Monat: Januar 2011

Rest Day in Dongola – die letzten sechs Tage

Hallo? Hallo! Hier ist Sudan! Dongola, um genau zu sein. Nach drei aufregenden Tagen durch die nubische Wüste haben wir die Stadt am Nil erreicht und dürfen unseren zweiten Pausentag während der Tour d’Afrique genießen.
Wie ihr festgestellt habt, riss die Berichterstattung nach dem Überschreiten der sudanesisch-ägyptischen Grenze abrupt ab. Sorry, aber im Sudan ist die Internetversorgung dann doch erheblich dünner als in Ägypten, wo wir selbst im entlegendsten Wüstencamp online gehen konnten. In der nubischen Wüste indes gibt es kaum Telefonempfang, geschweige denn Internet. Es ist zu vermuten, dass sich daran bis hinter Äthiopien nicht viel ändern wird, so dass ich aller Voraussicht nach lediglich an den freien Tagen berichten kann, wenn ich in ein Internetcafe komme. Hinzu kommt, dass aufgrund der Lage in Ägypten (von der wir nicht viel mehr als Gerüchte mitbekommen) die Internetversorgung im Sudan offenbar abgeschaltet worden ist. Nix genaues weiß man nicht.
In den fünf Tagen, seitdem ich mich das letzte Mal aus Aswan gemeldet habe, ist viel passiert. Wir sind bereits 400 Kilometer tief im Sudan, haben eine abenteuerliche Lake-Nasser-Überquerung hinter uns – und ich bin meinen EFI los.
Ja, richtig gelesen. Keine zwei Wochen auf der Straße, und schon ist das Ziel, das ich mir mal gesetzt hatte, Vergangenheit. Nach fünf Tagen Dauerdurchfall war ich einfach so entkräftet, dass die anstehende 150-Kilometer-Etappe undenkbar war, und so musste ich am ersten Tag hier im Sudan auf den LKW steigen. Traurig, aber in jedem Fall die richtige Entscheidung. Und eine Entscheidung, die den einen oder anderen Gedanken nach sich gezogen hat. Dazu später mehr.
Zunächst ein kurzer Rückblick über die Ereignisse seit Aswan. Dort erledigten wir noch unsere allerletzten Einkäufe und genossen westliches Flair (Pizza!, Bier!), ehe es am nächsten Morgen um 9 im Konvoi zur Anlagestelle der Fähre in den Sudan ging. Ich war zu jenem Zeitpunkt nach einer weiteren Nacht mit Durchfall und Übergeben schon ziemlich angeschlagen, so dass mir die 17 Kilometer bis dorthin ordentlich schwerfielen, zumal sie durchaus üppig bergauf gingen. Die Rampe auf die Staumauer erreichte sogar 9 Prozent – soviel hatten wir auf der ganzen Fahrt noch nicht annähernd gehabt. Am Hafen erwartete uns Hektik pur. Und wir waren mit unserer bunten Reisegruppe angetreten, diese Hektik noch zu verstärken! Was uns gelang. Aber der Reihe nach. Die Fähre nach Wadi Halfa ist die einzige Verbindung zwischen Ägypten und Sudan. Entsprechend voll ist dieses Nadelöhr, und entsprechend voll sollte die Fähre werden. Gefüllt fast ausnahmslos mit Sudanesen, die allerlei Einkäufe nach Hause karrten. Wobei man sich das Wort „Einkäufe“ groß vorstellen sollte, denn es waren nicht etwa ein paar Plastiktüten voll – beinahe jeder kam mit einem kleinen Handkarren, auf dem mannshoch Küchengeräte, Öle, Lebensmittel, Haushaltskram, Babywindeln und was-weiß-ich-noch stapelten. Wir konnten irgendwann die erste Grenzformalität überwinden und stolzierten mit unseren Rädern inmitten des Chaos, wobei insgesamt eine Aura der Rücksichtslosigkeit herrschte. Jeder versuchte, so schnell wie möglich voranzukommen, und es gab ein einziges Geschiebe und Gedränge. Da hieß es mächtig aufpassen auf unsere zweirädrigen Schätze! Nach einem wahren Marsch durch einen Irrgarten standen wir schließlich auf dem Kai, wo die Hektik tatsächlich noch größer war. Das gesamte Gepäck, das auf die Fähre sollte, lag dort verteilt – ein erstaunlicher Anblick. Überall wuselten Träger, die gegen Bezahlung Kartons und Kisten aufs Bot schleppten,. Auch wir mussten unsere Gepäck im Alleingang auf den ollen Kahn transportieren, was für die afrikaunerfahrenen TdA-Teilnehmer ein Crashkurs in Sachen afrikanische Hektik war. Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Der Steg auf vom Kai aufs Boot war etwa so breit, dass bequem ein Mensch mit Gepäck durchkommen konnte. Es versuchten aber gleichzeitig, ungefähr fünf bis sechs Menschen durchzudringen – jeder natürlich mit Gepäck. Und nicht zu vergessen die Träger, die bereits auf dem Schiff waren, ihre Sachen abgeladen hatten und nun auf dem Rückweg waren, um neue Waren aufzunehmen. Und wir mittendrin mit den Fahrrädern. Was ein Abenteuer!
Nach gut drei Stunden waren wir alle mitsamt Bikes und Gepäck auf dem Boot und ich konnte mir eines der rare Kabinenbetten sichern, um mich etwas auszuruhen. Ich schlief sofort ein und wachte erst am nächsten Morgen wieder auf – nachdem mich während der Nacht erneut Durchfall-Anfälle plagten, was auf der nicht wirklich hygienischen Schiffstoilette eine wahre Freude war.
Morgens habe ich dann mal einen Blick auf das offene Oberdeck geworfen, auf dem all jene unglücklichen TdA-Fahrer, die kein Kabinenbett bekommen hatten (etwa die Hälfte des Fahrerfeldes). Gerappelt voll ist kein Ausdruck. Da war kaum noch ein Millimeter, wo man gehen konnte. Überall lagen Menschen, standen Klamotten herum, lehnten Fahrräder an. Die Oberdeck-Schläfer waren entsprechend gerädert, zumal es während der Nacht offenbar auch noch ordentlich kalt gewesen war.
