Zweiter Abschnitt Khartoum-Addis Abeba / Second section Khartoum-Addis Abeba

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So ein Ärger! Da scheint die Sonne in ihrer vollen herbstlichen Kraft, sind die Straßen voll mit Radlern – und ich hocke in der Bude, kuriere meine laufende Nase und glotze neidisch auf all die Aktivisten, die sich schöne Ausfahrten gönnen.

Hilft wohl nur heiße Milch mit Honig, leckerer Pfefferminztee und jede Menge Geduld.

Der Zustand meiner Nase und meiner Glieder macht mir deutlich, dass der gefürchtete Herbst da ist. Als ich mich im Mai für die Tour d’Afrique anmeldete, habe ich mich gefragt, wie um Himmels willen ich bloß im Herbst und dann sogar im Winter meine Grundlagenausdauer halten soll. Als klassischer Genussradler stehe ich nun mal eher auf 35 Grad und kräftigen Sonnenschein (vielleicht beherrsche ich als Vegetarier ja sogar die Photosynthese und kann Sonnenenergie in Kraftenergie umsetzen?) als auf diese nasskalte Chose, die uns nun bevorsteht. Handschuh, lange Hose, oben fünf Schichten übereinander, Überschuhe – im Winter sieht man als Radler immer irgendwie wie ein Michelin-Männchen aus. Und fühlt sich auch so: dick, träge und unbeweglich.

Aber was soll’s? Die Blätter fallen nun mal, und die Tage werden kürzer. Das Laub macht die Strecken glitschig, und die frühe Dunkelheit engt die Ausfahrten ein. Inzwischen habe ich auf mein Crossrad fette Stollenreifen aufgezogen und schlage mich immer häufiger in die Pampa. Kann wohl nicht schaden, ein bisschen mehr unter rauen Bedingungen rumzuradeln als immer nur über den glatten Asphalt Südniedersachsens zu gleiten.

Außerdem macht es ja auch einfach Spaß, ein wenig durch die Wälder zu preschen und wilden Trails zu folgen. Einziges Problem: am Ende wartet die Radpflege, und die kann ganz schön nervig und zeitaufwändig sein. Und der Pilot ist manches Mal auch gar ganz schön dreckig. Aber wie war das mit dem „Kind im Manne“?…

Ansonsten steht in Sachen Vorbereitung vor allem der Sudan auf meinem Zettel. Das Visum… Ob ich es wohl pünktlich kriege? Ich kann nur hoffen. Die sudanesische Botschaft in Deutschland vergibt keine Drei-Monatsvisa, sondern nur welche, die exakt einen Monat gültig sind. Da wir am 25. Januar den Sudan betreten werden, darf mein Visum also frühestens am 25. Dezember starten. Mal abgesehen von diesem eher ungünstigen Weihnachtstermin bereitet mir die Tatsache ein wenig Sorge, dass ich am 10. Januar im Flieger nach Kairo sitzen werde. Die Bearbeitung eines Visumantrages soll angeblich drei Wochen dauern, und egal, wie ich rechne, das passt einfach nicht…

Die Organisatoren der TdA beruhigen uns zwar, dass das jedes Jahr ein Drama gewesen ist und in acht Jahren bislang noch jeder pünktlich sein Papier bekommen hat, doch…

Der Sudan ist aber auch noch aus anderem Grunde etwas kniffelig. Anfang Januar findet dort eine Volksabstimmung statt, in der über die mögliche Teilung des Landes entscheiden werden soll. Der Norden ist islamisch, der Süden christlich. Und was im Süden los ist, wissen wir alle aus den Nachrichten (Stichwort Darfur). Bei der ganzen Sache geht es natürlich um Rohstoffe, und damit um Macht und Geld. Das Ergebnis der Abstimmung ist nach Überzeugung quasi aller Experten eindeutig: der Süden wird für die Trennung votieren.

Für uns Fahrer der TdA stellt sich das Problem, dass wir mitten in diese Zeit geraten werden. Wie gesagt, am 25. Januar werden wir sudanesischen Boden betreten – und es könnte gut sein, dass die Lage dort zu jenem Zeitpunkt schon kräftig am brodeln ist. Was wiederum versicherungstechnisch nicht so ganz einfach ist, denn wenn es wirklich brodelt, kriegen wir Fahrer Probleme mit unseren Auslandskrankenversicherungen, die sich natürlich vorbehalten, für Reisen in Krisengebiete spezielle Bedingungen aufzustellen.

Nun denn, ich bin ja ein optimistischer Mensch und sehe mich daher unter friedlichen und sonnigen Bedingungen den Sudan durchqueren.

