Buchbesprechung: „The Slow Way Down“ (Tour d’Afrique 2010)

The Slow Way Down“ hat Gerald Coniel sein Buch über das Abenteuer Tour d’Afrique genannt, die er 2010 mitgefahren ist. Auf 276 Seiten berichtet der gebürtige Franzose über seine Erfahrungen beim längsten Radrennen der Welt.

Coniel, der lange in Südafrika lebte und seit einiger Zeit in Finnland zuhause ist, schreibt auf Englisch und er schreibt sehr anschaulich und höchst unterhaltsam. Als ich mich 2010 auf meine Tour d’Afrique vorbereitete, war es sein Blog, den ich förmlich verschlang. Coniel hat einen guten Blick für Details und einen leichten Zugang zu den Menschen, was ihm einen umfassenden Eindruck von Afrika ermöglichte. Auch sein Buch lebt von diesen Begegnungen, die er unterwegs hat, und von den Reflektionen über sein Dasein als afrikadurchquerender Radfahrer. Das macht sein Werk höchst lesenswert, und für jeden, der selbst über die Tour d’Afrique nachdenkt ist es eine wertvolle Informationsquelle.

Zugleich zeigt es, wie unterschiedlich man die Tour d’Afrique wahrnehmen kann. Wo ich mit einem Crossrad unterwegs war und mich vor allem auf asphaltierten Straße wohlfühlte, ist Coniel leidenschaftlicher Mountainbiker, der bisweilen sogar die Asphaltstraße verlässt, weil sie ihm zu langweilig ist. Seine stärksten Momente hat er folglich off-road und brilliert vor allem in Kenia und Nambia. Zudem ist er einer der wenigen Fahrer, der die Durchquerung des Dinder-Nationalparks im Süden des Sudans bewältigt und damit seinen EFI verteidigt.

EFI ist ein anderes Ding, das Coniel und mich unterscheiden. Nachdem ich diesen Status, den nur erhält, wer von Kairo bis Kapstadt jeden Zentimeter auf dem Rad sitzend absolviert hat (EFI: every fabulous inch), bereits im Sudan wegen eines Durchfalls verlor, verteidigt Coniel ihn voller Leidenschaft und bisweilen geradezu mit Klauen. Mitunter schüttelt man den Kopf, wenn Coniel seine angeschlagene Gesundheit vor dem mitreisenden Tourarzt zu verbergen versucht, weil er fürchtet, nicht weiterfahren zu dürfen, wenn er mit Blut im Urin weiterfährt und all seinen Focus auf die Verteidigung des EFI-Statuts verwendet. Das zeigt, wie schwierig der Konflikt zwischen Vernunft und Mut auf der Tour d’Afrique ist. Für Coniel zahlt es sich aus, denn er verteidigt seinen EFI-Status bis zum Ziel.

Auch in der Attitüde Afrika gegenüber sind deutliche Unterschiede festzustellen. Ich bin ja eher „low budget“ gereist und habe überwiegend im Zelt übernachtet, bin selten in Hotels gegangen und niemals in jene Nobelherbergen, die es vereinzelt in Afrika gibt. Coniel ging genau den entgegengesetzten Weg: er suchte Komfort, wo immer er zu finden war. So hat er sicherlich zwei Drittel der Tour in Hotels verbracht und kehrte auch während der Etappen immer wieder in Luxusresorts ein. Das ist sicherlich Geschmacksache, denn jeder hat seinen eigenen Weg, wie er mit der Herausforderung Afrika in Sachen Komfort umgeht.

Großen Raum nimmt in Coniels Erzählung der zwischenmenschliche Umgang im Fahrerfeld ein. Gemeinsam mit anderen Fahrern bildet er eine eingeschworene Gruppe („Locker 9 club“), die ein Team innerhalb des Team bildet. So erfährt man viel über die große Bedeutung des Miteinanders auf der Tour d’Afrique, aber auch über die Probleme.

Im letzten Drittel der Tour – und des Buches – nehmen diese internen Berichte zunehmend größeren Raum ein, rückt Afrika allmählich in den Hintergrund. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen, denn ab Sambia gab es viele Tage, die von einer gewissen Langeweile geprägt waren und in denen man vergleichsweise wenig erlebte und entsprechend kaum etwas zu berichten hatte.

Coniels Buch gibt einen schönen Einblick in das Abenteuer Tour d’Afrique. Sein schwungvoller Schreibstil voller Selbstironie macht das Lesen zum Vergnügen, und Coniel versteht es auch prima, das Leiden und die Herausforderungen auf den vier Monaten Extremtour zu vermitteln.

Sein Buch liegt nur in englischer Sprache vor. Der Beug erfolgt direkt über den Autor (19,90 Euro plus 5 Euro Porto) unter http://theslowwaydown.com/
the-slow-way-down-cover

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