Aus dem Inneren des Dichters

Manchmal möchte man einfach...

Manchmal möchte man einfach…

... das hier tun.

… das hier tun.

Dass The Andes Trail eine Extremerfahrung ist – mehr noch, als es 2011 die Tour d’Afrique war – hatte ich schon mehrfach angedeutet.

Für viele von uns ist es sogar eine Grenzerfahrung. In Andahuaylas sind gleich zwei Fahrer in einen Bus gestiegen, der sich schon mal in den nächsten Pausenort Cusco bringt. Der eine schleppt sich seit Tagen mit Durchfall und Schlappheit herum, der andere sagt über sich: „ich bin körperlich okay, aber geistig müde. Ich will keine Berge mehr sehen“.

Jeder geht auf seine eigene Art mit den Herausforderungen um. Einigen scheint es schier nichts auszumachen, jeden Tag bis zu acht Stunden auf dem Sattel zu sitzen. Sie kommen fröhlich grinsend im Ziel an und scheinen noch immer so fit wie am Morgen zu sein. Den meisten aber geht es gegenwärtig eher durchwachsen. Sechs Wochen pausenloses Berggekurbel fordert seinen Preis. Wir sind mindestens müde, manchmal auch krank. Und doch fordert der Tagesplan unerbittlich zu neuen Höchstleistungen heraus. Das schafft nicht jeder (Körper), und auch meiner hat diese Woche erneut kurzzeitig den Dienst quittiert. Nach einer nächtlichen Durchfallattacke im gestrigen Bushcamp auf 3.500 Metern fühlt er sich gegenwärtig an wie ein nasser Sack Mehl. Schwer, unhandlich, unbeweglich. Ich habe mich daher entschlossen, zwei Tage vom Radfahren Abstand zu nehmen und mich durch die Gegend kutschieren zu lassen – offenbar muss ich neidlos anerkennen, dass meine sensible Dichterseele dann doch über eine andere körperliche Konstitution verfügt, als so manch ambitionierter Radler unter uns, der daheim allerdings auf ein Vielfaches meiner jährlichen Kilometerleistung kommt.

Es ist die schwierige Herausforderung, seinen eigenen Platz im Fahrerfeld zu finden. An guten Tagen kann ich sicherlich mit den meisten Fahrern aus dem Feld zwischen Platz fünf und Platz zehn mithalten. Auf Dauer aber verlangt mein Körper – und wie gesagt, die der meisten Fahrer – schlicht und einfach Pausen. So wie gestern. 2.332 Höhenmeter auf 90 Kilometer, von denen ganze zehn asphaltiert waren. Ein Höllenritt, der ziemlich an die Substanz ging. Beim Lunch auf 55 Kilometer hatte ich einen Schnitt von 12,53 km/h – und das, obwohl zwischendurch ein 15-Kilometer-Downhill auf allerdings sehr schroffer Piste für Entlastung gesorgt hatte. Die Belohnung war eine traumhafte Landschaft namens Apurímac, die von extrem tiefen Flußtälern geprägt ist und dementsprechend über reichlich lange Anstiege und verrückte Abfahrten verfügt.

Apurímac kommt übrigens aus der Quechua-Sprache und steht für „wo die Götter sprechen“. Und ein göttliches Gefühl hatte man tatsächlich beim Pedalen in dieser wahnwitzigen Landschaft – wenn nur die höllische körperliche Anstrengung nicht gewesen wäre. Nun lass ich Euch mit ein Fotos der letzten Tage alleine und versuche, weiterhin meiner geschundenen Dichterseele Beistand zu leisten.

Euer gerade etwas weaker hardy cyclist.

Auf dem langen und rumpeligen Donwhill, ...

Auf dem langen und rumpeligen Donwhill, …

... der hier in seiner ganzen Pracht zu sehen ist (die gezackte Linie hinten am Berg)

… der hier in seiner ganzen Pracht zu sehen ist (die gezackte Linie, die hinten am Berg runterführt)

Mitunter ist die Orientierung im Hinterland nicht allzu einfach, denn es werden immer wieder unterschiedliche Orte ausgewiesen.

Mitunter ist die Orientierung im Hinterland nicht allzu einfach, denn es werden immer wieder unterschiedliche Orte ausgewiesen.

Auf dem langen Anstieg kamen mir diverse Gedanken, die ich mein Mittagessen unbedingt festhalten musste - sehr zu Neugierde dieser Einheimischen.

Auf dem langen Anstieg kamen mir diverse Gedanken, die ich beim Mittagessen unbedingt festhalten musste – sehr zu Neugierde dieser Einheimischen.

 

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Ein Kommentar

  1. Welch geniales Foto von der Dichterseele und der einheimischen Dame!!!!!!
    Hardy, es ist unglaublich deine Beschreibungen auf sich wirken zu lassen…man kann die enorme körperliche Anstrengung förmlich spüren (AUA!!!)
    Für mich komplett unvorstellbar…Gerade erhole ich mich von ner blöden Grippe und allein die Vorstellung mich unmittelbar danach aufs Rad zu setzen um solch Höhen zu erklimmen….RESPEKT! Die super Bilder der Landschaften hingegen kann ich sehr gut genießen!
    Du weißt: Kleine Helden müssen tapfer sein….(und große auch!)

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