Sechster Abschnitt Lilongwe – Victoriafälle / Sixth section Lilongwe – Victoria Falls

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So ein Lob hört man doch gerne: „Herr Grüne, ihre Zähne sind tipptopp, damit können sie nach Afrika fahren“, teilte mit die Zahnärztin meines Vertrauens heute fröhlich mit. Wie ich zu diesem Lob komme, ist mir allerdings nicht ganz klar, denn ich bin wahrlich nicht der zahnpflegebessesene Zeitgenosse, sondern betrachte das eher als notwendiges und lästiges Übel. Die ernüchternde Antwort kam auch prompt: „Na ja, bei dem einen sind die Zähne eben anfälliger, beim anderen nicht“. Aha! Immerhin, ich kann gut damit leben, dass ich offensichtlich zur zweiten Gruppe gehöre.

Stephan Beckmann - der Mann meines Vertrauens / my man of trust

Zähne haben mich auch in anderer Hinsicht beschäftigt. Vor dem Besuch beim Dentist stand nämlich der beim Radhändler meines Vertrauens an. Thema des Tages: Welche Reifen kommen ins Gepäck? Was die technische Seite meines kleinen Radabenteuers betrifft, habe ich, das möchte an dieser Stelle gerne mal erwähnen, übrigens wirklich Glück. Das Team von Radsport Beckmann im schönen Duderstadt zeigt sich nämlich nicht nur äußerst neugierig auf die Tour d’Afrique, sondern sieht sich geradezu persönlich verpflichtet, mich bestens ausgestattet und vorbereitet auf die Reise zu schicken!

Nachdem wir letzte Woche schon die technischen Einzelheiten geklärt und eine durchaus imposante Liste der mitzunehmenden Ersatzteile erstellt hatten (3 Ketten, Bautenzüge, Bremsbeläge, 2 Schaltaugen usw.), ging es heute nun also um die Reifen. Eine Frage, die viele Fragen aufwarf. Und die eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten anbot. Und die mich komplett verwirrte. Nehme ich nun einen 25er Slick für Asphalt, einen 35er für Pisten und einen fetten Noppenreifen für das ganz schwierige Gelände? Oder fahre ich vielleicht doch mit einem 28er Allrounder sowohl über Asphalt als auch Piste und ergänze das Paket dann durch den erwähnten fetten Noppenreifen? Müsste ich zwar einmal weniger Reifen wechseln, doch bin ich damit auf Asphalt auch noch schnell genug unterwegs?

So ein Reifen muss auf der Tour d’Afrique ja nun wirklich alles können: Er soll ordentlich rollen, denn kurbeln muss ich eh genug. Er muss so pannensicher wie nur irgend möglich sein, denn zum Schlauch flicken habe ich hier schon keine Lust – und in Afrika bei 50 Grad in der prallen Sonne vermutlich noch viel weniger. Dann muss er mit unterschiedlichen und wechselvollen  Terrain auf mitunter wenigen Kilometern klarkommen. Soll Sand schlucken, im Regen greifen, nicht zu schnell abfahren. Ach ja: leicht und handlich soll er natürlich auch noch sein.

Das Ende vom Lied: Es kommt nun wohl ein 28er Schwalbe Supreme aufs Rad, der sowohl die Straße als auch die Piste einigermaßen gut beherrscht, während ich mich im Gelände einem 37er Schwalbe Extreme anvertraue, der hoffentlich über genügend grip verfügt. Im Gepäck wartet zudem ein Satz 28er Schwalbe Marathon plus auf seinen Einsatz.

Man glaubt ja gar nicht, woran man bei so einer Tour alles denken muss! Ersatzteile, Impfungen, Medikamente, Zahlungsmittel, Ersatzakkus fürs Handy, Sonnencreme usw. Und das alles unter dem Aspekt, dass ich ohnehin nur 20 Kg mit in den Flieger kriege. Dazu noch die paar Gramm, die ich zusätzlich im Fahrradkarton verstecken kann, sowie mein Handgepäck. Summa sumarum vielleicht 30 Kg, wobei allein die drei Fahrradketten schon knapp drei Kilo wiegen. Bin gespannt, wie das alles klappen soll.

