720 Kilometer durch das Nichts

 
SORRY, diesmal Start mit einem Bilderbuch. Irgendwas funktioniert nicht richtig, und ich finde nicht heraus, was… So long!
 
 
Unsere Richtungsanweisungen für diese Woche waren recht übersichtlich. Von Livingstone ging es zunächst über rund 80 Kilometer geradeaus bis nach Kazungula an die Grenze zu Botswana. Anschließend standen 359 schnurgerade Kilometer bis nach Nata an, ehe wir rechts abbogen … und weitere 306 Kilometer – natürlich ebenfalls geradeaus – bis nach Maun runterstrampelten.

745 Kilometer, und ganze zweimal abgebogen…

Und ich kann Euch sagen: es war grottenlangweilig. Patrick, unserer holländischer Hooligan (PSV-Fan), kletterte am dritten Tag nach dem Lunch sogar auf den Truck, weil er Angst hatte, „auf dem Fahrrad einzuschlafen“. Mir ging es am fünften Tag kaum besser, denn die 136 Kilometer-Tagesetappe bis nach Maun erschien mir wie die längste meines Lebens. Sie wollte und wollte einfach nicht enden, und die Kilometer zogen sich wahrlich wie Kaugummi. Das Problem war vor allem ein mentales. Ich hatte zwar noch genügend Kraft und Energie für ein paar Sprints, und ich wäre wohl auch noch so ziemlich jeden Berg hochgekommen. Geistig aber war ich hundemüde und musste mich immer wieder treten, um weiterzutreten. „Unterhalten“ wurde ich lediglich durch die insgesamt vier Reifenpannen, die an diesem besch…. Tag hatte – die letzte zwei Kilometer vor dem Camp.

Neben dieser sich endlos am Horizont erstreckenden schnurgeraden Straße ist das Problem, dass man eigentlich ständig pedalen muss. Im hügeligen Gelände sind es die Abfahrten, auf denen man sich zwischendurch etwas erholen kann. Auf einer Geraden geht das nicht. Pedalt man nicht mit stoischer Konstanz, wird man sofort langsamer, und es dauert noch länger, bis das Ziel erreicht ist. Also heißt es, pedalen, pedalen, pedalen. Bei Tagesetappen von bis zu 182 Kilometern eine recht mühselige Angelegenheit, zumal der Asphalt hier in Botswana sehr rau ist und zusätzlich Kraft kostet. Ich wage sogar zu behaupten, dass ich auf den 182 Flachkilometern in Botswana mehr Energie verbraucht habe, als auf den 182 Kilometern im hügeligen Gelände letzte Woche in Sambia.

Die Langweile wird verstärkt, weil man quasi kaum Lebewesen begegnet und es nur wenig Abwechslung gibt. Die Menschen, die ich auf den 745 Kilometern sah, kann ich an zwei Hände abzählen. Und neben Nata gab es mit Gweta lediglich noch einen weiteren Ort, der eine Unterbrechung in Form eines „Coke-Stops“ bot. Ansonsten: Leere, Weite, Einöde, Langeweile. Savanne eben.

Dabei hatten sie uns vorher die Münder in Sachen Elefanten wässrig gemacht! Im ersten Camp auf botswanischem Boden referierten sogar zwei eigens von der TdA engagierte Experten über das angemessene Verhalten bei einer Begegnung mit einem Elefanten („immer mindestens 100 Meter Abstand halten“) bzw. Löwen („auf keinen Fall schnell in die Pedale treten. Alles, was sich schnell bewegt, weckt den Jagdinstinkt“). Es hörte sich an, als seien Elefanten herdenweise auf der Straße unterwegs und die Racer unter uns machten sich schon Sorgen um ihre Zeiten, weil sie befürchteten, wegen der Dickhäuter ständig anhalten zu müssen. Am Ende des Tages waren dann alle etwas enttäuscht, als sich keiner der tatsächlich zahlreich in der Gegend lebenden Elefanten hatte blicken lassen (von Löwen gar nicht zu sprechen). Aber es ist Regenzeit, und die Dickhäuter finden halt überall Wasserstellen, weshalb sie den Fernhighway zwischen Kasungu und Maun meiden.

Was wir statt dessen sahen, waren ein Haufen weißer Luxustouristen. Botswana hat auf Edeltourismus gesetzt, was nicht nur viele Tourismusgruppen ins Land bringen, sondern auch rasch an unseren Geldbörsen zu spüren war. In Nata, einem staubigen Verkehrsknotenpunkt inmitten des Nichts, residierten wir in einem wirklich hochklassigen Ressort mitsamt Swimmingpool und warmen Duschen (seit Kairo nicht mehr erlebt), das stolze 110 Dollar pro Nase für eine Nacht in einer Blockhütte verlangte. Das konnte mir eingefleischtem Camper ja noch egal sein (die TdA stellt jedem Teilnehmer im Camp einen Zeltplatz zur Verfügung, wer ein Hotel will, muss das selbst buchen und bezahlen), doch die umgerechnet 1,20 Euro, die ich für einen halben Liter schlichtes Wasser bezahlte, empfang ich als ganz schön happig.

