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Tuscany Trail Teil 3

UPDATE: Die nachstehend vollmundig angekündigten Bilder gibt es leider nur zum Teil. Das WLan ist hier ähnlich bergschneckig unterwegs wie gewisse „hardy cyclists“. Kommen dann nach meiner Rückkehr.

Ich bin euch noch zwei Tage Trail-Reportage schuldig, nicht wahr? Sorry, erst war die Rückfahrt per Nahverkehrsbahnhopping etwas zeitraubend und heute erwischte mich dann das, was ich auf der Radtour zum Glück nicht hatte: nen platter Reifen – und zwar am Auto. Das löst sich hier aber mit italienischer Eleganz, und so ist auch mein Vierbeiner inzwischen wieder fahrtauglich. Sonntag gehts dann endgültig gen Heimat.Fünf derartig intensive Radeltage hatte ich wohl noch nie. Nicht in Afrika, nicht in Südamerika, schon gar nicht in Großbritannien. Vor allem an den ersten drei Tagen waren die Verschnaufpausen echt dünn gesät, und mit meinem dann doch nur bedingt tuscanytrailtauglichen Gravelbike habe ich ganz schön gelitten. Besonders bitter waren die steilen Abfahrten, die ich schieben durfte, während die Mountainbiker fröhlich an mir vorbeidonnerten. Mit meinen dünnen Reifen (37er), dem Rennradlenker, den Felgenbremsen und dem Gepäck waren sie schlicht nicht zu fahren, ohne mich in halbe Lebengefahr zu begeben. Bergschnecke reloaded eben.Die letzten beiden Trailtage waren etwas leichter. Mehr Asphaltpassagen, teilweise flache Abschnitte und brauchbar zu befahrende Schotterpisten. Da stieg dann sogar das Durchschnittstempo auf normalübliche Werte an, konnten wir Kilometer machen und endlich mal Distanz überbrücken. So ein paar lustige Übungseinheiten waren aber trotzdem mit dabei. Hinauf nach Radicofani zum Beispiel. 800 Meter hoch thronte das Örtchen über uns und wollte nochmal alles von uns sehen. Und dass die Sonne mit verschmitztem Gesicht und lüsternd die Arme vor der Brust verschränkend zuschaute war der ganze Sache auch nicht wirklich abträglich. Jedenfalls lief der Schweiß in Strömen runter, während sich die Kilometer bestenfalla in Zeitlupe reduzierten. Zum Lohn gabs oben den genialsten Couscous meines Lebens, gereicht von einer pfiffigen Alimentari-Betreiberin, die genau wusste, was müde Radler brauchen.Überhaupt: zu den Grundregeln des toskanischen Siedlungsbaus gehört offensichtlich die Pflicht, jede Siedlung so hoch wie möglich zu bauen. Und möglichst von einem Tal umgeben zu lassen. Ist ja auch logisch, geschützte Lage und so. Aber hey, wir leben im 21. Jahrhundert! Da kommen höchstens noch Touristenhorden! Und nicht alle haben E-Bikes…Der letzte Brocken lag dann 50 Kilometer vor dem Ziel, ging 800 Meter hoch und hatte einen durchaus okayen Anstieg aber einen fürchterlichen Downhill. Als Sahnehäubchen gabs dann kurz vor dem Ziel noch ein paar tiefsandige Passagen, an denen ich mit meinen dünnen Reifchen noch mal so richtig jammerte. Niemand hat behauptet, der Tuscany Trail sei vergleichbar mit einer Moselrundfahrt!Um 17:07 Uhr überfuhr ich schließlich die Ziellinie und kann sagen: ich war echt froh!Was da hinter mir liegt kann ich selbst noch gar nicht so recht greifen, und irgendwie ringe ich ja auch hier grade nach Worten. Also zeige ich lieber ein paar Bilder und meld mich später nochmal mit nem klareren Blick.1

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Tuscany Trail Teil 2

Kommt ein Rennradler ins SM-Studio. „Einmal volles Programm bitte. Dreischwänzige Peitsche, Brustklemmen, Halsband. Und unbedingt Stilettos! Die ganz langen und spitzen! Dazu bitte Saunatemperaturen. So richtig heiß und perlig!“

Und damit herzliche Grüße vom #TuscanyTrail!

