Vierter Abschnitt Nairobi-Mbeya / Fourth section Nairobi to Mbeya

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Mein armer Postbote. Er muss sich eh schon fast jeden Tag den schmalen Weg zu unserem Haus hochwuchten (hat schlappe 12 Prozent in der Spitze, ich kenn ihn…), und nun quäl ich ihn auch noch mit immer mehr Päckchen und Paketen. Doch es hilft nix: Meine Ausrüstung trudelt allmählich ein. Der Helm ist schon da, das Zelt ist gestern angekommen und den Schlafsack wird er mir wohl Montag bringen.

Mein Wohn- und Schlafzimmer von Januar bis Mai / my living- and sleeping room from January to May

Inzwischen habe ich dann auch das beantragt, wovor ich am meisten Bammel habe: die Visa für Äthiopien und Sudan. Äthiopien ist kein Problem – aber Sudan! Ich hatte ja schon mal von dem knappen Zeitplan berichtet, doch durch die Weihnachtsfeiertage und das Wochenende vor meiner Abreise am 10. Januar wird das alles nun noch viel kribbeliger. Drückt bitte die Daumen, dass unser Postbote am 10. Januar fröhlich den Hang hinaufstürmen und mit einem großen Briefumschlag wedeln wird!

Der Sudan beschäftigt mich nicht nur wegen der Visazitterei. Die Zeitungen sind ja gegenwärtig voll über die Volksabstimmung am 9. Januar, und es wird mächtig über ein mögliches Wiederauflammen des Krieges zwischen Nord und Süd spekuliert (@ Thilo: Du hast natürlich Recht: Darfur liegt im Westen). Wir kommen am 25. Januar in Wadi Halfa und damit im Sudan an – zwei Wochen nach der Abstimmung. Kann gut sein, dass die Stimmung bis dahin schon übergeschwappt ist. Dabei ist der Sudan eines der beiden Länder, auf die ich mich am meisten freue!

Das andere Land ist Tansania. Da war ich 1989 schon mal und habe ein Schulprojekt in den Usambara Bergen besucht. Wir waren damals eine kleine Reisegruppe um ein ehemaliges Missionarepaar aus Göttingen, haben zunächst ein wenig von der Landessprache Swahili gelernt und anschließend bei einem Wiederaufforstungsprojekt mitgemacht. „Kata mti, panda miti“ hieß das – „Fälle einen Baum, pflanze viele Bäume“.

Meine Erinnerung fällt verklärt rosig aus. In den Achtzigern waren wir ja alle unglaublich „politisch“ und pflegten unsere Protestkultur bei jeder Gelegenheit. Und Tansania – das galt als Art Vorzeigemodell für den afrikanischen Sozialismus. Doch was für eine Ernüchterung, was für ein Einschnitt ins eigene Weltbild sollte dort auf mich warten! Es fing schon am Flughafen an, als der naive Weltverbesserer, der ich damals war, zum ersten Mal über den Tisch gezogen wurde und fand seinen Höhepunkt in einer üblen Spelunke, als ich ein als „Bier“ deklariertes diffuses Maisgebräu vorgesetzt bekam und der Wirt mich grimmig aufforderte: „Kill yourself“. Zu sehen, wie Julius Nyerere und seine Ujamaa-Politik, die in der Theorie so toll geklungen hatten, in der Realität so fatale Auswirkungen hatten, hat mir jedenfalls brutal die Augen geöffnet und eine Menge sozialromantischer Träume geraubt. Auch wenn ich das erst später realisiert habe…

der weltverbessernde Abenteurer 1989 / the do-gooder adventurer 1989

Zum Ende haben wir jedenfalls noch einen Ausflug in die Serengeti, den Ngorongoro-Krater und den Kilimandscharo gemacht und mir wurde erzählt, dass, wer immer den Kilimandscharo ohne Wolken sieht, eines Tages zurückkommen wird. Ich erwischte einen blenden Tag, und seitdem habe ich zwar immer mal wieder davon geträumt, nach Tansania zu reisen, es aber irgendwie nie geschafft.

Und nun wird es soweit sein. Denn auf dem vierten Abschnitt erreichen wir Tansania und damit nicht nur den Kilimandscharo, sondern auch den Äquator. Das klingt dann irgendwie schon nach „Halbzeit“ bei der Tour d’Afrique, wiewohl wir kilometermäßig die Hälfte noch nicht erreicht haben werden. Aber zum Glück geht es nach der Überquerung des Äquators ja nur noch bergab ;-).