Irgendwann so gegen 10 legten wir dann in Wadi Halfa an, und das Warten begann. Erst mussten alle Sudanesen mit ihrem Gepäck runter. Zwei Stunden vergingen. Dann mussten wir zur ersten Immigration-Registrierung. Eine weitere Stunde. Dann das Gepäck rauswuchten, die Fahrräder holen. Noch ne Stunde. Das Gepäck auf einen LKW laden, etwa 800 Meter fahren, wieder alles runter, weil die zweite Immigration-Registrierung jedes einzelne Gepäckstück sehen wollte. Irgendwann gegen vier Uhr verließen wir schließlich unter lautem Getöse den Hafen und radelten etwa zwei Kilometer bis zum Stadion von Wadi Halfa, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Was ein Aufstand!
Aber wir waren im Sudan! Endlich! So lange hatte ich davon geträumt, einmal in dieses Land zu kommen. So mysteriös, so exotisch, so verzaubert. Und wegen des Referendum war unsere Reise in das Land ja lange in Gefahr gewesen. Nun waren wir da, und der Unterschied zu Ägypten war enorm. Sudan ist viel sauberer als Ägypten, wo überall Müll auf den Straßen und in den Straßengräben rumliegt. Die Sudanesen sind wesentlich zurückhaltender als die Ägypter, wirkten relaxter, mehr in sich ruhend. Und das schönste: Überall sah und hörte man Menschen lachen. Ein Land, das viel lacht, ist ein gutes Land!
Die ersten Eindrücke waren also phantastisch, und so ging es auch weiter. Auf dem Fußballplatz von Wadi Halfa aber zunächst ein gewaltiges Hallo, weil die eigentlichen Transportfahrzeuge der TdA dort standen. Damit war das Provisorium, mit dem wir uns in Ägypten rumgeplagt hatten, vorbei. Die LKW waren nicht nach Kairo gekommen, weil die Gefahr bestand, dass sie im Falle eine Kriegsbeginns im Sudan dort steckengeblieben wären. Vieles ist nun viel einfacher. Wir haben vernünftige Stühle (in Ägypten gab es wackelige Sitzhocker), es gibt gute Elektrolytedrinks und echte Energie-Bars, die Köche sind glüvcklich, weil sie ihre Küche haben, wir haben einen Medizinwagen und, und, und. Vorher hatten wir lediglich zwei LKW-Pritzenwagen, auf den das gesamte Gepäck flog, sowie zwei Kleinbusse, die als alles mögliche dienen mussten und dementsprechend stets in einem chaotischen Zustand waren. Man konnte auch dem TdA-Personal die Erleichterung ansehen, endlich wieder in vertrautem Terrain zu sein. Außerdem hat nun jeder sein eigenes Schließfach für sein Gepäck. Das ist etwas so groß, wie früher die großen Schließfächer auf den Bahnhöfen, und es bedarf einiger Kunststücke, seinen ganzen Kram da reinzukriegen. Vor allem, wenn es rund 70 Leute gleichzeitig versuchen…
Am nächsten Morgen war für mich Schluss. In der Nach hatte ich erneut dreimla rausgemusst, und alserneut nix anderes als pure Flüssigkeit aus dem Darm gekommen war, hatte ich schon während der Nacht beschlossen, die erste Etappe im Sudan nicht mitzufahren. Scheiß auf EFI (wörtlich!), Gesundheit geht vor. Zumal nacheinander eine 150, eine 148 und eine 107 Kilometer-Etappe bis Dongola anstanden – 400 KM in vier Tagen, das war undenkbar. Eine weise und richtige Entscheidung, wie ich heute weiß, wo es mir endlich wieder besser geht. Während sich das Fahrerfeld auf die Räder schwang, kletterte ich also in den LKW und ließ mich mitsamt meines Bikes in das erste Wüstencamp transportieren. Und auch wenn ich nicht auf dem Rad saß, konnte ich sehen, dass die nubische Wüste einfach nur wunderschön ist. Wellig, mit vereinzelten Hügeln, hier und da ein paar Felsen und grenzenlose Ruhe ausstrahlend ist sie ein ganz besonderes Stück Erde. Mittendrin liegt seit kurzem ein neues Asphaltband, das mit chinesischen Mitteln und unter chinesischer Hilfe entstanden ist und Wadi Halfa mit Khartoum verbindet. Als die Tda vor neun Jahren startete, gab es dort nur eine rüde Geröllpiste, auf denen sich die Fahrer über Tage bis an die Grenze der Belastbarkeit quälen mussten. Nun glitten unsere Racer mit fast 40 km/h durch die Wüste und waren dabei zumeist die einzigen Lebewesen weit und breit. Kaum Autos, nur ganz selten Mal ein menschliches Gesicht – Einsamkeit pur. Unser erstes Wüstenlager lag dann direkt am Nil, und trotz Krokodilwarnung nahmen die meisten Fahrer ein erfrischendes Bad in dem Strom – das sich allerdings eher als Schlammbad entpuppte.
Ich war inzwischen auf Antibiotika, um den Dauerfall endlich in Griff zu bekommen, und nachdem ich mein Essen endlich einmal in mir hatte behalten können, kletterte ich am nächsten Morgen wieder auf mein Focus Mares. 148 KM standen an – zuviel für meinen völlig entkräfteten Körper. Aber bis zum Lunchstop in 78 KM wollte ich es schaffen – und schaffte es auch. Danach kletterte ich wieder in den LKW und ließ mich ins Lager bringen, wo ich dann meinen Regenerationsprozess fortsetzte. Heute nun konnte ich die gesamte Etappe (107 KM) absolvieren und hoffe, am Sonntag nach unseren morgigen freien Tag hier in Dongolar wieder vollständig fit zu sein.