Wir sind in Torrenieri, einem mir bislang völlig unbekannten Nest etwa 50 Quälkilometer südlich von Siena. Torrenieri liegt auf einem mächtigen Hügel und lässt sich vom Radler nur langsam erobern. Dabei fließt eine Menge Schweiß, bewegen sich die Fortbewegungsgeschwindigkeiten im einstelligen Bereich. Hinter Torrenieri, wir wissen es noch nicht, ahnen es aber längst, geht es steil bergab. Bis zum nächsten Ort, der dann wieder auf einem Hügel liegt.

Soweit zu dem, was ich hier tue.
Das Ganze malt ihr euch jetzt bitte nicht mit kinderpopoglatten Asphaltstraßen aus sondern mit Pisten, die an die raue Haut eines Seemannes erinnern. Oder vielleicht gleich an die eines Elefanten.

Was ich in den letzten beiden Tagen an Pisten gefahren bin stellt einiges von meinen bisherigen Highlights in Afrika und Südamerika mühelos in den Schatten. Gestern zum Beispiel freute ich mich über 30 knüppelharte Anstiegskilometer auf technisch sehr herausforderndem Terrain auf die unvermeidlich Abfahrt. Als sie endlich kam, klappte mir die Kinnlade runter. Schnurgrade mit 18 Prozent herunter ging sie. Eine Mischung aus Geröll, faustgroßen Steinen und Resten einer uralten Teerstraße. Als ich die Bremsen löste zogen unglaubliche Kräfte an mir. Nach ein paar Metern war ich schweißgebadet vom Bremse-ziehen, nach 20 Metern lag ich auf dem Boden, weil mich eine Steilstelle vom Rad gekippt hatte. Danach ging ich den Downhill – wie quasi alle, die hier kein Fully fahren – zu Fuß runter. Und kam trotzdem schweißgebadet und kreuzkaputt unten an. Um nach ein paar flachen Metern vor einer neuen Wand zu stehen, die sich mit schlappen 18+ gen Himmel zog. Lustig ausgeleuchtet von der Nachmittagssonne, die alles gab, um es uns Radlern kuschelig warm zu machen.

Leichte Gebrauchsspuren sind bereits erkennbar

Diese Tour ist eine echte Herausforderung. Zumal wenn man -wie ich – mit einem Gravelbike (Crosser) am Start ist, 37er Reifen fährt und eine Übersetzung montiert hat, die spätestens ab 15 Prozent Steigung zu schwerfälligen Kurbelumdrehungen führt und mit dem das Downhillfahren ein ziemlich kribbeligen Erlebnis ist. Wer immer also darüber nachdenkt, #TuscanyTrail zu radeln: MTB oder Fully und mindestens drei Omarettungsringe auf die Kassette packen!

Ich will mich jetzt nicht in Superlative flüchten und schon gar nicht jammern – es ist grandios, dieses Ding im wahrsten Sinne des Wortes zu erleben – aber es ist schon brutal hart. Gestern beispielsweise standen wir 800 Meter nach dem Start am ersten Anstieg. 500 Höhenmeter, alles auf steilen Rampen und rüden Pisten. Für die ersten drei Kilometer brauchen wir eine Stunde. Bis wir drüber waren, schlug die Uhr 11 – wir waren um 8 gestartet. Dann ging es schön asphaltig nach Firenze herunter, wo wir in Touristenmassen unterzugehen drohten, ehe nach Firenze die nächsten Anstiege anstanden. Inzwischem bei Sonnenschein um die 30 Grad.

Firenze!

