Aufwärts, immer aufwärts. Bis zum Himmel

Gerade mal zwei Tage gefahren und schon wieder ein Pausentag. Klingt wie Erholungsurlaub, nicht wahr? Ist es aber nicht! Gestern Nachmittag kamen wir in Loja in Südecuador an und mussten uns alle erstmal in einen dieser herrlich bequemen Sessel in der Hotelrezeption fläzen. Ein Tag in der Achterbahn lag hinter uns. Nach dem Start in dem süßen Andenörtchen Oña war es zunächst für satte 600 Meter steil bergab gegangen, ehe eine 15 Kilometer lange und hübsch steile Auffahrt von rund 2.200 auf 3.150 Meter anstanden. Eine Quälerei mit Ausblick, denn wie immer in den Anden zog sich die Straßen eng am Berghang entlang und bot zur einen Seite schroffen Felsen und zur anderen weite Aussicht. Erstaunlich übrigens, was hier auf Höhen von über 3.000 Metern noch so alles wächst – es ist gritzegrün, überall lümmeln sich Hüttchen und manchmal sogar kleine Dörfchen auf Höhen, in denen in Europa nur noch nackter Stein zu finden ist. Was den Geografen in mir übrigens begeistert ist der viele Sandstein, der hier oben zu finden ist. Vermutlich ein Resultat der Erdplattenverschiebung, durch die einstiger Meeresboden auf diese gewaltigen Höhen gedrückt wurde. The Andes Trail ist eben auch ein „Lehrpfad“!

Nein, es ist nicht anstrengend. Gar nicht.

Nein, es ist nicht anstrengend. Gar nicht.

Aber zurück zum Radfahren bzw. Radkriechen. Mit durchschnittlich 9 bis 10 km/h hinauf und weit über 60 km/h hinab war auch gestern Motto des Tages, zumal die Aufgabe darin bestand, nach Überquerung des Passes umgehend zurück auf die Ausgangshöhe von 2.200 Metern zu rasen – um hinter einer kleiner Flusstalüberquerung prompt abermals 15 Kilometer bergauf bis auf 3.068 Meter zu pedalieren. Kurz nach der zweiten Passüberquerung gab es Lunch, und als mir Freddy Mercury dort just bei meinem Eintreffen seine berühmten Zeilen „Is this the real life? Is this just fantasy?“ entgegenhauchte, wurde mir die Absurdität meines Tuns schlagartig deutlich. No, I never would have fantasied a real life like this one…

Hinauf, hinauf. Bis zum Himmel.

Hinauf, hinauf. Bis zum Himmel.

Der Abstieg wurde begleitet von einigen diversen giftigen Gegenanstiegen, die mehr als nur den Schwung nahmen sowie unheilvoll drohenden Regenwolken. Schon am Vortag hatten wir es mit Regen zu tun bekommen. Regen ist – neben Wind – wohl der Hauptfeind des Radfahrers. Er hatte weit vor der Passgrenzen auf ungefähr 2.600 Metern eingesetzt und uns ruckzuck bis auf die Haut durchnässt. Bei Temperaturen von wohlwollend acht Grad keine schöne Sache, und so froren wir nach Überquerung des 3.400-Meter-Gipfel wenig später beim Lunch alle wie die Schneider und drängelten uns in ein verlassenes Gebäude, das wir mit unserer Körperwärme nur wenig erhitzen konnten. Glücklicherweise war nach dem Pass mit Regen Schluss, und dass das offenbar öfter so ist konnte man prima anhand der Vegetation erkennen. Die war nämlich auf der Regenseite tiefgrün, und auf der anderen Seite gelblich-braun und leicht verdörrt. Wie verrückt und unvorhersehbar das Wetter in dieser Höhen und diesem Teil der Welt ist zeigte sich dann am Nachmittag, als ich im Quartier in Oña die dickste Sonnencreme, die ich im Gepäck habe, auftragen musste, um in den herrlich wärmenden Sonnenstrahlen nicht zu verbrennen. „In den Anden hast du drei Jahreszeiten an einem Tag“, heißt es.

