Monat: März 2011

Malawi ruft

chitimba beach - hier lässt es sich aushalten...

damit bin ich über malawis straßen geheizt

auf in land nummer 6

Mei o mei! Keine 24 Stunden in Malawi, und schon wieder hölle erlebt! Während ich hier in der Bar des paradiesischen Chitima Beach Camps hocke und ein kühles Bier vertilge, fallen die Ereignisse der letzten Stunden allmählich von mir ab.

Gestern morgen starteten wir frohen Mutes in Mbeya, um die gut 110 Kilometer bis zur malawischen Grenze abzuradeln und bereits das sechste Land auf unserer kleinen Afrikatournee zu erreichen. Mbeya schickte uns zum Abschied Tränen hinterher – die gesamte Nacht über hatte es mal wieder gegossen, und alles (alles!) war pitschenass. Immerhin blieb es zum morgendlichen Start trocken, und so konnten wir uns trockenen Fußes auf den Weg durch den auch im beschaulichen Mbeya turbulenten Montagmorgenverkehr machen.

Nach 12 Kilometern ging es dann rechts ab und da wartete die erste Prüfung des Tages auf uns: ein fetter Anstieg über 20 Kilometern und mit gut und gerne 600 Höhenmetern. Doch die Tage auf der

off-road-Piste in Tansania hatten uns gestählt, denn wir sausten fröhlich den bis zu 6 Prozent steilen Anstieg hinauf und genossen die phantastische Aussicht. Auf dem Gipfel hatten wir fast wieder die 2.400 Meter von vor zwei Tage erreicht und blickten abermals in eine Landschaft, die mich schwer an „Herr der Ringe“ erinnerte: grün, hügelig bis wellig und verwunschen schön.

Verwunschen schön war auch die Abfahrt, auf die der örtliche Verkehr mit fetten Warnschildern hingewiesen wurde und die uns Radler in atemberaubende Geschwindigkeitsräusche stürzte. Für gut zehn Kilometer tauchte auf meinem Tacho keine Zahl unter 50 km/h mehr auf, und einmal kratzte ich sogar an der 70er Marke. Wären die bösen Tempo-Blocker auf den Straßen in den Ortschaften nicht gewesen (das sind hier vier dicht aufeinanderfolgende kleine Bodenwellen, die böse wehtun, wenn man da zu schnell rübersaust), wäre die ganze Sache noch schöner gewesen. Viel zu schnell waren wir im Tal angekommen, wo die

beliebt-berüchtigten „rolling hills“ auf uns warteten. Und eine Landschaft, die sich komplett veränderte aber mindestens genauso zauberhaft war. Plötzlich waren überall Bananenbäume zu sehen, liefen die Menschen mit dicken Bananenstauden auf den Köpfen herum, gab es überall … Bananen zu kaufen. Wenn es nicht so platt klingen würde, würde ich glatt sagen, ich fühlte mich wie im Dschungel. Und zum Dschungel gehört natürlich auch eine gewisse Menge an Feuchtigkeit. Die kam schon bald in Form von … Regen. Und was für einer! Feinster Sprühregen, auf den man selbst in England neidisch werden würden, breitete sich in jeder Ritze meiner Kleidung aus und durchnässte mich bis auf die Haut. Immerhin war es, im Gegensatz zu den 2.400 Höhenmetern des Morgens, im Tal angenehm warm.

Die Grenze zu Tansania war noch nicht in Sichtweite, als die nächste Herausforderung auftauchte: tansanische Geldwechsler. Eine ganz besondere Spezies von Geschäftsleuten! Fünf Kilometer vor der Grenze standen plötzlich drei Herren aufgeregt winkend auf der Straße und forderten mich auf, anzuhalten. Ich dachte, es sei entweder ein Unfall passiert oder irgendwelche Offiziellen wollten mir einen Tipp geben – aber Pustekuchen: es waren Geldwechsler, die mir eine „Traumquote“ für meine US-Dollar boten. Mit dem freundlichen Hinweis, dass ich a) nicht interessiert und b) eigentlich nur radeln wollte, pedalte ich weiter, wobei einer der Herren prompt auf sein Fahrrad sprang und in einem wilden Tempo hinter mir herfegte – immer wieder auf seine „Traumquoe“ hinweisend! Nun hat so eine 10er Shimao 105-Schaltung allerdings ein paar Gänge, gegen die auch ein durchtrainierter Tansanier auf einem Rad mit starrer Nabe keine Chance hat, und so konnte ich dem Angebot entkommen. Bis zur eigentlichen Grenze, wo ich förmlich eingekeilt wurde von Geldwechseln, die auf absolut kein noch so freundliches (und auch unfreundliches) „no“ reagierten. Irgendwann hatte ich mich zeternd von der Meute befreit, meinen Ausreisestempel Tansanias im Passt (kwa heri Tanzania!) und war auf dem Weg nach Malawi, als die nächste Schicht Geldwechsler anrollte. Und ich hatte noch Glück, denn im Gegensatz zu zwei Backpackern, die der Meute zu Fuß ausgesetzt war, saß ich dem Rad und konnte Gas geben!

Der Übergang nach Malawi war gigantisch. Nie zuvor hatte ich einen freundlicheren Grenzbeamten. Geduldig fragte er, was wir so machen und war wirklich interessiert an unserem Abenteuer. Malawi verlangt keine Visagebühren, und als ich an seinem Bürospind die Aufkleber von S. Pauli und Arminia Bielefeld sah, musste ich natürlich auch den besten deutschen Fußballklub erwähnen, den er erstaunlicherweise allerdings nicht kannte (Jungs von der Benzstraße: macht zu mit dem Aufstieg, damit auch Malawi von der Großartigkeit des RSV 05 erfährt). Er lud mich sogar ein, ihm einen Aufkleber zu geben, den er dann neben die beiden gepappt hätte (Mike, warum hast Du mir nicht einen Satz Spukis mitgegeben)! Grinsend spazierte ich mit meinem Eineisevisa hinaus und betrat zum ersten Mal in meinem Leben malawischen Boden.

Und da begann Abenteuer Nummer 3. Plötzlich fühlte ich mich wie in Äthiopien. Aus den Büschen sprangen aufgeregte Kinder, riefen lauthals „hello, hello“ (ich weiß, das mit den Büschen klingt verdammt rassistisch, es war aber so!) und hielten mir ihre ausgestreckten Hände entgegen. Willkommen in der vielfältigen Wahrheit Afrikas! Malawi ist bitterarm. Malawi hat viel zu viele Kinder und viel zu wenige Erwachsene (eine der höchsten AIDS-Raten weltweit, die durchschnittliche Lebenserwartung eines Malawiers beträgt 43 Jahre). Und Malawi hat kaum Hoffnung. Die zehn Kilometer bis zum Camp waren ein einziges „hello, hello, money, money“-Bad in der Menge, was durch den mal wieder einsetzenden Regen ergänzt wurde.

Ich war etwas geschockt, denn obwohl ich wusste, dass Malawi ärmer als (das schon sehr arme) Tansania ist, war der Unterschied frappierend. Tansania wirkte so organisiert, so sauber, so hoffnungsvoll. Die Häuser waren in gutem Zustand, die Schulkinder trugen saubere Uniformen und die Menschen lachten viel und gerne. In Malawi? Die Häuser sehen schrecklich aus und haben statt eines stabilen

Blechdaches lediglich Strohdächer. Die Kinder laufen in Lumpen herum, und viele haben deutlich sichtbar Ernährungsprobleme. Ihre Rufe wirken bisweilen ziemlich aggressiv, und viele Erwachsene betrachteten uns mit etwas feindseligem Blick.

Mit dem Vorsatz, nach 10 Kilometer noch kein Urteil über Malawi fällen zu wollen, kam ich im Camp an, das … mir meinen Vorsatz leider erschwerte. Am nächsten Morgen beklagten viele Radler den Verlust von Rucksäcken, Jacken etc., und als Höhepunkt hatte sogar eine unserer faltbaren Toiletten über Nacht den Besitzer gewechselt.

