Siebter Abschnitt Victoria Fälle – Windhoek / Seventh section Victoria Falls to Windhoek

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So langsam biegen meine Vorbereitungen auf die Zielgerade ein. Über die Weihnachtstage habe ich mich damit beschäftigt, welche Musik ich in Afrika dabeihaben will. Mit 8 GB bietet mir mein MP3-Player eine Menge Platz, und so muss ich nicht allzu wählerisch sein.

Das passt gut, denn in Afrika sollte man immer auf alles vorbereitet sein. Das macht ja den Reiz des Kontinents aus. Das Leben in Afrika ist eben das komplette Gegenteil zu unserem Vollkaskoalltag, in dem Angst die Lebensfreiheit in eine erstickende Starre verwandelt hat. Sauber und angepasst bis zum bitteren Ende.

So ein bisschen Abenteuer hier und dort tut da ganz gut, und so will ich mit Musik nach Afrika fahren, die mich motiviert, wo immer ich auch gerade bin. Das mögen Rachmaniows wunderbare Klavierkonzerte sein, wenn wir uns über diese endlos schnurgeraden und langen Strecken durch Botswana quälen, auf denen es über 200 Kilometer fast nur geradeaus geht und kein einziger Hügel für Abwechslung sorgt. Da kann ich mir das Peloton übrigens auch gut beim gemeinsamen „Schneewalzer“-hören vorstellen, der die gesamte Breite der Straße einnimmt ;-).

Im rauen Gelände sieht die ganze Sache total anders aus. Da gibt es nur eins, das meinem mentalen Zustand entsprechen wird: einfacher, klarer Punk. Schnell, noch schneller, jeder Peitschenhieb Motivation. Die leider aufgelöste bretonische Band „Tri Bleiz Die“ wird da ebenso geeignet sein wie die tschechische Combo „Hudba Praha“. Und natürlich unsere lokalen Helden von der leider ebenfalls aufgelösten Band „No Respect“, bei denen 05-Pressesprecher Sauer die Drums bediente.

Meine Hymne aber wird Herne 3 mit „Immer wieder aufstehn“ sein. Einige mögen sich erinnern: in den 80ern war Herne 3 vor allem in meiner geliebten Heimat Ruhrpott  ziemlich angesagt. Ich war irgendwann auf einem Gewerkschaftsfest in Hannover, wo Koslowski und Co. spielten und kein Mensch die Band kannte. Bis auf einen, der hatte sogar ein selbstgemaltes T-Shirt an und konnte jedes Lied mitsingen! Der eine war natürlich ich! Herne 3 singt vom täglichen Leben und seinen Sorgen. Sozialkritisch, ironisch und stets positiv. „Immer wieder aufstehn“ ist natürlich ohnehin der ideale Song für eine Radtour durch Afrika. Denn was könnte im Matsch von Tansania oder der Hitze des Sudan besser sein als ein losgebrülltes „Immer wieder aufstehn. Immer wieder sagen, es geht doch“?… http://www.youtube.com/watch?v=ltCgbRDusO4.

Um mir eine Vorstellung zu machen, was mich in Afrika erwartet, habe ich jeden verfügbaren Blog von TdA-Veteranen verschlungen. Besonders gefallen hat mir der eines Franzosen namens Gerald, der 2009 mitgefahren ist und damals den „TdA-Blog-Siegerpreis“ gewann. Verdientermaßen, denn Gerald schreibt  nicht nur überaus unterhaltsam, sondern auch weise und witzig. Noch dazu ist er Franzose, und ein stolzer dazu! Das heißt, er radelt durch Afrika und ist immer auf der Suche nach einem leckeren Gericht und einem komfortablen Bett.

Was Gerald über den siebten und vorletzten Abschnitt der Tour d’Afrique schreibt, klingt eher ernüchternd. „Botswana ist völlig flach… Es ist das komplette Gegenteil von Äthiopien. Es geht geradeaus für Kilometer und Kilometer. Ziemlich langweilig, und schlimmer noch, ziemlich windig.  Die Entfernungen, die wir hier überbrücken, sind sogar für TdA-Verhältnisse beeindruckend“.

