns gestern morgen so gegen 10 Uhr etwa 30 Kilometer nördlich von Cape Town ein letztes Mal beim Lunchtruck einfanden, standen da nicht nur Köstlichkeiten zur Auswahl, von denen wir vier Monate lang nur geträumt hatten (leckerer Käse, Cräcker, Süßigkeiten und sogar Wein!), sondern es sammelte sich zudem eine wachsende Zahl südafrikanischer Bikeenthusiasten an, die uns auf unseren letzten Kilometern von Kairo nach Kapstadt begleiten wollten. Am Ende war unser Radlerkonvoi sicher 500 Köpfe stark und anderthalb Kilometer lang, und ich muss zugeben, es war ein phantastisches Gefühl, diese Heerschar von Radler anzuführen und nach Kapstadt zu bringen. Wir TdA-Radler hatten nämlich die Ehre, vorne wegzufahren und den wahrlich nicht sparsamen Beifall der Menschen links und rechts der Strecke einzuheimsen. Im Stadtzentrum von Kapstadt stieß dann noch eine weitere größere Gruppe Biker und Skater zu uns, mit deren Hilfe es uns schließlich vollends gelang, den Innenstadtverkehr lahmzulegen, während wir uns langsam in Richtung Waterfront/Stadion vortasteten.

noch einmal, weil es so schön ist, aber mit einer winzigen detailändeung. NUR DER RSV!

Es war irre, es war emotional und es war einfach ergreifend schön. So schön, dass sogar der seit drei Tagen gritzegraue Himmel kurzerhand aufriss und sich die Sonne just in jenem Moment zeigen konnte, als wir nach 11.900 Kilometern endlich die Ziellinie überquerten. Danach gab es nur noch eins: die Räder an Ort und Stelle fallen lassen und uns gegenseitig heulend in die Arme zu fallen. Wir waren alle einfach nur Stolz wie Oskar!

Nach einer kleinen Stärkung in Form von hopfigen Getränken standen die Ehrungen an, die sich erwartungsgemäß etwas in die Länge zogen. Wie immer bei solchen Gelegenheiten nutzte ein Handvoll Politiker die Gelegenheit, für sich Werbung zu machen, doch das interessierte uns letztendlich nicht sonderlich. Aufgeregt schnatterten wir auf der Tribüne miteinander, klopften uns gegenseitig auf die Schultern und schossen Foto auf Foto, während wir unsere nagelneuen Tour d’Afrique-Jerseys bewunderten, die wir am Vorabend überreicht bekommen hatten. Für jeden Komplettfahrer (also Kairo-Kapstadt) gab es eine schicke Medaille, die 16 verbliebenen EFI wurden abgefeiert und die Sieger der Gesamtwertung geehrt. Der Höhepunkt der ganzen Sache war aus meiner Sicht, als unsere beiden Äthiopier Amand und Rebekka ihre Teilnehmermedaillen erhielten und plötzlich der gesamte Tross zu einem „you, you“-Chor ansetzte – Äthiopien und seine bisweilen etwas forschen Kinder zählt für alle gleichzeitig zu den Höhe- wie Tiefpunkten der gesamten Reise. Dieser Moment spiegelte für mich den enormen Gruppengeist wider, den wir unterwegs entwickelt haben.

...

Nach Ende der offiziellen Veranstaltung mussten wir tatsächlich noch mal auf unsere Räder steigen und die knapp 800 Meter bis zu unserem Hotel abspulen. Bei dem einen oder anderen schien dabei freilich die Fahrtüchtigkeit schon etwas in Frage gestellt gewesen zu sein. Wir hatten dennoch alle heile und unversehrt das Hotel erreicht, als das Malheur passierte: Paul Wolfe, überlegener Gewinner der Tour d’Afrique 2011 und ein großartiger Sportsmann, stürzte von der zum LKW führenden Treppe und brach sich dabei den rechten Fuß. Es war bereits der zweite Unfall des Tages, nachdem die Neuseeländerin Lynda während des Konvois gestürzt war und sich einen Beckenknochen gebrochen hatte. Die beiden Unfälle waren natürlich ein gewisser Stimmungskiller, denn während Lynda zumindest zu unserer abendlichen Dinnerparty humpeln konnte, wurde Paul ins Krankenhaus kutschiert, wo er wohl einige Tage bleiben muss. Gute Besserung, Mr. Terminator!

