Vom Mittelpunkt zum Ende der Welt

Juhu, da bin ich wieder! Viel Fußball war für mich angesagt in den letzten Monaten (im Oktober kommt mein Bild-/Textband „Wenn Spieltag ist. Fußballfans in der Bundesliga“), und das mit dem langen Winter und dem späten Sommer war ja auch nicht wirklich hilfreich für Konditionsbildung wie Körperertüchtigung.

Nun aber steht ein neues Abenteuer auf dem Programm, denn exakt heute in einem Jahr (1. August 2014) werde ich nördlich der equadorianischen Hauptstadt Quito vermutlich ziemlich aufgeregt auf den Sattel klettern und auf den Startschuss für „The Andes Trail“ warten! Wie die Tour d’Afrique ist auch „The Andes Trail“ ein Etappenrennen, das über 11.000 Kilometer und durch fünf Länder vom Mittelpunkt der Welt (nämlich dem Äquator) bis zum Ende der Welt (in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, an der Pforte zur Antarktis) verläuft. Und ich kann Euch sagen: ICH FREU MICH DRAUF!

„Jenseits der Komfortzone, reloaded Teil 2“, also?

Nein, eher nicht! Einiges wird sicher ähnlich sein wie auf der Tour d’Afrique (meine Gesäßknochen freuen sich schon…), vieles aber wird anders sein. Die Sprache beispielsweise. In Afrika kam ich prima mit Englisch zurecht – in Südamerika hingegen ist Spanisch angesagt, Und da heißt es bei mir bislang „nada“, bin ich über das Rezitieren von solch elementaren Begriffen wie „hola“, „cerveza“ oder „bicicleta“ kaum hinausgekommen. Neben der körperlichen Vorbereitung heißt es diesmal also auch Vokabeln pauken. Noch ist aber ordentlich Zeit, und weil die Tour klimatechnisch deutlich besser als die Tour d’Afrique liegt (die ja am 15. Januar mitten im europäischen Winter losging), bin ich zumindest bezüglich der körperlichen Vorbereitung halbwegs gelassen. Und was die Sprachkenntnisse betrifft – dafür kriegen wir bestimmt wieder so einen ekeligen langen und kalten Winter…

11.000 Kilometer, 108 Tagesetappen, fünf Länder – soweit die Eckdaten von „The Andes Trail“. Los geht es auf rund 2.850 Metern in Ecuador, und bis Peru stehen schon diverse Anstiege auf dem Programm – es werden nicht die letzten sein. In Peru passieren wir den Titicacasee und erreichen Bolivien, wo es auf der Hochebene in ziemlich dünner Luft weitergeht. Nach der berühmten Salzwüste empfängt uns ein grünes Argentinien, ehe wir mit Patagonien den vermutlich unwirtlichsten Teil der Tour erreichen, der mich gleichwohl jetzt schon ziemlich fasziniert. Vor allem auf die gefürchteten Seitenwinde im äußersten Süden bin ich gespannt – letztes Jahr hat es da sogar LKWs umgepustet! Wie sich das wohl auf dem Rad anfühlt? Mit dem Erreichen der Eingangspforte zur Antarktis endet die Tour dann Mitte Dezember passenderweise im „Fin-del-mundo“ („Ende der Welt“) genannten Städtchen Ushuaia im äußersten Süd des argentinischen Teils von Patagonien.

South-AmericaDass die Afrikadurchquerung kein einmaliges Erlebnis bleiben würde, wusste ich im Grunde genommen schon Stunden nach meiner Ankunft in Kapstadt im Mai 2011. Am nächsten Tag hockte ich in einem Internetcafe und durchsurfte das www nach vergleichbaren Touren. Zunächst war die Seidenstraße mein Favorit (Länder wie Kasachstan, Kirgisistan, Mongolei etc. stehen schon seit langem auf meiner Wunschliste), doch irgendwie las sich Südamerika am Ende spannender. Die Anden als radfahrtechnische Herausforderung, die uralten Kulturen, von denen ich bislang keine Ahnung habe, die klimatischen Verhältnisse, die während der vier Monate offenbar alles zwischen brütend heiß und schweinekalt parat halten werden – irgendwie ist es dann doch „Jenseits der Komfortzone. Teil 2“! Und dann ist da noch die reichhaltige Fußballtradition in Ländern wie Argentinien, Chile, Bolivien und Peru, auf die ich nicht erst neugierig geworden bin, seit ich im zweiten Band der Weltfußball-Enzyklopädie darüber schrieb. Nach Ende des Rennens am 14. Dezember 2014 will ich daher in Buenos Aires und Uruguay auch noch ein bisschen auf Spurensuche gehen.

Unterwegs bin ich diesmal mit „Bike dreams“, einem holländischen Veranstalter, der auch das Radrennen Paris – Dakar durchführt, an dem ich 2011 ja ursprünglich hatte teilnehmen wollen. Wegen der politischen Lage vor allem in Mauretanien hat das Rennen seit einigen Jahren leider nicht mehr stattfinden können. Ich habe viel Gutes über Bike Dreams gehört und bin gespannt, wie die Unterschiede zwischen einem europäischen und einem nordamerikanischen Veranstalter ausfallen. http://www.bike-dreams.com.

Ein Jahr kann lang sein, ein Jahr kann aber auch verdammt kurz sein. Wie es für mich verlaufen wird, werde ich diesem Blog dokumentieren. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate will ich die fünf Länder und ihre Besonderheiten/Herausforderungen vorstellen, ein bisschen aus der Praxis der Vorbereitung für ein solches Unterfangen plaudern, von meiner technischen Ausstattung während der Tour erzählen und bestimmt auch mal einfach vor Vorfreunde ordentlich rumschwärmen. Bücher zur Vorbereitung habe ich jedenfalls schon einige beisammen. Sehr gespannt bin ich auf „Der alte Patagonien-Express“ von meinem Lieblingsreisebuch-Autor Paul Theroux, aber auch auf das hochgelobte „In Patagonien“ von Bruce Chatwin. Und Rupert Attlles Klassiker „The Trail to Titicaca“ wird besonders spannend sein, denn Attlee fuhr 1996 mit zwei Freunden nahezu dieselbe Strecke, die wir 2014 fahren werden – allerdings startete die Gruppe in Ushuaia.

Ich fänd’s jedenfalls sehr schön, wenn Ihr wieder dabei wärt wenn es am 1. August 2014 heißt: „Start frei zum größten Abenteuer des Lebens!“ (P.S.: Frische Infos zu Radfahren wie Fußball gibt es übrigens auch auf Facebook: https://www.facebook.com/hardygruene)

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3 Kommentare

  1. Hi,

    dann freu ich mich bereits jetzt auf viele neue Einträge. Gibts schon Neuigkeiten bezüglich Terminen für die Videoabende. Sollten ja im Herbst noch paar kommen?

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  2. Log mich auch schon interessehalber ein. Auch wenn meine Tour 2015 wohl eher ein Traum bleiben wird. Aber manchmal suchen Träumen einen heim 😉 – hab Joachim Helds Afrikabuch im Frühling gelesen und mir dann mal sein Andenbuch vornehmen, damit ich zu Deiner Reise auch schon ein wenig vorbereitet bin… LG,Dennis

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