Zumindest waren die Diebe nicht wasserscheu gewesen, denn es hatte die ganze Nacht durchgegossen und unser Camp in eine einzige

Matschlandschaft verwandelt. Als wir am nächsten Morgen (also heute) auf unsere Räder kletterten, sahen wir schon vor dem Start aus wie die Schweine. Und es goss weiter. „Soaking wet“ nennt man das auf Englisch, und das finde ich einen Ausdruck, für den es im Deutschen keine wirklich pasende Entsprechung gibt.

Bei Kilometer 10 begann dann meine persönliche Herausforderung 4: Ich war gerade dabei, Eric aus Norwegen zu überholen, als mein Hinterrad schlagartig platt war. Also: Links ranfahren und bei strömendem Regen fluchend den Reifen wechseln. Erst als ich schon fertig war, sah ich die ganze Bescherung: ein fetter Riss, der sich über die Laufbreite des Reifens zog und die Manteldecke total durchschlagen hatte (und ich fahre einen Durano plus, also den mit der „unplattbaren“

Kevlar-Schicht!). Das muss ein Stahlträger oder so etwas gewesen sein, über den ich da drübergerauscht war.

Natürlich waren sämtliche Trucks und TdA-Begleitfahrzeuge kurz zuvor an mir vorbeigefahren, so dass ich nur zwei Möglichkeiten hatte: Warten, bis der Sweeper kommt und ein Fahrzeug anfordert, um mich aufzuladen (eine Sache von Stunden, und es regnete noch immer in Strömen), oder einfach versuchen, mit dem Reifen weiterzufahren. Das tat ich dann, wobei ich mit dem mir höchsten möglichen Tempo unterwegs war und wie ein Pfeil über die regengetränkte „M1“ entlangpeitschte – immer darauf vorbereitet, dass mir das Hinterrad gleich um die Ohren fliegt. Tat es aber nicht, und nach 30 Kilometern war ich endlich in Karonga, wo unsere Trucks warteten. Glück für mich, denn weitere 100 Kilometer mit dem angeschlagenen Hinterteil hätte ich dann doch eher ungerne unternommen. Das malade Rad und ich kletterten also auf den Truck und ließen uns in den nächsten freien Tag hier im Paradies Chitimba Beach direkt am Malawi-See fahren, wo ich morgen die große Reifenoperation unternehmen werde.

Übermorgen geht es dann weiter, ehe nach vier Tagen in Lilongwe sogar zwei Pausentage anstehen. Gerüchten zufolge sollen wir in den vier Tagen aber eine Menge Höhenmeter ansammeln können. Truckdriver Steve meinte sogar, es gebe einen Anstieg, bei dem die Abfahrt so steil wäre, dass er in seinem Truck regelmäßig von Radlern übergolt werden würde. Hört sich nach Fun an!

Ihr hört von mir. Euer hardy cyclist

ENGLISH in just 24 hours quite a lot of things can happen! A brillant journey through a beautiful landscape brought us from Mbeya to the malawian border which we crossed last night. So its already the sixth country we have entered – only four to go! Despite the rain and a long climb we enjoyed the beauty of southern Tanzania once again. Lots of banana trees, a green and hilly landscape – really worthwhile another visit. Malawi proved to be different. It’s one of the poorest countrys in the world, and we could see, feel and hear that. Kids are everywhere (caused by AIDS and just 42 years of average life expectation) and asking for money. Quite a few things got lost at our camp during the night, and in comparision to Tanzania everything is much poorer and seems to be much more hopeless as well. Today we had rain for most of the day while I entertained myself with a huge flat after just 10 km on the road. Something very big destroyed even my outer tyre which is a puncture proofed… I had to cycle on with the tyre nonetheless and made it to camp just in time.

Now we are at the Chitimba Beach Camp, a pleasant campsite directly at the Lake Malawi where we spend our day-off tomorrow. Then it’s four days riding (with a lot of climbing) unless we rest at Lilongwe even for two days.

Take care everybody!

Côte Guingampais: toutes ensembles pour L2!

Radeln mit einem neuen staendigen Begleiter

Coke Stop beim Hairdresser irgendwie im tansanischen Hinterland

Wenn es noch eines Beweises bedürft hätte, auf was für ein wahnsinniges, verrücktes und unglaubliches Abenteuer ich mich da eingelassen habe, dann hat ihn diese Woche gebracht. Über fast 1.000 Kilometer bewegte sich unser Tross durch das tiefste südtansanische Hinterland und über nur sporadisch von Asphalt bedeckte Pisten von Arusha bis nach Mbeya. Bei feucht-warmen Temperaturen zogen wir von einem Dschungelcamp zum nächsten und sahen acht Tage lang weder eine Toilette noch eine Dusche. Und bevor das jetzt zu romantisch wird, sei vielleicht noch unser neuer ständiger Begleiter seit Arusha erwähnt – das ist nämlich der Regen!

wo immer wir hinkommen - wir sind die attraktion des tages

Nach einer letzten, durch eine campinginterne Disco etwas arg unruhigen (bzw. schlaflosen) Nacht auf dem Masai Camping standen wir frühmorgens um 7 im strömenden Regen und kletterten missmutig auf unsere Fahrräder. Immerhin ging es am ersten Tag noch über Asphalt, so dass die Nässe über die Kleidung einigermaßen beherrschbar war. Das änderte sich an Tag 2, an dem wir nach exakt 26 Asphaltkilometern auf eine so genannte „dirt road“ bogen und uns so richtig ins Vergnügen stürzen können. Natürlich hatte es auch auf dieser geregnet, so dass die Fahrspuren lustig matschig waren und ich mit meinen recht dünnen Reifen (ich habe die 37er Extreme drauf) ordentlich Probleme hatte. Hinzu kamen durchaus beachtliche Steigungen von bis zu 13 Prozent, an denen die Pumpe ganz schön arbeiten musste. Die Quälerei wurde zunächst durch eine nur als wunderschön zu beschreibende Landschaft entschädigt. Gritzegrün, hügelig bis bergig, hier und da ein paar versprenkelte Örtchen – das war schon eine echte Augenweide.

lustig, lustig...

Fahrtechnisch war die ganze Sache einigermaßen zu händeln, so dass ich in flottem Tempo vorankam und den Lunchtruck recht frühzeitig und frohen Mutes erreichte. Dort ging die Malaise los. Schuld ist Peter LeMond, ein durchgeknallter Australier, der in Südafrika lebt und eigentlich ein ziemlich liebenswerter Mensch ist. Am Lunchstop aber meinte er, äußern zu müssen, dass „zur richtigen Erfahrung nun noch Regen fehlt“. Fünf Kilometer nach dem Lunchstop wurde sein Wunsch erfüllt, und von nun an waren die Karten auf der Piste neu gemischt. Binnen weniger Kilometer war ich von oben bis unten eingematscht, verklebten Bremse und Schaltung, musste ich eilends in den Straßengraben hüpfen, wenn mir ein Bus oder ein LKW entgegenkam, weil die mit einem Höllentempo versuchten, ihre Spur auf der nassen Fahrbahn zu halten. Ihre Hinterteile eierten dabei bedrohlich von rechts nach links, so dass ich den Sprung in den Straßengraben bevorzugte. Die Quittung für diese Überlebenstaktik waren umfassend eingesaute Klickpedale, die ich immer wieder erst ausgiebig säubern musste, ehe ich wieder einklinken und weiterfahren konnte.

