Fünfter Abschnitt Mbeya – Lilongwe / fifth section Mbeya – Lilongwe

 
 

Schneepause

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Zu sagen, ich mag den Winter nicht, wäre hoffnungslos untertrieben. Selbst in normalen Jahren kann ich nicht allzu viel mit Schnee, Kälte und Dunkelheit anfangen. Ständig fällt Fußball aus, Radfahren geht auch nicht vernünftig und die trockene Heizungsluft macht mich wahnsinnig.

Dieses Jahr ist es noch schlimmer. Meine Gedanken und vor allem Gefühle über den Winter sind nicht wirklich jugendfrei. Seit zwei Wochen habe ich nicht mehr auf dem Rad gesessen, und wenn ich rausglotze oder mir die Wetterprognosen reinziehe, dann fürchte ich, das nächste Mal wird erst unter den Pyramiden von Kairo sein. Muss das denn ausgerechnet dieses Jahr sein? So früh, so kalt, so verschneit, so aussichtslos?  Im Zehnminutentakt surfe ich auf den diversen „wetter“-Seiten hoch und runter, immer in der Hoffnung, irgendwo einen Lichtblick zu entdecken. Doch alles, was mir angekündigt wird ist noch mehr Schnee, noch mehr Kälte, noch mehr Winter.

Mein Lichtblick ist Kairo. Denn zumindest muss ich ja nicht den ganzen Winter hier bleiben und kann aus der Ferne zugucken, wie Europa mit dem panisch erwarteten „Jahrhundertwinter“ zurechtkommt, während ich in Afrika bei 50 Grad ständig am Siedepunkt radelnd den Schatten jagen werde. Und zu meiner Rückkehr Ende Mai/Anfang Juni dürften dann wohl auch die letzten Schneereste geschmolzen sein. Gibt also eigentlich gar keinen Grund zu meckern.

Wie es um meine Grundlagenkondition tatsächlich bestellt ist, werde ich ohnehin früh genug erfahren. Und nach Ansicht von TdA-Veteranen besteht auch kein Anlass zur Besorgnis. Denn die Kondition kommt bestimmt. Schon in Ägypten, wenn wir fünf Tage hintereinander irgendwo zwischen 150 und 180 Kilometer pedalen werden. Da heißt es dann „friß oder stirb“.

Knapp vier Wochen sind es noch bis zu meinem Abflug nach Kairo. Vier Wochen! Entsetzlich überschaubar! Und doch unendlich lang hin! Inzwischen habe ich die ersten beiden von insgesamt 14 Impfungen über mich ergehen lassen. Habe selbst den erfahrenen Tropenarzt im Hygieneinstitut Göttingen mit meiner Tour erst zum Staunen und dann zum Lachen gebracht.

Ich kenn es inzwischen, dieses Szenario, das mit einem ungläubigen „mit dem Fahrrad durch Afrika?“ beginnt, sich mit einem unbeholfenen Lachen fortsetzt und dann ein kopfschüttelndes „verrückt“ erntet. Für mich ist es ja längst Alltag. Routine. Normalität. Ich fahr halt nach Afrika. Oder besser: ich fahr halt durch Afrika. Mit dem Rad. So, und jetzt muss ich mich um mein Sudan-Visa kümmern. Oder schauen, welchen Reifen ich denn nun wirklich für die Geröllpiste draufziehen will. Nobby Nic? Mmh, kriegt miese Kritiken in den Foren. Also doch Fort Albert?

Es ist die schmale Distanz zwischen Daheimbleibenden und Abenteurern. Damit aus Träumen Realität wird, bedarf es einer stinklangweiligen Vorbereitung, während der das einzige Abenteuer darin besteht, die vielen verschiedenen Dinge, die man so machen muss, zeitlich einigermaßen zu koordinieren.

Nächste Woche startet dann auch die Medienmaschine. Montag gehts zum hiesigen Monopolblatt, für das ich von unterwegs berichten werde, und die Augsburger Nachrichten werden demnächst mit dem ersten Vorbericht beliefert. Zudem ist inzwischen klar, dass ich auch für die TOUR berichten werde, Europas größtes Rennradmagazin. Schöne Sache, den Verrückten dieser Welt ein wenig Antrieb zu geben, sich ebenfalls ins Abenteuer zu stürzen. Und den weniger Verrückten davon zu erzählen, wie das so ist, wenn man die Komfortzone verlässt.

