Lusaka ruft!

Ein bisschen Campidylle mit Dennis und Werner

Die „goldene Speiche“ für den Spruch der Woche geht diesmal an Eric aus Norwegen, der die Gegend zwischen Lilongwe und Lusaka als „corrugated landscape“ („Wellblechlandschaft“) beschrieb. Er traf damit den Nagel auf den Kopf, denn in der Tat erinnerten weite Teile der 720-Kilometer-Strecke an die üblen Wellblechpisten im Sudan oder in Nordkenia – nur dass sich die „Wellen“ diesmal aben jeweils über ein bis zwei Kilometer hinzogen und durchschnittlich zwischen 3 und 7 Prozent Steigung bzw. Gefälle aufwiesen.

Mit anderen Worten: Es war eine mörderische Woche.

Wellen...

Die 120 Kilometer von Lilongwe bis an die malawisch-sambische Grenze waren noch nett. Und die 24 Kilometer bis ins erste Nachtlager in Sambia auch. Ein bisschen wellig, aber insgesamt zügig zu durchfahren. Ich kam mit einer entsprechend hohen durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit voran und erreichte bereits gegen 11 Uhr die Grenze, an der ich in einem Hintergebäude des Grenzgebäudes meine letzten malawischen Kwacha im „offiziellen Schwarzmarkt“ gegen sambische tauschte.

Der sambische Kwachsa steht bei etwa 6.000 zum Euro, so dass ich gegenwärtig Millionär bin, mich mit dieser Rolle beim Einkaufen aber heillos überfordert fühle. Eins habe ich allerdings schon herausgefunden: Sambia ist teuer. Das bislang teuerste Land auf unserer Reise. Wobei „teuer“ relativ ist. Während ich in Malawi umgerechnet 25 Cent für eine Cola löhnte, sind es hier etwas mehr als 50 Cents. Eingeführte Waren wie Schokolade, Chips, Orangensaft etc. tragen freilich durchaus europäische Preise.

Wellen...

Aber zurück zu unserer viertägigen Berg- und Talfahrt durch den sambischen Osten. Am zweiten Tag stand die mit 177 Kilometern bislang längste Tagesetappe an. Davon ausgehend, dass wir wieder nette, aber nicht zu harsche Wellen auf der Straßen finden würden, rechneten wir optimistisch mit einem 30er Schnitt und hofften, gegen 12.30 Uhr im Camp zu sein. Die Hoffnung zerstob schon auf den ersten paar Kilometern, als aus den kleinen Wellen des Vortages plötzlich echte Brecher wurden, die ständig mit 3-7 Prozent hoch und runtergingen. Da wussten wir noch nicht, dass das bis Lusaka so bleiben würden…

Wellen!

Ich habe keine Ahnung, wie viele von diesen blöden Wellen ich in den letzten 96 Stunden wohl gefahren bin. Meine Beine fühlen sich jedenfalls so an, als seien es tausende gewesen. Jede Welle für sich allein ist kein Problem. Man schaltet halt runter, nimmt den Schwung von der Talfahrt mit und strampelt gegen die Steigung an. Das Problem ist die Menge. Irgendwann hat man keine Lust mehr, sich auf die Abfahrt zu stürzen, weil man genau weiß, auf der anderen Seite geht es wieder steil bergauf. Und irgendwann fangen die Beine an zu schmerzen, weil man einfach in keinen Rhythmus kommt. Und dann meldet sich Kopf und klagt, was für einen Schwachsinn man hier eigentlich veranstaltet.

Ich kann jedenfalls verkünden, dass ich extrem glücklich und erleichtert war, als ich heute kurz vor unserem Camping hier in Lusaka auch die letzte „Welle“ hinter mich gebracht hatte und meinen Beinen nun einen eintägigen Pausentag gönnen kann. Und auch mein Hintern freut sich, denn insgesamt waren es doch schon wieder knapp 30 Stunden, die er auf dem Sattel verbringen musste.

Leider war dr. Masambaasiyana nicht daheim, sonst hätte ich ihn nach einem Gegenmittel für die Wellen befragt

Was gibt es sonst zu sagen über Sambia? Zum Beispiel, dass man das Bier hier aus Milchtüten trinkt. Ernsthaft! Es kommt im halben Liter Tetrapack, und wenn ich mir die Jungs an den Rasthöfen entlang unserer Piste so anschaue, dann knallt es ganz schön rein. Sambia ist jedenfalls das erste Land, in dem ich am späten Vormittag Horden von angetrunkenen Männern in Kneipen habe diskutieren sehen. Und ich kann Euch sagen, das war nicht nett. Mit ist der Genuss eines solchen Tetrapacks bislang verwehrt geblieben, da in unseren Camps immer nur öder Flaschenbier veräußert wurde. Aber ich halte die Augen offen und werde dann berichten.

Schweinerei!