mein bike am ende des tages

Um einen seeeeehr langen Nachmittag in wenigen Worten zu umschreiben: als ich irgendwann gegen 5 Uhr im Camp ankam (normalerweise komm ich so gegen 1 bis 2 Uhr rein) war ich komplett durchgeweicht und von oben bis unten derart zugedreckt, wie ich es wohl das letzte Mal war, als ich noch Windeln trug. Derweil goss es weiter wie aus Eimern, was mich schließlich dazu bewog, eines der wenigen noch vorhandenen Zimmer im „Summit Hotel“, auf dessen Terrain wir campten, zu nehmen und dafür umgerechnet stolze 10 Euro zu bezahlen. Mein Lohn war eine warme Dusche, ein trockenes Bett und Platz für mein vom Regen der Vornacht noch nasses Zelt zum Trocken. Den Späterkommenden hingegen blieb keine andere Wahl, als ihre nassen Zelte im Hotelhof aufzuschlagen und sich in den tosenden Regen zu legen.

gut, vorher zu wissen, wo man sein zelt hinstellt

Es sollte immerhin das (bislang…) einzige Mal sein, dass uns der Regen während einer Etappe mit voller Wucht erwischte. In den Folgetagen schlug er meistens erst am späten Nachmittag zu und entlud sich dabei mit unglaublicher Wucht in donnernden Gewittern. Afrikanischer Regen ist so anders als unser gewohnter deutscher Nieselregen! Hier gießt es wirklich wie aus den buchstäblichen Eimern, und der Boden ist nie in der Lage, die plötzlichen Wassermassen aufzunehmen. Das hieß es Obacht walten lassen bei der Wahl der Zeltplatzes, und der eine oder andere TdALer lernte bitter, dass man den eher nicht in einer Bodensenke findet. Aber auch wir anderen durften jeden Morgen aufs Neue ein nasses Zelte einpacken, derweil der schlammige Untergrund zunehmend Spuren auf unserer Kleidung hinterließ. Mein Gott, war ich dreckig!

durch sand faehrt man am besten mit vollem tempo und der hoffnung, im falle des falles schnell aus den klickpedalen zu kommen. ansonsten faellt man wenigstens weich...

Fünf Tage lang spielte sich immer dasselbe Schicksal ab, rannte wir irgendwann am späten Nachmittag in unsere Zelte und kamen erst zum Abendessen wieder raus. Tagsüber radelten wir durch ein gewaltiges Waldgebiet, durch das sich eine rund 700 Kilometer lange Erdpiste zog, die mit ihrem knallroten Untergrund wie ein roter Faden durch das grüne Waldmeer aussah. Es war tiefstes tansanisches Hinterland, und wir liebten es alle! Der dichte Busch an beiden Seiten der schmalen Piste, die viele Vögel und Schmetterlinge, die wir sahen, die freundlichen und schüchternen Einheimischen, die in dieser Ecke des Landes wahrlich nur selten Weiße zu Gesicht bekommen – dass war ein Afrika, wie man es als „normaler“ Tourist nie zu sehen bekommen würde!

Am achten von acht Fahrtagen war dann für alle Racer ein „mando day“ angesetzt (der Tagessieger bekommt einen Zeitbonus von 30 Minuten), und wie wir aus leidlicher Erfahrung wissen, sind das besonders harte und anstrengende Fahrtage. Und tatsächlich sollte uns die Fahrt in den freien Tag hier in Mbeya ordentlich Schweiß kosten. Ich will nur mal die nackten Fakten nennen: 111 Kilometer, ausschließlich off-road. 2.134 Höhenmeter, verteilt auf 41 Kilometer, was einen Schnitt von soliden 5 Prozent macht. Das Ganze auf einer Piste, die gelinde gesagt ekelhaft war. Von Steinen übersät, mit tückischen sandigen Passagen und nach den Regenfällen der letzten Tage teilweise über die gesamte Breite einfach nur eine einzige Schlammfläche. Die Rampen erreichten derweil in Spitzenwerten bis 18 Prozent, was sich durch die vielen Steine auf dem Untergrund noch viel steiler anfühlte und zumindest mit meinem teerverliebten Bike eigentlich nicht mehr zu fahren ist. Nach 7 Stunden, 25 Minuten und 43 Sekunden erreichte ich schließlich hundskaputt das Ziel in Mbeya und hatte schon wieder einen Tag hinter mir, von dem ich vor knapp drei Monaten gesagt hätte, es war der bislang härteste in meinem Leben. Hier ist die Härte Alltag.

kann man was erkennen?

Grandios war die Landschaft, die möglicherweise die schönste war, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Mit Worten ist das eigentlich nicht zu beschreiben, und auch meine Bilder sind einfach nicht aussagekräftig genug, da sie ja schlicht und einfach „Ausschnitte“ sind. Im großen und ganzen kann ich sagen, dass die Landschaft ungefähr so aussieht, wie ich sie mir bei „Herr der Ringe“ immer vorgestellt habe. Grün in allen möglichen Schattierungen, mit weichen Hügeln, die wie unberührt aussehen. Das Ganze war von einer lustigen Wolkendecke überzogen und von allerlei bunten Gewächsen gesprenkelt. Wow!

vermutlich eher nicht

Nach all der Rumprotzerei über geleistete Heldentaten in den letzten acht Tagen will ich aber ehrlicherweise an dieser Stelle auch noch relativeren, dass ich die acht Tage gar nicht durchgefahren bin. Und das kam so: schon in Arusha kündigte sich ein Schnupfen an, der mir die Nase laufen und die Glieder schmerzen ließ. Als es dann am ersten Tag in Strömen goss, betrachtete ich das als Zeichen des Himmels, in den Truck zu steigen, um aus einer (kleinen) Erkältung keine (große) Sache zu machen. Am zweiten Tag war ich prompt wieder auf dem Bike, geriet jedoch in das geschilderte Weltuntergangsszenario, das meine Befürchtungen wahr werden ließ: Nach einem Nachmittag im strömenden Regen war die Erkältung da! Keine schöne Sache, zumal das Klima hier einerseits feucht-warm ist, es andererseits aber auch ganz schön abkühlt, wenn die Gewitter runterkommen. So schwankte ich irgendwie ständig zwischen schwitzen und frieren, zudem waren Zelt und Klamotten durch den Regen eigentlich ständig nass. Angesichts des schlechten Wetters blieb mir keine Wahl, als erneut für zwei Tage in den Truck zu steigen, ehe ich am vierten Tag auf die Straße zurückkehrte und für meinen Wagemut prompt mit einer durchniesten und durchschwitzten Nacht bezahlte. Am nächsten Tag saß ich prompt wieder auf dem Truck (das ist quälend langweilig darauf, und sehen tut man auch kaum etwas), ehe ich dann am siebten Tag endlich mit der „Sache“ durch war und die beiden letzten Etappen der Hammerwoche von Anfang bis Ende mitradeln konnte.

Elvis (Tansanier), Amand (Eritrer) und ich beim Spitzenspiel zwischen dem Mgugu FC und dem ???

Inzwischen ist mir klar, dass der EFI ein unglaublich hohes Ziel ist, denn die gesamte Tour durchzufahren, braucht neben einem eisernen Willen verdammt viel Glück. Ich schätze, dass von den 63 Fahrern kaum noch 15 auf EFI sind, während der Rest irgendwann einmal auf den Truck hat steigen müssen. Und diese Woche hat wieder einige EFIs gekostet – wie den vom Niederländer Maarten, dessen hintere Schaltung in dem Dreck und Matsch die Grätsche machte. Material im Eimer, Etappe vorzeitig zu Ende, EFI futsch.

Nun steht hier in Mbeya mal wieder Wasch- und Pflegetag an. Beides nicht so einfach, da der Regen uns weiterhin begeleitet. Letzte Nacht hat es erneut tüchtig geschüttet, und im Moment ist der Himmel verhangen. Wie ich da meine Wäsche trocken kriegen soll, ist mir ein Rätsel – gleichzeitig ist aber nach acht Tagen wirklich alles benutzt und dreckig bzw. stinkig. Die Tour d’Afrique ist eben ein Abenteuer mit immer neuen Herausforderungen!

benze rules - auch in Tansania!

