Das längste Radrennen der Welt / longest bike race in the world

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Let the sunshine in!

Die Wettervorhersage für nächste Woche klingt einfach schauderhaft. Und die für die Woche danach auch. Schöne Scheiße, der Winter kommt! Warum konnte er nicht bis zum 11. Januar warten, wenn ich schon in Kairo bin? Sollte der angekündigte Schnee „bis ins Flachland“ tatsächlich kommen und es danach dauerhaft tief in die Minusgrade gehen, ist Schluss mit fröhlichem Radeln. Dann verhindern auch 25 Trikotschichten nicht mehr den gefühlten Kältetod, ist selbst die Pampa als Radelterrain mehr oder weniger gestorben. Letztes Jahr habe ich mal versucht, den völlig schneebedeckten Sonnenberg hochzuradeln und hatte dabei verhältnismäßig wenig Spaß. 😦

 Das heißt dann wohl Rolle bis zum Abwinken. Und selbst das wird nicht immer zu schaffen sein, da mein guter alter Ford Transit auch mit seinen schicken Winterpuschen auf schneebedeckten Straßen immer so seine Probleme hat, die Spur zu halten. Und ihr wisst ja – ich lebe in einem der Bergdörfer. Auf dem Weg in die hiesige Muckibude geht es also immer tüchtig hoch und tüchtig runter, und jetzt im Graben zu landen, darauf habe ich nun wirklich keinen Bock.Auch bei der Zusammenstellung der Ausrüstung ist das mit dem hiesigen Wetter so eine Sache. Mein Besuch im Radsporthimmel Bocholt fand bei eher naßkalten und regnerischen Bedingungen statt, die wenig Raum für Phantasiespiele mit Sonne und Wärme ließen. Aber etwas Gutes hat der Winter dann doch:  die Preise für Sommerklammotten purzeln! Ich konnte mich fast komplett mit Artikeln aus der abgelaufenen Saison eindecken und dadurch das eine oder andere Schnäppchen machen. Für Neugierige habe ich meine Errungenschaften am Ende dieses Eintrages mal in einem kleinen Fotoalbum dokumentiert. Die Kohle fliegt gegenwärtig aber trotzdem ganz schön raus, denn neben den Radsportsachen (ein neuer Helm ist auch schon bestellt) müssen noch ein Zelt, ein neuer Schlafsack und vor allem eine brauchbare Kamera her.

Gut, dass zumindest meine Presseaqkuise inzwischen ein paar Früchte abwirft. So dürfen sich seit heute auch die Leser des Südkuriers aus Konstanz und der Augsburger Allgemeinen auf meine Eindrücke aus Afrika freuen. Und für die WELT werde ich eine große Abschlussreportage machen. Sollte sich irgendein Medium angesprochen fühlen und Interesse an einer Berichterstattung über die Tour d’Afrique durch mich haben, bitte melden.

Heute trudelte dann der nächste Newsletter des Veranstalters ein, in dem es um das eigentliche Rennen geht. Jeder Teilnehmer muss ja vorab entscheiden, ob er als Rennfahrer oder Tourist an der Tour d’Afrique teilnimmt. Ich bin als Rennfahrer gemeldet und habe auch ziemlich Lust darauf, ab und zu mal etwas am Gashahn zu spielen, um zu gucken, bis wohin die Tachonadel denn so ausschlägt. Besonders freue ich mich auf das Bergzeitfahren in Äthiopien. Coole Sache, irgendwo im äthiopischen Bergland einen Kampf gegen den Berg und gegen die Zeit zu bestreiten.

Das Rennen wird an 82 der 95 Fahrtage stattfinden. An drei Tagen sind wir nur einen halben Tag im Rennen (die andere Hälfte stecken wir im Konvoi in der Polizeieskorte), und an zehn Tagen werden wir alle als Touristen unterwegs sein. Natürlich sind die Straßen für uns nicht abgesperrt, sondern wir müssen unseren Platz gegen alle anderen Verkehrsteilnehmer verteidigen. Das wird nicht immer lustig sein. Von den LKW-Fahrern hatte ich schon berichtet, und grade las ich von einem Unfall in diesem Jahr, bei dem ein einheimischer Radfahrer auf der falschen Straßenseite unterwegs war und mit einem TdA-Fahrer kollidierte.