Der vierte Abschnitt beginnt am 14. März in Nairobi und verläuft über schlappe 1.218 Kilometer bis nach Mbeya im Südwesten von Tansania. Er gilt als der wohl afrikanischste Abschnitt der Tour d’Afrique, denn auf ihm werden sämtliche Klischees  bedient: Das der wilden Tiere und Safaris in den Nationalparks (u.a. Seregenti und Ngorongoro), das der „wilde Menschen“ (wir durchqueren Massai-Gebiet) und das eines wunderschönen, unendlichen und exotischen Kontinents. Es ist auch die Heimat der berühmten Baobab-Bäume, die mit ihrer eigentümlichen Wucht ebenfalls das Afrika-Bild prägen. Und es wird jener Abschnitt sein, auf dem wir tatsächlich zwischen Elephanten, Zebraherden oder Giraffen radeln werden. Freut Euch also auf die Bilder!

Die Highlights sausen nur so an uns vorbei: Einen Tag nach unserem Start in Nairobi werden wir Tansania erreichen. Dort pedalen wir zwischen Mount Kilimandscharo und Mount Meru nach Arusha, wo drei freie Tage Gelegenheit zur Safari, der „Kili“-Besteigung – oder des Ausruhens geben. Arusha wird ziemlich quirlig und europäisch daherkommen – so war es schon 1989, und ich vermute, dass die Safari-Kultur dort inzwischen jeden Winkel eingenommen hat.

Tansania - Vierter Abschnitt/fourth section

Danach geht es südwestlich weiter in Richtung Malawi, wobei die schöne Asphaltstraße schon am Lake Manyara wieder Vergangenheit sein wird. In der Massai-Steppe müssen die fetten Reifen wieder auf die Felgen, geht es zurück auf Pisten, was, da wir in der kleinen Regensaison unterwegs sind, durchaus in einer Schlammschlacht enden kann. Es gibt lustige Videos von vergangenen Rennen, auf denen Tour-Teilnehmer fluchend und zeternd durch kniehöhe Flüsse radeln und dabei natürlich gelegentlich auch mal zu Fall kommen.

Und wir werden Pioniere sein, denn erstmals führt die Strecke der Tour d’Afrique 2011 nicht über die Hauptstadt Dodoma sondern durch unbekanntes und dünn besiedeltes Terrain im Westen Tansanias. Dabei werden wir dann irgendwann auch die Kilometerhälfte der Tour überschreiten!

Ein Zeitfahren sowie eine weitere Gipfelbesteigung später ereichen wir Mbeya, ein  nicht allzu weit von der Grenze zu Malawi gelegenes Nest im Südwesten Tansanias, in dem der vierte Abschnitt endet. Wir werden vermutlich etwas gerädert sein, da es von Arusha bis Mbeya keinen einzigen freien Tag gibt – wir also neun Tagen in Folge jeden Morgen auf den Drahtesel geklettert sein werden. Und dann lauert in der tansanischen Steppe noch ein ganz besonderer Feind: Mächtige Dornen, die überall herumfliegen und offensichtlich selbst den eigentlich als unplattbar geltenden Schwalbe Marathon mühelos durchstechen. Ich üb dann schon mal Reifen flicken.

6.559 Kilometer müssten auf meinem Tacho stehen, wenn wir am 26. März Mbeya erreichen. Ungefähr so viele, wie ich sie im gesamten Jahr 2010 gefahren habe…

 ENGLISH version Our poor postman!  Every single day he has to crawl up the small and steep path to our house (up to 12 precent ascent, I’ve cycled it a couple of times…), and yet I’m torturing him with parcel after parcel. No doubt: my equipment is arriving. The helmet is there already,yesterday the tent arrived and on monday I guess he is carrying the sleeping bag.

Mein Wohn- und Schlafzimmer von Januar bis Mai / my living- and sleeping room from January to May

In the meantime I applied for something I’ve had the jitter for since I inscribed for the Tour d’Afrique: visas for Ethiopia and Sudan.  Ethiopia is no problem – but Sudan!  As I told in an earlier entry, I’m facing quite a tight timetable. Due to the Christmas holidays and the weekend before my departure on January the 10th (a Monday), everything becomes even more scares.  So please cross fingers my poor postman will climb up our small path January, 10th again, cheerfully waving a letter with all necessary visas! 