Was es denn neben aller Jammerei schönes zu berichten gibt? Herrlich viel! Tolle Landschaften, schöne Begegnungen mit Verrückten aus aller Welt, eine traumhafte italienische Küche, viele, viele hilfsbereite Menschen und dazwischen bergeweise Touristen. Die Sprache, mit der ich mich hier zu verständigen versuche schwankt zwischen Englisch und Spanisch (wenn ich nicht aufpasse flutscht mir immer „muchas gracias“ raus statt der hiesigen Wendung), und es wird dabei viel und beständig gelacht. Tutto bene also!

Zwei Tage liegen noch vor uns. 220 Kilometer, 3.800 Höhenmeter, blendende Wetterprognosen mit 30+ Grad und jede Menge Pisten, bei denen das Höhenprofil wie eine Säge aussieht, so oft geht es hoch und runter. Ich bin echt gespannt, in was für einem Zustand ich am Mittwoch im Ziel ankomme. Mit im Übrigen deutlich größerer Reisezeit als der Erste, der gestern nach nur 34 Stunden im Ziel eintrudelte. Da kühlten wir noch unsere müden Wade von den ersten 200 Kilometern.

Gehabt euch wohl, richtige Eindrücke gibts erst nach der Tour, die Beine liegen schon hoch und die Augenlieder sind schwer.

Your hardy cyclist!

Siena!

Und hier noch ein paar Pisteneindrücke:

Tuscany Trail Tag 1

Manchmal lacht man ja, wenn man eigentlich weinen möchte – oder besser: muss. Alles hing mir bereits in den Kniekehlen und das nahe Vinci war als der Ort ausgeguckt, wo die heutige Etappe enden sollte, als die toskanischen Landschaftsbauer einen letzten Gruß an unsere Reisegruppe schickten. Man sah ihn schon von weiten und er war wunderschön. Mit 18 bis 20 Prozent stieg er steil aus der Landschaft hinauf und grinste mich feist an. In mir schrie alles. Sämtliche Körnchen waren verbraucht, die Sonne knallte mit diebischer Freude auf (in?) meinen Rücken. Die Toskana hat mich geschafft. Und doch zockelte ich im Schneckentempo auch dieser Erhebung hoch und widmete diesem Wahnsinn TuscanyTrail ein weiteres Kapitel. Oben drauf war übrigens ein Weingut, wo man uns durstige Seelen mit elegantem Roten huldigte.

Massa, 7:40 Uhr, heute morgen. Etwa 700 Radverrückte treffen sich zum gemeinsamen Durchdrehen.

Tuscany Trail hat seinen gefürchteten Namen alle Ehre gemacht. Nach 20 Kilometern flach durch wilden italienischen Verkehr ging es steil hoch, und dabei blieb es. Bis zum Schluss im heutigen Etappenziel Vinci (jeder entscheidet übrigens, wann und wo man stoppt/übernachtet). Die Anstiege sind ruppig und wild, die Abfahrten oft noch ruppiger und noch wilder. In den flachen Strecken führen riesige Salzpfannen das Regenwasser der letzten Wochen (wir haben Glück: statt Dauerregen haben wir gleißende Sonne), und jedes Mal, wenn wir auf ein Stückchen Asphalt treffen beginnt der Kampf mit den Blechlawinen.

Mit anderen Worten: geile Tour!

Ich bin ehrlich gesagt zu platt für einen längeren Report, zumal wir morgen zum Frühstück gleich den steilsten Anstieg der ganzen Tour serviert bekommen (800 Höhenmeter auf etwa 12 Kilometer, und nicht etwa auf Asphalt), so dass gleich mal die Äuglein zufallen werden. Insofern gibts erstmal ein paar Handbilder, dann könnt ihr zumindest visuell schon mal mitfahren beim wilden TuscanyTrail, der defintiv keine launige Sommerrunde durch eine tiefenentspannte Landschaft ist.

Tutto va bene, Euer hardy cyclist!

Der Abzweig ins Gelände fängt ganz harmlos an.