Lasst es Euch gut gehen, haltet das Rennen in der LaLi Braunschweig spannend und genießt den hoffentlich schon spürbaren Frühling. Euer hardy cyclist

ENGLISH

Arrived in Mbeya after eight days of riding in the rain. Been a difficult time, as the rain made everything much more complicated and we rode dirt-roads most of the time. Talking of dirt – that’s what we were almost constantly during the week. As for me, I catched a cold as well and had to spend a couple of days on the truck. Only from day 7 on I could cycle with full power again and “enjoyed” the last day, when we cycled 111 km on a very rough road to come to Mbeya while ascending more than 2.000 meters in ascension. You may imagine that I just fell into my (wet….) tent after a single beer and slept like never before.

However, we cycled through one of the most beautiful landscapes I’ve ever seen (and that includes the North of Wales). It was like being right in the middle of “Lord of the ring”. Green hills everywhere, colourful flowers, some clouds above it – unbelievable. As well it was one of the most remote areas we’ve crossed so far. Tourists almost never come to this region, and people were quite excited when we turned up with our colourful entourage.

unsere taegliche getraenkemischung

Today it’s rest day in Mbeya, and tomorrow we’re heading for Malawi, the sixth country on our list.

Take care, enjoy the hopefully nice spring and lets keep fingers cross for the “wonder of Bristol”.

Yours hardy cyclist

Kurzmeldung aus Mbeya

Hallo Deutschland (und Rest der Welt).

Bin grade nach einem hammerharten Moerdertag in Mbeya angekommen und hundskaputt. Muss nachher erstmal was nettes fuer Euch guys over there schreiben, deshalb zunaechst nur ein Foto von dem Punkt, wo ich vor ungefaehr drei Stunden noch mit dem Radel war. Mei, war das anstrengend, da hochzukommen!

Morgen gibts mehr! Bis denne, Euer hardy cyclist

Halbzeit!

Zwei Monate lang keinen einzigen Tropfen. Und jetzt, wo wir endlich mal drei Tage hintereinander „frei“ haben und nicht in die Sattel steigen müssen, regnet es! Und das nicht zu knapp! Letzte Nacht ging ein Wahnsinnsgewitter über Arusha nieder, das mich voller Bangen an mein Zelt denken ließ. Das steht, einsam und von mir verlassen, auf dem Masai Camping etwa zwei Kilometer vor den Toren Arusha und ist hoffentlich nicht untergegangen. Ich selber residiere nämlich gerade unter für mich recht noblen Bedingungen in einem Hotel in Arusha, in das ich mich für zwei Tage eingemietet habe. Es ist Halbzeit auf der Tour d’Afrique, und da gibt es einige Berichte für Zeitungen und Magazine zu verfassen, für die ich sowohl Zeit als auch Ruhe haben wollte. Und so lag ich im „The Outpost“ gemütlich in meinem mückenvorhanggeschützten Zelt, als der Himmel über Arusha zusammenbrach und die Schleusen sich öffneten.

Wir sind in der Regenzeit, und da müssen wir mit Regen rechnen. Und die Gegend braucht den Regen. Ganz bitter. Auch hier in Arusha hängen überall Schilder an den Duschen und Toiletten, sparsam mit Wasser umzugehen, weil es aufgrund der langen Trockenheit knapp ist. Viele Experten erwarten ja für die Zukunft eine globale Wasserknappheit, und da ist dies hier irgendwie wie ein Testlauf für mich.

Wie ich heute morgen beim Frühstück auf BBC World erfahren konnte, ist aber nicht nur in Arusha ordentlich was los. Ich habe zwar bislang nur Bruchstücke von Japan und dem AKW mitbekommen, aber das, was ich gehört habe, lässt mich schwer an den April 1986 denken. Hoffentlich bricht nun wenigstens die ja gerade wieder auflebende „pro-Atomkraft“-Bewegung zusammen.

auf dem weg zum mount meru

Meine philosophischen Ergüsse über japanische Atomkraftwerke mal beiseite gelassen haben wir zwei relativ gelassene Radeltage hinter uns, die uns von Nairobi nach Arusha führten. Tag 1 hatte 158 Kilometer auf dem Zettel und startete mit einer Stuntmanshow durch Nairobis Pendlerverkehr. Die nach Nairobi führende Straße war komplett zugestaut, und insgesamt war die Straße so eng, dass jegliche Überholprozesse eigentlich unmöglich waren. Nicht so für die Kenianer, die trotzdem versuchten, mit ihren Autos und LKWs an uns vorbeizukommen. Um da einigermaßen glimpflich durchzukommen, hängte ich mich schließlich hinter ein Matatu (das ist so ein Kleinbus, die hier als ÖPNV dienen) und raste ihm mit bis zu 40 km/h hinterher, wobei ich jedes Mal stoppen musste, wenn der Fahrer Passagiere aus- bzw. einsteigen ließ. Egal: ich ließ keinen Raum zwischen dem Auto und mir entstehen, konnte daher nicht mehr überholt werden und wurde, da ich im höchstmöglichen Tempo mitfuhr, schließlich auch akzeptiert. Nach etwa 6 Kilometern dünnte die in die Stadt führende Schlange dann endlich aus, und ich konnte die ganze Sache etwas relaxter angehen, da das Überholen nun wieder möglich war. Was ein Wahnsinn!

Nairobi kommt mir im nachhinein vor wie ein UFO mit Marsmenschen. Auf dem Weg nach Nairobi hatten wir ein ländliches und verschlafenes Kenia durchquert, das wir nun südlich von Nairobi wiedertrafen. Mitten drin lag dieser brodelnde Moloch mit zigtausenden von Autos, modernen Shoppingmalls und völlig westlichen Strukturen. Mit allen Konsequenzen. Ich sah beispielsweise einheimische Familien deren Leibesfülle an die guter alter US-amerikanischer Wohlstandskinder erinnerte, und die sich mit beiden Händen Pommes, Kuchen und Burger reinstopften. Ein krasser Gegensatz zu den Zuständen in Nordkenia, die mir irgendwie zu denken gaben.

Der zweite Tag brachte mich nach über 20 Jahren zurück nach Tansania. Schon ein eigenartiges Gefühl in ein Land zurückzukommen, das mich durchaus geprägt hat. Voller Hirngespinste vom afrikanischen Sozialismus und mit Gorbatschows „Perestroika“-Buch war ich damals in Nyereres Vorzeigestaat gereist und hatte rasch entdeckt, dass das „Uhuru“ etc. auch nicht der Weisheit letzter Schluss war. Gedanklich und emotional hat mich Tansania aber seitdem nie losgelassen, und so war es ein etwas bewegendes Gefühl, als in Namanga das tansanische Visa in meinen Pass gestempelt wurde und ich die Grenze überschritt.

nach ueber 20 Jahren zurueck in Tansania. Klassisch im roten Trikot, natuerlich...

Als Tagesleistung standen 118 Kilometer an, wobei wir entlang des Mount Meru radelten und dadurch einen Haufen Höhenmeter abzupedalen hatten. Und man konnte fühlen, dass die zwei Monate auf dem Rad dann doch eine gewisse Müdigkeit hinterlassen haben. Ich war jedenfalls froh, als ich nach gut vier Stunden unten im Tal endlich Arusha auftauchen sah und damit drei Tage fahrradfrei!

Übermorgen geht es weiter, begeben wir uns in Richtung Mbeya bzw. Malawi. Es ist eine neue Streckenführung, die noch niemand richtig kennt und von der wir nur wissen, dass sie weitestgehend oder sogar vollständig off-road ist. Waschbrett, Sand, Dreck – wir werden sehen bzw. fühlen, was auf uns zukommt. Sollte der Regen weitergehen, dürfte das ein doppelter Spaß werden, denn mit dem Rad durch aufgeweichte Schlammpisten zu radeln…

Wie es uns ergangen ist, hört ihr dann spätestens in zehn Tagen aus Mbeya. Aber vielleicht gibt es ja irgendwo unterwegs noch ein Internetcafe, in dem ich Euch über unsere neuen Leidensgeschichten aufklären kann. Also, stay tuned and rebel

Kwa Heri und bis bald, Euer hardy cyclist

P.S.: Hier nun endlich mal der schon lange überfällige Gruß an alle Verrückten des RSV 05. Da habe ich wohl echt was verpasst, in der „Festung Benzstraße“. Super Choreo, Super Leistung! Zum Derby muss ich mich irgendwie an den Sandweg beamen! „Göttingen meine Stadt, 05 mein Verein, so soll es immer sein!“

auf jungfraelucher piste in tansania

English update

Hi guys over there in the UK, France, China and wherever else in the world.

