Wann geht es endlich los? / Can’t wait to start

genial, oder?

SCROLL DOWN for english version Also bei aller Meckerei über das Wetter – es hilft schon, mich emotional und intellektuell auf mein kleines Radabenteuer vorzubereiten. Wie erwähnt, benutze ich die gefürchtete Rolle ja nebenbei zum Literaturstudium und habe mir diesbezüglich inzwischen ein kleines Konstrukt geschaffen, das während des Grundlagentrainings meinen Lesestoff trägt. Nun muss ich das Druckwerk nicht mehr halten, sondern nur noch selbst umblättern, was die ganze Sache doch deutlich erleichtert. Und weil ich wegen des ewigen Schnees so oft auf der Rolle hocke, kann ich insgesamt ja auch deutlich mehr lesen, als wenn ich draußen unterwegs gewesen wäre. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile. Ich find mein Konstrukt jedenfalls ziemlich genial und denke darüber nach, die ganze Sache nach meiner Rückkehr patentieren zu lassen. 😉

Neben dem Rollentraining bin ich vor allem mit scrollen (im Internet) beschäftigt. Diese vielen Kleinigkeiten, die noch zu lösen bzw. zu beschaffen sind! Und das muss ich dann an dieser Stelle mal deutlich sagen – diese wunderbaren Foren im Internet sind schon ziemlich hilfreich. Einerseits verwirren sie mich immer wieder mit ihren wechselnden Aussagen, andererseits kriegt man in diesem Wust an Informationen zumindest ein paar Orientierungspunkte gesetzt. Und dann ist da ja auch noch König Zufall. Nachdem ich mich letzte Woche endlich zu einem Entschluss in Sachen Reifen durchgerungen hatte, stand ich gestern schon wieder vor demselben Problem. Grund: Meine Asphaltwahl „Schwalbe Supreme“ ist nicht vor Mitte Januar 2011 wieder lieferbar… Nun kommt also der Durano plus auf die Felgen, und ich hoffe, ich werde es nicht bereuen.

Immer noch trudelt meine Ausrüstung ein, kämpft sich unser Postbote („Busch, wie Baum, nur kleiner“, so stellte er sich einst bei uns vor) täglich unseren tiefverschneiten Aufhang hoch. Inzwischen ist der neue Tacho da (hurra!), und heute kamen der 3-Liter-Camelbak, damit ich nicht verdurste, sowie Ersatzakkus für Handy und Netbook. Und auch von der Abteilung Visa gibt es gute Nachrichten: Äthiopien ist gebongt, nun fehlt nur noch Sudan. Das ist ja eh ein Zitterspiel wegen des Referendums. Ein diesbezüglicher Anruf bei meiner Reisekrankenversicherung ergab übrigens, dass ich auch im Ernstfall Versicherungsschutz genieße – ich darf nur nicht „aktiv an Kampfhandlungen teilnehmen“. Nun, das hatte ich ohnehin nicht vor. 

Es kann nun also langsam mal losgehen. Und es muss auch bald mal losgehen. In der Mucki-Bude bin ich inzwischen bei Gewichten angelangt, die mich vor drei Monaten noch in die Ohnmacht getrieben hätten, und irgendwie kann ich es einfach nicht mehr abwarten, endlich wieder richtig auf dem Rad zu sitzen und unter WARMEN SONNENSCHEIN gemütlich herumzupedalen. Mit anderen Worten: ich bin bereit für das große Abenteuer!

Nochmal zum Thema Lesen auf der Rolle. Neben Reiseberichten ziehe ich mir auch das eine oder andere „ernste“ Stück rein. Ich will zwar „frei“ und unbelastet durch Afrika pedalen, um nicht nur meine hausgemachten Vorurteile abzuhaken sondern das „wahre“ Afrika zu erleben, denke aber, dass ich einfach etwas mehr Hintergrundwissen brauche, um auch zu verstehen, was ich da zu sehen bekomme.

In diesem Zusammenhang fand ich einen Beitrag in der neuesten Ausgabe der National Geographic ziemlich anregend. Es geht um die Entwicklung der globalen Bevölkerungszahl. 1962, als ich das Licht der Welt erblickte, gab es auf der Erde geschätzte drei Milliarden Menschen. Heute, keine 50 Jahre später, sind es rund sieben Millarden. Der Anstieg wird noch deutlicher, wenn man weiter zurückblickt. Demnach wuchs die Weltbevölkerung von 1800 bis 1930 von einer auf zwei Millarden. Zwischen 1930 und 1960 kam eine weitere Milliarde hinzu, und dann ging es Schlag auf Schlag: 1974: 4 Milliarden, 1987 5 Milliarden, 1999 6 Milliarden und 2011 7 Milliarden. Für 2024 werden acht und für 2045 neun Milliarden Menschen prognostiziert

Was das heißt, werde ich in Afrika hautnah erleben. Vor allem die Städte wachsen dort in einem dramatischen Tempo. Ich erinnere mich an an 2008, als ich aus der ghanaischen Hauptstadt Accra herausfuhr und die Stadt einfach nicht enden wollte. Dass wir weiterkamen, wurde nur am Zustand der Hütten deutlich, denn es wirkte wie ein im doppelten Sinne immer dünner werdender „Speckgürtel“, der sich da um Accra schlang.

