Monat: Juli 2011

Afrika stirbt

Der wohl schwierigste Moment während der Tour d’Afrique war eine Situation in Nordkenia, als ich ungefähr 20 Kilometer vor dem Camp völlig erschöpft von einer unerbittlichen Wellblech-Piste anhielt, um durchzuatmen und ein kleiner Junge auf mich zukam. Er war vielleicht fünf oder sechs, und ich war auf das übliche „money“ vorbereitet. Doch er fragte nicht nach Geld. Er guckte mich mit traurigen Augen an und sagte „give me water“. Ich war schockiert, sprachlos. Und hilflos. Ich hatte kein Wasser mehr. Meine Flaschen waren fast leer, und für die 20 Kilometer musste ich noch mehr als anderthalb Stunden einplanen. Ich sagte ihm, dass ich kein Wasser habe, zeigte ihm meine fast leeren Flaschen. Dann fuhr ich weiter.

Wenn ich jetzt die Bilder aus Äthiopien, aus Kenia und aus Somalia sehe, fällt mir immer diese kleine Knirps ein. Es ist eine unbeschreibliche Tragödie, die sich gerade in Ostafrika abspielt. Und wir nehmen sie nur beiläufig wahr. Gestern waren in der „Süddeutschen“ fünf Seiten über Norwegen. Und ein kleiner Bericht über die Situation in Somalia. Ich will Norwegen natürlich an dieser Stelle nicht mit Afrika aufwiegen. Aber: man schätzt, die Hungersnot in Ostafrika könnte mindestens 1,3 Mio. Opfer fordern.

1.3 Mio. Menschenleben!

Ich bin ehrlich gesagt wieder ratlos. Mit Aufrufen zu Spenden wollte ich nach meinen ambivalenten Erfahrungen während der TdA etwas vorsichtiger sein. Jetzt aber braucht Afrika uns. Dringend. Mit Soforthilfe.

Doch es ist nicht getan mit Soforthilfe. Denn das habe ich in Äthiopien und Kenia auch gesehen. Die Probleme dort liegen tief. Sie haben ethnische Hintergründe, sie haben klimatische Gründe und sie haben natürlich politische Hintergründe. In Äthiopien, in Kenia und vor allem in Somalia. Aber sie weisen auch auf die Weltpolitik. Auf Spekulanten, die mit Wetten auf den Anstieg der Lebensmittelpreise viel Geld verdienen, während die steigenden Preise anderswo (nicht nur in Ostafrika) Hunger produzieren. Auf das wachsende Problem der Überbevölkerung. Auf unser Desinteresse und Gleichgültigkeit einer Region gegenüber, die bereits als „unrettbar“ abgeschrieben ist.

Schweres Thema. Schwieriges Thema. Sorry, dass ich es an dieser Stelle überhaupt aufgreife. Aber dieser Junge geht mir einfach nicht aus dem Kopf. In Nordkenia sah es dermaßen verheerend aus, das wir uns alle fragten, wie man dort überhaupt leben kann. Und Nordkenia war ja auch die Gegend, wo der Überfall auf die TdA stattfand. Dort herrschte damals schon pure Verzweiflung. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es da jetzt aussieht.

Lasst uns helfen. Jetzt. Alle.

Hilfsorganisationen gibt es bekanntlich zu Hauf. Wo gespendet wird, ist letztendlich einerlei, solange die Hilfe auch wirklich bei den Betroffenen ankommt. Mein Geld ging an oxfam:

http://www.oxfam.de/spenden/ostafrika