Nach diesem doch etwas längeren Monolog nun noch ein kleines Zwischenfazit, das durchaus gemischt ausfällt. Die Tour d’Afrique ist das mit Abstand härteste, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Meine einzige Erinnerung an eine ähnliche körperliche Erfahrung liegt ungefähr 30 Jahre zurück und bezieht sich auf eine dreitägige Durchschlageübung bei der Bundeswehr, als wir an einem Punkt ausgesetzt und zu einem anderen kommen sollten. Das waren aber nur drei Tage… Das hier sind vier Monate. Ich fang mal mit einem kleinen Überblick über den Tagesablauf an.
6 Uhr aufstehen (seitdem wir um Sudan sind, konnten wir die Zeit um eine Stunde weiterstellen). Klamotten packen, Zelt abbauen, alles einpacken, mit der Schaufel in den Busch gehen, um die Geschäfte zu erledigen, Zähne putzen
6.30 Uhr Frühstück (Porridge, Müsli, manchmal dünnen Kaffee)
7.00 Uhr Klamotten in den LKW bringen und versuchen, in das Schließfach zu bekommen. Da das alle gleichzeitig machen, kommt es dabei zu erheblichen Staus und man kann froh sein, wenn man um 7.20 Uhr wieder draußen ist.
Schnell noch Wasserflaschen auffüllen, Sonnencreme auf die Nase, dicke Jacke an (morgens ist es hier bitter kalt!) und um 7.30 Uhr auf die Straße.
7.30 Uhr bis ca. 12.30 oder 13.30 Uhr: Fahren. Mit einem Schnitt von ungefähr 26 bis 28 km/h. Ich fahre meistens in einer Gruppe mit etwa 8 Leuten mit, was wesentlich angenehmer ist, weil man sich etwas unterhalten kann, man sich nicht alleine gegen den Ewind kämpfen muss und einem die Strecke nicht annähernd so weit vorkommt. Ungefähr auf der Hälfte ist der Lunch Stop, wo wir uns Brote machen können (peanutbutter, maremalde, salat) und unsere Getränbke auffrischen.
Ca,. 13.30 Uhr: ankunft im Lager. Kurz ausruhen und ein wenig heiße suppe schlürfen. Dann gepäck aus dem Schließfach nehmen, einen guten Zeltplatz suchen (Schatten, nicht zu lange laufen müssen), Zelt aufbauen, Klaomotten auspacken.
Danach bis 17.15 Uhr „frei“, wobei in der Zeit entspannt, die Gegend etwas erkundet und das Fahrrad gepflegt werden will. Die Zeit geht also meistens wie nix davon
17.15 Uhr Riders Meeting, auf dem die Strecke für den nächsten Tag besprochen wird
17.45 Uhr: Abendessen.
19.00 Uhr Ab ins Bett. Schlafen für den nächsten Tag