Und damit komme ich zum fünften Abschnitt der Tour d’Afrique, dem mit schlappen 878 Kilometer kürzesten der gesamten Tour. Er geht von Mbeya in Tansania nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi, nennt sich gemütlich „Malawi Gin“ und soll eine relativ überschaubare Herausforderung darstellen. Nach allgemeiner Einschätzungen haben wir „das Schlimmste“ hinter uns, wenn wir Tansania verlassen. In Malawi warten kuschelige Asphaltpisten und damit „mein“ Terrain. Da kommt das höchste Blatt drauf und ab geht die Post!

Malawi gilt als das „warme Herz Afrikas“. Ich habe wahre Wunderdinge über diesen Winzling zwischen Mosambik und Sambia gehört. Allerdings zählt Malawi zugleich zu den ärmsten Ländern Afrikas. Insofern steht das Land auch im Focus von „Plan International“, was mir die Gelegenheit gibt, mal wieder auf meinen mit der Tour d’Afrique verbundenen Spendenaufruf zu verweisen. Siehe: https://hardygruene.wordpress.com/afrika/. Malawi gilt übrigens als absolutes Radfahrland Afrikas! Obwohl es eigentlich ständig hoch und runter geht, ist das Fahrrad eines der wichtigsten Verkehrs- und Transportmittel. Es werden also genügend Kollegen unterwegs sein.

Wir starten am 28. März auf 1.900 Metern Höhe in Mbeya und durchqueren auf dem Weg zur Grenze mit Malawi zunächst die tansanische Brotkammer in Richung Westen, wobei es langsam hinunter geht in das berühmte „Rift Valley“. Darin liegt auch der Malawi-See, an dessen Ufern wir nach Chitemba Beach pedalen, einem berühmten Treffpunkt für Afrika-Abenteurer aus aller Welt. Wir werden dort sicher ein bisschen für Aufsehen sorgen, wenn wir unsere leidgeprüften Drahlesel zwischen all diesen vierradangetriebenen Abenteurer-Jeeps parken. Gleich um die Ecke ist mit Livingstonia das alte Zentrum aus kolonialen Zeiten. Dummerweise ist noch immer die kleine Regenzeit, so dass uns die ganze Sache im wahrsten Sinne des Wortes „verhagelt“ werden könnte.

Nach einem Tag Pause brechen wir wieder auf und klettern hinauf auf das Zentralplateau zur Provinzstadt Mzuzu, die vom „Lonely Planet“ als „erster Geschmack von ‚Zivilisation'“ beschrieben wird, „wenn Du aus Tansania kommst“. Ich habe noch nie etwas von Mzuzu gehört, doch wenn ich „LP“ Glauben schenke (und das tu ich meistens), dann wartet dort ein kleines Paradies auf uns. Und es kommt noch besser, denn bei vermutlich recht hoher Luftfeuchtigkeit und intensivem Sonnenschein geht es ständig hoch und runter in Richtung der malawischen Hauptstadt Lilongwe, wo sogar regelrechte Shoppingzentren auf uns warten sollen. Leckere Milkshakes, üppige Pizzen, frische Klamotten, ein paar Ersatzteile, kühles Bier – das waren in den letzten Jahren die beliebtesten Produkte der TdA-Fahrer. Ohne den Konsumterror belobigen zu wollen, fürchte ich, dort ebenfalls von eben jenem gepackt zu werden.

Nur acht Tage hat der zweite Abschnitt gedauert. Acht Tage, in denen wir 878 Kilometer pedalt sind. Lachhaft! Bring on the next Abschnitt!

ENGLISH VERSION 

Schneepause

To say „I don’t like winter“ would be flattering. Even in „normal“ years I can’t get anything out of snow, coldness and darkness. Football is off much too often, you can’t cycle properly and the dry air of the central heating is driving me crazy.

This year, however, is even worse. My thoughts and feelings are really X-rated and certainly not suitable for the public. It’s been two weeks I last sat on my bike. Looking out of the window and consulting the „weather“-pages on the internet I fear next time will only be in Cairo. Why this year? Why so early, so cold, so much snow, so hopeles? Every ten minutes I switch on one of the different weather-website looking for a glimmer of light or hope. But all they promise me is: more coldnes, more snow, more winter.

