Tour d’OSTalgie 2020

20191001_1043021021337647.jpgWas vermisst ihr am meisten in Corona-Zeiten? Bei mir sind es Livemusik, Kino, Theater sowie Café- und Kneipenbesuche. Eben die alltäglichen Kleinigkeiten des Lebens. Fußball fehlt mir, das überrascht mich selbst, gar nicht so arg, wobei das sicher auch damit zu hat, dass der Profifußball gegenwärtig erfolgreich Vertrauen verspielt statt Sympathien zu gewinnen.

Radfahren? Das geht ja im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich oder Italien hier ziemlich problemlos, und tatsächlich sehe ich bei meinen Ausflügen gegenwärtig deutlich mehr Radler als normalerweise. Dazu hat sich auch das E-Bike beigetragen, eine unterm Strich grandiose Entwicklung für viele Menschen, die eher gemütlich und dennoch ökologisch unterwegs sein wollen oder für die das „normale“ Radfahren schlicht nicht möglich ist.

Was ich auch vermisse ist die Freude des freien Planens und die Vorfreude auf das freie Reisen. Dabei habe ich noch Glück, denn meine diesjährige Planung kann ich trotz Reisebeschränkungen weitestgehend umsetzen. Lediglich der Belgien-Trip, bei dem ich just in dieser Woche mit meinem Zeitspiel-Kompagnon Bernd Sautter eigentlich ein paar raubeinige Klassiker wie die Wand von Huy unter die Pneus nehmen wollte, musste abgesagt werden. Vielleicht klappt es ja 2021.

Mein großes Sommerabenteuer aber läuft wie geplant und ich bin auch zuversichtlich, dass ich es tatsächlich werde antreten können. Denn zum ersten Mal seit Jahrzehnten, und das ist jetzt nicht übertrieben, zieht es mich NICHT ins Ausland, was in diesem Jahr vermutlich ohnehin kaum möglich wäre. Als ich letztes Jahr durch Albanien kurbelte und sowohl auf den Spuren der politischen/gesellschaftlichen Vergangenheit als auch auf denen Fußballs war, musste ich immer wieder daran denken, dass es in meiner unmittelbaren Nachbarschaft eine Region gibt, die eine ähnlich spannende Vergangenheit aufweist. Dann sah ich im Herbst den Film „Gundermann“ über einen Liedermacher aus der Lausitz und mein Entschluss stand fest: 2020 mache ich eine Radreise in die Vergangenheit. Und zwar in die der DDR und ihres Spitzenfußballs! Eine Tour d’OSTalgie!psx_20200504_1419505792094315995549845.jpg273 Sportgemeinschaften spielten zwischen 1949 und 1991 in der Oberliga bzw. der Liga (2. Liga) der DDR. Das sind ganz schön viele! Aber es sind allemal genug, um eine spannende Route zu erstellen und möglichst viel aus der Vergangenheit (und Gegenwart) des Fußball sowie des Landes mitzunehmen. Und diesmal habe ich ja noch nicht mal Sprachprobleme! (na ja, vielleicht in Sachsen, ich schau mal, ob es da eine Übersetzungs-App gibt). Corona hat bislang verhindert, dass ich mich ausführlicher mit den Plänen beschäftigt und auch schon mal eine erste Routenplanung erstellt habe. Bislang weiß ich nur, dass ich von Duderstadt aus losfahren werde, denn dort liegt gleich der erste historische Ort, den ich besuchen möchte: Der ehemalige Grenzübergang Gerblingerode, einer der wenige Übergänge, über den DDR-Bürger in die Bundesrepublik einreisen durften.

Wie es von da aus weitergeht, liegt auch ein bisschen an Euch. Denn ich würde mich gerne mit Leuten treffen, die Lust haben, mir von ihrem lokalen Verein zu erzählen und die Spuren der Vergangenheit zu zeigen. Die Erinnerungen abrufen an die alten und uralten DDR-Tage vor tausenden von Zuschauern in Oberliga oder Liga, die mir von der Gegenwart erzählen und wie man als Verein damit zurechtkommt. Ich will wissen, was Städte, Fußball, Industrie oder LPG einst zusammengeführt hat, was davon geblieben ist, wie die Wendetage verliefen, welche Bedeutung die Vergangenheit für euern Verein und Ort heute spielt usw.

Mich interessieren vor allem jene Teams und Orte, die zwischen 1949 und 1991 in der Oberliga oder Liga unterwegs waren und die heute nicht mehr im Blickpunkt stehen. Also nicht Dynamo Dresden oder Hansa Rostock, sondern Klubs wie Fortschritt Weißenfels, Stahl Thale, Robotron Sömmerda, Kali Werra Tiefenort, Aktivist Schwarze Pumpe, Chemie PCK Schwedt, Halbleiterwerk Frankfurt/Oder, Kernkraftwerk Greifswald, Chemie Buna Schkopau, Stahl Eisenhüttenstadt, Demminer Verkehrsbetriebe, Motor Steinach etc.

Wer sich davon angesprochen fühlt und Lust hat, mir die örtliche Fußballfolklore vorzustellen, den oder die nehme ich gerne auf die Etappenliste meiner DDR-Retrofußball-Tour auf dem Fahrrad auf. Schickt mir einfach eine Mail an hallo at hardy-gruene.de oder kommentiert hier auf dieser Seite. Ich sammle erstmal alles und schaue dann, welche Route sich daraus ergibt. Ihr müsst nichts vorbereiten sondern einfach nur Lust haben, mir bei einem kleinen Stadtrundgang mit Stadionbesichtigung (und möglicherweise Werksbesichtigung) ein bisschen was zu erzählen.

Ich mach dann danach ein Buch aus der Tour d’OSTalgie 2020 und erzähle die Geschichte des Fußballs in einem Land, das es nicht mehr gibt und von dem doch noch so viel da ist.

Starten soll die Tour irgendwann im August 2020, abhängig von der Corona-Entwicklung. Zum einen müssen die Campingplätze wieder offen sein, zum anderen brauche ich zum Radeln eine gewisse geöffnete Infrastruktur. Vor allem aber wäre es schön, wenn wir uns nicht auf zwei Meter Abstand und mit Mundschutz begegnen müssten.

Tour d’OSTalgie 2020 – Ich zähl auf euch!psx_20200504_1619013340060091247999529.jpg

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