On our amazing journey we’ve just reached Nairobi, Kenya after crossing the Equator three days ago. Now I’m sitting in a modern supermarkted on the southern outskirts of the kenyan capital, enyoying spiced chips and a wifi zone to check out all the latest information about the happenings in the world and in football. Not the best news coming through, to be honest, although I wouldn’t like to connect the situation in Libya and at the Mem in Bristol…

We’ve been through hell in the last two weeks. Northern Kenya proofed to be a very tough and demanding experience with a road that doesn’t actually exist despite bearing the name “Trans-East-African-Highway”. It took us four days to cover roughly 500 kilometers, and those four days were more than exhausting for all of us. Sometimes I could cycle not faster than 5 km/h per hour as the road was so full of rocks or washboard it became almost uncycable (see pictures in the German section.)

General feeling is brillant, though. Stomack and guts are working normal, the mental state is still on a high and that the bum hurts at the end of the day – well, I’ve been used to that by now. Since we left the northern kenyan desert at Isiolo we’ve entered a different kenya: green, modern, westernized and crowded. Now the biggest danger is the traffic which is an absolute nightmare. Cars just taking over in an incredible speed without caring much for other (especially cyclists), and twice I had to jump into the bushes to escape a lorry who wanted to throw me off the road. Would love to have a couple of more eyes…

After Nairobi the traffic will slow down again, so that danger might be histoy soon. A new challenge is waiting for us, though: rain. Tonight, we had the first raindrops since two months, and it won’t be long unless we will cycle in pouring rain.

Rain… that reminds me on Britain (why?). A lot of thinks here in Kenya remind me on Britain. Have a look at the puctures in the last German entry and you will know what I mean. I certainly appreciate it as everything is much more organized and, yes, tidy here that it was in Ethiopia.

Thanks very much for all you comments here in the blog. It’s really nice to see your guys following me on this adventure, even if I’ve been mostly blogging on German recently. And it’s even more nice to get new information coming to me like those from Marc and Annette, who obviously expanding the number of family members! Keep the Gwen ha Dhou flying in China and all the best for you!

All the best for now. Take care and enjoy life

yours hardy cyclist

Äquator überwunden

ein meilenstein...

Hallo, ich schon wieder. Ja, wir kommen offenkundig in deutlich urbanes Gebiet. Das kann man nicht nur an der zunehmenden Dichte von Internetcafes sehen (wovon ihr hoffentlich auch weiterhin mit etwas regelmäßigeren Updates profitiert), sondern auch an der schlagartig ansteigenden Zahl von Möglichkeiten der leiblichen (und seelischen) Versorgung. Ich hatte heute schon einen Veggie-Burger, Pommes rot/weiß sowie eine ganze Tafel Schokolade! Bis vor einer Woche wäre ich noch bei nur einem dieser Dinge vor Freude wohl zersprungen, doch inzwischen nehme ich es bereits wieder mit einer völlig gelassenen Routine hin, dass mir derlei zivilisatorischer (???) Luxus zur Verfügung steht. Man gewöhnt sich eben schnell…

Seitdem wir Nanyuki erreicht haben, sind wir in einem anderen Kenia. Nix mehr von lebensfeindlicher und menschenleerer Wüste, von Wasser- und Versorgungsproblemen. Hier unten brennt der Baum, und das nicht zu knapp. Auf den Straßen liefern sich Autor, LKW und Busse Privatrennen, unter denen auch wir Radler tüchtig zu leiden haben. In den Orten gibt es nicht mehr nur klitzekleine Buden, in denen man alles mögliche von Waschpulver über Coco-Cola und Keksen kaufen kann, sondern Supermärkte, die man mit einem Einkaufswagen durchqueren muss und die alles (alles!!!) bieten. Die Menschen auf den Straßen sind westlich gekleidet, hören westliche Musik und lassen sich von westlichen Werbeplakaten die Hirne verdrehen.

durch die grünen Hügel von Kenia

Wir lieben es. Nach zwei Monaten in der Wüste, in den Höhen Äthiopiens und in dem stetigen Wissen, dass man sich ein Päckchen Kekse gut einteilen muss, weil man nie weiß, wann man das nächste bekommen kann, erscheint uns das alles wie ein kleines Paradies. Ich weiß, ich klinge wie ein verzogener Wohlstandsbengel, und offensichtlich bin ich genau das auch. Als ich nämlich in Nanyuki vor der Süßigkeitenabteilung des „Makuma“-Supermarktes stand, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf: Haribo-Weingummi, Cadbury-Schokolade, Bounty, Mars, Snickers – es war einfach Wahnsinn! Zu dritt packten wir uns die Einkaufskörbe mit zahnarztfreundlichen Produkten voll (Gruß an alle Nix’en), ehe wir entdeckten, dass der Laden neben „Soul-Food“ auch „Health-Food“ vertrieb: Joghurt, Äpfel, Orangen, Säfte, Müsli – you name it! Mein erster Joghurt seit dem 9. Januar 2011 schmeckte einfach gigantisch, und dass es an der Kasse sogar noch Eiscreme gab, nun, was soll ich sagen…

Nun aber Schluss mit meinen kulinarischen Exzessen, die ja im Grunde genommen ziemlich bedenklich sind und mir durchaus auch ein schlechtes Gewissen bereiten, zumal ja, wie berichtet in Nordkenia, grade erhebliche Wasser- und Ernährungsprobleme herrschen, während wir uns ausgiebig an Pommes und Schokolade laben.

in kenia erinnern nicht nur die straßenhinweisschilder an Großbritannien

Was gibt es über die Tour zu berichten, seitdem ich zuletzt vor vier Tagen in Nanyuki online war? Nicht viel. Schlappe 208 Kilometer haben wir seitdem hinter uns gebracht, wobei wir lediglich 122 davon im Sattel verbracht haben. Die für gestern geplante Einfahrt nach Nairobi musste nämlich gekürzt werden, da sich das nach Nairobi führende Überlandstraßennetz gerade mehr oder weniger im Komplettumbau befindet und das sonst schon gewaltige Chaos auf Nairobis Straßen noch einmal exorbitant zugenommen hat. So exorbitant, dass die TdA-Leitung entschieden hat, es sei zu gefährlich, uns mit den Rädern da durchzuschicken (selbst als Konvoi) und uns statt dessen 86 Kilometern mitsamt unseren Rädern auf LKW in die kenianische Hauptstadt transportierte.

So radelten wir lediglich 51 Kilometer, die uns einen guten Einblick in den Wahnsinn Nairobi gaben und uns froh und dankbar für die Entscheidung der TdA-Führung werden ließ. Es wäre Selbstmord gewesen, das auf den Rädern durchzufahren! Auf den Straßen herrscht pure Anarchie, und wir als Radfahrer haben da nicht viel zu melden. Entgegenkommende Fahrzeuge überholen unabhängig von unserer Existenz, obwohl die Straße recht schmal ist und der Seitenabstand im Laufe des Prozesses auf wohlwollend 20 Zentimeter schrumpft. Besonders angenehm, wenn das Auto mit einem Affenzahn angebraust kommt und man das Gefühl hat, es nimmt einen gleich aufs Horn. Damit nicht genug, denn überholende LKW drängeln uns einfach von der Straße, wenn ihnen ein anderer LKW entgegenkommt.

und wir haben harte rauchergesetze? sechs monate knast!

