Monat: Januar 2015

Nach der Tour ist vor dem Tour-Buch

Die Radsaison 2015 ist eröffnet!

Die Radsaison 2015 ist eröffnet!

Und da hat er mich dann auch schon wieder, der Alltag. Und damit das Radfahren unter winterlichen Bedingungen. Etwas mehr als drei Wochen, nachdem ich im schönsten patagonischen Sonnenschein von Ushuaia die Faust in den Himmel gereckt hatte, kletterte ich am vergangenen Samstag auf mein Mountainbike und musste ordentlich Gas geben, um der feuchten Kälte Südniedersachsens etwas entgegenzusetzen. Da kamen sogar leichte Sehnsüchte nach dem patagonischen „Sommer“ auf, der ja trotz aller Jammerei hin und wieder durchaus den einen oder anderen wärmenden Sonnenstrahl für uns bereitgehalten hatte.

Die Tage zwischen der Ankunft in Ushuaia und der Rückkehr nach Deutschland vergingen wie im Flug. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn Fliegen war ein wesentlicher Bestandteil der Reise. Wobei leider auch „Verspätung“ dazugehörte. Das ging schon in Ushuaia los, als der für Dienstagmorgen um 9.15 Uhr anvisierte Flieger nach Buenos Aires mit zweistündiger Verspätung abhob. Während das für mich kaum ein Problem darstellte, da ich ohnehin in Buenos Aires blieb, musste mein Mitradler Barry tüchtig bangen, denn die Zeit bis zu seinem Anschlussflieger in die australische Heimat wurde dadurch unangenehm knapp. Mich erwischte es dann beim Abflug aus Buenos Aires kurz nach Weihnachten. Wir saßen bereits alle im Flieger nach Madrid, der auch brav zurückgestoßen hatte und auf dem Weg zur Startbahn war. Dort kam er jedoch nie an. Stattdessen gab es nach knapp  drei Stunden des Wartens in der prallen Sonne eine knappe Durchsage, das man aus technischen Gründen nicht starten könne. Kurz darauf fand ich mich mitsamt meines kompletten Gepäcks in der Abflughalle des Flughafens von Buenos Aires wieder und grollte am Ende einer Menschenschlange, die mehr als nur eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um sich über knapp vier Stunden quälend langsam bis zum Schalter fortzubewegen.

Überraschung in Buenos Aires - John, mein Taxichauffeur, lief im  Trikot der Bristol Rovers auf, nachdem ich ihn zuvor von meiner britischen Fußball-Liebe erzählt hatte. Er selbst ist Anhänger von Luton Town und daher ziemlich erfahren in Sachen Fußball-Leidenschaft...

Überraschung in Buenos Aires – John, mein Taxichauffeur, lief im Trikot der Bristol Rovers auf, nachdem ich ihn zuvor von meiner britischen Fußball-Liebe erzählt hatte. Er selbst ist Anhänger von Luton Town und daher ziemlich erfahren in Sachen Fußball-LEIDENschaft…

Gerade noch rechtzeitig, um auf einen nächtlichen Flieger nach Rom umgebucht zu werden, den ich mit viel Lauferei und noch mehr Glück tatsächlich noch erwischte – im Schlepptau stets die reichlich unhandliche Fahrradbox sowie mein restliches Gepäck. In Rom ging meine kleine Odyssee dann weiter. Pünktlich dort angekommen, wollte zunächst niemand etwas von meinem von Iberia auf Lufthansa umgebuchten Weiterflug wissen und nach gefühlten 25 Schalterwechseln sah ich schon eine ziemlich unangenehme Nacht auf dem Flughafen auf mich zukommen. Erst in letzter Sekunde klärten sich die Missverständnisse, erhielt ich endlich mein Boarding Ticket in die Hand gedrückt – mit dem süffisanten Hinweis, dass der Flieger ohnehin verspätet sei. So kam ich schließlich reichlich übermüdet und erst mit gut zwölfstündiger Verspätung in Frankfurt, wo der frisch gefallene Schnee und eisige Temperaturen für den nächsten Schock sorgten.