Ein enger Zeitplan, der schon im Normalfall wenig Raum für Außergewöhnliches lässt. So habe ich bislang vielleicht 20 Buchseiten gelesen – das ist für mich eigentlich nix. Schlimmer wird es, wenn man nicht fit ist. Als mein Durchfall anfing, kam ich sofort in erheblichen Zeitdruck. Ich brauchte länger auf der Straß0e, war also später im Camp und hatte entsprechend weniger Regenerationszeit bis zum Riders Meeting. Die Nächte waren trubulent, weil ich ständig rausmusste, also habe ich zu wenig geschlafen. Essen konnte ich auch nicht vernünftig, lso fehlte mir die Kraft.

Zu dieser körperlichen Belastung kommt eine recht hohe mentale Belastung. Als ich im September in den Alpen die Berge hochgepeitscht bin, war ich körperlich manchmal erschöpfter als hier. Aber ich bin danach auf meinen Campingplatz zurückgefahren, habe gemütlich geduscht und mich anschließend in ein französisches Straßenkaffee gesetzt und gemütlich einen Cafe au Lait geschlürft. Ich konnte vernünftige Klos benutzten, mir im Laden um die Ecke kaufen, wonach mir war und mich auf eine gewissen Infrastruktur verlassen. Sprich: ich konnte mich auf die Regenaration meines Körpers konzentrieren. Hier ist von all dem nichts gegeben. Die Wüstencamps liegen tatsächlich mitten in der Wüste, und sämtliche Klamotten sind inzwischen völlig voller Sand. Seitdem wir im Sudan sind, brennt zudem die Sonne ziemlich tüchtig. Und afrikanische Nächte können SEHR laut sein (ständiges Hundegekläffe, Autoverkehr, die Muahezzins…). Wasser gibt es nicht außer zum Trinken und zum Händewaschen vor dem Essen. Klos sind, wie gesagt, Löcher in der Wüste, die wir selber buddeln müssen. Eine Infrastruktur im Umfeld gibt es nicht – gibt also keine kalte Cola o.ä. Und Privatsphäre gibt es bei rund 80 Leute, die auf engstem Raum aufeinander hocken, natürlich auch nicht.