Tagesaufgabe Ona - Loja.

Tagesaufgabe Ona – Loja.

Regen macht die Auffahrt doppelt schwer

Regen macht die Auffahrt doppelt schwer

Nun residieren wir in Loja, einem süßen kleinen Universitätsstädtchen nicht weit von der Grenze zu Peru. Zwei Tage noch pedallieren wir durch Ecuador, dann steht der erste Grenzwechsel an. In Peru verlassen wir dann auch endlich diese vermaledeite PanAmericana, die uns mit ihrem heftigen Verkehr zum Wahnsinn treibt. Vor allem die Busse und Lastwagen flößen weiterhin Respekt ein. Gestern raste ein vollgepackter Bus den Berg hinunter und lag in der Kurve dermaßen quer, dass ich befürchtete, er kippt gleich um und reißt mich mit sich in den Abgrund. Nach wenigen Sekunden war er jedoch auf allen Vieren vorbeigerast und mein Herzschlag konnte sich wieder beruhigen. Außerdem wird es (endlich!) mal nicht den ganzen Tag bergauf oder bergab gehen, denn in Peru radeln wir Richtung Meereshöhe und Pazifik, wo ein gemütlicher Strandtag lockt. Zuvor aber müssen wir noch zwei weitere Tage kräftig in die Pedale treten und uns dem Motto „hinauf, immer hinauf, bis zum Himmel“ hingeben.

Neun Tage auf der Straße, das gibt mir die Gelegenheit für ein kleines Zwischenfazit bzw. einen kleinen Vergleich mit der Tour d’Afrique. Die war – zumindest in den ersten Wochen – deutlich „leichter“. Damals sind wir 2.000 Kilometer fast nur flach gefahren, ehe es in Äthiopien erstmals in die Berge ging. Diesmal sind wir vom ersten Tag an kräftig gefordert gewesen, und auch wenn sich bei vielen das Gefühl einstellt, durch die enormen Herausforderungen und Anstrengungen insgesamt durchaus stärker geworden zu sein (auch bei mir) war es eine Heidenanstrengung, die mit der in Afrika keinesfalls zu vergleichen war. Allerdings begann Afrika auch im Januar und damit mitten im deutschen Winter – wenn ich vor The Andes Trail nicht einen intensiven Trainingsfrühling mit rund 3.000 Kilometern und u.a. einer Mont-Ventoux-Befahrung gehabt hätte, wäre ich an dem einen oder anderen Anstieg hier vermutlich zusammengebrochen.
Vieles ist ähnlich/gleich: das Gruppengefühl, der tägliche Wechsel der Übernachtungsstätte mitsamt den dazugehörigen Herausforderungen in Sachen Gepäck, der unbeschreibliche Flow, auf dem Fahrrad einen ganzen Kontinent zu durchqueren, die erschöpften Gesichter beim Lunchtruck, der enorme Appetit, der uns bergeweise Nahrung in uns reinschaufeln lässt, das Naturerlebnis, der direkte Kontakt mit den Einheimischen. Das frühe Zubettgehen (8.30/9 Uhr), das frühe Aufstehen (6.20). Das Eintauchen in eine uns fremde Kultur, das Spüren der eigenen Fremdheit in dieser Kultur, die hier zuhause ist.

Vieles ist aber auch anders als in Afrika. Bezüglich der Unterkunft beispielsweise residieren wir auf der ersten Hälfte der Reise ja zumeist in Hotels oder Hostals. Das können echte Bruchbuden sein (wie in Ingapirca), manchmal (wie hier in Loja) sind es aber auch durchaus ansehnlich Behausungen, in denen man sich wie ein Urlauber fühlt. Ich muss sagen, dass ich die Bushcamps von Afrika durchaus vermisse, denn dadurch konnte man noch tiefer eintauschen in das Erlebnis und auch sich selbst. Nun ist Südamerika allerdings auch nicht Afrika, zumal wir dort quasi in der Einsamkeit starteten (ägyptische bzw. nubische Wüste) und wir hier in einem dichtbesiedelten Raum entlang einer dichtbefahrenen Straße radeln. Das gibt völlig andere Eindrücke und auch Herausforderungen. Gleichzeitig bin ich froh, nicht in Bushcamps übernachten zu müssen, denn angesichts der Wetterkapriolen bleibt uns da sicherlich einiges erspart.