Hinzu kommen die klimatischen Veränderungen. Die sich ausbreitenden Wüsten, die längst Realität gewordene Wasserknappheit. Die Überdüngung der Böden. Welche Migrationsbewegungen das entstehen lässt, kennen wir aus den Nachrichten, wenn mal wieder ein Boot mit so genannten afrikanischen „Wirtschaftsflüchtlingen“ in Italien oder sonstwo angelandet ist und die Menschen in Lager gepfercht um bald darauf zurückgeschickt zu werden. Europa riegelt seine Grenzen ab, während Afrika immer größer wird. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich die anbahnenden blutigen Verteilungskämpfe um Wasser und Nahrungsmittel vorherzustellen. Das wäre dann ein wahrlich zynischer Beitrag im Kampf gegen die Bevölkerungsexplosion.

Das beste Mittel gegen Bevölkerungsexplosion ist Bildung. Je gebildeter die Menschen sind, desto weniger Nachkommen zeugen sie. Das gilt insbesondere für Frauen, denen ja in Afrika ohnehin eine Sonderrolle zukommt. Ohne Frauen geht in Afrika gar nichts. Während es sich viele Männer in der Polygamie „gut“ gehen lassen, müssen die Frauen schuften, gebären und unter ihren Männern leiden. Nicht umsonst richtet „Plan International“ (https://hardygruene.wordpress.com/afrika/) seinen Focus auf die Entwicklung von Mädchen, die als Schlüssel zur Veränderung der Gesellschaften angesehen werden.

Je gebildeter eine Gesellschaft ist, desto besser kann sie sich entwickeln. Kann Korruption bekämpfen, sich Strukturen schaffen, die tragfähig sind. Eine Sache, der auch wir uns hier im Westen stellen müssen. Ich will nicht die Moralkeule schwingen, aber wir wissen alle, dass wir vom Leid Afrika profitieren. Gestern las ich, dass mit dem Kakao-Preis inzwischen mächtig spekuliert wird. Mit einer klaren Hierarchie: Profiteure sind die Spekulanten, Verlierer die Kakao-Bauern Afrikas, die ohnehin nur einen verschwindenen Bruchteil vom Marktpreis einsacken dürfen. Gefördert wird dadurch allenfalls die Korruption. Und deshalb finde ich es auch zynisch, die „chaotischen Zustände“ in Afrika anzuklagen, den Kontinent kollektiv abzuschreiben und die Grenzen zuzumachen. Im „Weltspiegel“ lief vor zwei Wochen die Reportage eines Journalisten, der sich in die Piratenhochburg von Somalia gewagt hat. Er warf die Frage auf, ob es wirklich so erstrebenswert ist, Pirat zu werden. Die Antwort lautete: nein. Aber es die einzige Möglichkeit, dort Geld zu verdienen.

Ich bin gespannt, was ich diesbezüglich für Geschichten aus Afrika mitbringen kann.

Schöne und besinnliche Weihnachten an alle!

 

smart, isn't it?

ENGLISH version

Who said „always look on the bright side of life?“ Well, with a winter as heavy as this at least it’s easier for me to get prepared emotional and intellectual for my little adventure. As I mentioned before, my indoor-training includes reading lessons and in the meantime I build myself a little device that carries the books or magazines, while I can concentrate on my training. Which is much, much easier now, I can tell you! And due to this incredible weather conditions I’m reading much more as I would have done cycling outside, so I’m learning a bit more about those ten countries we cycle through. A splendid device, and I think I’m gonna apply for a patent later. 😉

Apart from indoor training I’m keeping myself busy with the internet looking for all those little bits and pieces I’m still missing for my trip! The internet comes quite handy as it helps to decide whether a device is good and or not so good. I just love those forums, where (sometimes weird) specialists meet and discus things! Nonetheless, even decisions you thought you’d made already sometimes come back to you. As I said last week I finally decided which tires I’m going to ride in Africa – only to find myself thinking about tires again yesterday. My favourite tire is not available until mid-january, and so I had to re-think again. Instead of „Schwalme Supreme“ I’m trusting the „Schwalbe Durano Plus“ now when we cycle on smooth tarmac – in the hope I won’t regret it.

