Glimpflich verlaufender Ueberfall auf die TdA

Lunchtruck mit Miltaerbewachung

Afrika ist nicht überall ein sicherer Kontinent. Wir haben das von Anfang an gewusst, und leider hat es sich gestern bestätigt.

Zweimal sahen sich Teilnehmer der Tour d’Afrique bewaffneten Raubüberfällen ausgesetzt. Doch um gleich alle zu beruhigen: bis zwei kleinere Verletzungen (Platzwunden, eine geprellte, evtl. auch gebrochene Rippe) ist nichts Schlimmes passiert (von den deutschen Teilnehmern war niemand betroffen, und auch unsere
Deutsch-Australierin ist bei den Überfällen nicht dabei gewesen.). Trotzdem stehen wir alle ziemlich unter Schock und sind etwas ratlos.

Ich selber war von den beiden Vorfällen nicht betroffen und habe erst davon erfahren, als ich Mittags den Lunchtruck erreichte. Ich möchte mich an dieser Stelle eher kurz fassen und auf die offizielle Verlautbarung auf der TdA-Seite verweisen. Das geschieht nicht zuletzt auf Wunsch der Veranstalter, den ich gerne respektieren möchte. Als Zusammenfassung: im ersten Fall wurden zwei Teilnehmer und im zweiten Fall eine Gruppe von sechs Teilnehmern von bewaffneten Männern angehalten und ausgeraubt. Nachdem die Männer sämtliche
Wertgegenstände mitgenommen hatten, verschwanden sie wieder im Bush und die TdA-Teilnehmer konnten sich um Hilfe bemühen. Das Rennen wurde abgebrochen, und alle Fahrer, die auf der umgehend vom kenianischen Militär abgesperrten Strecke waren, wurden von den Begleitfahrzeugen aufgesammelt und ins abendliche Lager gefahren. Ich war, wie gesagt, gerade am Lunchtruck angekommen und bin dann mit jenem ins Lager gefahren.

Wuestenstadt Marsabit

Wir haben immer gewusst, dass so etwas in Afrika passieren kann. Gerade Kenia ist kein ungefährliches Land. Dass es nun tatsächlich passiert ist – zum ersten Mal in der Geschichte der TdA – ist natürlich tragisch, wiewohl wir im Endeffekt „Glück“ gehabt haben, da niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist und abgesehen von einigen Kameras und etwas Bargeld nichts Entscheidendes gestohlen werden konnte.

Über die Hintergründe kann man nur spekulieren. Nordkenia leidet gegenwärtig unter einer schlimmen Dürre, und viele Einheimische haben uns erzählt, dass die Verzweiflung unter den Menschen groß ist. Zugleich ist die Strecke zwischen Marsabit und Isiolo immer etwas gefürchtet worden – bis vor einigen Jahren durfte man sie sogar nur in Konvois und mit Militärbegleitung durchqueren. Für uns war es eine bittere Erinnerung daran, dass Afrika an vielen Stellen ein verzweifelt leidender Kontinent ist, derweil wir uns mit unseren bis zu 3.000 Euro teuren Fahrrädern und modernster Ausrüstung auf einer zwar abenteuerlichen, aber schlussendlich dennoch vergnüglichen Reise durch den Kontinent befinden. Es sind die beiden Seiten ein- und derselben Medaille.

kann man diese piste befahren?

Inzwischen sind wir in Nanyuki und damit unmittelbar nördlich vom Äquator, den wir morgen früh überqueren werden. Erneut also eine emotionale Woche, die am Dienstag mit einem wahren Horrortag anfing, als wir uns 115 Kilometer über eine absolut üble und nahezu
kontinuierlich von Wellblech geprägte Piste quälen mussten. Ich habe für die Strecke über 7 Stunden reine Fahrzeit und fast 10 Stunde Realzeit gebraucht, was hoffentlich mein Rekord für die gesamte Tour bleiben wird. Die ersten 30 Kilometer waren noch ok, doch dann begann die Tortour, die einfach nicht enden wollte. Neben der körperlichen Anstrengung war es vor allem eine mentale, denn 115 Kilometer sind schlicht und einfach lang. Als ich bei km 95 einen letzten Coke-Stopp einlegte, dachte ich, nun habe ich es bald geschafft. Aber die 20 noch fehlenden Kilometer kosteten mit mehr als 2 Stunden Fahrzeit, weil sie fast nicht mehr mit einem Fahrrad zu bewältigen waren. Bisweilen bin ich einfach in den Busch abgebogen und habe versucht, irgendwo Singletracks zu finden, auf denen ich diesem unendlich zermürbenden Waschbrett für ein paar hundert Meter entgehen konnte.