Unterm Strich ist das eine Erfahrung, die sich auf diversen Ebenen abspielt und Körper und Geist wirklich einiges abfordert. Als ich mich mit dem Durchfall plagte, war das alles wahrlich kein Spass mehr und ich habe mehrfach im Sand gehockt, dem Plätschern des Wasser aus meinen Darm gelauscht und mich gefragt, wie man das für vier Monate durchhalten kann. Man kann, das haben alle bisherigen TdA-Teilnehmer bewiesen. Aber man muss dazu auch mental bereit sein. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich gut vorbereitet nach Afrika gefahren bin. Mit der Mucki-Bude und all den Strecken, die ich in Frankreich gefahren bin. Mit meiner Afrika-Erfahrung, meiner Camping Affinität. Doch alle Vorstellungen häben mich nicht auf das vorbereiten können, was mich hier erwartet. Da fragt man sich, wie es all denen gehen muss, die möglicherweise weniger vorbereitet sind oder weniger Erfahrung haben.

Was ein bisschen blöd ist, dass die Eindrücke von Afrika dabei etwas zu kurz kommen. Dadurch, dass wir ständig unterwegs sind und auch das auch noch in einem relativ hohen Tempo bleibt wenig Zeit für Land und Leute. Wir hoffen alle, dass sich das noch ändern wird, denn hier sind wir auf Asphalt unterwegs, und außerdem ist die Wüste ja nicht ganz so reizvoll für ständige Stopps. Es ist aber schon deutlich geworden, dass die keine REISE durch Afrika, sondern ein RENNEN durch Afrika ist. Das heißt im gleichen Atemzug, dass das Kollektiverlebnis stärker ausgeprägt ist und wir viel in Gruppen unternehmen.

Nun denn, soweit ein erstes, etwas durchwachsenes Zwischenfazit. Exakt zwei Wochen sind nun rum (unfassbar, ERST zwei Wochen?), und viele Dinge werden sich wieder ändern, so wie sich Afrika vor unseren Augen ständig ändert. Soviel glaube ich inzwischen erkannt zu haben: das Geheimnis ist, sich auf diese Reise einzulassen. Körperlich, mental und mit voller Lust.

Liebe Grüße an die Heimat!

P.S.: Sorry, keine Bilder. Internet ist quälend langsam hier…

Advertisements

Short English Update from Sudan

Hi guys over there in the UK, France and China

Just a short update for all of you not able to understand German. We are in Sudan (Dongola), whrere there is obviously no internet-connection due to the situation in Egypt. This ride has been quite tough in the last week. Since Luxor I struggled with Diarroea, and although we had two days off due to shipping down from Aswan to Wadi Halfa in Sudan I couldn’t go on the bike the first day here in Sudan. That means, I already lost my EFI, but at least I got rid of the diarroea by now.

Riding is quite tough as is the tight schedule. There is not much time during the day to relax and camping at the desert doesn’t make it easier. Everything is very sandy by now, and my body longs for a proper wash. Didn’t have a shower for more than 6 days, and I don’t thing I’ll get another proper shower until Nairobi. It’s a moajor excperience for body and mind, and as far as I can say so far it is even more a challenge for the mind as it is for the body. You can prepare your body for the TdA, but you cannot prepare your mind for what we are experiencing here. So I guess it will take a while until I get used to it and start enjoying it again. That’s for sure: if you are not fit, it is no fun. More than once I sat somewehre in the desert, trying to day my “business” and asked myself how on earth am I to survive the whole thing for four moths. But that will change again, I’m pretty sure.

