Rest day in Khartoum (mit Fotos)

Leute, heute Abend müsst Ihr alle sudanesisches Fernsehen gucken! Ich weiß nicht wann, und ich weiß auch nicht, auf welchem Programm, aber es muss irgendetwas mit „Sternstunden des Sports im Sudan“ sein. Davon habe ich heute nämlich eine abgeliefert!

Auf dem Programm stand ein 20 Kilometer-Zeitfahren. Nachdem ich die davor liegenden zehn Kilometer „Warmfahren“ gut hinter mich gebracht hatte, ließ ich mich anzählen und gab alles. Kette rechts, Muskeln auf Hochspannung, Geist auf sturen „Ziehen-Drücken“-Modus. Irgendwann hatte ich offenbar alle vor mir liegenden Fahrer hinter mir gelassen, denn als ich nach 20 Kilometern am Ziel ankam, wurde ich dort von einer jubelnden TV-Schar willkommen geheißen. Ich war der erste, der angekommen war, und musste dem sudanesischen TV sofort zu einem Interview bereit stehen! Noch völlig außer Atem erfuhr ich von meinem Glück und versuchte einigermaßen klare und schlüssige Antworten auf die nicht unbedingt fachspezifischen Fragen („which part of Germany you come from?“ usw.) zu geben. Egal: heute Abend werden mich Millionen Sudanesen sehen, wie ich jubelnd die Ziellinie überfahre und staunend von meinem enormen Potenzial erfahren.

Doch um größere Jubelstürme auch bei Euch nun schnell im Keim zu ersticken: ich bin zwar als Erster über die Ziellinie gefahren, andere waren aber schneller als ich.

Am Ende stand für mich dennoch ein aus meiner Sicht sensationeller fünfter Platz, mit dem ich mehr als zufrieden war. 35:13 Minuten habe ich für die 20 Kilometer gebraucht, der Sieger war knapp vier Minuten schneller.

Nicht nur das Zeitfahren zeigte mir, dass die Kraft wieder da ist und ich sportlich auf dieser Tour mithalten kann. Seit Dongola haben wir drei Tage mit jeweils mehr als 140 Kilometer sowie den heutigen Tag mit 101 Kilometer hinter uns gebracht. Ich konnte jeweils einen guten 30er Schnitt fahren und landete irgendwo zwischen Platz 22 und 28 – also da, wo ich vor dem Durchfall auch gewesen war.

Sensationell war der zweite Tag, als die letzten zehn Kilometer vor dem Camp von wunderbarem Rückenwind begünstigt waren. Da bin ich förmlich ins Ziel geflogen, hatte nie weniger als 46 km/h auf dem Tacho und war über einen guten Kilometer bei über 56 km/h – so schnell war ich auf einer flachen Strecke noch nie. Es war einfach nur geil!

Heute nun sind wir nach Khartoum eingefahren. Über 40 Kilometer dauerte die Stadtumrundung von West nach Süd, die wir im Polizeikonvoi hinter uns brachten. Es ist brütend heiß, und die Stadt ein staubiger Moloch mitsamt typischer Dunstglocke. Afrika sieht hier so aus, wie wir es aus dem Weltspiegel kennen, und ich bin gespannt auf das Stadtzentrum, das wir später erkunden wollen.

Unsere Zelte stehen übrigens auf dem einzigen offiziellen Campingplatz des Sudans, der von seiner Anlage durchaus in Frankreich oder Deutschland stehen könnte und sogar Parzellierungen und Gras aufweist!

Das beste aber: Es gibt DUSCHEN! Das erste Mal seit Luxor, dass wir wieder unter fließendem Wasser stehen können, und da die Wüste in den letzten Tagen abends jeweils einen lustigen Sturm herbeizauberte, war das mehr als dringend nötig.

Heute steht noch ein Internetcafe und ein gutes Restaurant suchen an, für morgen steht dann Wäsche waschen und Fahrrad putzen auf dem Programm. Freie Tage auf der Tour sind nicht unbedingt freie Tage…

Dass wir die Wüste nunmehr verlassen, stimmt die meisten von uns froh. Nach 2.000 Kilometern durch die ewig eintönig wirkende (aber nie wirklich eintönige) Wüste ist ein Wechsel im Landschaftsbild schlicht und einfach willkommen.

Nachdem wir rund 50 Kilometer südlich von Dongola die Nil-Ebene verlassen hatten, veränderte sich die Wüste allerdings gewaltig. Nun war sie nicht mehr dunkelgelb/kackbraun, wie seit Ägypten, sondern so goldgelb, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, nun gab es diesen absolut feinen Sand, der überall eindringt, und nun gab es auch die schon erwähnten Stürme.

Unser erstes Lager war passenderweise das „Death Camel Camp“, an dem tatsächlich eine mumifizierte Kamelleiche lag.

Ansonsten sieht man hier nicht viel. Kaum Menschen, auf den Straßen überwiegend Überlandebusse, die mit mächtiger Geschwindigkeit dahinbrettern, und hier und da ein paar Kamele.

Etwas verwirrend waren die Militärkonvois, die auf dem Weg nach Norden sind – was genau in Ägypten eigentlich los ist, wissen wir leider nicht. Hier kursieren lediglich Gerüchte, die mehr oder weniger unangenehm klingen. Ich hoffe, nachher im Internetcafe etwas mehr zu erfahren.