Und wird bald wild und steil

Immerhin: schöne Aussicht von oben

Wieder runter

Tückische Salzpfannen in der Ebene

Kleiner Pfad mit 18 Prozent. Sieht so einfach aus, nicht wahr?

Toskana

Noch mehr Toskana

Im Tal der Höhenmeter

„Höhenmeter machen. Jeder trainierte Höhenmeter hilft Dir auf der Tour.“ Das kriegte ich bei meiner kleinen Umfrage unter früheren Tuscany Trail-Teilnehmern letzten Monat von jedem zu hören. „Die ersten 20 Kilometer sind noch okay. Dann geht es in den ersten Anstieg, und da merkst sofort, ob Du genug Höhenmeter in den Beinen hast. Wenn nicht, dann viel Spaß“…

Lago di Caldonazzo im abendlichen Nieselregenkleid

Höhenmeter also. Und genau die sammle ich nun in einem herrlichen Tal südlich des Lago di Caldonazzo im Trentino en gros an. Heißt im Klartext: Im Kriechgang die bis zu 12-Prozenter hoch, oben umdrehen und wieder runterrasen. Ein bisschen flachfahren und ab in den nächsten Anstieg. Wieder den Schweiß aufs Oberrohr fließen lassen, dem Tacho beim Melden von widersprüchlichen Zahlen folgen (Geschwindigkeit: 6 km/h, Steigung 12 Prozent) und hoffen, dass wirklich jeder Höhenmeter zählt, wenn es ab dem 1. Juni ernst wird.

Es ist nicht so, dass es kein Vergnügen bereiten würde. Vor allem heute, wo die Sonne endlich Regen und Wolken verdrängt hat und mit ihrer Lichtkraft die Bergkulisse geradezu malerisch ausleuchtete. Sah ausgesprochen schick aus, insbesondere dort, wo die Niederschläge des Wochenendes als Schnee runtergingen und kleine lustige Käppchen auf den Gipfel hinterlassen haben.

Aber auch sonst passt es. Denn hier im Tal gibt es ein fantastisches Radwegenetz, das vorzüglich ausgeschildert ist und reichlich Kilometer zum flachen Einfahren liefert. Quasi autofrei, durch Weinberge, Apfelplantagen und zumeist entlang des Fiume Brenta, einem kümmerlichen Rinnsal, das als letzte Erinnerung an die Wassermassen, die das Tal vor Millionen von Jahren modellierten, geblieben ist.

Je weiter südlicher man kommt, desto mehr beruhigen sich dann auch die am Lago noch dichtgedrängten Bergmassive ins Tal und schauen leicht versnobt hinunter auf die tosenden Massen von Autos, Lastern, knatternden Mopeds und schwitzenden Radlern, die sich durch die Ebene Richtung Padova quälen und ihre Energie für so sinnlose Dinge wie Fortbewegung verbrauchen.
Wer zu ihnen hochwill, der muss bereit für einen mächtigen Schweißzoll und sich den Zugang zu den mit Zement und Gottvertrauen in die Hänge geklammerten Weiler und winzigen Orte wortwörtlich erarbeiten.

Aktueller Formcheck: Auch wenn die Beine nur mühsam und vor allem schleppend in die Stampfrythmus kommen bin ich zuversichtlich, dass die abgeplagten Höhenmeter ihre Wirkung haben werden.

Olle ist ein Ortsname, der mich als im Ruhrgebiet Aufgewachsenen erstmal an altersunweisen Ehemännern erinnert. Hier liegt am Fuß einer dieser heldenhaften Serpentinenstrecken, denen ich mich stellte.

Im Zentrum des Wahnsinns: Tuscany Trail 2019

543 Kilometer.

9.200 Höhenmeter.

65 Prozent off-road bzw. Singletrails.

Maximal acht Tage Zeit.

Startnummer 336.

Soweit die Eckdaten meines kleinen bevorstehenden Radabenteuers in der Toskana, das am 1. Juni losgeht.