Manchmal sind unsere Hotels „very basic“

Manchmal sind unsere Hotels „very basic“

Was die Eindrücke und die Intensität betrifft, verhält sich The Andes Trail quasi umgekehrt zur Tour d’Afrique. Während wir in Afrika von einer urwüchsigen „exotischen“ Einsamkeit langsam in die „Zivilisation“ radelten (begann erstmals in Kenia und dann von Botswana), ist es hier andersherum. Schon Peru dürfte deutlich „wilder“ sein, Bolivien gilt als ausgesprochen ursprünglich und in Patagonien tauchen wir dann vollends in die Natur und die Wildnis ein.

Was definitiv unterschiedlich ausfällt ist das Wetter. In Afrika war in den ersten beiden Monaten eigentlich nur die Frage, WIE heiß es wohl werden wird. Und ob man dementsprechend früh auf die Straße kommt. Hier regieren die angesprochenen „drei Jahreszeiten an einem Tag“. Gestern Morgen zum Beispiel: Zum Frühstück um 7 Uhr strahlender Sonnenschein. Also kurzärmliges Trikot anziehen, Sonnencreme auftragen, Regensachen beiseite packen. Eine halbe Stunde später drohte der Himmel schon wieder mit düsteren Wolken. Also langärmliges Trikot drunterziehen, Regensachen wieder aus dem Gepäck wühlen. Ich muss auf jeder Etappe sicher drei- bis viermal stoppen, um eine Jacke an oder auszuziehen, das Trikot zu wechseln oder die lange Leggings überzustreifen. Dazu kommt natürlich der ständige extreme Höhenwechsel, denn während es ab 2.800 Meter unter Wolken empfindlich kalt ist (5 bis 8 Grad), wird man im Tal bei 30 und mehr Grad regelrecht gebacken.

In Afrika haben wir uns über weite Strecken quasi einem Schatten zum nächsten gerobbt. Schlussendlich war das beinahe einfacher, denn das hiesige Wetter stellt schlicht die größeren Herausforderungen an uns Fahrer. Man muss quasi auf alles vorbereitet sein. Vorgestern zum Beispiel war ich nach dem Regenguss am Anstieg regelrecht durchtränkt und hatte noch rund 50 Kilometer bei bewölktem Himmel und mit diversen Abfahrten vor mir. Eine Erkältung ist da quasi vorprogrammiert, wenn die Ausrüstung nicht lückenlos ist. Ich habe übrigens stets zwei Plastiktüten im Gepäck, die ich bei Regen einfach über meine Socken stülpe, um zumindest die Füße trocken zu halten.

Der drohende Regen kündigt sich an.

Der drohende Regen kündigt sich an.

Auch was die Begegnungen mit den Einheimischen betrifft sind Afrika und Südamerika (bislang) höchst unterschiedlich. In den Städten sind wir hier nichts Ungewöhnliches. Klar, wenn wir als Konvoi losfahren zücken die Menschen auch in Cuenca oder Loja ihre Handys und filmen diese seltsamen Gestalten auf ihren seltsamen Rädern. Aber nirgendwo haben wir bislang vergleichbare Aufruhre verursacht wie das in Afrika oft der Fall war. Dafür sind die Ecuadorianer aber auch viel zu zurückhaltend. Die Kinder winken nur zaghaft, die Erwachsen flüstern ein zögerliches „Buenos Diaz“, und wenn man irgendwo stoppt, ist man nicht automatisch umringt von einer schnatternden Menschenmenge. Tut gut.

