Stage 13, part 2, Stage 14, part 1: Im Zentrum der Einsamkeit

80 noch. 80 noch bis nach John O’Groats. Okay, ziemlich wellig, weil die Straße hier oben wieder der Topografie folgt und es deshalb ordentlich auf und ab gehen wird, aber … 80 … hey, das ist verdammt übersichtlich!

Hoch, runter, hoch, runter – das Programm für morgen

Der heutige Tag lief ziemlich optimal 9 Uhr runter vom besten Camping der gesamten Tour (Blackrock Camping Eventon), gleich den ersten langen Anstieg vor der Nase, der gut wegrollt und dann ab ins schottische Wunderland. Mit jedem Meter aufwärts wurde es einsamer, weitläufiger bizarrer. So bizarr, das ich irgendwann vor einem Wegweiser nach DUBLIN stand und mich fragte, was denn nun schiefgelaufen war. Nix natürlich, nur ein anderes Dublin, so klein, dass es auf kaum einer Karte auftaucht.

Danach hatte mich diese spezielle Highland-Landschaft wieder mit ihrer ruppigen Natur und schier endlosen Weite, die flankiert wird von begletscherten Gipfel, die nur ein paar hundert Meter in die Höhe ragen. Mittendrin immer wieder wilde und zugleich idyllische Seen – die Fotostopps waren mal wieder zahlreich.

Ich kam trotzdem ziemlich flott voran, und das war auch gut so, denn auf dem Programm standen 120 Kilometer bis Bettyhill. Invarson flog vorbei, in Lairg konnte ich mich das letzte Mal versorgen und dann standen rund 70 Kilometer durch die Einsamkeit an. Eine winzige Straße, die sich durch die graubraune Landschaft schlängelte, irgendwie immer am Flußverlauf entlang und ganz langsam ansteigend.

Es sind diese Landschaften, für die man auf Tour geht. Dieses Eintauchen in eine Welt, die unserer Komfortzone so völlig gegensätzlich ist. Tiefe Ruhe, Entspannung, Zeitlosigkeit. Mitten drin traf ich einen leidenschaftlichen Schotten, der inzwischen in England lebt und immer mal wieder zurückkommt, um einzutauchen, wie er es sagte. Er kam mit Holzstämmen, versteinertem Moor und allerlei anderen Kram angelaufen und hatte ne Menge über die Geschichte der Region zu erzählen. Und schimpfte über die Engländer, die „hier nix zu suchen haben“.

Ziemlich zur Hälfte erreichte ich den Weiler Crask, der eigentlich nur aus einen ziemlich berühmten Pub besteht, dem Crask Inn. Einer der am einsamsten gelegenen Pubs des gesamten Vereinten Königreiches. Für mich das Ende der 13. Etappe und der Beginn der 14. und letzten Etappe, die mich morgen ins Ziel bringen wird.

Das weiße Gebäude rechts ist der Pub, links ist ein Schuppen, in dem man übernachten kann: Crask

Kurz hinter dem Crask Inn begann eine lange Abfahrt, die erst rasant und dann mehr oder weniger flach verlief und durch ein ähnlich einsames Gebiet führte. Lasst mich nicht nach Worten suchen, das mache ich, wenn ich das Buch schreibe, aber es war schlicht atemraubend.

Windgepeitschte Landschaften schaffen besondere Bilder, das habe ich schon in Patagonien gesehen, und hier war es ähnlich. Die Kilometer tickten langsam runter, und irgendwann waren es nach Bettyhill nur noch zwei Meilen, war von Besiedlung jedoch nichts zu sehen. Kein Wunder, denn Bettyhill ist winzig – hat aber Pub, Lebensmittelladen und Camping, also alles, was der hardy cyclist zum glücklich sein braucht. Ach und noch was: nettes Wetter. Da kann ich echt nicht meckern. Es ist zwar recht frisch (heute Nacht war es nahe am Gefrierpunkt), aber hier kann es auch ganz anders aussehen, und die Etappe bei Regen und möglicherweise Gegenwind fahren zu müssen dürfte ne komplett andere Geschichte sein.

Auch für morgen siehts gut aus, erst für den Nachmittag ist Regen angekündigt – dann bin ich hoffentlich schon in John O’Groats durch und auf dem Weg nach Wick.

80 noch 🙂

Bis morgen!

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