13 Etappe/Part 1: Auf Regen folgt Sonnenschein

Als ich irgendwann im Frühling die #UKChallenge2018 plante galt es zunächst, die Eckdaten hinzubekommen. Also An- und Abreise. Danach ging es an die Details, und das war nicht ganz einfach. Von Wick, 26 Kilometer entfernt von John O’Groats, fährt zwar ein Zug – er hat aber nur drei Plätze für Fahrräder. Also war früh buchen angesagt, und ich buchte den Morgenzug für diesen Mittwoch.

Fortan konnte ich zweigleisig fahren: entweder so ankommen, dass ich mit dem Zug nach Inverness zurückfahre (von dort stand ohnehin Zugfahren Richtung Süden an), oder so früh ankommen, dass ich mit dem Rad von John O’Groats nach Inverness zurückfahre. Das gab mir zugleich zwei Puffertage, falls es unterwegs Probleme gab, und nachdem ich den einen wegen der heftigen Regenfälle vor Glasgow aufgebraucht hatte war klar, dass es der Zug sein würde. Und ich noch einen freien Tag hatte.

Den ich gerade gemütlich verbrate. Denn der heutige Morgen in Inverness begann mit Dauerregen, und als ich endlich auf dem Rad saß war es schon nach 12. Zu spät für die ganze Etappe und auch zu spät für das eigentlich geplante Lairg, das mehr als 80 Kilometer und drei mächtige Buckel entfernt lag. Außerdem spürte ich den gestrigen Marathon doch ziemlich. Ein Blick auf die Campingplätze entlang der Route bescherte Evanton den Zuschlag. 38 Kilometer von Inverness, rund 100 vom morgigen Tagesziel Bettyhill entfernt. Perfekt!

Und perfekt ist es, denn nach dem Regen kam die Sonne raus und ich hatte einen großartigen Nachmittag auf einem großartigen Camping mit einem bunten Gemisch unterschiedlicher Leute. Darunter ein weiterer Radler, der in der Gegend tourt sowie ein 52-jähriger Frührentner, der die Freuden des Lebens wahrlich entdeckt hat und zudem darauf besteht, mir alle drei Stunden einen wunderbar heißen Tee zu servieren. Großartig!

Und der totale Kontrast zum morgen in Inverness, wo ich zum ersten Mal niemanden fand, von dem ich heißes Wasser für den Morgenkaffee abstauben konnte. Nirgendwo rührte sich was, alle hockten abgeschottet in ihren Caravans.

Aus Inverness raus zukommen war mal wieder ein Kampf mit dem Verkehr. Uber die gewaltige Kessock Bridge ging es auf den nördlichsten Teil der britischen Festlandes, und die A9 fungierte mal wieder als Autobahn. Immerhin mit Radstreifen…

Kurz nach der Brücke ging es auf kleine Nebenstraßen, und sofort war es wieder eine Freude zu radeln, wenngleich die gestrige Etappen ziemlich Spuren hinterlassen hatte. Es gab das übliche Auf und Ab, und so sauste ich nach einer knappen Stunde nach Dingwall hinein – eine für die Fußballfreunde unter euch nicht uninteressante Stadt. Denn Dingwall ist Schottlands nördlichster Profistandort – der Ross County FC spielte sogar schon erste Liga. Die Auswärtsfahrt dorthin dürfte zu den Highlights der Fangruppen aus dem Süden gehören. Leider ist heute Sonntag, gab es also keinen Kaffeebecher. Wer immer mal hier oben ist: bitte an mich denken! 😉

Über kleine Nebenstraßen ging es dann weiter nach Evanton, das immerhin einen Lebensmittelladen und natürlich einen Pub hat. In dem ich grade sitze und ein süffiges Heverlee genieße.

Die Gegend ist weniger spektakulär als gestern und vor allem vorgestern (einer der besten Tage der Tour). Jede Menge Schafe, Kühe und Pferde, viel Landwirtschaft, vereinzelt Tourismus. Die Landschaft spricht die Sprache des Klimas, und das ist vor allem nass und windig. Bizarre moosbewachsene Steine, Mauern oder tote Bäume; eine Landschaft, die sich zu wehren weiß. Und die in dem warmen Sonnenschein saftig grün daherkam.

Evanton war der perfekte Stopp für mich, und ich hoffe, ich habe nun die nötige Energie für die letzten beiden Tage getankt. Seit 14 Tagen habe ich jeden Tag auf dem Rad gesessen, und nimmt man die beiden Vorbereitungstage in Bristol noch dazu, sind es sogar 16. Das ist einsamer Rekord für mich, das haben wir weder in Afrika noch in Südamerika jemals gemacht. Auf The Andes Trail stöhnte ich einmal über zehn Radtage in Folge – ohne Gepäck! -, tja, so ändern sich die Perspektiven. Ich freu mich aber schon sehr auf ein paar radelfreie Tage bei meinen Freunden in Wales, wobei dorthin am Freitag noch ne 130 Kilometer-Etappe von Liverpool aus anseht.

Okay, soviel für den Moment. Morgen gehts an die Nordküste mit einem Lunchstopp im berühmten Crack Inn Pub, einem der einsamsten Pubs im United Kingdom. Bin gespannt, wie es dort aussieht.

Es grüßt euer hardy cyclist!

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