Die Kontakte hier sind leiser, intensiver. Gestern stoppte ich dem kleinen Örtchen Saraguró, um ein lokales Fußballfeld zu fotografieren. Als ich meine Kamera wegpackte, kam eine ältere Dame und grinste mich fröhlich an. „De donde va?“, fragte sie – „wohin fahren sie?“. „A Loja“ entgegnete ich, und schon entspann sich ein kleines Gespräch über Ecuador und The Andes Trail, das sie mit einem fröhlichen „bueno, bueno“ und einem grinsenden Augenzwinkern kommentierte. Nach einigen Minuten verabschiedeten wir uns und ich zog beseelt weiter. Kurz darauf passierte ich übrigens das lokale Fußballstadion, in dem sich gerade zwei Mädchenmannschaften gegenüberstanden – schönes Bild!

Mädchenfußball in Saraguró.

Mädchenfußball in Saraguró.

Der Lebensstandard in Ecuador ist spürbar höher als in den meisten afrikanischen Ländern. Hier gibt es eine deutlich erkennbare Mittelklasse, sind die Läden sind voller Waren, haben die Menschen auch das Geld, um sie zu kaufen, fahren auf den Straßen moderne Autos. Mein Spanisch-Professor hatte mir erzählt, dass es recht einfach ist, an Kredite zu kommen, was den Menschen die Möglichkeit gibt, Besitz anzuschaffen und die Wirtschaft des Landes in Schwung hält. Auf der anderen Seite schafft es natürlich aber auch Abhängigkeiten, und so sieht man auf den Straßen ein durchaus geschäftiges Gebaren, versucht jeder, sein Geld auf möglichst angenehme Art und Weise zu verdienen. Gestern sah ich in Cuenca beispielsweise einen jungen (afrikanischstämmigen) Fußballer, der an der roten Ampel Kunststücke mit seinem Fußball anstellte und dafür ein paar Münzen kassierte.

Insgesamt macht Ecuador einen sehr organisierten und funktionierenden Eindruck. Vor allem in den Städten, die zwar unisono unter dem enormen Verkehr zu ersticken drohen, die aber zugleich entspannt und gut organisiert daherkommen. Dazu gehört wohl auch, dass an allen Ecken Sicherheitskräfte stehen. Eben bin ich durch den überdachten Wochenmarkt von Loja geschlendert, da kamen mir sogar schwerbewaffnete Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag entgegen – ein durchaus übliches Bild hier. Bei all dem habe ich aber den Eindruck, dass sich die Menschen sehr wohlfühlen in ihrem Land und sie eine gewisse Zufriedenheit ausstrahlen. Sehr angenehm für unsereins ist jedenfalls das spürbar gemütlichere Lebenstempo, das einem vor allem dann auffällt, wenn man es mal etwas eiliger hat. Auf den Bürgersteigen von Quito, Cuenca und Loja wird nämlich eher flaniert als gerannt – gewöhnungsbedürftig für einen mitteleuropäischen Stresspatienten….

Auffällig zudem die große Zahl sehr junger Mütter. Ich tu mich schwer mit schätzen des Alters, aber ich vermute, die wenigsten sind über 20. Es ist meistens nur eins – oder vielleicht mal zwei – Kind(er), bezüglich der Geburtenrate scheint es also ebenfalls einen großen Unterschied zu Afrika geben. Zugleich wirkt dies wie eine Verschmelzung von traditionellen und modernen Lebensweisen. Die findet sich auch bei der Kleidung. In den Städten geht es modern zu. Enge Jeans und knappe Tops bei den Damen, Machokettchen und grelle Shirts bei den Herren. Im ländlichen Raum hingegen wird viel traditionelle Kleidung getragen. Immer dabei: der Bowlerhut, den allerdings nur die Frauen tragen. Erstaunlich ist die Vielzahl des Einzelhandels, der hier wie in Afrika nach Branchen sortiert ist. In Cuenca gab es eine ewig lange Straße, an der ausschließlich Autoersatzhändler residierte. Hier in Loja habe ich eine Straße gefunden, in der vor allem Kamerageschäfte ihre Waren anbieten und in Quito erinnere ich mich an eine Gasse, in der es nur Läden mit Fußballtrikots gab. Globale Ketten wie McD, KFC o.ä. habe ich bislang nur in Quito gesehen – es lebe der lokale Einzelhandel!