56314700_335641210479280_6289569096312815616_nTuscany Trail ist kein Rennen, sondern ein Selbstversorgerausflug über eine vorgebene Route, bei der jeder Fahrer für sich selbst verantwortlich ist. Übernachtung, Verpflegung, Tempo, Fahrzeit usw. – alles wird selbst organisiert. Los geht es am 1. Juni in Massa, spätestens acht Tage später muss man 543 Kilometer weiter südlich in Orbetello angekommen sein. Man darf auch später eintreffen, doch dann hat das Empfangskommitee des Veranstalters seine Zelte bereits abgebaut und niemand jubelt einem beim Eintreffen mehr zu.

 

profilott19-800x250Das Höhenprofil. Ob mein Herzschlag am Ende ähnlich aussehen wird?

Während ich noch mit dem Gedanken spielte, ob ich mich dafür anmelden sollte (oder besser: wollte) fiel die Entscheidung anderswo. Ein Anruf der Redaktion des „Tour“-Magazins, bei dem wir nebenbei über den Tuscany Trail sprachen, führte zum Reportageauftrag. Nun werde ich am 1. Juni in Massa also auf den Sattel steigen, begleitet von einem „Tour“-Fotografen und mit offenen Augen und Herzen, um anschließend möglichst vielen „Tour“-Leser Lust auf die Tortour zu machen. So fallen Entscheidungen!

Das eher unvorteilhafte Frühlingswetter hat allerdings neben einem anderthalbwöchigen Ausfall wegen aktuter Fieberschübe für eine etwas mäßige Frühform gesorgt. Bei meinem Göttinger Heimatrennen, der Tour d’Energie, trudelte ich eine gute Viertelstunde später im Ziel ein als im letzten Jahr. Um das zu ändern werde ich auf dem Weg in die Toskana in Südtirol Station machen und ein paar Höhenmeter sammeln – hoffentlich in etwas sommerlichem Ambiente als bislang.

Was mich beim Tuscany Trail tatsächlich erwarten wird ist mir nicht so ganz klar. Die ersten 20 Kiometer sind flach, da sind sich alle Erfahrungsberichtler einig. Dann geht es in den ersten Anstieg, und die Kraxelei bzw. Ins-Tal-Stürzerei hört anschließend offenbar nur sporadisch mal kurz auf. Übernachtet wird irgendwo. Wenn es gut läuft auf einem Campingplatz, wenn nix in der Nähe ist irgendwo in der Landschaft. Aber Schlaf wird bei so einem Abenteuer vermutlich eh überbewertet.

Mein Gepäck führe ich selbst am Rad, und weil es viele Singletrails gibt fielen die Satteltaschen natürlich aus. Stattdessen radle ich mit Lenkerrolle, Rahmentasche und Sattelschwanztasche, in denen ein wirklich sehr, sehr übersichtliches Material vorzufinden ist. Jedes Gramm muss ja schließlich die Anstiege hochgewuchtet werden. Gefahren wird mit dem Crosser, mit dem ich 2014 auch die Anden hoch und runtergedüst bin. Ein 37er Schwalbe-Mondial gibt mir hoffentlich den richtigen Gripp, und die andentaugliche Übersetzung sollte mich über die meisten Anstiege führen. Gespannt bin ich vor allem auf die Abfahren bei 20 bis 25 Prozent…

60463056_352190368824364_2141129836591054848_n So ungefähr wirds aussehen.

Alles in allem ein Abenteuer wie gemalt für einen wunderbaren Start in den Sommer 2019! Ein bisschen Struktur (Streckenführung), ansonsten viel Raum für Spontanität und garniert mit einer dicken Portion Quälerei, Schinderei und Freiheit. Perfekt!

mappa-tt2019-800x800Sommer, Sonne, Weinfelder, Anstiege – 543 Kilometer durch die Toskana.