Ich habe mich nicht nur körperlich von meinem Durchfall erholt, sondern auch mental. Ich habe wieder Lust, auf dem Fahrrad zu sitzen, und auch wenn der Arsch jeden Tag nach ungefähr 110 Kilometern anfängt, einfach nur noch zu schmerzen, macht die ganze Sache mächtig Spaß. Es ist schon ein irres Gefühl, durch die Wüste zu pedalen und die anfangs schier unglaublichen 850 Kilometer bis Khartoum nach und nach abzuspulen.

Heute morgen stand ich in der Wüste, glotzte in den intensiven Sternenhimmel und musste mich fast kneifen, um zu begreifen, wo ich gerade war

 Nächste Woche beginnt nun Neuland. Erstmals müssen die Off-Road-Reifen drauf, denn bis zur Grenze nach Äthiopien ist Schluss mit schöner Asphaltpiste. Unsere Mountainbiker können es schon gar nicht mehr abwarten, während wir Rennrad-Fahrer eher skeptisch sind, zumal wir acht Tage hintereinander ohne Pause auf die Räder steigen müssen, ehe wir in Gondor (Äthiopien) dann erstmals eine zweitägige Pause haben werden. Das wird eine harte Prüfung für unsere Ärsche werden.

Updates über die nächste Woche wird es hier im Blog vermutlich nicht geben können. Im Sudan komme ich ausschließlich über Internet-Cafes ans Netz, und davon werden wir bis zur Grenze keines mehr haben. In Äthiopien soll die Internetversorgung noch schlechter sein, so dass ich wohl sogar hoffen muss, in Gondor überhaupt ein vernünftiges Internetcafe zu finden.

Ich werde wohl alle zwei Tage mal eine kurze Twitter-Meldung loslassen, wie Stand der Dinge ist. Die Meldungen erscheinen hier im Blog in der linken Spalte bei „Twitter Updates“.

Zum Schluss noch mal ein ganz großes und liebes Dankeschön an alle, die mir während meines Durchfalls aufbauende Kommentare hinterlassen haben (vor allem an die erfahrenen Hasen Ruben und Hardy, die ja wissen, woum es geht), und überhaupt an alle, die sich hier regelmäßig beteiligen und dafür sorgen, dass ich auch in Sachen Fußballergebnisse nicht zu kurz komme (wenngleich die teilweise erschreckend ernüchternd sind, C’mon ROVERS!)!

ENGLISH UPDATE Arrived at Khartoum today after four more days in the desert. I’m fit again and can compete with most of the riders. More important: the fun is back. I just like riding the bike through Africa, and even if the bum hurts after 100 kilometer each day it’s just a pleasure.

Nonetheless, we are all a bit fed up with the desert and especially the sand, which by now is everywhere in the bags etc. Next week we start the first off-road section from Khartoum to Gondor in Ethiopia. Eight days of riding – that will be tough. There won’t be an update in this blog as Internet in Sudan ist rare and in Etiopia is even rarer.

Today, I had my moment of fame. There was a 20 km time-trial, and I was in a good mood, so I finished first. At the finish line there was the Sudan TV waitng for me intervieweing me right after I had arrived. Felt like a Tour de France-Star, I can tell you. Though I was first I wasn’t the fastest rider. In the end I came in fifth, which is much better than I expected. 35:13 minutes for 20 kilometres.

Right now we are in Khartoum and look forward to our day off tomorrow. I hope to explore the town a little bit.

Pour mes amies guingampais: Felitacions pour le match contre Cannes. C’est enorme, gagner 4-0 et devant plus de 12.000 supporters. Tres fier d’être Guingampais !

For all my fellow Gasheads I’m not sure if I can find a word of consolation. After beating Swindle Town I was convinced the team is on the up. Now let’s win those home matches and hope for the best!

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6 Kommentare

  1. Hardy,

    leider weiter keine guten Nachrichten von den Gasheads:

    Heute Abend: Bristol Rovers 1 – 2 MK Dons 😦

    http://news.bbc.co.uk/sport2/hi/football/eng_div_2/9377936.stm

    Du scheinst ja jetzt wieder ganz gut mitfahren zu können?!

    Ab morgen bin ich eine Woche im Mutterland des Fußballs.
    Hat sich kurzfristig so ergeben. 🙂

    Werde die Tour von dort aus weiterverfolgen und wünsche Dir weiterhin alles Gute,
    jetzt wo ihr weg von den Asphaltpisten kommt.

    Volker

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  2. Hi Hardy,
    You liar:) How could you be 1st if you are 5th? You mean you didn’t make it through the anti-doping test, hahaha… I am kidding: that is really good! congratulations again!

    Btw, Emon was sacked by Cannes after the festival of Guingamp. Guess who is taking over: Zwunka, lol! Ouest-France even wrote that now EAG has one less competitor on their way to L2;)
    Take Care!
    Marc

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  3. moin hardy, deine räder scheinen ja wieder gut zu rollen! viel glück weiterhin!
    unser rsv 05 hat heute in oker nach hundert chancen beinah einen treffer kassiert, dann aber fast mit dem schlusspfiff den 1:0 auswärtssieg erreicht!!!!
    alles gute im gelände,wir freuen uns hier zu hause weiter auf deine berichte!
    der daumen drückende sauer

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  4. hey Hardy; ja das klingt doch wieder richtig gut…..freut mich!!!!!Weiter so!!!!
    Grüße ans „deutsche“ Team!
    take care und gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz viel Freude und gute Beine!
    Hardy

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