Nur noch 10.946 Kilometer!

Startschuss am Mitad del Mundo. Links in die Nordhalbkugel, rechts die südliche Hemisphäre.

Startschuss am Mitad del Mundo. Links auf der Nordhalbkugel, rechts die südliche Hemisphäre.

Nur noch 10.946. Fast da!

Aber was für ein furioser Start das war! Keine zehn Kilometer von den insgesamt 11.000 auf The Andes Trail lagen hinter mir, da stand ich das erste Mal am Straßenrand und musste eine Reifenpanne signalisieren. Immer unschön, wenn man im Konvoi fährt, denn dann müssen alle warten und man agiert entsprechend hektisch. Und tatsächlich… Kaum saß ich wieder im Sattel und hatte mich ein wenig beruhigt, meldete der Vorderreifen erneut akute Luftdruckprobleme, die mich – und die ganze Gruppe … abermals zum Anhalten zwangen. Gefahrene Kilometer zu jenem Zeitpunkt: 18.52.

Diesmal nahm ich mir etwas mehr Zeit und untersuchte gemeinsam mit unserem mitradelnden Mechaniker Lucho den maladen Mantel bzw. Schlauch. Was wir fanden, war ein hässlicher Riss im Schlauch, der ziemlich eindeutig auf einen Bedienungsfehler hinwies: ich hatte den Schlauch bei der ersten Panne eingeklemmt, und auf so etwas antwortet ein sensibles Gummi in der Regel mit einem Riss. Da ich meinen Ersatzschlauch bei Panne Nummer 1 verbraucht hatte, war nun zudem reifenflicken angesagt, was die Sache zeitlich noch ein wenig verzögerte. Immerhin ging danach jedoch alles glatt und ich hoffe nun darauf, dass ich meine Ration an Reifenpannen für’s erste aufgebraucht habe.

Die unschönen Pausen brachten zusätzlichen Pfiff in einen ohnehin aufregenden Tag, der pünktlich um 9 Uhr mit dem Start in Richung Mitad del Mundo begonnen hatte – dem 27 Kilometer nördlich von Quito gelegenen Äquator. Mit 40 Leuten durch einen Verkehrswahnsinn wie den Quitos zu radeln ist eine echte Herausforderung für die Organisatoren, und so waren alle froh, als wir nach einigen Kilometern auf eine abgetrennte Buslinie trafen, der wir für rund 15 Kilometer folgen konnten. Erst am Ortsausgang mussten wir uns wieder „richtig“ in den Verkehr stürzen, konnten aber bis zum Äquator dankenswerterweise zumeist bergab gleiten. Und mit bergab meine ich wirklich bergab – schon am ersten Tag habe ich nämlich meine bisherige persönliche Bergab-Bestmarke von 71 km/h toppen können und an der 75er-Marke gekratzt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die in den nächsten Wochen noch fallen wird.

Gemütliches Radeln auf der Busspur in Quito.

Gemütliches Radeln auf der Busspur in Quito.

2011 passsierte ich den Äquator in Kenia, diesmal in Ecuador. Wo (und wann) gibt es wohl den nächsten Übergang?

2011 passsierte ich den Äquator in Kenia, diesmal in Ecuador. Wo (und wann) gibt es wohl den nächsten Übergang?

Am Monument des Mitad del Mundo gab es dann reichlich anzuschauen. Erstmal natürlich die Äquatorlinie, dargestellt durch einen gelben Strich auf dem Boden. Dann ein kleines Museum über die verschiedenen Ethnien Ecuadors, durch das uns eine fröhlich gelaunte Einheimische in perfektem Englisch geleitete. Nicht zum ersten Mal hörte ich bei der Gelegenheit, dass Ecuador das einzige Land auf der Welt ist, in dem man am Morgen am Ozean frühstücken, am Mittag auf 3.000 Meter zu Mittag essen und am Abend im schwülheißen Regenwald zu Abend essen kann. Okay, mit dem Fahrrad ist das nicht zu schaffen, mit dem Auto aber sehr wohl, und falls jemand von Euch mit dem Gedanken spielt, mal in diesen Teil der Welt zu reisen, kann ich Sie oder Ihn nur ermuntern. Ecuador ist ein sehr angenehmes Reiseland.

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto und einer Ansprache des örtlichen Bürgermeisters erfolgte der offizielle Startschuss, den der Bürgermeister vornahm, indem er einen Fahrradschlauch so weit aufpumpte, dass er zerplatzt. Dass er es zunächst mit einem Schlauch mit Loch versuchte, rückte mein Missgeschick erneut in den Mittelpunkt, denn ich erntete fragende Blicke, ob das möglicherweise einer meiner Schläuche war. Nein, war es nicht!

40 (noch) enthusiastische Radlerinnen und Radler aus aller Welt.

40 (noch) enthusiastische Radlerinnen und Radler aus aller Welt.

Und dann ging es zurück. Über exakt jene Strecke, auf der ich auf dem Hinweg fast 75 km/h erreicht hatte. Bergan ging es nicht ganz so schnell, und erschwerend hinzu kam der schreckliche Verkehr. Ein Laster nach dem anderen überholte und hüllte uns mit dicken Dieselabgasen ein. Irgendwelche Filter sind hierzulande unbekannt, wiewohl Quito sein einstiges Smog-Problem, wie mir mein Professor letzte Woche erzählte, durch eine Menge umweltpolitischer Maßnahmen ein wenig in den Griff bekommen hat. Davon war jedoch nix zu spüren, und so waren wir alle froh, als wir wieder im Stadtgebiet angelangt waren und uns auf die verkehrsfreie Busspur retten konnten.

Nebenbei gab es am Debüttag übrigens noch ein weiteres Debüt: der erste Regen seit meiner Ankunft in Quito! Zwar nur ein paar klitzekleine Tropfen, aber der Himmel drohte mit düsteren Wolken und sogar Gewittergrummeln. In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, ist aber alles wieder friedlich, leuchtet der Himmel erneut in einem freundlichen blau. Hoffen wir, dass es dabei bleibt.
Nachdem wir nun einen ersten Geschmack am Radeln gefunden haben, geht es ab morgen richtig zur Sache. Vor dem Start wird das Gepäck in die LKW verladen, denen wir dann auf knapp 100 Kilometern bis hinunter nach Latacunga folgen dürfen. Wir radeln auf der berühmten Panamerikana, das Verkehrschaos und die Dieselausdünstungen werden uns also noch ein wenig begleiten. Erst am Montag soll es den Veranstaltern zufolge verkehrsmäßig ein wenig ruhiger zugehen.

Und damit zurück nach Deutschland (oder wo immer Frau/Mann diese Zeilen liest) und Euch allen ein schönes Wochenende. Wenn ihr auf Eure Räder steigt, denkt mal an mich 😉

Eine kleine Radkollektion mitten auf dem Äquator.

Eine kleine Radkollektion mitten auf dem Äquator.

Getrennte Welten...?

Getrennte Welten…?

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