Still parcel after parcel is arriving and our postman rings the bell in an almost daily routine. Yesterday, the new chronometre arrived (yeah!), today he brought me a 3-litre-camelbag that will prevent dehydration and some of the spare batteries for the mobile and the small computer. Good news about the visa as well: Ethiopian is done! I’m just waiting for Sudan now. Sudan is tricky anyway due to the referendum January 9th. I called my insurance in the meantime and they confirmed they will cover regardless the situation as long as I’m not „taking part actively in action“. Well, I wasn’t planning that anyway. 

Coming back again to my reading lessons on the indoor-bike. Apart of sometimes funny and mostly fascinating travel literature I’m reading some serious stuff as well. Despite wanting to go to Africa as „free“ in my mind as possible in order not to tick off all my prejedices but to see/feel the „real“ Africa, I find it helpful to know a bit more about each country. I guess, that helps to understand what I’m going to see cycling Africa from North to South.

In this context I found a report in the last edition of National Geographic quite interesting. It deals with the global population growths. When I was born in 1962 there were three billions people on the world. 30 years later there are close to seven billion. It’s even more frightened when you look further back. From 1800 to 1930 the global population rised from just one billion to two billions. From 1930 to 1960 it rised for another billion, and afterwards the sequences shortened dramatically: 1974 4 billions, 1987 5 billions, 1999 6 billions and 2011 7 billions. Eight billions are expected for 2015 and nine billions for 2045.

I’ll be faced with the consequences in Africa. African cities are growing in a breath-taking time. When I visited Ghana back in 2008 I travelled from the city center to the outskirts of the ghananian capital Accra and it took us hours to reach while the huts were getting smaller and more shabby by the mile.  

And there is the climate chance. Deserts are growing, water is already short in supply in several places, the soil is worn-out and/or over-fertilised. We feel the consequences here in Europe as more and more desperate economic refugees are trying to come into Europe but are refused to enter. While Europe is shutting its border, Africa is still growing and you don’t need much fantasy to predict coming wars about ressources. That certainly would by a cynical answer to the problem of population growth. 

The best answer to unlimited population growth is education. Better educated means less children. That goes especially for woman, who play a special role in Africa anyway. Without woman in Africa nothing works. While men live cosy in „polygamie“, woman work hard, bear children and suffer under there man. Its with purpose „Plan International“ concentrates its work on woman who are seen as a key-role in the development of Africa. (see: https://hardygruene.wordpress.com/afrika/).

As more educated a society becomes, as better it develops. It can build up structures, can fight against corruption. And we here in Europe have to face our part of responsibility. We are all aware that our hight living standard and the suffering of Africa are connected. Yesterday I read in the newspaper that the price for kakao is on the rise. Because it has become attractive to exchange-gambler. With a clear effect: the gambler will win, while the farmers in Africa will loose and corruption will get worse. I believe its cynical talking about the „chaotic situation“ in Africa, giving up the continent altogether and closing the own borders. It won’t work in the long time. A week ago I watched a documentary on the telly by a brave journalist who went to Somalia and reported from the disputed pirates region. When he asked one of the pirates if it is desirable to become a pirate he answered: „No. But it is the only way to earn money here. Either you are a pirate, or you suffer and die“.

Wish everybody a merry christmas.

Joyeux Noël à tous!

Advertisements

Ein Kommentar

  1. Also wennze mich fragst: das Schwebepult für Rollenradler müsste unbedingt noch über einen Knickarm derart mit dem Sattel verbunden werden, dass sich das Pult je nach Be- oder Entlastung des Sattels weiter vom Lenker entfernt oder wieder nähert. Vielleicht lohnt sich als nächstes ja die Lektüre eines Mechanik-Buches?
    Ansonsten les ich nach wie vor sehr gerne deine Updates, drück die Daumen, dass „Durano plus“ genauso gut ist wie „Schwalbe Extreme“, äh, „Supreme“ (hach, diese Namen, einfach großartig! Könnte man als Schriftsteller kaum besser erfunden haben!), und bin immer noch grantig dass NatGeo (bei dessen Lektüre ich nicht nur beim Bevölkerungswachstum-Artikel an dich dachte, sondern auch bei den Nasca-Linien, die aus spirituellen Gründen mit dem Rad nachzufahren doch bestimmt auch interessant wäre) nicht über dieses Afrika-Rennen berichten will.
    weiterhin toitoitoi und GlückAuf!
    matthias

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s