Eine andere Eigenart der Sambier ist, dass sie mit dem Fahrrad die falsche Straßenseite befahren. Also auf der rechten, statt auf der linken Seite. Das geschieht nach Aussage eines Einheimischen, „damit uns die LKW-Fahrer besser sehen“, führt in unserem Radlerkanon aber regelmäßig zu großen Verwirrungen. Hinzu kommt, dass in Sambia ebenso wie in Malawi sehr viele Radfahrer unterwegs ist, uns bisweilen also ganze Gruppen von Radler entgegenkommen. Und last but not least ist das Fahrrad hier kein Sportgerät sondern ein Transportmittel, weshalb die Ladung bisweilen an beiden Seiten kräftig überlappt – die Jungs also auch noch ganz schon Platz brauchen. Manchmal lebt die Ladung sogar! Hühner im Käfig hatte ich schon in Tansania gesehen, aber ein auf dem Gepäckträger festgebundenes Schwein, das auf dem Weg zum Schlachthof kläglich quickte – das gab es erst in Sambia zu sehen….

Was mich ehrlich gesagt etwas schockiert hat, ist, dass es die klebrige Brause dieses Milliardärs, der sich gerne mal Fußballklubs kauft und ihnen dann „Flügel verleiht“, auch in Afrika zu zweifelhafter Popularität geschafft hat. Mitten im tansanischen Hinterland sah ich das erste Mal dieses schmale Döschen, das dort ein Vermögen kostete. Und hier in Sambia liegen die Dinger in Massen im Straßengraben herum. Irgendwie erscheint mir das pervers zu sein, dass in einem Land, in dem eine Menge Menschen nicht genügend zu essen haben, Rote Bullenpisse vergustiert wird. Na, vielleicht bin ich auch einfach nur zu sentimental.

Verkaufsstand an der Straße

Derzeit sitze ich nämlich in einem gigantischen Shoppingzentrum am Rande von Lusaka und beobachte, während ich für Euch dichte, das bunte Treiben um mich herum. Neben reichlich TdAler scheint hier die gesamte weiße Bevölkerung von Lusaka einkaufen zu gehen. Und jede Menge Chinesen künden von erfolgreichen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Zu kaufen gibt es – alles. Ich erinnere mich noch an den Supermarkt in Kartoum („Pizza in der Staubwüste“), als ich fast weinend vor einer Tafel Schokolade stand, die man dort kaufen konnte. Was war das für eine Freude, für ein erhabenes Gefühl. Und hier? Regale, länger als jeder Supermarkt in Duderstadt, alle Sorten und alle Marken. Willkommen im europäischen Afrika!

Zum Radfahren gibt es in dieser Woche nicht so wahnsinnig viel zu sagen. Von den dauernden Wellen habe ich schon berichtet, und die Landschaft war nicht wirklich aufregend. Sah allerdings auch nicht aus wie in Afrika, wenn man mal von den vereinzelt auftretenden Dörfchen absah. Sambias Osten ist eher dünn besiedelt, und so pedalten wir teilweise eine halbe Stunde und mehr, ohne eine Menschenseele zu sehen. Ach ja, das noch: Irgendwie verändert sich das Verhalten der Menschen (oder konkreter: Kinder) nach jeder Landesgrenze radikal. In Malawi waren die Kiddis wie beschrieben ziemlich aufgeregt und machten ordentlich Trara. Hier in Sambia sind sie eher zurückhaltend, fallen allerdings durch das beständige Wiederholen der Frage „How are you“ auf. Wenn man das zum 123 Mal an einem Tag gehört hat, fällt einem wirklich keine Antwort mehr ein. Es ist wohl auch gar nicht als Frage gemeint (zumal sie selbst dreijährige Köttel schon stellen!), sondern eher als Gruß. Ich hatte Situationen, da saß eine Gruppe Kinder am Straßenrand und rief im Chor „How are you, How are you“ – das war dann wohl eher als eine Motivationshilfe gedacht! Insgesamt ist der Unterschied zu Malawi groß.

Straßenleben a la Sambia

Die Kinder tragen fast ausnahmslos saubere und heile Schuluniform, Menschen in zerrissenen Kleidern habe ich kaum gesehen und auf den Märkten gibt es einiges zu kaufen. Zudem stehen am Straßenrand kleine Miniverkaufsstände wie man es von der Heide zur Spargelzeit kennt – Ware mitnehmen, Geld dalassen.

Genug für den Moment. Morgen ist freier Tag, und da will ich mal gucken, ob sich hier ein Trikot eines lokalen Klubs auftreiben lässt. In meinem Gepäck befinden sich bereits Gor Mahia aus Kenia sowie Yanga aus Tansania. In Malawi hatte ich indes kein Glück. Da gibt es zwar Chelsea, Arsenal, Manchester United und Liverpool in allen vorstellbaren Farbkombinationen (natürlich allesamt gefälscht), doch als ich die wackeren Jungs auf dem Lilongwer Wochenmarkt mit der Frage nach einem Trikot der Big Bullets konfrontierte, mussten sie erst lächeln und dann den Kopf schütteln. Nicht mal eins der Nationalelf war zu bekommen. Wie sagte doch Amand, ein aus Eritrea stammender Mitradler: „In Malawi habe ich überhaupt kein Nationalgefühl, keinen Nationalstolz wahrgenommen“.