Wirtschaftlich ist hier einiges los. Vor allem die Baubranche scheint angesichts der zig Firmen, die ich entlang der PanAmericana gesehen habe, zu boomen. In den Städten sind viel Businessleute unterwegs – Männer wie Frauen im Übrigen. Das krasse Gegenteil ist die Landwirtschaft auf dem Land. Da gibt es keinerlei Maschinen, da wird alles mit Menschen- bzw. Tierkraft gemacht. Und so sieht man immer wieder ganze Familien (Oma, Mutter, Kinder) vor ihren Häusern hocken und einen Riesenstapel frischgeernteter Früchte oder Blätter Stück für Stück mit den eigenen Händen bearbeiten oder einen Bauern mit einem Esel bzw. Pferd auf dem Feld schuften. Vermutlich in direktem Zusammenhang mit diesen sehr unterschiedlichen Lebenswahrheiten hierzulande stehen die Favelas, die sich um jede größere Stadt schlängeln. Bei der Einfahrt nach Loja ging es mit den wackeligen Wellblechhütten, die häufig regelrecht an den Hängen der Berge kleben, schon gut zehn Kilometer vor dem eigentlichen Ortsschild los. Da lockt wohl der Reiz der Stadt, der sich vermutlich für viele aber zum geplatzten Traum entwickelt.

Themenwechsel: Freitag war Fußball angesagt! Deportivo Cuenca, Schlusslicht der höchsten Liga, traf auf El Nacional de Quito, Ecuadors Militärklub und in der Tabelle nicht viel besser angesiedelt. Sechs The-Andes-Trail-Fahrer fanden den Weg hinaus zum Stadion Alejandro Serrano Aguilar, und ließen sich von mir gerne eine kleine Einführung in die Befindlichkeiten des nationalen Fußballs erteilen (kennt Ihr ja alle schon 😉 ). Rund 10.000 Zuschauer säumten die Ränge im flutlichtbeschienenen Stadion und verbreiteten eine recht angenehme und stimmungsvolle Stimmung. Aus Quito war eine Hundertschaft El-Nacional-Anhänger angereist, die den gesamten Gästeblock mit Transparenten schmückten. Cuenca musste gewinnen, um aus dem Tabellenkeller herauszukommen. Der Taxifahrer, der uns zum Stadion brachte, bezweifelte allerdings, dass es dem Team gelingen würde. „Equipo no bueno“, meinte er resignierend und prognostizierte den Abstieg in die 2. Liga.

Die Heimkurve mit dem Ultra-Blog.

Die Heimkurve mit dem Ultra-Blog.

Nun, es begann schlecht für die Heimelf. Großartige Chancen wurden ausgelassen, und kurz vor dem Halbzeitpfiff gingen die technisch beschlageneren Hauptstädter mit 1:0 in Führung. So ist er eben, der Fußball: nutzt du deine Chancen nicht, darfst Du dich nicht beklagen. Nach dem Seitenwechsel wurde die Heimelf dann aber deutlich stärker und auch effektiver. Der längst verdiente Ausgleich ließ dennoch lange auf sich warten. Unermüdlich feuerten der durchsingende Cuenca-Ultrablock sowie das restliche Publikum ihre Elf mit „Qenqa, Qenqa“ an. Alles schien vergeblich zu sein, als sich die Ereignisse in den letzten Minuten förmlich überschlugen. Riesenjubel, als der Heimelf tatsächlich noch der Ausgleich gelang und damit zumindest ein Punkt auf das Konto verbucht werden konnte. Doch es kam noch besser, denn Sekunden später lag der Ball erneut im El-Nacional-Netz, eruptierte das Estadio Alejandro Serrano Aguilar vor kollektiver Freude über einen nicht mehr erwarteten 2:1-Sieg der heimischen Gladiatoren. Fazit: guter Fußball sieht zwar sicher anders aus, spannend war es aber dennoch und meine fünf The-Andes-Trailer-Begleiter – von denen zwei nie zuvor in ihrem Leben bei einem Fußballspiel gewesen waren – zeigten sich gleichfalls angetan von der Erfahrung.