Nach Botswana zu kommen, war ein Abenteuer für sich. Kazungula heißt das Örtchen auf der sambischen Seite, das als Hafen-und Grenzstadt dient. Wobei sowohl „Hafen“ als auch „Stadt“ nicht die üblichen Assoziationen aufkommen lassen sollten. Beim Hafen handelte es sich um eine kleine Bucht mit notdürftig hergerichteten Molen sowie einer kleinen Grenzstation, und die „Stadt“ bestand aus einer Handvoll Hütten, vor denen jede Menge LKW warteten, die die Fähre benutzen wollten. Seit Robert Mugabe in Simbabwe die Durchfahrtsgebühren für LKW ins Unermessliche getrieben hat, ist es für die Unternehmen billiger, ihre Fahrer ein paar Tage an der Grenze warten zu lassen. Kazungulas Handel blüht entsprechend (und, wenn ich die Gestalten neben der Straße richtig gedeutet habe, die Prostitution sowie Geldwechsler)

Die Fähre selber war ein Abenteuer. Ein rumpeliges und rostiges Stückchen Blech mit einem ölspuckenden Motor, dessen Laufzeit ich besser nicht wissen möchte. Zwei LKW oder vier PKW passen jeweils drauf, dann ist sie voll und nimmt ihren zehnminütigen Weg zwischen Sambia und Botswana auf. Zu beobachten, wie die aus Botswana kommenden Fahrzeuge die Fähre auf sambischem Boden über eine notdürftig mit Brettern zusammengebastelte Rampe verließen, ließ uns alle verstummen, und als unser Tross dann mitsamt Rädern an Deck war, herrschte eine fast gespenstige Stille, die nur von dem knatternden Bootsmotor gestört wurde. In der Mitte des Zambezi treffen übrigens mit Botswana, Sambia, Namibia und Simbabwe gleich vier Länder aufeinander – das ist weltweit einzigartig.

Auf botswanischer Seite sieht die Welt dann völlig anders aus. Botswana ist eine der wenigen ölonomischen Erfolgsgeschichten Afrikas, und neben dem offenkundig vorhandenen finanziellen Mitteln ist auch die britische Kolonialvergangenheit sichtbar. Es herrschen geradezu britische Ordnung und Disziplin. Wir mussten sogar durch ein Desinfektionsbad fahren, mit dem das Eindringen der Maul- und Klauenseuche verhindert werden soll.

Wegen des Grenzübertritts hatten wir an jenem Tag nur 80 Kilometer zu absolvieren, weshalb am Nachmittag Zeit für eine kleine Bootsfahrt auf dem Zambezi blieb. Nun ja… Insgesamt waren es drei Boote voll mit TdAlern, und zählt man all die anderen Boote anderer weißer Touristen hinzu, sah es auf dem Zambezi aus, als würde die römische Flotte angreifen. Entsprechend genervt waren Elefanten, Krokolide und Hippos, die den Touri-Rummel eine Zeitlang geduldig ertrugen, ehe sie sich von dannen trollten. Für mich blieb am Ende die aufgefrischte Erkenntnis, dass derlei touristische Ausflüge irgendwie nix für mich sind und ich in der Zukunft wohl besser gleich drauf verzichte.

Am nächsten Morgen widmeten wir uns dann unserem eigentlichen Auftrag und gaben uns erneut der Kilometerfresserei hin. 171 Kilometer endlose Savanne, tags darauf 164, dann 182 und schließlich 136. Insgesamt 653 Kilometer pure Langweile. Abgesehen vom Wetter (da komme ich gleich zu) sowie den vier Elefanten, die ich am dritten Tag dank des guten Auges von Sen im Busch neben der Straße beobachten konnte, eine Reise durch das reine Nichts.

Das Wetter war einerseits gnädig – wir sind auf rund 900 Metern, und die Temperaturen sind zumeist radfahrerfreundlich – andererseits aber auch etwas gemein zu uns. Eigentlich hatten wir ja gedacht, die Regenzeit hinter uns zu haben. Doch das war vor Botswana! Hier toben ständig Gewitter herum, und in der zweiten Nacht erwischte uns so eine Urgewalt mit voller Wucht. Zum ersten Mal seit Kairo mussten wir morgens im strömenden Regen unsere Zelte einpacken, unser Frühstück runterschlingen und auf unsere Räder steigen. Im Laufe des Vormittags klarte es immerhin auf, so dass der warme Fahrtwind uns allmählich wieder trocknete. Abends residierten wir dann in einem ziemlich rudimentären „Bush-Camp“ mitten in der Salzwüste, und als am Horizont erneut Gewitterwolken auftauchten, machten wir uns alle lebhaft Sorgen über den Zustand des extrem verdichteten Terrains im Falle größerer Regenfälle. Doch wir hatten Glück, denn die Niederschläge gingen anderswo herunter, und wir kamen mit ein paar wenigen Tropfen davon. Gestern erhielten wir auf dem Weg nach Maun allerdings erneut eine kleine Dusche. Die botswanische Währung heißt übrigens „Pula“ – das steht in der Landessprache für „Regen“…