The Sudan is causing me a headache anyway. The newspapers are already full of horrible stories about the referendum January, the 9th and speculation about a possible outbreak of a new conflict between north and south are high.  We arrive Wadi Halfa – and the Sudan – January, 25th, and nobody can predict how the situation will be just two weeks after the referendum. Wouldn’t like ending up in a war zone, I can tell you. At the same time, the Sudan is one of two countries I really look forward too! 

The other country is Tanzania.  Back in 1989 I went to Tanzania visiting a school project in the Usambara mountains.  We were a small party guided by a former missionary couple from Göttingen and learned a bit of the national language Kiswahili first until we plunged into a reforestation project named „Kata mti, panda miti“ – „cut one tree, plant many trees“. 

Sweet dreams are coming up thinking back at those days. Back then, we all were incredibly „political“ and tried to cultivate our protest culture on every possible occasion. And as Tanzania was THE textbook example to African socialism I was very much looking forward to the country. But what an experience I had to go through!  It all started at the airport, where I, nothing but a bloody naive do-gooder, got ripped-up the first time. It wasn’t the last time, though. My experience reached peak-point in a woozy bar, when the elusivly maze-beer I had ordered was brought to me with the kind words „kill yourself“.

der weltverbessernde Abenteurer 1989 / the do-gooder adventurer 1989

To realizie that all those nice ideas of Julius Nyerere and his Ujamaa politics in reality had rather sad effects opened my eyes and robbed me of a couple of social romantic dreams.  At the end of our stay, however, we visited the Serengeti, the Ngorongoro and of course the Mount Kilimandjaro where I was told, that whoever sees the Kilimandjaro without clouds, will come back one day.  I was lucky, and since then I’ve always dreamed of returning but never did. 

And now I’m going to see the Kilimandjaro again!  During the fourth section we reach Tanzania and with that not only the Kilimandjaro but the equator as well.  Despite having cycled only 5.000 or so kilometres we could speak of „half-time“ then. At least it will be downhill from the equator onwards. 😉

The fourth section starts March the 14th at Nairobi and ends 1,218 kilometres further south in Mbeya, at the soutwest of Tanzania.  It is the most „African“ section of the whole Tour d‘ Afrique as it serve all common stereotypes of Africa:  We will have wild animals and safaris in the national parks (e. g. Seregenti and Ngorongoro), we will have „wild“ natives as we cross Masai zone and we will cycle through a beautiful, endless and exotic continent that stands for Africa.  Besides, it’s the homeland of the famous Baobab tree that has shaped the picture of Africa worldwide.  However, this section certainly will be the one we actually cycle between elephants, zebras and giraffes.  So look forward to some rather exotic pictures! 

Highlights will come up one by one. Just one day after leaving Nairobi we reach Tanzania. Cycling between Mount Kilimandjaro and Mount Meru we head for Arusha, where we are given a three days rest to allow us going on safari, climbing up the „Kili“ or just relaxing.  Arusha will be quite  lively and european – it was so back in 1989, and I guess the Safari culture has taken over the town completely since then. 

Tansania - Vierter Abschnitt/fourth section

Heading soutwest towards the Tanzanian border with Malawi, the beautiful tarmac highway we’ve been cycling on since Arusha will be history right after the Lake Manyara.  Crossing the Massai steppe, we’ll put on the fat off-road tires again and hit a rough gravel road. As we are cycling in the small rain season by now, that might turn into to big mud fight for everyone. I’ve seen funny videos of past races where participants try to cycle through kneedeep floodings, cursing everyone and everything while falling off the bike frequently. Fun to look at, though.

And we will be proud explorer of the unknown as the Tour d’Afrique 2011 doesn’t lead via the Tanzanian capital Dodoma as the years before but through a very sparsly populated area in the western part of the country. Somewhere there we finally will cross the 6.000-kilometre-mark of the Tour and celebrate the real „half time“.  

A time trial and a further summit climb later we arrive at Mbeya, a small village not far from the border to Malawi, where the fourth section ends. As we have cycled nine days in a row by then – no rest day since Arusha! – we might be a bit knackered and longing for a day off. Bedsides, there will have been other trouble waiting for us in the Masai steppes: Thick thorns flying around everywhere and piercing even through the thickest tyre. I’m already practising patching punctured tyres as quickly as possible…

There should be 6,559 kilometers on my clock when we arrive at Mbeya March, 26th.  That’s about the same amount I’ve cycled in 2010 all year, by the way…

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