... irgendwie ja

Ich war hundskaputt, als ich endlich im Camp ankam. Dort stand dann in den noch verbleibenden zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang erneut ein Reifenwechsel an, denn am nächsten Tag ging es ENDLICH zurück auf Asphalt. Das wiederum war eine freudige Überraschung, denn eigentlich hatte ich erst ab Isiola damit gerechnet – seit dem letzten Jahr waren aber rund 140 Kilometer der Piste asphaltiert worden, und davon konnten unsere müden Knochen nun profitieren.

euer hardy cyclist auf dem mount kenya - ganz schoen langweilig, was?

Tag 1 zurück auf Asphalt brachte dann aber mit den beiden Unfällen eine neue Horrorstory, und so waren wir abends im Camp allesamt ziemlich erledigt und erschöpft. Heute nun stand die Umfahrung des Mount Kenyas an. Eine Etappe mit nur 71 Kilometern, aber rund 1.500 Höhenmetern. Nach 40 Kilometern hatten wir den Zenit erreicht und konnten uns nach dem Lunchstopp auf eine rauschende Abfahrt begeben, die uns nach Nanyuki führte, von wo aus ich diese Zeile nun gerade poste. Das Rennen war für heute aufgrund der gestrigen Vorfälle ebenfalls ausgesetzt gewesen, so dass wir alle ziemlich relaxt an den Anstieg gegangen sind.

ist der kleine nicht suess?

Sorry für die heute etwas nüchternen Zeilen. Melde mich am Sonntag aus Nairobi wieder.

P.S.: ach ja: habe mal ein paar Bilder gepostet, die hoffentlich etwas Eindruck von Kenia vermitteln.

ENGLISH: There were two muggings along the road on TdA-drivers yesterday. Nothing seriously happened, and I was not involved in the incidences. In both cases young men threatened riders with rifles and stole cameras and money. After they vanished in the bushes the riders could look for help. For the whole story please go to the TdA-page where you’ll find the official report.

Advertisements

2 Kommentare

  1. seh keine Bilder, die du gepostet hast (haben willst), aber das ist nebensächlich. Hauptsache das ist „nochmal gut gegangen“. Ich wünsche dir und deinen Mitstreitern, dass der Rest des Abenteuers völlig friedlich, erlebnisreich und beglückend verläuft, und denen, die sich zu solchen Verzweiflungstaten gezwungen fühlen, dass der Anlass dazu alsbald verschwindet.
    beste Grüsse + ToiToiToi!
    matthias

    Gefällt mir

  2. Also Hardy, die Geschichte dieser Woche bei den von mir vielleicht voreilig totgesagten Gasheads (denn bekanntlich leben solche länger!) geht so:

    Am Montag wurde Dave Penney entlassen und Stuart Campbell zum Player-Manager ernannt!

    Am Dienstag gewinnen die Pirates dann 1:0 bei Tranmere Rovers.
    Andere für den Abstiegskampf bedeutsame Resultate vom Di.:

    Dag & Red – Colchester U. 1:0
    Plymouth A. – Swindon T. 1:0
    Walsall – Leyton Orient 0:2

    Da die Pilgrims bei den Owls bereits letzten Sa. mit 4:2 gewonnen hatten, haben sie ihren 10 Punkte-Abzug schon wett gemacht und den Anschluss wieder hergestellt!
    Things hotting up!
    Natürlich nicht so dramatisch wie die Raubüberfälle auf Deine Tour-Mitstreiter, aber immerhin!

    Tabellenende nach dem 08.03.11:

    18. Tranmere Rvrs. 34 Sp. – 7 Tordiff. 39 Pkte.
    19. Yeovil Town 34 -18 39
    20. Dag & Red 32 -10 35
    ——————————————————————-
    21. Walsall 36 -19 35
    22. Bristol Rovers 35 -31 (!) 33
    23. Plymouth Arg. 35 -15 32
    24. Swindon Town 35 -17 32

    Jetzt müssens die Fans richten und unablässig „Goodnight Irene“ singen! 😉
    Hat ja schon mal geklappt!

    GOODNIGHT IRENE (Bristol Rovers) – Jon Andrews

    For Gasheads by a Gashead!

    Bristol Rovers fans at home to Norwich City V/2010

    Take extra care, Hardy!

    Volker

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s