Insofern kann man sich nicht wie bei einem Jedermannrennen ausschließlich auf das Rennen konzentrieren, sondern muss immer auch die Konkurrenz auf der Straße im Auge behalten – und damit meine ich nicht die mitradelnde Konkurrenz… Auch organisieren müssen wir uns selber. Auf genügend Flüssigkeit achten, reichlich Energieriegel für unterwegs dabei haben – all das muss jeder für sich selbst hinkriegen. Immer ungefähr in der Mitte der Tagesetappe wartet aber ein Verpflegungswagen, an dem nachgetankt werden kann.

Ein bisschen Orientierungssinn schadet auch nicht, denn wir werden die jeweilige Tagesetappe am Abend vorher auf der Karte gezeigt bekommen und müssen sie uns dann selber einprägen. Lediglich an wichtigen Kreuzungspunkten hängen bunte Bändchen, die uns den Weg weisen. Die soll man aber schon mal übersehen können und sich dadurch leicht einen Umweg von zusätzlichen Kilometern einfahren. Das bereitet mir allerdings weniger Sorge, denn ich bin mit gutem Kartenmaterial versorgt und vertraue auf meinen normalerweise recht verlässlichen Orientierungssinn. Außerdem bin ich ja Geograph, und es wäre doch verdammt peinlich, wenn ausgerechnet ich mich irgendwo verfahren würde.

Unsere Zeit wird mit kleinen Computern gemessen, die mitsamt unserer Rennnummer am Fahrrad befestigt werden und auf Sensoren reagieren. Damit wird die Abfahrtzeit und die Ankunftzeit registriert. Jede Pause, die man unterwegs macht, zählt zur Fahrtzeit. Wer die Tour gewinnen will, muss also mit möglichst wenigen Pausen auskommen. Wir sind natürlich alles pure Amateure. Keiner von uns fährt professionell Fahrrad, und keiner von uns erhält von irgendwem irgendwelche Prämien (statt dessen bezahlen wir dafür, dass wir mitfahren dürfen). Ach ja, und hier noch ein Passus aus dem TdA-Regelwerk: „No Rider will be allowed to ride if they are intoxicated“. Muss ich das übersetzen? Nö, ne!

Gewertet werden Tagesetappen, Abschnittsetappen und die Gesamtzeit von Kairo nach Kapstadt. Dabei gibt es jeweils auch Sieger (Tagessieger, Abschnittssieger und Gesamtsieger). Unterschieden wird lediglich zwischen Frauen und Männern, aber nicht nach Altersklassen. Ich werde also mit meinen dann 48 Jahren in Konkurrenz zu 20jährigen Jungspunden stehen. Das tägliche Zeitlimit, an dem man abends spätestens im Ziel (= Nachtlager) sein muss, ist 19 Uhr bzw. das Ende des abentlichen Treffens, auf dem die nächste Etappe besprochen wird. Durchaus witzig mag es sein, wenn man an einem besonders guten Tag mal vor allen anderen im Ziel ist – selbst vor den Zeitnehmern! Denn naürlich müssen auch die mit ihren Fahrzeugen erstmal „durchkommen“. Und nicht immer klappt das reibungslos.

Wer gegen das Regelwerk verstößt (sich mitnehmen lässt, Abkürzungen fährt, sich unsportlich verhält, seinen Abfall auf der Strecke liegen lässt etc.), kassiert Zeitstrafen oder wird im Extremfall aus dem Rennen ausgeschlossen. Am Ende der Tour werden jedem Rennfahrer seine fünf längsten Tagesetappenzeiten von seiner Gesamtrennzeit abgezogen. Das sind die so genannten „Grace Days“ („Gnadentage“). Das wiederum gilt allerdings nicht für die zwölf so genannten „Mando Stages“ („Pflichtetappen“), deren Zeiten in jedem Fall gewertet werden. Der Tagessieger einer „Mando Stages“ erhält zudem eine 30-Minuten-Zeitgutschrift. Gemeinerweise sind diese „Mando Stages“ ausgerechnet die schwierigsten auf der Tour. Da ist zum Beispiel eine überwiegend bergauf gehende 107-Kilometer-Tagesetappe in Äthiopien, da ist eine 85-Kilometer-Herausforderung auf übelster Piste in Kenia und da sind die schlappen 207 Kilometer, die wir in Botswana zwischen Ghanxi und Buitenpos abradeln dürfen. Na ja, soll ja alles auch Spass machen.  