Sorry for not updating you properly, but due to tight schedule and rare Internet that’s simply not possible. And I fear It will be the same at least until Nairobi. Just to tell you were qwe are: After Aswan we crossed the Lake Nassar by ferry and went to Wadi Halfa. From there we cycled 400 KM south along the Nile to Dongola where we are now. We are camping right in front of the local zoo, which seems to be deserted though.

All the best to all of you. Keep hope alive et KENAVO

9. Tag / day 9

Man soll ja immer positiv sein. Also: es hätte regnen können, ich hätte ohne diese phantastische gruppe, der ich mich gleich am start anschloss, für mich allein kämpfen können uns ich hätte das klopapier vergessen können.
So aber trug diese super gruppe von 9 leuten aus 7 ländern (trinidad-tob., niederlande, schottland, usa, deutschland, australien, kenia) mich förmlich ins ziel während ich mehrfach das flussbett des nils aufsuchte, um mein klopapier zu verteilen. Und das alles bei schönstem sonnenschein immer entlang am wirklich wunderschönen nil. Wer würde da klagen wollen?
Das problem, wenn man auf der tour d’afrique nicht fit ist, sind die folgen. Der durchfall entkräftet und man isst zu wenig, weil der hunger nicht da ist. Man schläft schlecht und renegeriert nicht genügend. Auch einfache etappen wie heute kosten somit viel kraft, und zeit, sich auszukurieren ist eigentlich nicht da.
Würde morgen gefahren werden, wäre mein efi ernsthaft in gefahr. Noch mal 120 Km in diesem zustand würde ich nicht fahren. Das hieße besenwagen. Meine hoffnung sind die zwei tage auf der fähre in den sudan, in denen ich mich hoffentlich erhole. Was ein wahnsinn!
Im moment liege ich vor meinem zelt im stadion vom assuan und genieße kalte cola. Assuan macht einen wunderbaren eindruck, und mitten im zentrum gibt es sogar eine mcd! Tribut an all die touristen, die hierhin für nil- oder assuan-staudamm-kreuzfahrten kommen. Als wir die stadt durchradelten, machte sie einen sehr westlichen eindruck, und ich hoff, ich bin nachher fit genug, um noch etwas von ihr zu sehen (ein weiteres problem von krankheit auf der tda: man hat keine kraft/zeit, viel zu sehen).

Arrived at assuan rather exhausted as i’m still fighting diaroea. Hope to recover on the ferry to sudan we gonna embark tomorrow morning. Crossing the lake nasser takes 2 days – good for my stomach and my guts.
Special message to all gasheads: so relieved about yesterdays result. Hope the boys now gain on confidence and turn back into winning ways. All the best from assuan!

8. Tag / day 8

Wer hat eigentluch diesen blödsinn mit ‚verlassen der komfortzone‘ und ‚eigene grenzen austesten‘ geschrieben? Ich? Mmh, muss in einem anderen leben gewesen sein… Ich fang mal an: heute nacht übte montezuma an mir rache. Resultat: großer flüssigkeitsverlust durch dauerdurchfall und großes schlafdefizit durch dauerlaufen. Entsprechend gerädert begann ich den morgen, der bis zum 70 km lunchstop prima lief. Hatte ne gute gruppe und wir strebten mit ordentlich 27 km/h gen ziel. Dann gings weiter: direkt am lunchstopp – hatte ich nen platten. Umringt von neugierigen kindern schlauch gewechselt, schnell was gegessen und zurück auf die straße. 4 km wurden wir alle von der polizei gestoppt, die warten wollte, bis alle fahrer da sind. Kostete mich mindestens eine halbe stunde… Als es weiterging war unsere schönw gruppe aufgelöst und wir kämpfen nur noch zu dritt gegen den gegenwind. 20 km vor dem ziel machte ich dann an einem bahnübergang auch noch die grätsche. Nix schlimmes passiert – schürfwunden am knie und am ellenbogen, rad ok. Dann endlich ankunft in ibfu, wo wir im fussballstadion campen. Die sanitäranlagen sind … Bemerkenswert – uns vermutlich dennoch die besten bis nairobi. Soviel zur komfortzone verlassen. Und ich großmaul jammer jetzt schon.
Mit jedem kilometer, den wir südlich radeln, wird es afrikanischer. Die menschen werden dunkler, die orte sehen aus wie in ghana. Der nil ist hier unter mächtig majäjestisch und wirklich wunderschön. Endlich gibt es was zu gucken, ist die gegend wirklich interessant. Die kids drehen immer noch durch, wenn sie uns sehen, und die sonne brennt inzwischen auch mächtig (nur morgens nicht – in luxor waren es knapp 5 grad beim losfahren.
Nun: erholen und hoffen, der durchfall hat sich verzogen. Morgen assuan.
Geniest die komfortzone, leute 😉