Vorgestern raste ich gerade mit 60 km/h bergab, als mich ein LKW mit nicht viel höherer Geschwindigkeit überholte und ich bequem die Ladung studieren konnte, während er sich an mir vorbeiquälte. Dass der Abstand zu meiner linken (= Straßenrand) quasi nicht existent war (und dummerweise hatte die Straße einen gut 20 Zentimeter tiefen Absatz), und es rechts ebenfalls höchstens 20 Zentimeter bis zu dem Truck war, ließ meinen Pulsschlag bedenklich nach oben gehen. Ich kann Euch sagen, ich war ziemlich froh, als er endlich vorbei war. Gestern nun wiederholte sich das Ganze, und diesmal ging es nicht gut. Zu Beginn des Überholprozesses wahrte der LKW noch die 20 Zentimeter-Lücke, doch im Verlauf rückte er mir immer näher und zwang mich schließlich zum Sprung in den Straßenrand. Da stand ich dann, fluchend und zeternd, aber immerhin heile und nach ein paar Minuten des Durchatmens auch bereit zum Weiterfahren.

In Nairobi erwartete uns noch etwas anderes: der erste Regen seit Kairo bzw. seit zwei Monaten. Noch fiel er gemäßigt aus, doch wir pedalen nun direkt in die große Regenzeit hinein, und so wird es uns demnächst wohl auch mal so richtig und nicht nur bequem am freien Tag erwischen. Beunruhigenderweise stehen nach Arusha erneut zehn Tage off-road an, und sollten uns die Niederschläge dort erwischen, dann gute Nacht…

das makumat-einkaufszentrum hier in nairobi. hier gibt es alles. alles!

Eine schöne Überraschung bereitete mir Werner Bitzer, der nach Nairobi geflogen kam, um die Tour nun bis Cape Town mitzufahren. Werner war vor zwei Jahren dabei und hatte einen bösen LKW-Unfall, bei dem er sich einen Arm brach und die Tour abbrechen musste. Nun will er sie vollenden. Werner brachte mir nicht nur meine sehnsüchtig erwarteten Ersatzteile für die Schaltung mit, sondern auch ein paar deutsche Zeitungen! Hurra, endlich mal was neues! So bin ich nun ein bisschen upgedatet über die Situation in Libyen (die hier übrigens bereits zu einer Verknappung der Dieselversorgung führt), von-Guttenberg und seine Doktorarbeit sowie die Geschehnisse in der Bundesliga.

Unter den Zeitungen waren sogar ein kicker und eine Sport-Bild, so dass ich erstmals seit Wochen wieder eine Bundesligatabelle sehen konnte. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich ziemlich gestaunt habe… (und damit gleich mal schöne Grüße ins rote Hannover: Respekt!). Auch in Sachen Schalke bin ich jetzt vollständig informiert – vor allem dank der „Sport Bild“, die mir in einfachen Worten erklären wollte, welche ungeheure Macht die Fans in der Bundesliga bekommen haben. „Sie wollen Magath ablösen, und sie sind dabei, es zu schaffen“. Auch diesbezüglich war eine „Erfahrung“, nach zwei Monaten Abstinenz mal wieder ein deutsches „Fußballfachblatt“ zu lesen und die unglaubliche Trivialität des Blattes zu erkennen.

Nun stehen für uns lediglich zwei Fahrtage an, ehe wir in Arusha (zeitliche) Halbzeit und drei freie Tage genießen können. Viele von uns gehen auf Safari in die Seregenti und/oder den Ngorongoro-Krater – Dinge, die ich bereits gemacht habe, als ich zuletzt in Tansania war und die ich nicht erneut machen muss. Ich werde also einfach drei Tage lang in Arusha die Seele baumeln lassen und meine Kräfte auffrischen für die zweite Hälfte des Trips. Die Hälfte in Kilometern erreichen wir übrigens erst im Süden von Tansania – derzeit liegen ungefähr 5.300 Kilometer hinter uns. Zugleich geht der dritte Abschnitt zu Ende, der mit „meltdown madness“ wahrlich einen passenden Namen getragen hatte. „meltdown“ hatten wir überall in Nordkenia, „madness“ ist der Verkehr hier im Großraum Nairobi und „madness“ war überhaupt alles – die Lavapiste, die Überfälle, die Supermärkte…

ich gestern, vor dem huddersfield-spiel, extre im pirates-dress on the road. versuchen wollte ich es zumindest...

Zum Schluss mal wieder tausend Dank für Eure lieben und aufbauenden Grüße hier im Block. Volker mit seinem phantastischen Ergebnisservice ein ganz besonderer Gruß. Für the Gas heißt es nach der blöden Niederlage gegen Huddersfield wohl back to the basement. Es war zu befürchten… An der Benze läuft es ja offensichtlich deutlich besser, auch wenn ich immer noch sauer bin, dass meine Oker-Tour ausfallen wird, weil das Spiel dort ja wohl verlegt worden ist.

Ach, und noch etwas, weil die Frage hier auftauchte: wenn man unterwegs mal nicht weiter kann (sei es aus technischen oder gesundheitlichen Gründen), gibt es mehrere Möglichkeiten: man wartet einfach am Straßenrand, bis einer der beiden großen Trucks kommt (die fahren meistens erst eine Stunde nach dem allgemeinen Start im Lager los und hält den an, um sich und sein Rad von ihm mitnehmen zu lassen). Sind die Trucks schon durch, muss man warten, bis der „sweeper“ kommt (das ist einer von den Organisatoren, der als letzter die Strecke abradelt) und der dann einen Wagen ruft, der einen dann mitnimmt. Hinter dem Lunch (meistens auf der Hälfte der Tagesstrecke) ist das dann etwas einfacher, da der Lunchtruck dann im Prinzip den „sweeper“ macht und man ihn einfach anhalten und einteigen kann. Dazu muss nur der Daumen nach unten gesenkt werden, wenn er vorbei fährt. Außerdem haben wir Telefonnummern, mit denen wir die Tourleitung anrufen können, um irgendwo abgeholt zu werden. Es kann dauern, aber man wird immer abgeholt!

Ganz zum Schluss, aber eigentlich ganz am Anfang (und überhaupt…) geht ein ganz besonderer Gruß an meine entfernte Prinzessin. Erhol Dich gut, lass Dich ordentlich betütteln und genieß den anbrechenden Frühling! Vermiss Dich. So viele Sandkörner…

Glimpflich verlaufender Ueberfall auf die TdA

Lunchtruck mit Miltaerbewachung

Afrika ist nicht überall ein sicherer Kontinent. Wir haben das von Anfang an gewusst, und leider hat es sich gestern bestätigt.

Zweimal sahen sich Teilnehmer der Tour d’Afrique bewaffneten Raubüberfällen ausgesetzt. Doch um gleich alle zu beruhigen: bis zwei kleinere Verletzungen (Platzwunden, eine geprellte, evtl. auch gebrochene Rippe) ist nichts Schlimmes passiert (von den deutschen Teilnehmern war niemand betroffen, und auch unsere
Deutsch-Australierin ist bei den Überfällen nicht dabei gewesen.). Trotzdem stehen wir alle ziemlich unter Schock und sind etwas ratlos.

Ich selber war von den beiden Vorfällen nicht betroffen und habe erst davon erfahren, als ich Mittags den Lunchtruck erreichte. Ich möchte mich an dieser Stelle eher kurz fassen und auf die offizielle Verlautbarung auf der TdA-Seite verweisen. Das geschieht nicht zuletzt auf Wunsch der Veranstalter, den ich gerne respektieren möchte. Als Zusammenfassung: im ersten Fall wurden zwei Teilnehmer und im zweiten Fall eine Gruppe von sechs Teilnehmern von bewaffneten Männern angehalten und ausgeraubt. Nachdem die Männer sämtliche
Wertgegenstände mitgenommen hatten, verschwanden sie wieder im Bush und die TdA-Teilnehmer konnten sich um Hilfe bemühen. Das Rennen wurde abgebrochen, und alle Fahrer, die auf der umgehend vom kenianischen Militär abgesperrten Strecke waren, wurden von den Begleitfahrzeugen aufgesammelt und ins abendliche Lager gefahren. Ich war, wie gesagt, gerade am Lunchtruck angekommen und bin dann mit jenem ins Lager gefahren.