Jeder kann die Tagesetappe starten, wann er will. Möglich ist der Start allerdings erst nach Sonnenaufgang. Wer eine Tagesetappe nicht mitfährt oder sie abbrechen muss, wird für den Tag mit 12 Stunden Fahrtzeit gewertet. Die Zeiten der Tages- bzw. Abschnittsetappen werden übrigens täglich auf der TdA-Homepage veröffentlicht (www.tourafrique.com), so dass ihr alle von meinen kümmerlichen Versuchen, beim längsten Radrennen der Welt einen guten Eindruck zu hinterlassen, erfahren werdet. ;-(

Die große Herausforderung an uns Rennfahrer ist natürlich die pure Dauer des Rennens. Niemand kann vier Monate lang dauerhaft Topleistungen bringen. Es gehört viel Geschick dazu, seine Kräfte gut und richtig einzuteilen. Und Glück. Einen Renntag mit Durchfall (den ich bestimmt irgendwann bekommen werde) kann ich mir auf einer Asphaltpiste mit Rückenwind noch einigermaßen vorstellen. Wenn ich aber 100 Kilometer auf einer rüden Schotterpiste unterwegs bin, ständig bergauf zu fahren habe und dann auch noch alle zehn Minuten in den Büschen verschwinden muss, sieht die Sache schon ganz anders aus…

Die TdA ist eben ein Abenteuerrennen. Nix für Weicheier oder Warmduscher. Aber wer ist das schon 😉

Ach ja: schön zu sehen, dass die Kommentar-Funktion in diesem Blog allmählich entdeckt wird. Nur zu!

Let the sunshine in!

ENGLISH version 
 The weather forecast for next week doesn’t look good at all. Same for the week afterwards. Bloody hell, winter is coming and fast! Why couldn’t it wait until January 11th? If those predictated snow falls and bitterly cold temperatures really hit South Lower Saxony next week, it will be over with happy cycling days. Even 25 or more layers of shirts wouldn’t preserve me from dying of freezing, and going off-road is out of question as well. Last year, when I climbed up the nearby “Sonnenstein” in snowy condition, I didn’t had much fun, I can tell you.

 That would leave the gym. And only the gym. And even going to the gym might become a problem as my fateful Ford Transit doesn’t like riding on snow at all. Even with snow tyres it is behaving rather akward on slippery roads – and as you may remember, we live in a „mountain“ village so it’s first up and then down to go to the gym. Wouldn’t like to crash into a ditch right now, that’s for sure.

Collecting my equipment for the tour is a little strange these gray days. When I visited cycling heaven in Bocholt yesterday (biggest bike shop in Germany) it was all wet and windy. Hard to imagine myself sitting on a bike cycling in sunny and hot conditions. On the other hand there is certainly one advantage of the winter: Prices for summer clothes are down! I could grab some special offers and save a few quit. If you are curious scroll up and have a look at the picture album at the start of this English Version. Generally, the Tour doesn’t come cheap. I still need quite a few things (proper tent, sleeping bag, camera etc.) and my purse is already suffering.

 Luckily my efforts to sell the story to magazines and papers have started paying off. Quite a few papers in Germany will run the story. Should there be any magazine in the UK or France who likes to run it as well just give me a hint.

With the next newsletter of the organizer arriving today I’m now able to tell you more about the actual race. Every participant has to decide beforehand whether he or she is taking part in the TdA as a racer or a tourist. I of course will be a racer and I’m very much looking forward to the challenge of racing Africa. I certainly aim for pressing from time to time and seeing how much km per hours I can get on the clock at certain bits of the race. I’m especially looking forward to the mountain time-trial in Ethiopia. Isn’t it an appealing idea to everybody racing against the time on a very long and very rough slope somewhere in Eastern Africa while the sun is burning down on you. No? Not for you? Oh, come on!