Was das Sportliche betrifft, so kann ich durchaus mit Stolz verkünden, dass ich offenbar immer besser in Form komme. Den Abschnitt von Lilongwe nach Livingstone habe ich mit 50:18 Stunden als Zehnter beendet, wobei der Rückstand auf den Fünftplatzierten lediglich etwas mehr als sechs Stunden Rückstand betrug – und da vorne tummeln sich nun wirklich ausschließlich die wahren, die ambitionierten, die ernsthaften „Racer“! Ich denke, dass ich insgesamt unter den ersten Zehn hätte landen können, wenn ich nicht hier und dort auf den Truck geklettert wäre und dafür jeweils 12 Stunden „Zeitstrafe“ aufgebrummt bekommen hätte. Und wenn ich nicht des öfteren vergessen hätte, morgens einzuclocken bzw. nachmittags auszuclocken… Und nicht andauernd anhalten würde, um Fotos zu machen oder gemütlich einen Kaffee bzw. eine Cola zu trinken…

Aber dafür bin ich ja schließlich auch in Afrika.

Soweit für heute aus dem wuseligen Maun, wo wir unseren freien Tag verbirngen. Ich werde mich gleich auf die Suche nach einem Trikot der „Township Rollers“ begeben – Botswanas „Bayern München“. Lustigerweise traf ich schon kurz nach meinem Grenzübertritt an einem Geldautomaten einen glühenden Anhänger des Klubs, der zwar eine etwas unglückliche Farbkombination trägt (übrigens: Glückwünsche zum Aufstieg nach Berlin, Lehre und Hamburg! bzw. an jeden, der sich noch angesprochen fühlt), dessen Jersey ich aber dennoch gerne haben möchte. Später mehr.

ENGLISH

Hello from Maun, somewhere in the North of Botswana – or “in the middle of nowhere”. Cycled for more than 720 Kilometer through lonely savanne without seeing anybody and something intering – apart of a couple of Elephants grazing next to the road. Been a tough week – especially mentally. This never ending long road with a rough tarmac are killing you mentally as you have the impression never coming forward at all.

Crossing into Botswana was fun nonetheless as we had to use a rusty ferry that brought us over the Zambezi to Botswana. During the process we crossed four borders: Zambia, Botswana, Namibia and Zimbabwe. It’s the only place in the world where four countrys meet.

Sorry for this rather short update – I have a lot of laundry to do and my bike needs attention as well,. Yesterday I had four flats on only 136 kilometers. Take care and UP THE GAS.

Côté Guingampais: Très hereux de reoccupe le troisième place. Allez Guingamp, tout pour L2 !

Advertisements

Ein Kommentar

  1. Bevor Ihr die bevorstehende lange Woche angeht, Hardy,

    die Euch nach Windhoek bringt,
    hier etwas „Rückenwind“ von Deinen Bretonen:

    NATIONAL >36e journée
    vendredi 22 avril 2011

    20h00
    Fréjus-Saint-Raphaël (8) 1-1 Bastia (1)
    Amiens (2) 2-1 Rouen (5)
    à Colombes UJA Alfortville (20) 0-6 Guingamp (3)
    Luzenac (13) 1-1 Strasbourg (4)
    Créteil-Lusitanos (10) 2-2 Cannes (6)
    Beauvais (7) 0-0 Colmar (16)
    Orléans (9) 0-1 Bayonne (15)
    Plabennec (19) 2-1 Paris FC (11)
    Pacy-sur-Eure (18) 1-0 Niort (12)
    Gueugnon (21) 0-3 Gap (17)

    Quelle: http://www.lequipe.fr/Football/RES_NAT.html
    bzw: … /Football/national-classement.html

    Was dieses Classement zur Folge hat:

    Rang Equipe Pts J. G. N. P. p. c. Diff.
    1 Bastia 80 34 24 8 2 70 21 49
    2 Amiens 72 34 21 9 4 49 22 27
    3 Guingamp 67 34 19 10 5 70 29 41

    4 Strasbourg 64 35 16 16 3 47 24 23
    5 Rouen 57 35 15 12 8 46 32 14
    6 Cannes 57 34 15 12 7 42 29 13

    Cela aurait pu être pire. 😉

    Bonne chance!

    Volker

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s