Mit einem dennoch launigen Abend, bei dem wir alle unsere normale Schlafenszeit von „spätestens“ 20 Uhr um ein Vielfaches überschritten und mehr Alkohol floss, als in den letzten vier Monaten zusammen, endete die Tour d’Afrique 2011 schließlich. Wir bekamen alle noch „spezial“-Preise vom Personal für „besondere“ charakterliche Eigenschaften während der Tour (ich durfte den Titel des „rasenden Reporters“ einstecken), ehe Tourleiterin Sharita die magischen Worte „Good bye“ aussprach und uns ein erfolgreiches „back to normal life“ wünschte.

die deutsche tda-delegation

Das mag in der Tat nicht so einfach sein, denn mein Leben war in den abgelaufenen vier Monaten irgendwie verdammt übersichtlich. Wer wird nun mir Montag sagen, wie viele Kilometer und wohin ich fahren muss? Wer wird mir mein Frühstück, mein Mittagessen und mein Abendessen zubereiten? Wo soll ich mein Zelt aufbauen? Und worüber kann ich reden, außer der heutigen Etappe und dem, was morgen auf uns zukommen wird. Im Klartext: Cape Town ist das Ende eines Abenteuers, dessen Dimensionen ich bislang noch nicht einmal im Ansatz begriffen habe. Vier Monate lang habe ich fast jeden Tag mein Zelt erst ab- und dann wieder aufgebaut. Vier Monate lang habe ich fast jede Nacht an einem anderen Ort verbracht. Die Tour d’Afrique ist ja nicht nur eben mal locker 12.000 Kilometer runterpedalen und dabei zehn Länder durchqueren. Nahezu alles an diesem Trip ist Abenteuer. Wenn ich beispielsweise auf mein Gepäck blicke, das gerade neben meinem Hotelbett liegt, dann frage ich mich, wie ging das? In den letzten vier Monaten standen mir exakt drei T-Shirt, zwei Sonnentopps, zwei Shorts, eine lange Hose, drei Unterhosen und fünf Paar Socken zur Verfügung. Doch es ging! Wobei sämtliche Kleidungsstücke heute entsorgt und durch Neuerwerbungen ersetzt werden, denn sehen kann ich diese trotz intensiver Wäsche versifften Klamotten schlicht und einfach nicht mehr…

...

Ich bleibe nun noch ein paar Tage in Kapstadt und will versuchen, das Abenteuer ein bisschen sacken zu lassen, ehe mich der Flieger wieder in die Heimat trägt. Der eine oder andere Artikel muss noch geschrieben werden, und ich werde sicher auch hier im Blog noch mal ein paar Worte und  Gedanken über die letzten Wochen und Monate verlieren.

Nun aber noch ein paar Zeilen über die letzte Woche, die für mich persönlich ein sportliches Highlight der gesamten Tour brachte. Ich hatte ja schon in Namibia das Gefühl, dass ich irgendwie immer stärker, schneller und konstanter werde. Als wir dann am Montag die südafrikanische Grenze überquerten und in ein sehr welliges Terrain mit vielen Hügeln kamen (= mein Terrain), fühlte ich meinen Moment gekommen und beschloss, heute mal „ernsthaft“ zu racen. Das hieß: keine Fotopausen, keine Trödeleien und auch kein Lunch. Die Etappe begann mit einem über 40 Kilometer langen gleichmäßigen Anstieg, den ich wie ein junger Gott hochprügelte. Die Kraft floss nur so von meinen Beinen auf die Pedale, und im Nullkommanichts war ich auf dem Gipfel. Anschließend ging es mit einer nicht enden wollenden Reihe von rolling hills weiter, die mich auch nicht bremsen konnten, und als ich um kurz vor 12 nach 133 Kilometern im Lager eintraf, war vor mir erst ein weiterer Fahrer dort eingetroffen. Etappenzweiter – das war schon ein Ding, und ich war mächtig stolz drauf!

...

Am nächsten Tag standen 117 Kilometer im gleichfalls welligen Terrain ein. Diesmal kam ich morgens nicht ganz so gut in Schwung, da wir durch dichten und äußerst feuchten Nebel radeln mussten, was ich als sehr unangenehm empfand. Erst nach über 80 Kilometern lichtete sich der Nebel, und die Sonne kam raus. Zwischenzeitlich hatte ich am Lunch erfahren, dass lediglich zwei Fahrer vor mir seien, ich mir also erneut einen Podiumsplatz ergattern konnte. Einen der beiden holte ich kurz hinter der 100 Kilometer-Marke sogar noch ein und passierte ihn, den Zweiten aber kriegte ich nicht mehr: wieder Zweiter, und diesmal spürte ich neben Stolz durchaus auch ein kleines bisschen Ärger, denn da wäre mehr drin gewesen!