The TdA 2011 is schedulded to be a 95-stage race broken up into eight sections. Of the 95 stages, about 82 will be full racing days. Three days will be half day races (with the other half cycling in convoys garded by the police), and another ten will be non race days. Of course streets are not blocked off for the TdA, so we cyclists have to defend our precious little space on the roads against all the other road users. This will not always be amusing. I talked about reckless truck drivers in one of the earlier entrys already. Recently I heard a story from the TdA 2010 when one racer badly collided with a local cyclist who was driving on the wrong side of the road… I guess life will be much different to amateur races here in Europe where you can concentrate on the race while in Africa you need to watch the environment all the time.

Maps to show me the road

In general, the TdA is a self-organising event. We are responsible to take enough drinks and energy bars for each stage, for example. There is, however, a lunch truck waiting for us in the middle of the day. A little sense of direction might be helpful as well as we need to self navigate the daily route based on the information we get the night before in the riders meetings. Only difficult junctions will be marked with coloured ribbons that show us the right way. As they can easily be overlooked you might miss them and end-up with a couple of additional kilometres, though. However, I’m not that worried about getting lost as I’m quite ok reading maps and navigating myself even in unknown circumstances. Besides, I’m a geographer, and would it be embarassing if me of all people would get lost?

As for timing every rider has a small computer with a sensor and a race number connected to his or her bike. The computer starts counting when the rider leave the camp and stops when he/she arrives at the night camp. Every minute one „wastes“ in stops and/or sighseeing is piled up on the actual racing time. Whoever wants to win the TdA 2011 needs to limitate stopping time therefore.

All participants are pure amateurs. None of us is a professionally rider, and none of us receives any premiums (instead we even pay to participate!). And let me state just one more paragraph from the rule book: „No Rider will be allowed to ride if they are intoxicated“.

There are 85 daily stages and eight section stages. We will celebrate daily winner, section winners and overall winners. The peloton is divided in men and woman racers, but not in age groups. That means, I, turning 48 at the beginning of the TdA, have to compete with some very fit 20 something.

There is a time limit  each day you mustn’t break. That’s either the end of the daily evening meeting or 7 o’clock sharp, depending what comes first. On the other side you may be in top form and enjoy a good racing day with an early arrival at the camp – even earlier than the Race director, who of course has to cover the stage by car as well. And that’s no easy task.

Whoever offends the rules (taking a lift, short cutting the stage, unsporting behavior, littering the road etc.) gets a time punishments yand can even be excluded for a very serious break of the rules. At the end of the race in Cape Town each racer’s five longest times of the tour (so-called „Grace Days“) will be subtracted from the overall time. That leaves a bit space for „bad“ days. Certain stages, however, are excluded from this rule as they are on of the twelve so-called „Mando Stages“ whose times are evaluated in any case. Besides, the winner of a daily „Mando Stages“ receives a 30 minutes time bonus as well.

Unfortunately those „Mando Stages“ are the most challenging and difficult of the tour. Take the predominantly uphil 107-kilometre-day stage in Ethiopia for example: Mando Stage! As are the 85-kilometre challenge on very rough path in North Kenya or the floppy 207 kilometre-stage between Ghanxi and Buitenpos in Botswana. But it will be fun, though. 

Each rider can hit the road any time after sunrise. There is no common starting signal. Who misses a stage or has to break off during a stage gets a 12-hour time. As our results are published on a daily basis on the TdA homepage (www.tourafrique.com), you might be able to follow my miserable attempts to leave a good impression on the longest bike race of the world.; – (

The biggest challenge for us cyclists of course is the pure duration of the race. It’s just not possible to perform high performance efforts for four months in a row. To finish well you need to listen to your body and relax every now and then. And you need just plain luck. It may be possible to cycle 100 kilometres on smooth tarmac helped by strong tailwinds even on a day you suffer from diarrhea. But if you suffer from diarrhea on a day which a challenging stage that goes almost constantly uphill or is on very rough roads while you need to hit the bush every ten minutes you are quite in trouble.

Well, in the end the Tour d’Afrique is an adventure. Nothing for sissies and wimps. But who is a sissy or a wimp anyway?
P.S.: Lovely to see that the „comment“ widget is slowly been discovered by your guys. Feel free to add whatever you want.
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