7. Tag / Day off in Luxor (mit Bildern)

Auf geht's / Let's go

Während der Muhezzin über den Dächern von Luxor seine Parolen verbreitet (und sich dabei für meine Ohren recht aggressiv anhört), genieße ich den Day off auf dem Campingplatz.

Er ist mehr als bitter nötig. Nachdem ich mich gestern wirklich mit letzter Kraft ins Camp gequält hatte (und dazu ja noch den Kettenschaden hatte), verstanden sich das anschließende fettreiche Essen und mein Magen nicht allzu gut, so dass alles im hohen Bogen wieder rauskam. Keine Sorge, kein Virus, einfach die Erschöpfung und das Essen, das schlicht zu fettreich war.

Abends waren wir dann mit ein paar Leuten gemütlich essen, und da blieb auch alles wieder drin.

Nach einer langen Nacht mit sicher 10 Stunden Schlaf standen heute am freien Tagt ne Menge Aufgaben an. Wäsche waschen, Rad pflegen, sich selbst pflegen und erholen, Blog updaten, meine Artikel schreiben, Bilder verwalten, Luxor entdecken. Ihr seht schon: viel zu viel für viel zu wenig Zeit.

Wüstencamp / desert camp

Luxor entdecken zum Beispiel fällt für mich aus. Bis auf einen kleinen Spaziergang, bei dem wir durch enorme Touristenhorden marschiert sind, habe ich mir das geschenkt. Wichtiger ist, wieder fit für die nächsten 1.000 Kilometer zu werden.

Die erste Woche war grandios und sehr lehrreich. Mit den starken Jungs vorne wegzufahren, hat wahnsinnig Spass gemacht. Und ich war schon stolz, als ich das Feld anführte und ins Wüstencamp transportierte. Am vierten Tag habe ich dann aber deutlich gemerkt, dass das eigentlich nicht meine Preisklasse ist und dass ich, wenn ich diese vier Monate überstehen will, zurücknehmen muss. Ich bin mit einem Tempo gefahren, mit dem ich in Deutschland auch unterwegs bin. Doch da fahre ich vielleicht mal 120 oder 150 Kilometer – und das auch nur ein-/zweimal in der Woche.

Nächste Woche werde ich also etwas langsamer angehen lassen – sorry an alle, die schon Wetten auf meinen Gesamtsieg laufen haben. ;.)

Die Wertung auf der TdA-Seite war etwas chaotisch. Angeblich soll ich ja am zweiten Tag 2er gewesen sein. War ich nicht! Es gab Probleme mit der Zeitfindung, die hoffentlich gestern gelöst wurden, so dass wir nun die richtigen Zeiten haben sollten. Wenn ich richtig informiert bin, stehe ich auf Rang 17. Das wäre immer noch besser, als ich selber schätzen würde (da denke ich, dass ich irgendwo auf Platz 20 bis 25 bin).

My bike and my tent at the camping at safaga

Aber insgesamt ist das ohnehin völlig schnuppe, denn es geht hier nicht um Platzierungen, sondern um Afrika erleben. War ne super Erfahrung, mit der Führungsgruppe über die Straßen zu heizen, doch von nun an geht es für mich langsamer voran, werde ich mehr auf Land und Leute achten.

Insgesamt ist das alles ein irres Erlebnis. Wir fahren hier teilweise über die Autobahn, die oft die einzige Straßenverbindung ist. Fast jeder LKW hupt und winkt wie verrückt, wenn er uns sieht. Die Leute sind unheimlich nett und zuvorkommend. In gebrochenem Englisch wird gefragt, wo wir hinfahren. Wenn wir den nächstgrößeren Ort nennen („Safaga“, „Qina“ etc.) nennen, nicken sie wissend. Wenn wir „Cape Town, South Africa” sagen, gucken sie nur groß und glauben uns kein Wort. Das ist einfach unvorstellbar.

on the road

Die Landschaft war entlang des Roten Meeres öde und langweilig. Dazu der ewige Gegenwind, was die Etappen ganz schön lang gemacht hat. Nachdem wir ins Landesinnere abgebogen sind, sah es anders aus. Die Berge waren sehr schön, und ich hatte erstmals das Gefühl, wirklich durch die Wüste zu fahren. Nun sind wir in Luxor und damit im Nil-Delta, wo noch mal alles anders ist. Unheimlich grün, dicht bevölkert, hektisch. Und deutlich wärmer (zumindest tagsüber).

