Tour de Shqipëria, Etappe 8

Etappe 8, Peshkopi – Kalista/Mazedonien

Meine klagenden Worte von gestern fielen auf fruchtbaren Boden! Es ging zwar heute morgen in altbekannter Manier gleich mit einem fetten Anstieg in Peshkopi los und ich durfte erstmal 300 Höhenmeter erklimmen, doch nach zwei Taleinschnitten mit entsprechenden Gegenanstiegen bügelte sich die Landschaft langsam auf erträgliches Faltenmaß glatt. Heißt: ich konnte endlich mal so Fahrradfahren, wie ich es mir gestern gewünscht hatte! Prompt standen am Ende 85 Tageskilometer auf dem Bordcomputer, immer noch begleitet von 1.200 Höhenmetern, aber zumindest stimmte das Verhältnis einigermaßen.

Noch in Peshkopi ging es bergan aber immerhin konnte ich dadurch einen schönen Blick auf die Stadt genießen.

Etwas gewöhnungsbedürftig war der raue Verkehr aus Peshkopi raus. Unzählige Minibusse und Laster schossen an mir vorbei – ich war auf der Hauptstraße nach Tirana. Rund 20 Kilometer südlich von Peshkopi stand dann mein Seitensprung mit Mazedonien an. Es war schlicht die einfachste Verbindung zum Ohrid-See und nach Pogradec, wo ich morgen mein Lager aufschlagen werde.

Am Grenzübergang verschaffte mir mein Trikot dann mal wieder Aufmerkamkeit und konkrete Vorteile, als mir eine Familie mit italienischem Autokennzeichen den berühmten Doppelader zeigte, der ja auch auf meinem Jersey zu sehen ist und mich in der Schlange vor ihnen einreihen lies. Vom Loserplatz 23 auf Startplatz 2 dank des Doppeladlers – Albanien, të dua! (auch wenn das natürlich alles andere als einfach ist, I know).

Neues Land auf der „bin ich schon geradelt-Liste“

Dann war ich in Mazedonien und alles war anders. Die Sprache, das Geld, die Schriftzeichen, die Straße (feinster Flüsterasphalt), die Beschilderung und nicht zuletzt der Verkehr. In Mazedonien wird offenbar ein Mindestabstand von 20 Metern zum Fahrradfahrer als ausreichend angesehen, was mir einige heikle Gefühle bescherte. Vor allem bergauf, wenn ich auf kaum neun km/h kam und mit 60 oder mehr km/h überholt wurde. Die bislang unbefleckte Karte „Reiseland Mazedonien“ hat da gleich mal ein paar unschöne Kerben bekommen, und schon nach ein paar Kilometern sehnte ich mich zurück nach Albanien.

Vor Struga, dem größten Ort am Nordufer, war es besonders unschön, da die ziemlich schmale Straße dort schnurgrade verläuft und zum Rasen einladt. Ich war froh, als ich endlich von der Donnerpiste runter war und über eine Nebenstraße in das kleine Dörfchen Kalista abbiegen konnte, wo ich auf dem Camping Sunrise, geführt von zwei jungen Mazedonierinnen albanischer Herkunft und perfekt am See gelegen, einen gechillten Nachmittag verbrachte und nun diess Zeilen schreibe.

Zum Killerstil mazedonischer Autopiloten passen dann auch die erschreckend vielen toten Tiere am Straßenrand – in Albanien hatte ich bis dato kein einziges überfahrenes Tier gesehen.

Hauptstraße nach Struga. Ausnahmsweise ohne Verkehr

Geografisch habe ich übrigens die Hälfte des Landes „durch“, denn ich bin zurück auf Höhe Tirana. Albaniens Norden wird mir unvergessen bleiben – nicht nur wegen der wilden Anstiege und Rampen, sondern vor allem wegen der grandiosen Landschaft und den herzlichen Menschen, die ich überall traf. Als erstes kleines Zwischenfazit würde ich Albanien als trauriges und stolzes Land bezeichnen. Denn traurig, das ist es durchaus. Vor allem, wenn die Rede auf Zukunft, Politik und Hoffnungslosigkeit kommt. Ich hatte diverse Situationen, in denen ich wortwörtlich sprachlos war, als ich mit der Verbitterung und Hoffnunglosigkeit vor allem junger Menschen konfrontiert wurde.

Herzlicher Abschied heute morgen in Peshkopi mit Hotelier Andi

Landschaftlich kann auch Mazedonien was!

Und Berge hat man auch!

Die Sache mit der Sprache – und natürlich all die Hintergründe – sind kompliziert. Mazedonien ist hier übrigens dreisprachig.

… und äußerst umstritten

HINWEIS: Über meine Albanien-Tour wird 2020 ein Buch erscheinen. Wer darüber informiert werden möchte schickt bitte eine Mail mit dem Betreff ALBANIEN an hallo at hardy-gruene.de. Muss nix weiteres drinstehen, der Betreff sagt mir alles. Und es kommt garantiert auch keine Flut von Mails sondern lediglich Hinweise, wenn es mit dem Buch konkreter wird. Das Werk wird im Zeitspiel Verlag erscheinen und vor allem über Direktvertrieb zu beziehen sein.

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