Dritter Abschnitt Addis Abeba – Nairobi / Third section Addis Abeba to Nairobi

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Die Einkaufsliste ist fett und raubt mir den Atem. Wie soll ich das alles noch besorgen? Und was soll ich damit unterwegs? Brauche ich das wirklich alles?

Meine Einkaufsliste/shopping list

Gesäßcreme, Zelt und Schlafsack kommen mit. Klar. Aber was ist mit nem Nähset? Werde ich wirklich irgendwo in der Wüste Afrikas hocken und meine Hosenbeine zusammenflicken? Und der Klodeckelring? War ein Tipp eines Teilnehmers vom letzten Jahr. Weil man für seine dringenden Geschäfte doch häufig einfach in die Pampa muss und das nicht immer allzu bequem ist. So ein Utensil überwindet da den schmalen Grat zwischen Ekel und Komfort. Und außerdem soll so ein Klodeckel-Ring auch ein prima Not-Tisch vor dem Zelt sein. Also doch mitnehmen?

Sich auf die Tour d’Afrique vorzubereiten, geht nur bis zu einem bestimmten Punkt. Danach beginnt das Abenteuer. Zum Erleben gehört nun mal improvisieren. Ich will nicht als technikbepackter und auf alle Eventualitäten vorbereiteter Westeuropäer durch Afrika wanken. Denn mit zuviel Gepäck geht man dort eben gerade NICHT unter.

Das Nähset bleibt hier. Muss ich doch flicken, muss ich eben losgehen und fragen. Dafür ich gönn ich mir lieber ne extra gute Radhose für trübe Tage, wenn der Arsch einfach nicht mehr auf den Sattel will und ein bisschen gepudert werden muss. Das erledigt dann hoffentlich das gut gepolsterte Beinkleid aus einer Schweizer Nähstube zum durchaus stolzen Preis von 144 Euronen.

Eintüten werde ich das gute Stück am Donnerstag, wenn ich dem Radfahrerhimmel einen Besuch abstatte. Am Abend zuvor ist Buchpräsentation von meinem Schalke-Buch „Glaube, Liebe, Schalke“ in Gelsenkirchen, und bei meiner Heimreise am Donnerstag werde ich einen kleinen Schlenker über Bocholt einplanen. Bocholt – da klingeln bei Radfahrjunkies natürlich die Glocken. Genau: Rose steht auf dem Zettel, und danach ist meine Einkaufsliste sicher etwas kleiner.

Ein paar Ausrüstungsträume haben sich aber schon verabschiedet. Die Federgabel zum Beispiel, die ich auf mein Crossrad montieren wollte. „Kannste machen, kannste aber dann nicht mehr wirklich mit fahren“, zertrümmerte mein Fachberater die schöne Vision, auf den Waschbrettpisten in Kenia auf federnde Fortbewegung zu bauen. Statt dessen kommt nun eine zusätzliche starre Gabel ins Gepäck, falls es die jetzige zerhauen sollte. Ellbogen kann man leider nicht als Ersatzteile mitnehmen. Die werden also auch zerhauen weitermachen müssen.

Und damit komm ich zum dritten Abschnitt, der uns über 1.673 Kilometer von Addids Abeba in Äthiopien nach Nairobi in Kenia führt. „Meltdown Madness“ haben die TdA-Veranstalter den Abschnitt gefühlvoll getauft – „meltdown“ kann man mit dem bedrohlich wirkenden Wort „Nervenzusammenbruch“ übersetzen, und wofür „madness“ steht, muss ich wohl nicht sagen. Die Feinheiten der englischen Sprache liegen aber auch hier mal wieder in den Zwischentönen, denn umgangssprachlich steht „meltdown“ auch für „Trotzanfall“. Und das ist doch ein schönes Motto, oder?

So oder so – der „Trotzanfall Wahnsinn“ wird kein Spaß sein. TdA-Veteranen sprechen vom schönsten und schlimmsten Abschnitt der ganzen Tour. Asphalt ist nur ein schöner Traum. Statt dessen Pisten, die sich nach jeder Regenzeit ein neues Kleid geben und die sich irgendwo zwischen einem Kartoffelacker und einer Knochenpiste anfühlen sollen. Wobei ich weder über das eine noch über das andere jemals gefahren bin. Die alles fordern und nichts zurückgeben. Die durch etwas führen, was gerne mal poetisch als „unberührte Natur“ bezeichnet wird. Was natürlich Quatsch ist, denn auch im Süden Äthiopiens und Norden Kenias ist schon lange nichts mehr „unberührt“.

Äthiopien/Ethiopia Addis Abeba - Moyale

Wir verlassen Äthiopiens Haupstadt am 23. Februar und nehmen südlichen Kurs in Richtung des Abaya Sees auf. Vorbei am 3.719-Meter hohen Guryaghe geht es durch das nicht mehr ganz so karge Hochland nach Arba Minch, wo Äthiopiens berühmte Krokodilfarmen uns den freien Tag versüßen werden. Der nächste Stopp Yabelo liegt etwa 200 Kilometer südöstlich. Dort stoßen wir auch wieder auf die aus Addis Abeba kommende Hauptstraße, die wir bis zur Grenzstadt Moyale pedalen.

Tags darauf steht bereits das vierte Land an: Kenia. Und da beginnt der Wahnsinn. Die nächsten sechs Tage werden wir auf einer Strecke verbringen, die als „Lavapiste“ bezeichnet wird. Keine Ahnung, was das in der Realität heißt, aber es klingt nicht gut. „Die langen Etappen definieren die Wörter ‚holprig‘ und ‚wellig‘ völlig neu“, muntert uns die offizielle Streckenbeschreibung auf.