Am Mittwoch hat der Countdown das letzte Monatslimit unterschritten. Ich zähle nun also nicht mehr die Monate bis zum Start, sondern nur noch die Wochen. Und das macht aufgeregt, denn was immer so fern war, ist plötzlich ganz schön nahe gerückt. Zumal mir die mangelnden Trainingsmöglichkeiten im schneeerstickenden Südniedersachsen durchaus ein paar Kopfschmerzen bereiten. Eigentlich hatte ich ja gedacht, noch regelmäßig auf die Straße zu kommen. Letztes Jahr bin ich im Dezember noch fast 600 Kilometer gefahren. Dies Jahr geht gar nichts, und ich komme nicht dran vorbei, meine Laufzeiten auf der Rolle deutlich zu erhöhen, wenn ich nicht schon auf der zweiten Tabesetappe in Ägypten schlapp machen will. Denn wie las ich doch heute über die Zahlen der ersten Woche? 1. Tag: 130 km, 2. Tag: 165 km, 3. Tag: 132 km, 4. Tag: 96 km, 5. Tag: 137 km…

Die erste Woche wird bereits elf Wochen und damit gefühlt vermutlich ein halbes Leben hinter uns liegen, wenn am 6. April in der malawischen Hauptstadt Lilongwe der sechste Abschnitt beginnt. Über 1.215 Kilometer führt er zu einem der verlockendsten und berühmesten Ziele in Afrika: den Victoriafälle an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe.

Schon nach der ersten Tagesetappe verlassen wir Malawi und betreten mit Sambia das siebte Land auf unserem kleinen Abenteuertrip. Sambia gilt als „vergessene Perle“. Benannt nach dem Sambesi-Fluß, ist es eine Naturschönheit, die vom Tourismus bislang kaum entdeckt worden ist. Wie fast immer auf der Tour d’Afrique pedalen wir also auf relativ wenig ausgetretenen Pfaden und können Afrika „hautnah“ erfahren. Dank seiner Ressourcen (Kupfer) und verhältnismäßig stabilen politischen Lage zählt Sambia zu den „einfacheren“ Ländern auf unserer Trans-Afrika-Tournee. Eine eisgekühlte Cola zu kriegen, dürfte also nicht allzu schwer sein. Problematisch könnte allenfalls sein, dass die Gegend, die wir zunächst durchqueren, ziemlich dünn besiedelt ist. TdA-Veteranen sprechen zudem von „endlosen Asphaltbändern“, auf denen man monoton vor sich hinstrampelt. Daher befindet sich in meinem Gepäck übrigens auch ein Aufsatzlenker – das ist so ein futuristisches Teil, das man vom Zeitfahren bei der Tour de France kennt, und mit dem die sture Geradeausfahrt nicht nur windschnittiger sondern auch bequemer wird.

Nachdem wir über die „Great East Road“ genannte Ost-West-Verbindung den Luangwa-Fluß erreicht haben, geht es entlang des Zambezi National Park weiter Richtung Westen. In der sambischen Hauptstadt Lusaka dürfen wir dann an einem freien Tag mal wieder „westlichem Luxus“ genießen, ehe die Fahrt südwestlich Richtung Livingstone und damit Victoriafälle geht. Sambia ist dort deutlich dichter besiedelt, und wir passieren mehrere größere Orte auf unserem Weg. Ziel ist der Camping Platz bei der Livingstonia Safari Lodge, die keine zehn Minuten von den Victoirafällen entfernt liegt und eine Hochburg des Tourismus darstellt. Dort werden auch die gefürchteten Bungee-Sprünge in die „Falls“ organisiert – mal sehen, ob ich mich bis dahin so sehr an den „thrill“ Radfahren gewöhnt habe, dass ich eine neue Herausforderung brauche…

Am 14. April werden wir dort ankommen. Einen Monat später steht in Kapstadt bereits die Zielankunft an. Endzeitstimmung?

ENGLISH VERSION Always nice to gain someones praise: „Mr. Grüne, your teeth are in perfect condition. You may go to Africa“, my dentist told me today. No idea why I deserved a praise like that as I consider caring for my teeth a rather necessary and altogether annoying duty. Of course, the reply came quick and was a rather sobering one: „Well, some people are just more prone than other“. OK, I’ll take that. At least, I can tell I’m quite happy belonging to the second group of people.

Teeth did also bother me in another way today. Before I went to the dentist, I paid my local bike shop another visit. Question of the day: Which tires I’m taking to Africa? By the way: Concerning the technial point of my little adventure, I’m happy to say, I’ve been very lucky. The staff at „Radsport Beckmann“ here in lovely Duderstadt is not only quite interested in the Tour d’Afrique itself but takes it almost personal to equip me with the best solutions thinkable. I certainly couldn’t ask for more!