My ray of hope is Cairo. At least, I don’t have to stay the whole winter in Germany and can enjoy myself as Europe is suffering under the once-in-a-century-winter forecasted. I’ll be happily riding my bike, baking in 50 or more degrees celsius and hunting the shade somewhere in Africa. He he! And coming back end of May/start of June the snow should have gone completely. So no reason for complains, or?

And whether my stamina is really suffering too much at the moment I’ll learn soon enough. TdA-veterans told me not to worry about it. Stamina will build up for certain, they say. Once we have hit the road in Egypt, cycling between 150 and 180 kilometres daily five days in a row, I will be fit. That’s for sure. And groggy too.

A bit more than four weeks today I’ll enter a plane to Cairo. Four weeks! Terrifying reasonable! At the same time incredible long. And still much to do in the meantime. Last week, I got the first two of 14 necessary vaccination shoots and managed to surprise even the experienced doctor at the institut in Göttingen by telling him about my adventure. It’s always the same scenario. It starts with a disbelieving „by bike through Africa?“, goes on with an awkward laughter and ends with a shake of the head and a comment like „crazy“. Well, for me, it’s just routine. Normality, everyday life. I go to Africa, so what? Well, ok, I cycle through Africa, to be correct. 12.000 kilometres. Yeah, that’s right. But now I have to care for my Sudan visa. Have to decide with off-road tire I’m taking. „Nobby nic“, most people in the internet complain about? Or is „Fort Albert“ better?

It’s a small distance between those who stay in and those who search for adventure. And to turn dreams into reality, you spend an agonizingly boring time preparing things while the only adventure is the question of how to arrange everything necessary in the right time.

Next week my media coverage starts. On monday I’ll be interviewed by our local paper I’m reporting for during the the Tour d’Afrique. And I’m going to write the first piece for the „Augsburger Nachrichten“ as well. Besides, I’ll cover the Tour d’Afrique for the TOUR magazine, the biggest cycle racing magazine in Europe. Nice to motivate all those crazy guys in the world to dare an adventure for themselves – or to tell the not-so-crazy about live behind the comfort zone of the own living room.

Coming to the fifth section that leads from Mbeya in Tanzania to Lilongwe, the capital of Malawi. With just 878 kilometres it is not only the shortest section of the Tour d’Afrique but also one of the easiest. As TdA-veterans confirm, the worst is behind us once we quit Tanzania. In Malawi there is smooth tarmac again – that’s my world! Gearing up and hit the road!

Malawi is said to be the „warm heart of Africa“. I heard marveling things about the tiny country between Mozambique and Zambia. At the same time it is one of the poorest countries in Africa. My partner „Plan International“ is very much engaged in Malawi, and I take this opportunity to refer to my donation project once again. (for details: https://hardygruene.wordpress.com/afrika/). Besides, Malawi is a bicycle country. Even if it is rather hilly bikes (mostly from India and China) are very much in use for public transport and transporting things. So we will meet a lot of other cyclists on the road.

We leave Mbeya March, 28 and cross Tanzanias breadbasket to reach the border with Malawi as we slowly climb down from 1.900 metres to see level into the famous „Rift Valley“. Meeting Lake Malawi there, we cycle along its shores to Chitemba Beach, a haven for African Overlanders for years. We might be a bit of an attraction there parking our bikes in between all those 4×4-adventure vehicles, I guess. Just around the corner is Livingstonia, a former center from colonial times. Unfortunately, as it is still raining season, we might end up in a downpour, though.

After a rest day we climb up the central plateau for Mzuzu, a small town „Lonely Planet“ describes as „a first taste of ‚civilsation for quite a while, especially if you’ve come from Tanzania“. I never heard about Mzuzu, but if I believe „LP“ (and that’s what I normally do) it will be heaven for us. And it’s just the beginning of an obviously endless luxury heaven! Cycling up and down through the hilly Malawian landscrape and enjoying high humidity as well as intense sunshine we will even be greeted in the capital Lilongwe by a giant shopping-mall! Milk-Shakes, Pizza, clothes, spare parts, cold beers – those were the things TdA-rider loved most in recent years. I’ll be no exception.

After just eight days on the road the fifth section ends in Lilongwe. Eight days with 878 kiloemtres. Laughable! Bringt on the next section!

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