Wuestenstadt Marsabit

Wir haben immer gewusst, dass so etwas in Afrika passieren kann. Gerade Kenia ist kein ungefährliches Land. Dass es nun tatsächlich passiert ist – zum ersten Mal in der Geschichte der TdA – ist natürlich tragisch, wiewohl wir im Endeffekt „Glück“ gehabt haben, da niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist und abgesehen von einigen Kameras und etwas Bargeld nichts Entscheidendes gestohlen werden konnte.

Über die Hintergründe kann man nur spekulieren. Nordkenia leidet gegenwärtig unter einer schlimmen Dürre, und viele Einheimische haben uns erzählt, dass die Verzweiflung unter den Menschen groß ist. Zugleich ist die Strecke zwischen Marsabit und Isiolo immer etwas gefürchtet worden – bis vor einigen Jahren durfte man sie sogar nur in Konvois und mit Militärbegleitung durchqueren. Für uns war es eine bittere Erinnerung daran, dass Afrika an vielen Stellen ein verzweifelt leidender Kontinent ist, derweil wir uns mit unseren bis zu 3.000 Euro teuren Fahrrädern und modernster Ausrüstung auf einer zwar abenteuerlichen, aber schlussendlich dennoch vergnüglichen Reise durch den Kontinent befinden. Es sind die beiden Seiten ein- und derselben Medaille.

kann man diese piste befahren?

Inzwischen sind wir in Nanyuki und damit unmittelbar nördlich vom Äquator, den wir morgen früh überqueren werden. Erneut also eine emotionale Woche, die am Dienstag mit einem wahren Horrortag anfing, als wir uns 115 Kilometer über eine absolut üble und nahezu
kontinuierlich von Wellblech geprägte Piste quälen mussten. Ich habe für die Strecke über 7 Stunden reine Fahrzeit und fast 10 Stunde Realzeit gebraucht, was hoffentlich mein Rekord für die gesamte Tour bleiben wird. Die ersten 30 Kilometer waren noch ok, doch dann begann die Tortour, die einfach nicht enden wollte. Neben der körperlichen Anstrengung war es vor allem eine mentale, denn 115 Kilometer sind schlicht und einfach lang. Als ich bei km 95 einen letzten Coke-Stopp einlegte, dachte ich, nun habe ich es bald geschafft. Aber die 20 noch fehlenden Kilometer kosteten mit mehr als 2 Stunden Fahrzeit, weil sie fast nicht mehr mit einem Fahrrad zu bewältigen waren. Bisweilen bin ich einfach in den Busch abgebogen und habe versucht, irgendwo Singletracks zu finden, auf denen ich diesem unendlich zermürbenden Waschbrett für ein paar hundert Meter entgehen konnte.

... irgendwie ja

Ich war hundskaputt, als ich endlich im Camp ankam. Dort stand dann in den noch verbleibenden zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang erneut ein Reifenwechsel an, denn am nächsten Tag ging es ENDLICH zurück auf Asphalt. Das wiederum war eine freudige Überraschung, denn eigentlich hatte ich erst ab Isiola damit gerechnet – seit dem letzten Jahr waren aber rund 140 Kilometer der Piste asphaltiert worden, und davon konnten unsere müden Knochen nun profitieren.

euer hardy cyclist auf dem mount kenya - ganz schoen langweilig, was?

Tag 1 zurück auf Asphalt brachte dann aber mit den beiden Unfällen eine neue Horrorstory, und so waren wir abends im Camp allesamt ziemlich erledigt und erschöpft. Heute nun stand die Umfahrung des Mount Kenyas an. Eine Etappe mit nur 71 Kilometern, aber rund 1.500 Höhenmetern. Nach 40 Kilometern hatten wir den Zenit erreicht und konnten uns nach dem Lunchstopp auf eine rauschende Abfahrt begeben, die uns nach Nanyuki führte, von wo aus ich diese Zeile nun gerade poste. Das Rennen war für heute aufgrund der gestrigen Vorfälle ebenfalls ausgesetzt gewesen, so dass wir alle ziemlich relaxt an den Anstieg gegangen sind.

ist der kleine nicht suess?

Sorry für die heute etwas nüchternen Zeilen. Melde mich am Sonntag aus Nairobi wieder.

P.S.: ach ja: habe mal ein paar Bilder gepostet, die hoffentlich etwas Eindruck von Kenia vermitteln.

ENGLISH: There were two muggings along the road on TdA-drivers yesterday. Nothing seriously happened, and I was not involved in the incidences. In both cases young men threatened riders with rifles and stole cameras and money. After they vanished in the bushes the riders could look for help. For the whole story please go to the TdA-page where you’ll find the official report.

Auf dem Highway to Hell

so sieht man nach 82 kilometern auf dem "highway to hell" aus.

Seit Kairo kursierten Gerüchte über das, was uns in Nordkenia erwarten würde. Immer wieder drehten sich die abendlichen Diskussionen im Camp um diese mythenumrankte Lavapiste, die zwischen der äthiopisch-kenianischen Grenze und dem Mount Meru zu durchqueren ist. „Wenn ihr Glück habt, kommt ihr auf 10 km/h“, warnte uns Steve, einer unserer Truckdriver, regelmäßig grinsend.

Und nun sind wir mittendrin! Endlich! Mitten auf dem „Highway to Hell“ – oder dem „East-African-Highway“, der auf meiner Kenia-Karte als „A2“ bezeichnet wird und Addis Ababa mit Nairobi verbindet. Theoretisch, denn in der Realität dürfte es der ungewöhnlichste Highway der Welt sein, da er über keinen einzigen Millimeter Asphalt verfügt. Statt dessen sieht das Ganze manchmal aus wie ein rumpeliger Feldweg im Obereichsfeld, dann wieder wie die Abraumhalde einer Sand- oder Kiesgrube oder aber schlicht und einfach wie ein Acker, auf den eine Menge bis zu schweinskopfgroßer Stein gekippt worden ist. Fahrrad fahren kann man darauf jedenfalls nicht sonderlich gut…

Und doch müssen wir die knapp 500 Kilometer bis Isiola, wo es wieder Asphalt geben soll, überwinden…

Bis zur äthiopisch-kenianischen Grenze konnten wir noch gemütlich auf Asphalt radeln und die üblichen äthiopischen „rolling hills“ genießen. Mit der Grenze war dann schlagartig Schluss sowohl mit „rolling hills“ als auch Asphalt. Schon die zwei Kilometer vom Grenzübergang bis zum Camp in Moyale auf der kenianischen Seite waren ein Abenteuer und führten über eine sandige, von Löchern und dicken Steinen durchsetzte Piste, auf dem der Verkehr nach Lust und Laune kreuz und quer zu fahren schien (zwischen Kenia und Südafrika wird – auf dem Papier zumindest – übrigens links gefahren). Am nächsten Morgen ging es dann los, begaben wir uns auf den durch die Dida Galgalu-Wüste führenden gefürchteten Highway. Der erste Tag war noch ok. 79 Kilometer auf einer sandigen Waschbrettpiste – das war zu bewältigen. Allein die schon morgens mächtig brennende und in Spitzenzeiten bis zu 50 Grad erreichende Sonne machte uns das Leben schwer. Tag zwei führte uns dann vollends in die Hölle und ließ sogar die Erinnerungen an den Sudan verblassen. Bis zum Lunchstopp auf 42 Kilometern kam ich noch einigermaßen voran und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von vielleicht 16-17 km/h. Kurz nach dem Lunchstopp begann dann die so genannte Lavapiste, über die wir so viel gehört hatten und für die zumindest mir immer jegliche Vorstellungskraft gefehlt hatte. Nun kann ich verstehen, warum es so schwierig ist, die Erlebnisse auf dieser Piste in Worte zu kleiden. Es geht einfach nicht! Zu den Waschbrettabschnitten, die enorm in die Arme gehen, und den plötzlich auftauchenden tiefen sandigen Abschnitten, bei denen man aufpassen muss, nicht mitsamt Fahrrad umzufallen, kam nun auch noch eine wahnwitzige Steinwüste, in der man keinerlei Navigationsmöglichkeiten zu einer einigermaßen gradeausführenden Fahrt finden konnte. Überall lagen fette Brocken herum, um die man herumkurbeln musste, wobei der Untergrund aus größeren Kieselsteinen bestand! Mein Fahrtempo sackte prompt herunter auf 10-12 km/h, ehe ich auf den letzten zwei Kilometern vor dem abendlichen Camp auf kaum mehr als 5-8 km/h kam – ich mich also gerade noch in einem Tempo bewegte, in dem man nicht umfällt – weil die Strecke quasi nur noch aus Steinen bestand.

