Grüße aus dem ewigen Eis

Hallo, hallo, hier ist Modane! Sagt Euch nix? Nun ein ziemlich unscheinbares, um nicht zu sagen eher häßliches Kaff, dessen großer Vorteil ein ziemlich gut frequentierter Bahnhof ist. Klischeegetreu residiere ich folglich im Hotel de la Gare und habe nur einen Katzensprung bis zu einer vielversprechenden Pizzeria zu überwinden, die meinen Testbesuch später am Abend erwarten darf.

Ach ja, und Modane war 2011 bei der Tour de France Etappenort. Deshalb hängen hier auch überall noch fette Plakate rum, sind die Schaufenster voll von allerei Fahrrädern aus diversen Jahrhunderten.

Mein Giant stammt aus dem gegenwärtigem Jahrhundert und durfte heute überraschend viel Flachstrecke erfahren. Dabei ging es heute morgen gleich tüchtig zur Sache, als sich der Iseran in den Weg stellte und für die ersten 1½ Stunden des Tages ausnahmslos ‚aufwärts‘ angesagt war. Die Landschaft entschädigte für die Kurbelei, und die im Tal recht unerträgliche Sonne ist auf 2700 Metern auch durchaus angenehm. Da oben sind sogar noch Reste vom ‚ewigen Eis‘ zu bestaunen, denen der Klimawandel grade nach Jahrhunderten an den Kragen geht…

Die Alpen sind schon schön. In sanften bis nicht allzu sanften Kehren schraubte sich die Straße durch eine gritzegrüne Landschaft, überall gab es herrliche Gletschermoränen und friedlich grasendes Vieh. Hinter einer Kurve kamen dann sogar Erinnerungen an Athiopien zurück, als plötzlich ein aufgeregtes Schaf über die Straße wuselte und mähend seine Herde suchte.

Oben am Gipfel war die Hölle los. Klar, Samstag, strahlender Sonnenschein – da ist alle Welt unterwegs. Biker, Radler, Wohnmobile, Autos, ein Expeditionsteam aus Deutschland, das die Rückbesiedlung der Region mit Wölfen untersucht, dazu der Frankreich unvermeidliche Riesenstand mit allerlei zahnarztglücklichmachendem Naschwerk – es wurde schon bannig was geboten.

Spektakulär die Talfahrt. Wo es steil hoch geht, geht es natürlich auch steil wieder runter, und so liefen mir meine Bremsarme rasch rot vor Anstrengung an. Bremse loslassen heißt binnen Sekunden 60 km/h und mehr, was auf dem rissigen Asphalt und den scharfen Kurven nicht immer eine gute Idee ist. Ich war dann auch durchaus froh als ich in der ersten von mehreren Talsenken war und die Skistation Bonneval erreichte.

Danach ging es nicht mehr ganz so steil bergab, so dass ich die herrliche Landschaft wieder genießen konnte. Am liebsten hätt ich mein Nachtquartier gleich in Bessans aufgeschlagen, einem urgemütlichen Dorf mit schönen Gasthaus. Doch ein paar Kilometer mehr wollte ich schon noch machen.

Tja, und so landete ich schließlich in Modane, wo die Luft heiß ist und das Leben scheinbar gleichmäßig verläuft. Na, ich fahr ja eh morgen weiter. Der Col de la Madeleine kann sich schon mal warm anziehen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s