Es folgten drei Tage mit off-road-Passagen, die ich ordentlich absolvierte, ohne „vorne“ mitzuspielen. Freitag war dann der letzte Renntag, und ich ging davon aus, dass jeder Racer versuchen würde, diese Etappe zu gewinnen und es entsprechend hektisch werden würde. Da wollte ich nicht mitmachen, und so trödelte ich morgens ein bisschen, stoppte hier und da für Fotos, laberte gemütlich mit Horst und Ute und pedalte im Touristentempo. Als ich dann nach 75 Kilometern vom Lunch wegfuhr, fragte ich beiläufig, wer eigentlich schon durch ist und erfuhr, dass lediglich ein Fahrer vor mir war – der aber hatte durch meine üppige Lunchpause inzwischen fast gute dreiviertel Stunde Vorsprung. Verdammt, da hatte ich echt gepennt! Ich holte dann auf den letzten 70 Kilometern noch mal alles aus mir heraus. Es gab ein klitzekleines bisschen Hoffnung, denn bei dem Ausreißer handelte es sich um unseren „Pannenkönig“ Jean, der gerne mal mit einem Platten zu kämpfen hatte und vor dem ich sportlich im Falle eines Sprints keine Furcht gehabt hätte. Doch Jean blieb am Drücker und vor allem pannenfrei, weshalb es am Ende für mich nur zu Platz, ja, ihr ahnt es schon, 2 reichte. Komm mir jetzt aber bitte keiner auf die Idee, mich demnächst „Leverkusen“ zu nennen!

das letzte mal dreckig!

Dreimal Zweiter geworden zu sein und in der Endabrechnung vermutlich auf Platz 14 zu rangieren (habe noch keine offizielle Abschlusswertung gesehen) ist für mich ein phantastischer (sportlicher) Abschluss einer Tour, die mir auch als Radfahrer ungemein etwas gegeben hat. Ich habe so viel über Radfahren gelernt. Über im Windschatten fahren und belgischen Kreisverkehr, über effektive Zusammenarbeit im Peloton, über geschicktes off-road-Fahren, über ökonomische Kraftaufteilung auf langen Distanzen usw. Seit also gewiss, dass ich demnächst bei dem einen oder anderen Jedermann-Rennen zu finden sein werde.

Südafrika indes war für mich bislang eher eine Enttäuschung. Die Landschaft zwischen der namibischen Grenze und Kapstadt empfinde ich als langweilig (semi-arides Gelände, das ein bisschen wie die Lüneburger Heide aussieht), und der Autoverkehr ist so dicht und gruselig wie in Europa. So habe ich auf den 70 off-road-Kilometern am Mittwoch sicher mehr Autos gesehen, als in den ganzen acht off-road-Tagen in Namibia zusammengerechnet. Und in den letzten beiden Tagen radelten wir auf einem hektischen Highway, auf dem ein Auto nach dem anderen an uns vorbeijagte. Daran muss man sich nach so langer Zeit der „Ruhe“ erst einmal wieder gewöhnen. Die (wenigen) Orte, die wir passiert haben, machten auf mich einen traurigen, manchmal sogar depressiven Endruck. Sicher, hier ist grade Herbst, und der zeigt sich in diesem Jahr leider von seiner feuchten und kalten Seite (meist grauer Himmel, 14-18 Grad). Im Sommer mag das alles etwas bunter sein. Trotzdem. Wirklich schön waren lediglich die Küstenorte Strandfontein, Eland’s Bay und Yzerfontain, in denen wir die letzten drei Nächte auf herrlich gelegenen Campingplätzen verbrachten. Allerdings ist die Urlaubssaison hier vorbei, so dass auch diese Orte etwas tristes hatten. Vielleicht muss ich einfach noch einmal zu einer anderen Jahreszeit wiederkommen, um vom üblichen Südafrika-Fieber gepackt zu werden.

die könige des mittelfeldes! gemeinsam mit meinem lieben freund sam

Genug für den Moment. Es gäbe noch eine Menge mehr zu erzählen. Über unseren in dieser Woche schwer verunfallten Truck beispielsweise (keine Personenschäden), über meine Erlebnisse beim Pommes-kaufen in Springbok, die viele Gespräche und Erinnerungen im Camp in den letzten Tagen sowie dieses und jenes. Ein bisschen was werde ich in den nächsten Tagen noch an dieser Stelle erzählen, anderes aber lasse ich zunächst aus, denn ich will ja schließlich auch noch was in dem Buch über „meine Tour d’Afrique“ zu berichten haben, an das ich mich demnächst dann wohl mal machen werde und das irgendwann in der zweiten Jahreshälfte kommen wird.

In diesem Sinne, Euer hardy cyclist (nun im urlaub!)

P.S.: Stolzen Gruß an die schwarz-gelb-grüne Brigade. Super Ergebnis, und über 2.000 Zuschauer bei einem Sechstligaspiel – das kann nur der RSV 05! Can’t wait coming home to Benzstraße!

und mit meinem geliebten bruder amand!

Schwarz und Gelb sind unsre Farben

NUR DER RSV!

Kurzer Update aus Afrika: So langsam werde ich warm! Gestern standen 133 ziemlich wellige Kilometer mit 1.500 Höhenmeter auf dem Programm, heute waren es 117 ähnlich wellige Kilometer mit 1.150 Höhenmetern. Das ist exakt mein Terrain, und so habe ich noch mal richtig Gas geben können! Am Ende standen jeweils der zweite Platz und damit meine bislang besten Platzierungen auf der Tour d’Afrique