 

Lieblingsorte: Thiershäuser Teiche

Im heimischen Revier zu radeln hat einen großen Vorteil: man kennt sich bestens aus und braucht meistens noch nicht einmal eine Karte, weil jede Kurve, jede Kreuzung, jeder Abzweig irgendwann mal gefahren wurde. Das gibt Raum für viel Kreativität und Spontanität. Häufig rolle ich daher zu einer Lust- und Trainingsrunde einfach los und entscheide unterwegs, wo ich langfahre.

Im heimischen Revier zu radeln hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: man kennt sich eben bestens aus, und weil jede Kurve, jede Kreuzung und jeder Abzweig irgendwann mal gefahren wurde hat es auch etwas langweiliges, weil die Überraschungen fehlen.

Doch dafür gibt es Lieblingsorte! Orte, die irgendetwas besonderes haben und zu denen man immer wieder gerne fährt. Ich will an dieser Stelle in lockerer Reihenfolge meine Lieblingsorte in Südniedersachsen vorstellen und auch ein paar Tipps zum Nachradeln geben.

Lieblingsort #1: Thiershäuser Teiche

Ruhe zu finden ist im südniedersächsischen Hügelland nicht so schwer. Sowohl Richtung Solling/Weserbergland als auch im Eichsfeld/Vorharz gibt es zahlreiche stressentschleunigte Orte, die auch eine ambitionierte Radeltour zum Vergnügen machen. Zu meinen persönlichen Highlights gehören die Thiershäuser Teiche zwischen Gillersheim und Renshausen, also am nördlichen Rand des Eichsfeld.

Wer die Tour von Göttingen aus macht kommt auf etwa 60 Kilometer, was ambitionierten Rennradlern möglicherweise nicht allzu viel Respekt einflösst. Doch Vorsicht, in Südniedersachsen geht es niemals flach zu, und da kommen auf 60 Kilometer schon mal 1.000 Höhenmeter zusammen.

Die Route führt über Bovenden nach Nörten-Hardenberg, wo man die alte B3 verlässt und auf ruhige Nebenstraßen abbiegt. Eckpunkte sind Bishausen, der Golfplatz Levershausen mit seiner langen Serpentinienanfahrt, Suterode, Wachenhausen sowie Gillersheim, wo man den Wegweisern nach Renshausen/Holzerode folgt.

Nach etwa drei welligen Kilometern erreicht man Thiershausen, ein winziger Weiler, der eigentlich nur aus einem Bauernhof und einer (derzeit leider aufgegebenen) Gaststätte besteht. Und einer wunderbaren Teichlandschaft, an der zu jeder Tagseszeit tiefenentspannte Angler hocken und ihr Glück versuchen. Es ist eine Oase der Ruhe in der Ruhe. Als würde der Teich alle Geräusche schlucken, stellt sich in mir jedesmal tiefer Frieden ein – selbst wenn ich „nur“ vorbeipedaliere. Oft genug halte ich aber auch an und hocke mich auf einen der hölzernen Stege, die leicht erreichbar sind, und genieße die malerische Lage und die tiefe Ruhe.

Auf den ersten Blick sieht man nur einen Teich, doch wer genau hinschaut erkennt, dass der Plural in „Thiershäuser Teiche“ durchaus gerechtfertigt ist. Denn insgesamt sind es knapp 30 unterschiedlich große Teiche, die zusammen ein Naturschutzgebiet bilden. Dass der Ort seine Aura ausbilden kann, liegt sicher auch daran, dass er kein normales touristisches Ziel ist. Hier gibt es keine Ablenkung von der Natur und ihren Reizen, und selbst die Gastwirtschaft sieht nicht so aus, als würde sie demnächst wieder in Betrieb gehen. Berufshektiker dürften hier schnell nervös werden ob des nicht vorhandenen Ablenkungsangebots.

Ein wunderbarer Sonntagsausflug mit der Familie, der sich aber auch prima in eine flotte Feierabendrunde nach stressigem Arbeitstag einbinden lässt.

