Etappe 10/Part Two: Crossing the big town

Vor Glasgow hatte ich Respekt. So eine Stadt auf dem Rad zu durchqueren ist ja schon ein Heidenspass, wenn man sie kennt. Wenn man sie nicht kennt, wird es zum Randerlebnis. Nun gibt es in Glasgow den wunderbaren Radfernweg 75, der mitten durchs Zentrum führt. Und auf dem ich satte dreieinhalb Stunden verbrachte. Mal mit entspannter Gemütlichkeit, mal mit an Verzweiflung grenzender Ratlosigkeit, mal voller Wut, einmal auch im lautstarken Disput mit einem Truckdriver, der meine Kenntnisse der englischen Kraftausdrücke bis aufs Äußerste ausschöpfte. Von ihm lernte ich keine neuen dazu, er war recht einfältig und in meinen Augen natürlich auch ganz und gar nicht im Recht. 🙂

Statt 135 Kilometer standen durch die gestrige Splittung der Etappe nur noch um die 80 an, und das war am Ende mein Glück. Denn die 135 durchzufahren wäre eine Herkulesaufgabe geworden. Zumal ich mir die Freiheit gönnte, mal ein bisschen einzutauchen in die Stadt und beispielsweise dem Celtic Park, der nahe meiner Route lag, einen Besuch abzustatten. Die Stopps durch Ampeln, Fußgängerüberwege, Neuorientierung, weil das Navi sagte, es habe den Track verloren undsoweiter kostete jedoch eine Menge Zeit, und so sank das Durchschnittstempo auf karge 15 km/h ab. Nicht weiter schlimm, ich hatte ja Zeit, doch bei der vollen Etappe wäre es wohl ein ziemlich langer Tag geworden.

Radweg entlang der Clyde

Und ein typischer Radweg im Zentrum

Nach Glasgow rein ging es über Hamilton, ehe in Cambuslarn dann der wunderbare Radweg begann, der entlang der Clyde führt. Tolle Sache, so lernte ich gleich Glasgows grüne Lunge kennen – und realisierte, wie riesig der Großraum ist. Ich war schon über eine Stunde im urbanen Gebiet gefahren, als auf den Ortsschildern noch immer der Wegweiser nach „Glasgow“ auftauchte. Als ich auf dem Navi dann „Celtic F.C.“ ziemlich nahe der Route erblickte düste ich kurzentschlossen runter und landete im Paradies. Ein paar Fotos geschossen, tatsächlich ne Tasse für die Sammlung eingepackt, dann ging es weiter. Glasgow hebe ich mir für später auf, das ist eine dieser Städte, die man durch den Fußball sicher großartig erschließen kann.

Bis ich endlich „oben“ wieder ausgeworfen wurde aus dem Moloch hatte ich neben der schicken und poshen Seiten auch die weniger schönen gesehen. In Clyde beispielsweise, wo der Ölhafen liegt und es doch tüchtig nach Arbeit riecht. Dort hatte ich dann auch die Konfrontation mit dem Truckdriver. Und das ging so: mein Navi funkte mal wieder „Streckenabweichung“, woraufhin ich vor einer Seitenstraße links ranfuhr, um zu gucken. Einen Moment später hupte neben mir der Brummi wie wild auf – obwohl ich direkt auf den Fußgängerweg gefahren war, also gar nicht auf der Straße stand. Er wollte genau in diese Straße abbiegen mit seinem 30 Tonner. Na, kann er ja auch, muss er doch nicht soviel Lärm machen. Also rückte ich beiseite und ließ ihn abbiegen, während ich über meine weitere Strecke grübelte. Kaum war er abgebogen hielt er an und kam wüst schimpfend auf mich zu. Den „fucking idiot“ zitiere ich mal, der Rest war definitiv nicht jugendfrei. Er war jedenfalls extrem unentspannt und ich fand seine Reaktion doch ziemlich überzogen. Das teilte ich ihm auch mit, woraufhin eine neue Schimpfkanonade kam. Na ja. Ich gab ihm dann noch den Tipp „Get a life“ mit und setzte meinen Weg fort, denn meine Route hatte ich inzwischen gefunden.

Die Strecke entlang des Loch Lomond ist bislang eine ziemlich Ernüchterung. Es ist die Autobahn nach Norden. Extrem heftiger Verkehr, in dem ich mich auf meinen zwei schmalen Gummireifen ziemlich unwillkommen fühle und in dem ich morgen doch den ganzen Tag unterwegs sein werde. Auch der Campingplatz in Luss, der Ort war unter dem Namen „Glendarroch“ übrigens Drehort der schottischen TV-Serie „Take the High Road“, steht unter ständiger Lärmbeschallung, liegt ansonsten aber traumhaft. Und wird von zwei älteren Ladies geführt, die herzzerreissend freundlich sind und mit denen ich schon viel lachen durfte.

Ja, Luss kann was! Gotteidank hört ihr die nahe „Autobahn“ nicht

So, das muss reichen für heute, war ein langer Tag, und morgen kommt ein langer und harter Tag. Es geht nach Glencoe, es geht zurück in die steilen Abstiege und es geht in den wilden Verkehr. Laut Routenführer kriege ich dafür eine der schönsten Landschaft zu sehen, die Schottland zu bieten hat. Na, schaun wir mal. Route hier, wobei ich den südlichen Zipfel schon bis Luss geradelt bin. Alsdann, see you tomorrow!

your hardy cyclist

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