Hört sich nicht nach Vergnügen an.

Wir starten den siebten Abschnitt bei den Victoria-Fällen, dem einzigen Ort auf der Welt, an dem vier Länder grenzen: Sambia, Botswana, Mosambik und Namibia. In Botswana treten wir allmählich in das südliche Afrika ein, das stark von Südafrika geprägt ist. Banken, Handelsketten, Restaurants – alles stammt aus Südafrika. Das mag für uns durchaus nett sein, denn nach drei Monaten im Zelt, im Staub, im Schlamm, in der Hitze, im Regen werden wir uns über ein bisschen Komfort vermutlich freuen. Doch Botswana wird für uns schnell vorbei sein. Unsere täglichen Etappen sind zwischen 160 und 207 Kilometer lang, und in nur fünf Tagen werden wir 700 Kilometer überbrücken. Das ist übrigens hierzulande mein durchschnittliches Monatspensum…

700 Kilometer entsprechen zugleich etwa der Hälfte des gesamten siebten Abschnitts, der über 1.539 Kilometern von den Victoria Fällen bis nach Windhoek, der namibischen Hauptstadt, geht. In Botswana werden wir, wie gesagt, durch weitestgehend menschenleere und öde Landschaften pedalen. Dafür gibt es dort reichlich wilde Tiere (v. a. Elephanten), und es wirkt, als würde man durch einen gigantischen Zoo radeln. Die langen und öden Etappen hinterlassen aber offensichtlich ihre Wirkung auf die Psyche der Fahrer, denn in Botswana findet sich auch die berühmte „naked mile“ (nackte Meile). Was das ist? Lasst Euch überraschen…

In Namibia verlassen wir dann die schönen Asphaltstraßen wieder und es geht zurück auf raue Pisten. Zum letzten Mal kommen die fetten off-road-Reifen drauf. Wir durchqueren einen Teil der Kalahari-Wüste und damit sandiges Terrain, was für mich völliges Neuland ist. Bin gespannt auf die Erfahrung und habe durchaus ein bisschen Respekt davor.

Doch nach drei Monaten nahezu ununterbrochenem Radfahren werden wir nicht nur ziemlich kaputt, sondern auch ziemlich fit sein. Nein, das ist kein Widerspruch! Außerdem rückt Kapstadt immer näher – sowohl als auch. Kilometertechnisch ist das Ende der Tour d’Afrique fast greifbar, und es wird auch emotional eine aufregende Zeit sein, denn die Vorstellung, nach der Tour wieder ins „normale Leben“ zurückzukehren, wird spannend sein. Die tägliche Routine mit dem Radfahren, das Gruppengefühl, der reduzierte Lebensstandard. Aber da denke ich heute noch nicht drüber nach…

Heute – das ist 15 Tage vor dem Abflug. Mit diesem unerbittlichen Winter ist meine gesamte Tour-Vorbereitung komplett über den Haufen geworfen worden, und ich werde bis zum Abflug sicher nicht noch mal auf dem Rad über die tief verschneiten Straßen von Südniedersachsen pedalen können. Wird ein komisches Gefühl sein, in Kairo zum ersten Mal nach sechs Wochen wieder „richtig“ auf dem Rad zu sitzen und dann gleich für vier Monate nicht mehr davon herunterzukommen…. So bildet die Muckibude weiterhin das Zentrum meiner Vorbereitung, und letzte Woche war ich mal so tapfer und ließ ein paar Fotos von mir machen, während ich mich dem Training hingebe.

Ich wünsche Euch allen ein friedliches und ruhiges Jahresende und einen guten Start ins Jahr 2011.

ENGLISH VERSION As the days go by in a frightening speed my preparations turn into the finale stage. On christmas I busied myself looking for music to motivate me on the different terrains in Africa. My mp3-player takes a mighty 8 GB so plenty of space and no trouble to find the proper music once I’m on the road. 