der autor dieser zeilen durchquert mit einem stundenmittel von 5 km/h die lavapiste

Es war eine mörderische Anstrengung, wobei wir von Glück reden konnten, dass es einen einigermaßen kühlen Wind gab, der die Hitze etwas erträglicher machte. In meinem Fall kommt dazu, dass ich für so eine Piste schlicht und einfach falsch ausgerüstet bin. Mit meinem Crossrad ohne jegliche Federung muss ich jede Unebenheit mit dem Körper ausgleichen, und obwohl ich meine dicksten Reifen draufgezogen hatte (37er Schwalbe Extreme), sind die viel zu dünn für die sandigen Abschnitte und rutschen immer wieder weg. Die Mountainbiker unter uns waren klar im Vorteil, wenngleich auch sie tüchtig litten und abends im Camp ähnlich geschafft aussahen, wie ich.

Immerhin: wir waren gewarnt worden! Nach dem Grenzübertritt hatte man uns gesagt, dass die schwersten Tage der gesamten Tour auf uns warten würden, und am Wahrheitsgehalt dieser Aussage gab es wahrlich keinen Zweifel. Aber nicht nur für uns Fahrer war es hart – auch für unser Material. Noch in Äthiopien hatte es mir am Montag auf einem off-road-Abschnitt das komplette Schaltwerk zerhauen. Ein Stein muss gegen die Kette geflogen sein, die riss, als sie gerade in der Schaltung war und alles blockierte. Folge: nicht nur das Schaltauge war hinüber, sondern das gesamte Schaltwerk. Das hatte ich als Ersatzteil natürlich nicht dabei (Stephan: falls noch mal jemand zu Dir kommt: gib ihm eine komplette Schaltung mit!), so dass ich im Camp herumfragte, ob vielleicht jemand eine Ersatzschaltung dabei hatte. Und ich hatte Glück, denn Megan aus den USA hatte exakt das Teil, das ich brauchte und war auch bereit es mir zu leihen. Thank you very much, Megan, I owe you!

Nun hoffe ich nur noch, dass Werner Bitzer, der ab Nairobi mit uns mitfahren wird, mir eine neue Schaltung aus Deutschland mitbringt, damit ich Megan ihre zurückgeben kann. Neben Schaltungsproblemen hatte auch ich diesmal übrigens meinen Spaß mit Reifenpannen. Gleich dreimal erwischte es mich in den letzten beiden Tagen auf dieser üblen Piste – davon einmal gestern morgen unmittelbar vor dem Start. In meiner Aufregung brach ich dann auch gleich noch einen Reifenheber ab…

Äthiopien verlassen zu haben war für die meisten von uns eine Erleichterung. Zwar ist der Süden deutlich geringer besiedelt als der Norden, und auch die Menschen sind völlig anders drauf, die „you, you“ und „money, money“-Rufe hörten aber bis zur Grenze nicht auf. Selbst als ich meine letzten äthiopischen Birr an der Grenze in Mango-Saft, Kekse und Wasser umsetzte, kam ich noch einmal in den Genuss einer Bettelattacke (hey you, my friend, I’m a student, please help me! How can i help you? Give me money!).

und noch mal ... lavapiste

Mit kenia ist vieles anders geworden. Wir fahren jetzt auf der linken Seite (und tun dies bis Cape Town)m Englisch ist weitaus verbreiteter und die Menschen sind ungleich relaxter. Manchmal muss man die Schulkinder hier sogar richtig auffordern, zurückzuwinken, so schüchtern und wohlanständig wirken sie. Für mich ist es ein erster Schritt zu einer „Heimkehr“, denn in Kenia wird Kiswahili gesprochen, was ich vor über 20 Jahren in Tansania lernte, danach aber leider nie fortführte. Entsprechend verschütt waren sämtliche Kenntnisse, die ich nun gerade wieder ausgrabe. Es ist einfach etwas anderes, wenn man in einen Laden geht und die Landessprache benutzt, als wenn man alles auf Englisch macht. Die Leute freuen sich, und selbst wenn ich die Antworten häufig nicht verstehe, ist die Sache ziemlich lustig.

Inzwischen sind wir in dem Wüstenkaff Marsabit angekommen, in dem wir in einem katholischen Zentrum unseren freien Tag genießen. Die Schwestern sind echt süß. Sie haben sogar einen großen Biervorrat für uns durstige Radler angeschafft. Ihr dürft Euch also vorstellen, wie ich gerade neben einem kühlen und herzerfrischenden Tusker Bier sitze und Euch schreibe. Prost! Ansonsten hat Marsabit nicht so wahnsinnig viel zu bieten – aber dafür sind wir auch mitten in der schier unendlichen Steinwüste, die mir unglaublich lebensfeindlich vorkommt, und in der doch Menschen mit ihren Tieren leben. Es muss ein verdammt hartes und karges Leben sein.

Dienstag geht es weiter, und nach anderthalb weiteren Tagen auf der Lavapiste werden wir ab Isiolo dann (endlich!) wieder auf Asphalt stoßen. Der nächste Ruhetag ist in Nairobi, und dann ist da ja auch noch die Äquatorüberquerung, die demnächst ansteht.

Bis denne, Euer hardy cyclist

ENGLISH

Arrived in Marsabit (Northern Kenia) after three days on the most horrible road I’ve ever cycled. I’m a proud man, as you can see on the pictures!

While the rider is fit and still hungry for more, the horse got a few problems. Still in Ethiopia I broke my derailer but got lucky as one of my fellow cycler had a spare one I could use. And I got three flat tyres in the last two days, which was rather annoying.

It’s been a tough and demanding week since we left Arba Minch with lots of rolling hills in Ethiopia and an horrible off-road “lane” here in Kenya. We are actually on the Trans-East-African-Highway, which in reality is nothing but a very basic track you almost cannot cycle. It is either washboard, deep sand oder lots of small and big rocks on the road, and it took up to 10 hours to cycle 80 km. Sun is out again as well – today we hit the 50-degree-mark so lots of drinking is on the agenda.

As for the general feeling everything is fine and I’m quite enjoying my life and all the cycling. No stomack problems, no diorreah (knock on wood!), no crashes. And by now I’m quite used to go into the wood to do my daily business (there are no toilets in camp….) and come home from a hard day ride without having the change to take a shower. It’s pretty amazing, how fast you get used to those things. Life can actually be pretty simple!

As we are now in Kenya I’m trying to awake my long forgotten Kiswahili-knowledge. 20 years ago I spend a few weeks in Tanznia and learned quite a bit of the language. I haven’t used it since, but I‘m trying to use it now as often as possible. It’s polepole, but of course its also hakuna matata!

Sorry for this (again) rather short update, but time is a problem. I cannot use the computer on riding days (it’s just too dusty at most places, it would kill my machine), and on my day off I’m very much busy with launry, bike maintanance and writing articled for

newspapers.

Anyway: have fun, take care and enjoy live!

Your hardy cyclist