Der Auswärtsblock aus Quito.

Der Auswärtsblock aus Quito.

Kleine Anekdote am Rande: Nebenbei erfuhr ich, dass einer unserer australischen Mitfahrer in Torquay aufgewachsen und leidenschaftlicher Anhänger von Torquay United ist – ein Klub, in dessen urigem Plainmoor-Stadium ich mit meinen Bristol Rovers schon des Öfteren zu Gast war. Als Dermot dann mit leicht entrüstet Blick erzählte, er sei als Jugendlicher Ende der 1960er Jahre auf dem Weg zum Stadion mal von Bristol-Skins verprügelt worden, könne sich aber nicht mehr erinnern, ob sie von C*** oder von Rovers gekommen waren, einigten wir uns rasch augenzwinkernd, dass es eigentlich nur C***-Scums gewesen sein können.

Genug gefaselt. Habt eine schöne Woche und bis die Tage – dann vermutlich bereits aus Peru. Hasta luego! Zum Schluss noch ein paar gesammelte Fotos.

Sieht man überall am Straßenrand: „Spezialitätenrestaurants“ ;-)

Sieht man überall am Straßenrand: „Spezialitätenrestaurants“ 😉

Getränkehändler entlang der Straße.

Getränkehändler entlang der Straße.

Wege der Revolution…

Wege der Revolution…

Momentaufnahme aus Oña.

Momentaufnahme aus Oña.

A room with a view – Blick von unserem Hostelbalkon auf die PanAamericana und die großartige ecuadorianische Landschaft. Auch der Regen auf der Etappe ist – tritz des herrlichen Sonnenscheins – auf diesem Bild zu erkennen.

A room with a view – Blick von unserem Hostelbalkon auf die PanAmericana und die großartige ecuadorianische Landschaft. Auch der Regen auf der Etappe ist – trotz des herrlichen Sonnenscheins – auf diesem Bild zu erkennen.

Santiago. Nicht Santiago de Chile!

Santiago de Ecuador. Nicht Santiago de Chile!

Die Natur hält sich eben nicht an die Regeln der Menschen. („Die Bäume reinigen die Luft, Nicht fällen“).

Die Natur hält sich eben nicht an die Regeln der Menschen. („Die Bäume reinigen die Luft, Nicht fällen“).

 

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Ein Kommentar

  1. Hach, Klasse Artikel….

    V.a. Dein Vergleich mit Afrika ist interessant und nachvollziehbar. Freue mich, dass es Dir gesundheitlich gut geht, zumal an anderer Stelle nachzulesen war, dass Terry schon das erste Mal Magen-Darm-bedingt in Bus verbringen musste. Ich habe mich in Asien mit Henry G. über Äthiopien unterhalten und er war der Meinung, es sei hauptsächlich die gesteigerte körperliche Belastung die zu dem führt, was wir gemeinhin mit Äthiopien assoziierten.

    Also mein Fazit ist bereits jetzt, sollte ich jemals die Anden aus der kalten Hose beradeln, muss der Wohlstandsbauch schon in heimischen Gefilden abtrainiert werden – sonst macht es keinen Spass ! Du schlägst Dich ja recht gut, also immer weiter Augen auf und Kamera allseits bereit. Viel Spass in Peru, bin sehr gespannt, was Du dort zu gerichten hast !

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