Heruntergefallen vom schmalen Grat

Another country? Another planet? Another world? - in Peru ist irgendwie alles ganz anders. Dazzu gehört auch Peletonfahren auf schnurgerader Straße gegen den Südwind.

Another country? Another planet? Another world? – in Peru ist irgendwie alles ganz anders. Dazu gehört auch Peletonfahren auf schnurgerader Straße gegen den Südwind.

„Wir wandeln alle auf einem sehr schmalen Grat“, weissagte vorgestern einer unserer stärksten Racer, mein Zimmergenosse Alfred. Ich hörte es nur mit halbem Ohr, denn ich lag auf dem Bett und versuchte, meine Müdigkeit von „Walking on sunshine“ aus den Beinen und aus dem Körper zu schütten.

Allein – vergeblich. Denn die Diagnose war harsch und verheerend: akuter Sonnenstich, und der nicht zu knapp. Der knüppelharte Aufstieg in der prallen Sonne hatte seinen Preis gefordert. Bzw. die Tatsache, dass wir binnen weniger Stunden von eher unangenehm kühlen 12 Grad auf unerträglich heiße 40+ Grad gekommen waren. Eine hohe Umstellungsherausforderung für viele Körper, darunter auch meinem. Nach einer unruhigen Nacht und blitzartigen Körperentladungen sowohl „oben“ als auch „unten“ erwachte ich am nächsten Moment völlig erledigt und hatte schon Mühe, mich überhaupt aus dem Bett zu erheben – geschweige denn, aufs Rad zu klettern. Futsch war der EFI, und es gab auch keine größere Diskussion zwischen eigenem Willen und eigenem Körper, der die Entscheidung für den Truck unmissverständlich einforderte.

„Wir wandeln alle auf einem sehr schmalen Grat“…

Zwei Tage verbrachte ich auf dem Laster. Den ersten verpasste ich fast komplett, weil mir sofort die Augen zufielen, sobald ich irgendwo saß und ich mich ansonsten nur in Zeitlupe bewegen konnte. Ich hatte nie zuvor einen Sonnenstich, aber nun weiß ich, wie sich das anfühlt: als hätte jemand den Stecker gezogen und die komplette Energieversorgung abgekappt. Es geht: nichts. Nur in Trance erlebte ich den Grenzübergang von Ecuador nach Peru und den damit verbundenen kompletten Wechsel der Welten. Nur in Trance erlebte ich das erste Bushcamp auf der Reise, ein eher ungünstig getimter Auftakt, denn zumindest der Darm wusste sich auch gestern noch nicht wieder so richtig auf „Normalbetrieb“ einzustellen. Und mit einer Rolle Klopapier durch ein ausgetrocknetes Flussbett zu marschieren, in dem lauter Zweige und Äste mit irre langen Dornen liegen, die sich durch die Schuhsohlen bohren, um einen gemütlich Platz für die blitzartige Darmentleerung zu finden, ist … nun ja, sprechen wir es aus: Scheiße!

Heute morgen war ich endlich wieder „back on the bike“ und konnte dank eines fantastischen 14-Personen-Peleton die 76 Kilometer vom Bushcamp nahe Motupe in die wuselige Kleinstadt Lambayeque in etwas über zweieinhalb Stunden überwinden – alle rennfixierten Leser dieses Blogs werden aber trotzdem verfolgen müssen, dass ich mit den 2 x 12 Stunden „Strafzeit“ für zwei Trucktage deutlich zurückgefallen bin im Klassement. Aber das „wir wandeln alle auf einem sehr schmalen Grat“ gilt ja für alle, und abgerechnet wird eh erst zum Schluss. 😉

Schluss mache ich auch jetzt, denn ich will die Zeit zur weiteren Erholung nutzen. Noch zwei Tage, dann lockt der nächste freie Tag, und da werde ich ein bisschen erzählen aus Peru, diesem Land, das uns im Vergleich zu Ecuador wie eine andere Welt – beinahe  Planet – vorkommt. Und nun drückt bitte alle die Daumen, dass mein Darm seine Normalform zurückfindet. Muchas gracias!

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3 Kommentare

  1. Kopf hoch, buddy, machmal hat es ja auch was Gutes mit dem schnellen EFI-Verlust. Always think of the bright side of life, diedipp diedipp diediediedipp….. !!! Kommen wieder bessere Zeiten und für diese musst Du offen sein 🙂

    Wiedereinmal scheinen topographische Veränderungen, diesmal der ABSTIEG, die Körper zu belasten. Nimm Dir gleich die Zeit, die Dein Körper braucht und setze Dich bloss nicht wieder unter Druck ! Ich erwarte lediglich tolle Berichte von Land und Leuten und dazu muss der Geist aufnahmebereit sein: mens sana in Corpora sano (oder irgendwie hiess das doch)…..

    Gefällt 1 Person

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