Zurück nach Göttingen geht es dann über Renshausen und Holzerode auf die B446 bis nach Reyerhausen, wo der kleine Hüpfer über den Plesseberg ansteht. Wer da keinen Bock mehr drauf hat kann den „Chicken Run“ nehmen, der fast flach auf allerdings etwas kaputter Oberfläche verläuft. Dazu auf die Plessestraße beim ersten Feldweg (an der Baubrache) rechts rein. Nach etwa 500 Metern links und immer geradeaus bis nach Eddigehausen.

Bon voyage!

Route

– Von Göttingen auf der alten B3 nach Nörten-Hardenberg. Im Ortszentrum rechts Richtung Sudershausen/Holzerode.

– Nach etwa zwei Kilometern in Bishausen links Richtung Bühle und dann weiter Richtung Sudheim.

– An der Kreuzung kurz vor Sudheim rechts Richtung Golfplatz Levershausen/Gillersheim und etwa drei Kilometer bergauf (Spitzenwerte: 8 Prozent) zum Golfplatz Levershausen

Anstieg aus dem Leinetal zum Golfplatz Levershausen

– Am Golfplatz vorbei hinunter nach Suterode. Dort der zweiten Abzweigung rechts nach Wachenhausen folgen (kein Straßenwegweiser, lediglich Radwegweiser).

– In Wachenhausen bis zur T-Kreuzung in der Ortsmitte, dort rechts und an der nächsten Kreuzung rechts Richtung Gillersheim.

– Langer und in Teilen steiler Anstieg auf den Steinberg mit anschließender rasanter Abfahrt (10 Prozent Gefälle) nach Gillersheim.

– In Gillersheim links Richtung Lindau und kurz darauf rechts Richtung Holzerode/Renshausen.

– Nach ca. drei Kilometern Ankunft in Thiershausen und damit an den Teichen.

– Zur Weiterfahrt nach Göttingen zunächst nach Renshausen, dort rechts nach Holzerode (kurze steile Rampe im Ortszentrum!).

– Holzerode durchfahren bis zur B446, rechts nach Nörten-Hardenberg.

– Durch Billingshausen und Reyershausen bis zum Abzweig (links) nach Bovenden/Eddigehausen und über den Plesseberg nach Eddigehausen bzw. Bovenden. Wer den Berg nicht will: Am Ortsausgang Reyershausen rechts in den bedingt rennradtauglichen Feldweg.

– Über Bovenden und Weende auf der alten B3 zurück nach Göttingen.

Nach der Tour ist vor der Tour!

Es geht los!

Mehr als 3.000 Bilder sind vorgesichtet, sämtliche Gedanken und Aufzeichnungen sortiert und strukturiert, die Lust auf die Erinnerungsreise brodelt. In den nächsten Monaten fahre ich die gesamte End-to-End-Strecke nochmal gedanklich ab und packe das Erlebte zwischen zwei Buchdeckel. Reichlich Fotos dazu, und dann könnt ihr Euch irgendwann Ende des Jahres gemütlich auf dem Sofa liegend selbst durch das gesamte Vereinigte Königreich pedalieren lassen. Doch seid gewarnt: es wird anstrengend unterwegs!

Dann erfahrt ihr endlich auch, wie es eigentlich nach meiner Ankunft in John O’Groats bzw. Wick so weiterging. Ich hatte ja angekündigt, mich nochmal auf diesem Kanal zu melden, das dann aber leider unterlassen. Die Gründe waren: viel zu schönes Wetter, viel zu viel Lust auf gemütliches Pedalieren durch ein Wales in Hochstimmung und viel zu schöne Begegnungen. Aber davon erzähle ich dann wirklich im Buch! Ach ja, nebenbei entsteht dann auch noch meine große Reportage für das TOUR Magazin, die Anfang 2019 erscheinen wird.
Stay tuned to your hardy cyclist. And put me back on my bike!

Übrigens: auf Facebook gibt es jetzt eine Seite von mir, auf der es nur um Radfahren geht. Wer also keinen Bock auf meine Fußballmeldungen hat liked schnell mal hier.

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