Im Sturzflug über die Eishölle

da war ich lange drauf unterwegs

So, da bin ich wieder. Und endlich auch mit ein paar Bildern, die hoffentlich ein klein bisschen vom Radelflair hier in den französischen Alpen wiedergeben.

 Als ich mich das letzte Mal gemeldet habe, steckte ich in einem heftigen Gewitter und stand vor dem Galibier. Nun, das Gewitter wütete zwar nicht so, wie eine mir bekannte Katze (bzw. eine in einem von mir favorisierten Lied benannte Dame) in New York, wie „Irene“ hinterließ aber auch das mir namentlich nicht bekannte alpinistische Unwetter seine Spuren. Als ich am nächsten Morgen gen Galibier aufbrach, froren mir nämlich fast die Finger ab! Wo es tags zuvor noch 35 und mehr Plusgrade gehabt hatte, erreichte die Quecksilbersäule plötzlich nur noch 15 Grad. Und ich wollte hinauf auf fast 2.800 Meter! Da oben hat es vier Grad, informierte man mich in der Touri-Info von St-Michel-de-Maurienne.

 Na denn.

los gehts!

 So lange ich auf dem Weg nach oben war, stellte das alles kein Problem dar. Der Col de Télégraphe, dem Galibier vorgelagert, brachte mich mit einer Durchschnittsteigung von locker 7-8 Prozent ziemlich ins Schwitzen, und nur im Schatten merkte ich, dass die Luft tatsächlich ziemlich kühl ist. Als ich auf dem Col angekommen war, schien dort die Sonne, und das war auch gut so. Es war nämlich schlicht und einfach arschkalt Also machte ich mich rasch an die Abfahrt nach Valloire, von wo aus es schließlich in den Anstieg zum Galibier gehen sollte. Doch oh Teufel, war das kalt! Keine zwei Kilometer lang war die Abfahrt, und doch war ich in Valloire ein einziger Eiszapfen. Suchte mir sofort ein Café und mümmelte mich erstmal an die Heizung. Was tun? Nun, in der Touri-Info hieß es, zum Nachmittag solle die Wolkendecke aufreißen und es auch wieder wärmer werden. Also verlängerte ich meinen Aufenthalt in Valloire noch ein bisschen, ehe ich so gegen 12 aufbrach, um mich dem Giganten der Alpen zu stellen.

auf dem Weg zum Gipfel des Galibier

 Und ein Gigant, das ist er, der Galibier. Aber was für ein wunderschöner! Nach den ersten noch recht gemütlichen Kilometer ging es in die berühmte Rechtskurve und von nun an sank das Steigungspotenzial nie mehr unter 8 Prozent. In Spitzenwerten schnellte es hinauf bis auf 12, und ich musste ganz schön Kraft übertragen, um die Schwerkraft zu überwinden. Er ist lang, er ist unbarmherzig, aber er verführt mit einer unbeschreiblichen Landschaft. Oberhalb der Baumgrenze lockten samtweichen Weiden, dazwischen immer wieder Felsgestein, Schneereste, unglaublich schöne Aussichten. Ganz bestimmt einer der schönsten Berge, die ich in meinem Leben hochgeradelt bin!

Spürt Ihr die Kälte?

 Gemein ist, dass der letzte Kilometer wirklich beinhart ist und fast senkrecht in den Himmel zu scheinen geht. Mit letzter Kraft, und natürlich angetrieben von der Aussicht, ihn endlich bezwungen zu haben, schaffte ich schließlich die letzte Kehre und erreichte den Col.

 Wahnsinn!

 Eine Panaromaaussicht, die nur durch die doch ziemlich dichte Wolkenschicht getrübt wurde und die ich leider auch nicht allzu lange genießen konnte, denn dort oben waren es tatsächlich bestenfalls vier Grad. Schnell ein paar Fotos machen, dann alles anziehen, was das Gepäck hergab (ich hatte schließlich ein T-Shirt, zwei kurze Fahrradtrikots, ein Langarmtrikot, eine Wind- und eine Reckenjacke an!) und hinab. Hinab in die schlimmste Abfahrt meines Lebens.

wo es hochgeht, geht es auch wieder runter.

Mit 12 Prozent Gefälle ging es los, und schon nach 50 Metern waren meine Finger, meine Nasenspitze und meine Füße von der Kälte taub. Nach einem Kilometer war ich völlig durchgefroren und stemmte mich innerlich zitternd gegen das steile Gefälle. Bremsen, frieren, bremsen, frieren. Endlos dauerte es, bis ich zumindest auf dem Lautaret war, also dem auf der anderen Seite vorgelagerten Berg. Aber auch da war es immer noch schweinekalt, und bis ich schließlich meine Michelin-Männchen-Verkleidung zumindest ein klein bisschen abpellen konnte, dauerte es noch locker ein halbe Stunde Talfahrt. Unten erfuhr ich dann, dass es in der Nacht sogar Neuschnee gegeben hatte. Er ist halt unberechenbar, der Galibier.

Mit 12 Prozent geht es hinunter vom Galibier

 50 Kilometer später war ich dann wieder in Bourg d’Oisans angekommen und hatte meine kleine Alpenrunde beendet. Ein rundherum gelungenes Abenteuer, begünstigt von einem phantastischen Wetter und natürlich von einer in Afrika erworbenen Kondition, die mich einen um den anderen Berg hochkommen ließ.

 Danach wurde es etwas flacher. Obwohl… Vorgestern durchradelte ich das Tal des Verdons. Mannomann! Keine 90 Kilometer, aber 1.900 Höhenmeter. Es ging nur hoch und runter. 90 Kilometer lang. Am Ende war ich völlig platt, denn eigentlich hatte ich kalkuliert, es ginge nur am Anfang hinauf und dann eben weiter. Dazu kam eine brütende Hitze von locker 40 Grad und eine Sonne, die mir vor allem an den Anstiegen regelrecht in den Nacken stach.

Am Col de Croix de la Fer - sicher einer der schönsten Frankreichs

 Nun will ich mich noch ein bisschen um den Luberon herum austoben, ehe die Meisterprüfung ansteht: der Dreifachanstieg zum Ventoux. Melde mich aber vorher noch mal, ehe es losgeht. Brauche schließlich ein paar gedrückte Daumen, damit das auch klappt!

 Zum Schluss noch einen ganz lieben Gruß an meinen guten alten „Buddie“ Dennis K. Freut mich, dass es Dir gefällt, was ich hier zusammenschreibe, und freut mich noch viel mehr, dass Du Dich auch drin wiederfindest. Wir mögen unterschiedlich sein, aber wir sind auch ähnlich! Dennoch bleibst Du Racer und ich „nur“ racender Tourist. Take care, my friend!

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Ein Kommentar

  1. he hardy,
    war am samstag mit andre und arne radeldenderweise auf der hanstein. das war auch ganz schön steil 😉
    und gestern haben wir den hainberg per pedes bezwungen…
    hau rein und alles gute für den nächsten trip
    matthias

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