Wenn einer eine Reise tut….

Nun sind die Akklimatisierungsschwierigkeiten aber beinahe behoben, und seit heute Vormittag rücke ich The Andes Trail vom Schreibtisch aus erneut auf den Leib. Schon seit langem freue ich mich auf die Arbeiten an dem Buch zur Tour, das im September beim Verlag Die Werkstatt erscheint und zu dem es auch einen Bilder- und Videovortrag geben wird. Mit der Distanz vom täglichen Radfahren und der Rückkehr in den Alltag werden sich sicherlich auch für mich Zusammenhänge erschließen, Erlebnisse klären und Verbindungen deutlich werden. Denn nach der Tour herrschte zunächst eine gewisse Leere. Einerseits war ich zutiefst erleichtert, nicht mehr jeden Morgen aufs Rad steigen und mich den mitunter ja nicht allzu umgänglichen Elementen stellen zu müssen, andererseits war – ist – da ein Erlebnis in mir, das unbedingt eine Nachbereitung braucht.

allzu lange wird es sicher nicht abgeparkt werden.

allzu lange wird es sicher nicht abgeparkt werden.

Die Zeit zwischen dem Abflug aus Ushuaia und der Rückkehr nach Deutschland habe ich wie angekündigt in Buenos Aires und vor allem Montevideo genutzt, um mich auf die Spuren der dortigen Fußballkultur zu machen. Ein tolles Erlebnis, bei dem ich auch viele interessante Dinge und Orte gestoßen bin. Doch ich will die nichtfußballaffinen Leser und Leserinnen damit an dieser Stelle nicht langweilen, und wer neugierig ist auf meine Erlebnisse abseits des Fahrradsattels, der wird an dieser Stelle bedient: http://www.zeitspiel-magazin.de/suedamerikas-fussballmetropolen-montevideo.html.

Fahrrad fahren bleibt natürlich auch nach der Südamerikatour ein wesentlicher Bestandteil meines Alltags. Allerdings zunächst ein wenig auf kleinerer Flamme. Das heißt nun nicht unbedingt, dass es weniger spannend wird. So habe ich mich beispielsweise für den 11. April 2015 zum Radklassiker Paris – Roubaix angemeldet, bei dem es über 141 Kilometer u.a. rund 32,5 Kilometer lang über die gefürchteten Kopfsteinpflasterpassagen  geht – darunter der Wald von Aremberg und andere Klassiker. Das Jedermannrennen (http://www.sport.be/parisroubaix/2015/fr/nieuws/article.html?Article_ID=711768) findet einen Tag vor dem Rennen der Profis statt und führt über dieselbe Strecke. Auch Hannover mit der VeloChallenge steht, wie eigentlich jedes Jahr, für mich auf dem Programm, wohingegen ich die Göttinger Tour d’Energie leider verpassen werde – an dem Wochenende haben meine Bristol Rovers ihr letztes Saisonspiel, und ich bin hoffentlich dabei, wenn die Meisterschaft klargemacht wird.

Für den Sommer ist dann zudem eine Pyrenäendurchquerung in Planung. Das sind nun zweifelsohne Abenteuer, die eher diesseits der Komfortzone stattfinden und „gemütlich“ sind (na ja, bei Paris-Roubaix wird sich das noch zeigen…). Aber auch Jenseits der Komfortzone werde ich in der Zukunft sicher mal wieder reinschauen – es war vermutlich kein Zufall, dass mir in den letzten Tagen in Montevideo ein Buch in die Finger fiel, in dem es um eine Radreise entlang der Seidenstraße ging… 😉

In diesem Sinne, hasta pronto von Euerm hardy cyclist

P.S.: Hier noch ein zwei Links zu weiteren Zeitungsartikeln, die bereits erschienen sind

Manager Magazin: http://www.manager-magazin.de/lifestyle/fitness/radrennen-anden-trail-11-000-kilometer-spaeter-a-1008736.html

Die Zeit: http://www.zeit.de/reisen/2014-12/argentinien-suedamerika-andes-trail-ushuaia

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