As with everything in Africa you have to be prepared for the unexpected. Classical music as Rachmaniov piano peaces may come helpful cycling those boring long stages down there in Botswana, where we have to cycle more than 200 km per day on an absolutely flat, straight and uninspiring road. In rough terrain, such as Ethiopie, however, it’s a different story. The only music that will support my mental stage there will be … plain punk. Fast and even faster, giving me the lash with each stroke. The sadly dissolved Breton band „Tri Bleiz Die“ may come handy as will a Czech combo called „Hudba Praha“ and of course the as well sadly dissolved and once Göttingen based band „No Respect“ with the 05-press officier „Sauer“ on the drums.

My hymne of the tour, however, will be Herne 3 and „Immer wieder aufstehn“. Back in the 80s, Herne 3 was a very popular band in the Ruhr area where I was born and which I still consider as my „home“. There songs talk about everyday live and is a great motivater as they are always positive. Besides – what could better fit shouting the lyrics of „Immer wieder aufstehn“ („always rise again. always saying come on, carry on“) while falling off the bike frequently?… http://www.youtube.com/watch?v=ltCgbRDusO4.

To get an idea what I’ll be confronted with in Africa I’ve read almost every blog of former TdA-riders. I especially loved the one from a french guy called Gerald, who cycled Africa in 2009 and won the „TdA-Blog-Award“ in that year. Deservesly, as Gerald not only writes entertaining but wise and witty as well. Besides, he is a french guy, and he certainly loves being french. That includes that he is always on the look out  for some nice food and a comfortable bed.

What Gerald writes about the seventh section of the Tour d’Afrique is rather sobering. „Botswana is flat… It’s the complete opposite of Ethiopia“. „It is straight ahead for kilometres and kilometres. Pretty boring, and worst, it is even windy. The distances we are covering here are impressive, even in TDA terms“.

Doesn’t sound like fun.

We start the seventh and last but section at the Victoria Falls, the only place in the world where four countries come together: Zambia, Mozambik, Botswana and Namibia. As we enter Botswana we are coming closer to the South African area of influence. South African banks and branches are everywhere which might come handy for us. After three months on the road – and that means in a small tent, in the dust, mud, heat, rain etc. – we probably will long for some comfort. Botswana is a country we’ll cross quickly. Daily stages are around 160 and a record-breaking 207 kilometres, and in just five days we cycle no less than 700 kilometres. In „normal times“ that’s the distance I cycle in a month.

Taking the seventh section that’s about half of the distance of the whole section (1.539 kilometres) which starts at the Victoria Falls and ends in Windhoek, capital of Namibia. As mentioned, in Botswana we cycle on empty roads with close to no hints of humain settlement or infrastructure. That means, we are back to basis nutrition as well. On the other side there is lots of wildlife. Elephants are everywhere and it seems as riding through a giant open zoo. But those long and boring distances seems to have an effect on the psyche of the riders as it is in Botswana you find the famous „naked mile“. What that is? Wait and see…

Crosing the border to Namibia means back on rough terrain. The knobby tires are on for the last time. It’s part of the Kalahari desert we are crossing, and we will be challenged by sandy and soft tracks. As I have never cycled on sand I’m looking forward to that experience with a mixture of curiousity and respect.

After three months on the bike, hoewever, we probably will be exhausted and fit at the same time. No contradiction in here! Besides, Cape Town has come into touching distance – touching in the double meaning of the word. It’s not only that the end of our adventure is getting closer and closer – it will be quite touching to think about coming back to „real life“ after arriving at Cape Town. Won’t yet think about that now, however.

Now – that’s 15 days until take off. The harsh winter has completely changed my training schedule and kept me away from the roads of Lower South Saxony for almost a month now. And there is no change that I’ll cycle again here until departure to Cairo January 10th. Will be a strange feeling climbing onto the saddle in Cairo for the first time in six weeks and not leaving it for four months then, though. Indoor training is still the only choice and I was brave enough to take some picture of myself shaping my body I’d happily share with you.

Take care everybody. Have a quite and peaceful end of 2010 and a very good start of 2011. Stay tuned to this blog as the adventure is about to beginn!

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