Kenia/Kenya Moyale - Nairobi

Durch die Dida Galgalu-Wüste geht es über Marsabit nach Isiolo, wo wir schließlich (endlich?) in die „Zivilisation“ und damit auch auf Asphalt zurückkehren. Entlang der westlichen Flanke des Mount Kenya pedalen wir alsdann Richtung Nairobi, wo am 12. März sicher wieder eine Polizeieskorte auf uns warten wird. Und kaltes Bier. Das werden wir vermutlich alle bitter nötig haben.

Wenn ich bis dahin alles richtig gemacht habe, werden auf meinem Tacho exakt 5,341 Kilometer seit dem Start in Kairo stehen.

ENGLISH VERSION The shopping list is long and takes my breath away. How on earth shall I grab all those things on time? And what am I to do with them on the road? Do I really need everything?

Meine Einkaufsliste/shopping list

Chamois-crème, tent and sleeping bag go in the bag. That’s for sure. But what about the sewing kit? Can I really imagine myself sitting in the desert darning my suffering socks? And what about the toilet lid? A tip from a TdA-Veteran 2010. Supposted to help coping with the rather rough condition as we often have to go into the bushes for our business. Such a device might indeed help to cross the tiny margin between disgust and comfort. Besides, it might serve as a small table as well. Well, getting it in the bag? Still not sure…

Preparing for the Tour d’Afrique is only possible to a certain point. Afterwards it is adventure. And being honest: to really experience the adventure, one need to improvise. I don’t want cycling Africa packed with every available device, being prepared for every imaginable circumstance. To much stuff just makes you immovable.

So the sewing-kit is gone. If I need it, I have to go and ask for it. Instead I’m taking a pair of high-end cycling short for those days my bumb just doesn’t want to jump on the saddle any more. Hopefully, the well padded cycling-shorts from Switzerland for the tiny sum of 144 Euro will help to convince it to re-climb at those moments .

I’ll bagging those shorts next Thursday, when I pay a visit to cycling heaven. The night before I’m in Gelsenkirchen for the launch party of my newest book “Glaube, Liebe, Schalke”. On my way back home I’’ll detouring via Bocholt to visit the biggest bike-shop in Germany. Afterwards, my shopping list hopefully will be much reduced (as my purse…).

Concerning my general preparation, a couple of dreams have already faded. I wanted a suspension fork on my cyclocross bike for example. But when I went to the shop, they just told me “not possible, you couldn’t ride the bike any longer”. So instead I’m having a spare set of fixed forks with me in case the original one breaks. Unfortunately, I cannot get any spare ellbows. They will have to carry on come what may…

Coming to the third section that takes us over 1.673 kilometres from Addis Abeba in Ethiopia to Nairobi in Kenya. The section is called “Meltdown Madness” by the organisers. I think, that speaks for itself. (pour mon amies en France: „folie de krach“)

„Meltdown Madness“ certainly won’t be fun. That’s for sure. TdA-Veterans describe the section as both the “most beautiful” and the “most horrible” part of the whole Tour. Tarmac is nothing but a nice dream. Instead we are cycling on tracks that keep changing their outfit after every raining period and are described as a mixture of a potato field and a bone road. I haven’t cycled on either, so I have no idea what it actually means. Those tracks certainly will ask everything from us and give away nothing for free. They lead through a poetically described “unspoiled countryside”. Well, „unspoiled“  of course is rubbish as even in southern Ethiopia and northern Kenya nothing is “unspoiled” any more.

We quit the ethiopian capital Addis Abeba February 23d and first head down south for Lake Abaya. Passing the Mount Guryaghe (3.719 metres) we cross the much more green highland to Arba Minch, where we might spend our rest day in one of the renowned local crocodile farms (anybody wishin a souvenir?). Next stopp is Yabelo some 200 kilometres souteast, where we meet the highway from Addis Abeba again and head for the ethiopian border town of Moyale.

Next day we enter Kenya, the fourth country on the road. „The crossing marks the beginning of the “meltdown‘ portion of this section. It takes six riding days to cross the unpaved lave expanse of northern Kenya’s Dida Galgalu desert, which for long stretches redefines the words bumby and corrugated”, the organisers try to cheer us up in the brochure.

Passing the desert town of Marsabit we finally come back to “civilization” (and tarmac!) in Isiolo again. Up and down the western slopes of Mount Kenya we then head for Nairobi, where we are due to arrive March 12. There will be another police escort waiting for us (and cold beer!).

I should have 5.341 kilometres on the clock by now.

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Ein Kommentar

  1. Hallo Hardy, hab mir gerade mal Dein Blog gelesen. Schön zu wissen, dass uns alle in etwa die gleichen Probleme bschäftigen. Nur Dein Vorschlag mit der Klobrille ist mir bisher untergekommen 🙂 Habe gestern mit Ruben telefoniert – war mein erster Telefonkontakt mit einem TdAler – er war ein großer Freund der Federgabel. Werde nochmal mit Gisi und Hardy B. drüber sprechen. Bei mir ist es noch nicht ganz raus aus dem Kopf – am WE bekomme ich mein CycloCrosser und dann werde ich mal nächste Woche nen Feldtest machen. Ich nehme an, dass wir im gleichen Flieger sitzen – zumindest die Fahrt zum Hotel können wir ja gemeinsam organisieren. Weiterhin gute Vorbereitung – bin ganz gespannt, auf was wir uns da eingelassen haben – Dennis PS: die Investition in die eidgen. Rolls-Royce Hose wird Dir nicht leid tun.

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