Arrived at ibfu at the nile river. Had a difficult today: during the night diarroea, at the lunch stop a flat tire and later i fell down and hurt myself. Nothing serious, though. Try to rest now and getting rid of the diarroea.

English update

I know, I promised. And I’m really sorry. But…

Yesterday, my stomack went beserk and today, on our day off in Luxur, I had to relax a little as we are back on the road tomorrow. At least you’ll find some pictures in the German Entry (7. days, rest day in Luxor). As soon as possible I’m giving you a proper update – although by now I could write a book abour everything that has happened already.

Stomack is ok again, tomorrow we had for Assuan and on monday we enter the ferry to Sudan. You’ll here from me – I promise!!!

7. Tag / Day off in Luxor (mit Bildern)

Auf geht's / Let's go

Während der Muhezzin über den Dächern von Luxor seine Parolen verbreitet (und sich dabei für meine Ohren recht aggressiv anhört), genieße ich den Day off auf dem Campingplatz.

Er ist mehr als bitter nötig. Nachdem ich mich gestern wirklich mit letzter Kraft ins Camp gequält hatte (und dazu ja noch den Kettenschaden hatte), verstanden sich das anschließende fettreiche Essen und mein Magen nicht allzu gut, so dass alles im hohen Bogen wieder rauskam. Keine Sorge, kein Virus, einfach die Erschöpfung und das Essen, das schlicht zu fettreich war.

Abends waren wir dann mit ein paar Leuten gemütlich essen, und da blieb auch alles wieder drin.

Nach einer langen Nacht mit sicher 10 Stunden Schlaf standen heute am freien Tagt ne Menge Aufgaben an. Wäsche waschen, Rad pflegen, sich selbst pflegen und erholen, Blog updaten, meine Artikel schreiben, Bilder verwalten, Luxor entdecken. Ihr seht schon: viel zu viel für viel zu wenig Zeit.

Wüstencamp / desert camp

Luxor entdecken zum Beispiel fällt für mich aus. Bis auf einen kleinen Spaziergang, bei dem wir durch enorme Touristenhorden marschiert sind, habe ich mir das geschenkt. Wichtiger ist, wieder fit für die nächsten 1.000 Kilometer zu werden.

Die erste Woche war grandios und sehr lehrreich. Mit den starken Jungs vorne wegzufahren, hat wahnsinnig Spass gemacht. Und ich war schon stolz, als ich das Feld anführte und ins Wüstencamp transportierte. Am vierten Tag habe ich dann aber deutlich gemerkt, dass das eigentlich nicht meine Preisklasse ist und dass ich, wenn ich diese vier Monate überstehen will, zurücknehmen muss. Ich bin mit einem Tempo gefahren, mit dem ich in Deutschland auch unterwegs bin. Doch da fahre ich vielleicht mal 120 oder 150 Kilometer – und das auch nur ein-/zweimal in der Woche.

Nächste Woche werde ich also etwas langsamer angehen lassen – sorry an alle, die schon Wetten auf meinen Gesamtsieg laufen haben. ;.)