Zwei Tage noch, dann sind wir in Assuan und klettern auf die Fähre nach Sudan, wo das Abenteuer seinen nächsten Schritt nimmt. Ich hoffe, ich bin bereit.

Mittagspause / lunch stop

Unser Alltag ist wie erwartet simpel: 5 Uhr aufstehen und ersten Teil des Gepäcks zusammenpacken. 6 Uhr Frühstück (Instantkaffee mit gechlortem Wasser, würg, Haferflocken mit gechlortem Wasser, doppel-würg, Fladenbrot mit Peanutbutter). Um 7 muss das Gepäck im LKW sein, danach können wir auf die Straße. Meistens sind wir so gegen 2 im Lager, wobei man natürlich deutlich eher da ist, wenn man mit den so genannten „Racern“ ( also der Spitzengruppe) fährt, die einen Schnitt von 27 – 32 km/h fährt. Das hat den Vorteil, das mehr Zeit zur Erholung im Lager bleibt. Dafür muss man aber auf der Strecke deutlich mehr arbeiten.

Viele von uns haben ordentlich gelitten in den ersten Tagen. Vor allem der zweite Tag mit den 167 Kilometern war lang und hat den ersten Teilnehmern den EFI gekostet. Wie schnell das gehen kann, habe ich heute gesehen, denn hätte ich heute 167 Kilometern fahren müssen…

Tausend Dank für Eure aufbauende Kommentare hier im Blog und auch auf Facebook. Glaubt mir, ich habe Rotz und Wasser geheult! Es ist einfach fantastisch zu sehen, wie viele Leute mein kleines Abenteuer verfolgen und Anteil nehmen. Das gibt mir echt Kraft für die nächsten Krisen, die kommen werden.

Über die Berge nach Qena / Over the hills to Qena

Nun noch zwei Tage Ägypten, dann geht die Fähre rüber in den Sudan. Ob ich von da aus weiterhin täglich updaten kann, weiss ich noch nicht. Ich brauche dazu ein einigermaßen vernünftiges Telefonnetz, und ob das im Sudan vorhanden ist? Wenn nicht, melde ich mich wieder vom nächsten freien Tag. Liebe Grüße an alle und bis die Tage!

Lebenswichtig: Coke Stop

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4 Kommentare

  1. Hardy, ich verfolge ganz gespannt Deine Tour. Habe jetzt endlich eine Karte gefunden, wo anscheinend die Strecke genau eingezeichnet ist:
    http://maps.google.com/maps/ms?ie=UTF8&oe=UTF8&msa=0&msid=109172794295160511328.00048fcb08d37b7ee96fd

    Habe ich auch unter Webseite eingegeben, falls das mit der Verlinkung klappt. Da kann man sich jedenfalls besser orientieren, wo Ihr gerade seid.
    Ich wünsche Dir weiterhin eine tolle Fahrt..
    Gruß Ingrid

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  2. Hallo Hard, bin auch leidenschaftlicher Radler mit längeren Touren und Bergpässe. Ich verfolge deine ungewöhnliche Reise. Beiss Dich durch, am Ziel merkst Du nichts mehr. Nur noch Freude und auch Stolz. Weiterhin viel Gesundheit und keine Pannen.
    Sportliche Grüße aus Bayern Karl

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  3. Hallo Harry, aus der Komfortzone im beheizten Göttinger Wohnzimmer grüßt Sybille. Verfolge Deine Berichte mit Faszination und Respekt. Und dass du es abends noch schaffst, anschaulich und mehrsprachig den tag auf den Punkt zu bringen, alle Achtung. Wir sind bei Dir.

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