Bis die Tage, Euer hardy cyclist

P.S.: Hat eigentlich irgendjemand, außer Dennis’ Vater (schönen Gruß!) und (so hoffe ich doch), meinem Lektor, mein kleines Rätsel entdeckt? Das von dem siebenjährigen Mädchen, das länger als 4.000 Tage an einen Bein gebunden war? Rechnet mal hoch!

Radler kommen aus allen Richtungen

ENGLISH Just a few lines to your guys as well. Arrived today in Lusaka, capital of Zambia, after 720 km mostly up and down. Eric, a rider from Norway, described the route as “corrugated landscape”, and we all had very much to struggl to go down and up for the most parts of five days. Apart from tired legs and a sore bum everything is fine.

Tomorrow I’m gonna have a look for a jersey of one of the local football teams. I got one from Gor Mahia (Kenya) and YANGA (Tanzania) already, while in Malawi I could have bought Arsenal, Chelsea, Manchester United or Liverpool in every imaginable colour combination but not even a shirt of the Malawian team.

Our next stop is VicFalls, where we stay for two days. Keep you heads up and enjoy life. Your hardy cyclist

Advertisements

3 Kommentare

  1. Nanu?
    Kein 05 hat Dich hierüber bisher davon unterrichtet, dass es gestern alles andere als optimal lief?!

    Aber Fußball-Statistik ist nun mal gerade aus der Ferne nur nachvollziehbar, wenn halbwegs detaillierte Infos geliefert werden.

    Also:
    05 verliert gestern zuhause mit 0:1 gegen VfB Fälltmaleben. 😦
    Nachdem die Unaussprechlichen tags zuvor zuhause den Helmstedter SV mit 8:1 abgefertigt hatten und TuSpo Petershütte mit einem 2:0 gegen TSV Hillerse seinen Aufwärtstrend bestätigen konnte!
    Dann verliert der MTV WF noch zuhaus mit 0:1 gegen FT BS und BSC Acosta schlägt Dostluk Spor OHA mit 7:0. Kästorf gewinnt bei Grone mit 4:0, U.L.M. WOB schlägt MTV GF mit 5:1 und Vorsfelde erreicht immerhin ein 2:2 zuhause gegen Oker.

    Das alles zieht folgenden, vorübergehenden Tabellenkopf nach sich:

    1. RSV GÖ 05 24 15 5 4 57:21 +36 50Pkte.
    2. FT BS 25 14 7 4 57:28 +29 49
    3. SSV Kästorf 23 14 2 7 40:31 + 9 44
    4. U.L.M.Wolfsburg 24 12 6 6 57:35 +22 42
    5. Klassenfeind 22 11 8 3 66:31 +35 41
    6. BSC Acosta 22 11 8 3 48:20 +28 41
    7. TuSpo P´hütte 22 11 8 3 49:24 +25 41
    8. SSV Vorsfelde 23 13 1 9 56:39 +17 40

    Übrigens hat Arminia Hannover schon wieder gewonnen, aber diesmal gar beim Tabellenzweiten der OL Ndsn., VfL Osna II, mit 1:0!
    Mein Einfluß auf die Ergebnisgestaltung im blau-weißen Fußballhimmel zeigt sich insoweit ungebrochen! 😉
    Mit 2 Spielen weniger ist SVA bis auf einen Punkt heran an Hansa Lüneburg auf dem rettenden 14. Platz, allerdings mit 11 Pktn. Rückstand zum 13. SC Langenhagen, wo man jetzt Mittwoch antreten (und punkten) muss.
    Leider kann ich da nicht hin, haben selber ein Spiel gegen TSG Bald Herztot.

    Weiterhin gute Fahrt und alle erforderlichen Schutzengel
    wünscht Dir und Deinen Mitfahrern

    Riot Volker

    Gefällt mir

  2. Moin Hardy , ich bin beeindruckt von deiner Hartnäckigkeit den Wellen gegenüber , Wahnsinn . Ich stöhne schon bei 3-4 größeren Steigungen . Als Fußball Info : Der BTSV Eintracht ist 6 Spieltage vor Saisonende schon in Liga 2 aufgestiegen . Der AFC 93 scheint sich bald aufzulösen , also Daumen drücken das einige wenige nicht die Geschicke dieses Traditionsvereins bestimmen .
    Gruß Heiggo

    Gefällt mir

  3. Das „How Are You“ erinnert mich an die Floskel „Howdy“, die man in den USA wohl gern zu hören bekommt. Ein zusammengezogenes „How do you do“, auf das niemand eine ehrliche Antwort erwartet. 🙂

    Ansonsten: Ich beneide dich und deine Kollegen um eure Erfahrungen. Weiterhin alles Gute!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s