Melting Madeleine

Ich kann ja meine große Klappe nie halten. Heute gabs ne Quittung dafür, denn der Col de la Madeleine hatte sich wahrlich ‚warm angezogen‘. Obwohl ich früh unterwegs war, brüllte mir der Bordcomputer schon bald ein skandalöses ’40 Grad‘ entgegen und ich war froh über jeden Schatten, in den ich kurz mal eintauchen konnte.

Irgendwie schon eigenartig, dass ich nach dem bisherigen Sommer auf eine Regentour vorbereitet war und nun mitten in eine Hitzewelle geraten bin, die es heute schon in die Nachrichten schaffte. Auch für Europa gilt offenbar: erwarte das Unerwartete.

Kühlenden Fahrtwind gab es übrigens auch nicht, denn der Madeleine entpuppte sich als der bislang schwierigste Col auf meiner kleinen Alpenrundreise. Als ich in St-Martin mit dem Anstieg begann, war ich auf 473 Metern. Am Gipfel überschritt ich gerade so eben die 2000er Marke. 1500 Höhenmeter auf 19 Kilometer – da war wahrlich keine Verschnaufpause drin.

Irgendwo zwischen 6 und 10 % schwankten die kleinen Infosteine am Wegesrand, die mich nach jeweils einem Kilometer über den bevorstehenden Kilometer informierten und mich stets aufstöhnen ließen. Was ein Bolzen!

Recht zügig war indes der Morgen verlaufen. 40 Kilometer lagen zwischen meinem Hotel in Modane und dem Anstieg zum Madeleine. Und weil es auf der am frühen Sonntagmorgen herrlich leeren und breiten Nationalstraße ständig bergab ging, brauchte ich nur einen Hauch mehr als eine Stunde für die 40 Kilometer. Ein wahrer Geschwindigkeitsrausch mit einem Durchschnittstempo von 38,98 km/h!

Vom Gipfel ging es durch ein verschlafen schönes Tal bis nach Albertville, wo ich mein Nachtquartier aufgeschlagen habe. Albertville, ja, das ist dieses Nest wo, ich glaube 1988, die olympischen Winterspiele stattfanden. Heute undenkbar, dass so ein Kaff den Zuschlag bekommt. Heute gehen derlei Ereignisse ja nach Russland, wo, wie ich in der L’Equipe erfuhr, demnächst auch Samuel Eto’o kicken wird. Für schlappe 20 Mio. € Salär – wieviel hungrige Mäuler man damit wohl in seiner Heimat Kamerun satt bekommen könnte?

Doch Schluss mit trister Gesellschaftskritik. Grad war ich beim Türken hier umme Ecke (ja, auch so was gibt es in Frankreich inzwischen!) und konnte schmunzelnd beobachten, wie die drei Vorzeigetürken von weiblichen Stammgästen stets das landestypische ‚Küsschen links, Küsschen rechts‘ aufgedrückt bekamen. Sehr erfrischend, diese aktive Form der Kulturenverschmelzung zu sehen!

A la prochaine, Euer hardy cyclist

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