Die Wertung auf der TdA-Seite war etwas chaotisch. Angeblich soll ich ja am zweiten Tag 2er gewesen sein. War ich nicht! Es gab Probleme mit der Zeitfindung, die hoffentlich gestern gelöst wurden, so dass wir nun die richtigen Zeiten haben sollten. Wenn ich richtig informiert bin, stehe ich auf Rang 17. Das wäre immer noch besser, als ich selber schätzen würde (da denke ich, dass ich irgendwo auf Platz 20 bis 25 bin).

My bike and my tent at the camping at safaga

Aber insgesamt ist das ohnehin völlig schnuppe, denn es geht hier nicht um Platzierungen, sondern um Afrika erleben. War ne super Erfahrung, mit der Führungsgruppe über die Straßen zu heizen, doch von nun an geht es für mich langsamer voran, werde ich mehr auf Land und Leute achten.

Insgesamt ist das alles ein irres Erlebnis. Wir fahren hier teilweise über die Autobahn, die oft die einzige Straßenverbindung ist. Fast jeder LKW hupt und winkt wie verrückt, wenn er uns sieht. Die Leute sind unheimlich nett und zuvorkommend. In gebrochenem Englisch wird gefragt, wo wir hinfahren. Wenn wir den nächstgrößeren Ort nennen („Safaga“, „Qina“ etc.) nennen, nicken sie wissend. Wenn wir „Cape Town, South Africa” sagen, gucken sie nur groß und glauben uns kein Wort. Das ist einfach unvorstellbar.

on the road

Die Landschaft war entlang des Roten Meeres öde und langweilig. Dazu der ewige Gegenwind, was die Etappen ganz schön lang gemacht hat. Nachdem wir ins Landesinnere abgebogen sind, sah es anders aus. Die Berge waren sehr schön, und ich hatte erstmals das Gefühl, wirklich durch die Wüste zu fahren. Nun sind wir in Luxor und damit im Nil-Delta, wo noch mal alles anders ist. Unheimlich grün, dicht bevölkert, hektisch. Und deutlich wärmer (zumindest tagsüber).

Zwei Tage noch, dann sind wir in Assuan und klettern auf die Fähre nach Sudan, wo das Abenteuer seinen nächsten Schritt nimmt. Ich hoffe, ich bin bereit.

Mittagspause / lunch stop

Unser Alltag ist wie erwartet simpel: 5 Uhr aufstehen und ersten Teil des Gepäcks zusammenpacken. 6 Uhr Frühstück (Instantkaffee mit gechlortem Wasser, würg, Haferflocken mit gechlortem Wasser, doppel-würg, Fladenbrot mit Peanutbutter). Um 7 muss das Gepäck im LKW sein, danach können wir auf die Straße. Meistens sind wir so gegen 2 im Lager, wobei man natürlich deutlich eher da ist, wenn man mit den so genannten „Racern“ ( also der Spitzengruppe) fährt, die einen Schnitt von 27 – 32 km/h fährt. Das hat den Vorteil, das mehr Zeit zur Erholung im Lager bleibt. Dafür muss man aber auf der Strecke deutlich mehr arbeiten.

Viele von uns haben ordentlich gelitten in den ersten Tagen. Vor allem der zweite Tag mit den 167 Kilometern war lang und hat den ersten Teilnehmern den EFI gekostet. Wie schnell das gehen kann, habe ich heute gesehen, denn hätte ich heute 167 Kilometern fahren müssen…

Tausend Dank für Eure aufbauende Kommentare hier im Blog und auch auf Facebook. Glaubt mir, ich habe Rotz und Wasser geheult! Es ist einfach fantastisch zu sehen, wie viele Leute mein kleines Abenteuer verfolgen und Anteil nehmen. Das gibt mir echt Kraft für die nächsten Krisen, die kommen werden.

Über die Berge nach Qena / Over the hills to Qena

Nun noch zwei Tage Ägypten, dann geht die Fähre rüber in den Sudan. Ob ich von da aus weiterhin täglich updaten kann, weiss ich noch nicht. Ich brauche dazu ein einigermaßen vernünftiges Telefonnetz, und ob das im Sudan vorhanden ist? Wenn nicht, melde ich mich wieder vom nächsten freien Tag. Liebe Grüße an alle und bis die Tage!

Lebenswichtig: Coke Stop