Stephan Beckmann - der Mann meines Vertrauens / my man of trust

So after taking care of all technical questions last week and writing a huge list of spare parts I’m going to bring to Africa (3 chains, brake and gear cables, 2 derailleur hangers, spokes etc.) we concentrated on tires today. A question that caused a lot of other question. And a lot of different solutions. And confused me completely. Shall I taking a 25-622  slick for tarmac, a  28-622 for pists and a fat knobby one for everything worse? Or might a  37-622 all-rounder for tarmac and pists as well as the fat off-road best? Would certainly spare me one time changing tires, but would I be as quick as with a smaller tire?

We ask a lot from our tires in Africa. We want them to roll smoothly as we have to pedal a lot anyway. We want them to be as resistant to punctures as possible. I don’t like punctures here in Germany – I’m sure I’ll hate them in 50 degrees Celsius over there in Africa. We want them to cope with all the different terrain we come across. We want them to take sand, have enough grip in the rain and last long. Oh, and they should by light and handy as well.

End of the day: I’m driving a 26-622 Marathon Supreme for tarmac and pists while I trust the knobby Schwalbe Marathon plus off-road. Another pair of Schwalbe Marathon plus will wait in the locker.  

It’s quite a challenge to think of all those tiny bits and pieces one might need in Africa. Spare parts, vaccinations, medication, money, extra batteries for the mobile, sun lotion etc. And you shouldn’t forget that I only can carry 20 kg on the plane to Cairo. OK, with a few extra gramms in the bike box and my handluggage I’m might be able to bring 30 kg, but those three chains alone make almost three Kilo. I wonder how everything will work out.

Wednesday the count down fell below a month. It’s not months but weeks I’m counting now. Quite exciting, as everything that was so far away all the time is quite close by now. And with this heavy winter and lots of snow here I cannot even train properly, which is causing me a headache. Last year I cycled more than 600 kilometer in December. This year: zero. I need to intensify my body workout, if I don’t want to suffer in the first week in Egypt. Yesterday, I just read it again: Day 1: 130 km (70 miles), Day 2: 165 km (100), Day 3: 132 (70), Day 4: 96 km (59), Day 5: 137 km (75).

The first week of the Tour d’Afrique will be eleven weeks behind us when we start the sixt section in Lilongwe, Malawi, April 6th. Over 1.215 kilometres we pedal to one of the most renonwed places in Africa: the Victoria Falls at the border of Zambia and Zimbabwe.

After just one day on the bike we leave Malawi and enter Zambia, the seventh country since Egypt. Zambia is a „forgotten“ beauty.  Named after the Zambezi-Rivers, it is full of beautil und spectacular nature while there are very few tourists. As always during the Tour d’Afrique we ride on unbeaten tracks and very close to the real heart of Africa. Thank to ressources (copper) and a stable political situation Zambia is considered as one of the „easier“ countries during our  african adventure. We want even have problems getting a cool Coca-Cola – a real pleasure when you cycle Africa. Only problem: the eastern parts of Zambia are very thinly populated and we might have to ride hundreds of kilometre without meeting a human being. TdA-veterans speak about a monotonious and endless tarmac-strip without any bends or hills. I put a special handlebar in my luggage you might know from the time-trials at the Tour de France: a futuristic device that makes it easier to cycle against headwind and sit more comftable.

Taking the „Great East Road“ until the river Luangwa we then  cycle along the Zambezi national park to the Sambian capital Lusaka. Our rest day there will feel like heaven again as Lusaka is a vibrant metropole with a lot of things on offer. Next day we head for Livingstone and stop at the campingground at the Livingstonia Safari Lodge. Thats a touristical melting point for the Victoria Falls, which are just ten minutes away. There will be bungee jumping into the falls on offer – so let’s see if I’ll be ready for another adventure… 

We are scheduled for April 14th in Livingstone. Exactly a month before we are due to arrive at our final destination Cape Town. A months! Pwfff!

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Ein Kommentar

  1. Hi Hardy
    Greetings from Wales
    We are continuing to follow you on your wonderful adventure. We hope you are still enjoying it – you certainly sound like you are.
    Keep going great friend and we look forward to you finishing and getting back home safe.
    best wishes and big hugs

    M&M
    xxxx

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