UK Challenge 2018

Wie kommt das eigentlich, dass man zum Jahresende immer irgendwie in den Abenteuermodus schaltet? Das nasskalte Wetter? Die kurzen Tage? Die Lust auf Bewegung in lockerer Kleidung? Der Drang nach Begegnung mit spannenden Menschen und anderen Kulturen?

Und was tut man dagegen? Vor dem Fernseher hocken, Bier trinken, Chips essen und in Phantasiewelten entschwinden natürlich! Über Weihnachten durfte ich die ersten vier Folgen von Harry Potter gucken. Nicht lachen, denn das war tatsächlich eine Premiere. Bislang hatte ich mich diesem Produkt der Traumwelt entzogen. Nicht absichtlich oder aus gar aus Protest, sondern schlicht aus Desinteresse. Gut, dass es junge Menschen gibt, die den alten Knackern der Welt zeigen, was sonst so los ist im Universum. Und ja, ich hab es durchaus genossen. Vor allem die Quidditch-Spiele, die wunderbar viele Anspielungen an tatsächlich existierende Sportarten haben.

Und so ein fliegender Besen hat ja auch was nettes (zumindest solange einem nicht ein Drache auf den Fersen ist). Mein fliegender Besen wedelt mir schon seit Monaten ungeduldig vor der Nase herum und will endlich wieder auf Reisen gehen. So richtig, also nicht nur mal 300 Kilometer kurz an die Nordsee, sondern mit weit weg sein, mit übernachten müssen, mit jeden Tag ein neues Abenteuer vor der Nase haben und Strecke machen. Seit Herbst war ich im Gärungsprozess, nun sind die Pläne halbwegs festgezurrt. Ja, „Pläne“ im Plural, denn sowohl für 2018 als auch für 2019 sind die Dinge ins Laufen gekommen.

2018 erfülle ich mir zunächst einen alten Traum und der heißt „End to End“. Als langjähriger England-Freund habe ich schon oft mit dem Gedanken gespielt, mal die komplett britische Hauptinsel von Land’s End ganz unten im Südwesten in Cornwall bis hinauf nach John O’Groats ganz oben an der nordöstlichen Spitze von Schottland zu durchkurbeln. Rund 1.000 Meilen, also etwa 1.600 Kilometer. Macht 14 Etappen à durchschnittlich 120 Kilometer.

Am 30. April geht es los. Hinein in den britischen Frühsommer, mit leichtem Gepäck, Minizelt, Regenklamotten und einem Sack voller fröhlicher Neugierde auf ein Großbritannien, das mitten im Brexit steckt. Denn das ist auch ein Ziel meiner kleinen Reise: ich will dieses Land, in das ich mich vor über 30 Jahren so blitzartig verliebt habe, endlich mal richtig kennenlernen. Deshalb werde ich auch gerne auf kleinen bis sehr kleinen Straßen unterwegs sein, um zu spüren, wie es sich dort anfühlt; auch im Vergleich zu den dichtbesiedelten Gebieten, durch die ich ja zwangsläufig komme.

Meine Tour(en): rote Strecke = Land’s End to John O’Groats (und zurück nach Inverness), blaue Strecke = kleiner Schlenker durch Wales bis nach Bristol.

Die Route festzulegen ist der (bislang) schwierigste Teil der Tour. Bei „End to End“ stehen eigentlich nur zwei Dinge fest: es geht los in Land’s End und es endet in John O’Groats. Wie man die Strecke überwindet, ist völlig egal. Und es gibt unfassbar viele Möglichkeiten.

Oben in Schottland ist es noch am Einfachsten, da gibt es einfach nicht so viele Straßen und Wege. In Südwest- und Mittelengland aber bleibt die Qual der Wahl. Das geht schon in Cornwell los. Über Plymouth und Exeter durch das Dartmoor hinauf nach Bristol? Oder zunächst entlang der Westküste und dann durch so lustige Ortsnamen-Siedlungen wie Nomansland, Tiverton und Cheddar? Nördlich von Bristol dann die große Frage: rüber über die Severn und ein bisschen Wales mitnehmen oder entlang der Severn (und der M5…) gen Norden? Beide Routen führen schließlich zur selben Frage, nämlich wie den Großraum Liverpool/Manchester/Preston durchqueren? Diese dichtbesiedelten Gebiete werden ohnehin die größte Herausforderung sein, denn alleine die vielen Ampelstopps dürften das Durchschnittstempo bedrohlich verringern – abgesehen vom Stress der Stadt und dem nicht ungefährlichen Dasein eines Radlers auf dichtbefahrenen Metropolstraßen. Diesbezüglich war Afrika vermutlich wesentlich überschaubarer.

Hinter Preston geht es um die Entscheidung, den touristisch ziemlich vollgepropften Lake District via Windermere und Ambleside zu durchqueren oder durch die deutlich entspannteren Yorkshire Dales zu kurbeln, in denen es aber ziemlich schroff hoch und runter geht. So oder so landet man in Carlisle und damit an der Pforte zu Schottland, wo schon die nächste – und wohl schwierigste – Entscheidung ansteht: Durch Glasgow, durch Edinburgh oder mitten durch? Da es nach Glasgow überwiegend entlang der M74 geht und ich keinen allzu großen Bock habe, schöne Natur mit Autobahn-Soundtrack zu bekommen, spricht vieles für die Strecke via Edinburgh – was aber in der Konsequenz heißen würde, dass die weitere Route dann nicht entlang von Loch Lomond und Loch Ness führt sondern durch das Hochland. Beides ist ähnlich reizvoll. Schwierig.

Ab Inverness wird es übersichtlich, denn nun gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: schnurstracks gradeaus und den legendären Pub Crask Inn en route ansteuern oder über die (dichter befahrene) A9 entlang der Südostküste. Da fällt die Entscheidung nicht schwer, wird es die Route über Crask Inn sein. Nächstes Problem: die Rückkehr. Mitsamt des Fahrrads von entweder Thurso oder Wick (beide um die 10 Meilen von John O’Groats entfernt) per Bahn zu fahren ist eine kribbelige Herausforderung. Es verkehren drei Züge pro Tag, es gibt maximal sechs Radplätze, es gibt ein hohes Risiko, keinen Platz zu bekommen. Ich werde daher von John O’Groats über zwei weitere Etappen zurückradeln bis nach Inverness (kann ich gleich die Südküstenstrecke kennenlernen), wo das Leben wieder einfacher wird. Alsdann geht es mit dem Zug nach Warrington (zwischen Liverpool und Manchester), von wo aus ich dann nach Wales radeln werde, um Freunde in Blaenau Ffestiniog zu besuchen und anschließlich über drei weitere Etappen nach Bristol zurückzuradlen. Summa summarum drei Wochen Radfahren, Land, Leute und Wetter genießen, Kontakte knüpfen. UK Challenge 2018!

Ach, und ihr wollt jetzt noch wissen, was 2019 ansteht? Ne, das wird noch nicht verraten! 🙂

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