Sudan. Khartoum - Qallabat

Damit komme ich zum zweiten Abschnitt der Tour d’Afrique, der über rund 1.700 Kilometer von Khartoum, der Hauptstadt des Sudans, nach Addis Abeba, Äthiopiens Hauptstadt, führt. Nach dem Start am 4. Februar in Khartoum folgen wir zunächst südwärts dem Blauen Nil und pedalen durch die „Brotkammer“ Sudans bis nach Sennar, rund 300 Kilometer südlich der Hauptstadt. Die Gegend ist dank des Nils grün und fruchtbar, und wir Fahrer werden die gemütlichen Straßen zu schätzen wissen.

In Sennar geht es dann los. Die schmalen Slicks müssen runter, und die fetten Off-Road-Reifen kommen auf die Felgen. Über rauen Pisten geht es durch den Dinder National Park südostwärts Richtung Grenze zu Äthiopien. Auf der Strecke wird sich auch für mich zum ersten Mal zeigen, wie (und ob…) ich das Abenteuer TdA überstehen werde. Als Straßenradler bin ich ja kein wirklicher Off-Road-Experte, und vermutlich werde ich auf meinen Crossrad alle Fahrer, die mit Mountainbike unterwegs sind, heftigst beneiden…

Bei der Tour d’Afrique 2010 verloren auf dieser 160-Kilometer-Etappe durch den Dinder Nationalpark eine große Zahl von Fahrern ihren „EFI“-Status – das heißt, sie kamen entweder zu spät (= nach Sonnenuntergang) im abendlichen Basislager an oder sie ließen sich auf der Strecke aufgabeln und kletterten in den Besenwagen. Ergo: Überleben wird angesagt sein.

Spannend wird es auch sein, wie mein Zustand am Tag danach ist. Da steht nämlich erneut eine 160 Kilometer-Etappe auf übelstem Untergrund an, und all diejenigen, die sich tags zuvor nur mühsam ins Ziel geschleppt und während der Nacht nicht ordentlich generiert haben, werden spätestens jetzt ein Problem haben.

Aber gehen wir mal davon aus, dass ich am 10. Februar in Qallabat, der östlichen Grenzstadt des Sudans zu Äthiopien auf meinem Rad sitzend ankommen werde und tags darauf mein drittes Land betreten kann.

Äthiopien/Ethiopia. Moyale - Addis Abeba

Äthiopien ist berühmt für seine landschaftliche Schönheit und gefürchtet für seine Kinder. Von den etwa 70 Mio. Einwohner Äthiopiens sind rund 50 Mio. unter 18, und was die Äthiopien-Fahrer so zu erzählen haben, klingt nicht lustig. Steinwürfe auf Radler, Stöcke, die zwischen die Speichen gesteckt werden (beides mit fatalen Folgen) und eine nahezu pausenlose Begleitung durch Heerscharen von Kindern … es wird starke Nerven brauchen. Nicht, dass ich hier einen falschen Eindruck schaffen möchte: es ist nur eine verschwindende Minderheit Kinder, die sich so verhalten, denn auch darin sind sich alle TdA-Veteranen einig: Äthiopien ist ein faszinierendes und gastfreundliches Land. Aber es wird hart werden.

Und es ist ein Land, das die Bergfahrer unter uns erfreut. Wir werden von der sudanesischen Grenze stetig hinauf in Richtung Gondar radeln. Aus Tolkiens „Herr der Ringe“ kennen wir Gondor als ein Land im permanenten Kriegszustand, und auch wir werden uns vermutlich im Dauerkampf befinden. Die alte äthiopische Hauptstadt liegt nämlich auf rund 2.100 Metern Höhe, und der Weg dorthin soll lang und anstrengend sein. „Dieser Abschnitt ist die größte Herausforderung an deinen Körper auf der gesamten Tour“, heißt es in der Tourpräsentation der Veranstalter optimistisch. Na denn.

Vorbei am Tana-See treffen wir alsdann in Bahir Dar wieder auf den Blauen Nil, dem wir durch die berühmte Blue Nile Schlucht Richtung Osten folgen. Dort steht auch ein Bergzeitfahren auf dem Programm – 20 Kilometer 1.400 Meter aufwärts im Kampf gegen die Uhr! Auf dem weiteren Weg nach Addis Abeba überqueren wir den mit 3.110 Metern höchsten Punkt der TdA, ehe es gemütlich bergab in Richtung der äthiopischen Hauptstadt geht.

Dort warten am Ende des zweiten Abschnitts westliche Annehmlichkeiten mit Pizza, Espresso und warmen Duschen auf uns und unsere müden Knochen. Inzwischen sollten wir exakt 3.668 Kilometer hinter uns haben und den 21. Februar schreiben.

ENGLISH VERSION Can’t believe it! With lovely sunshine and a golden autum day a lot of cyclists happily hit the road – but I’m at home curing my light cold. It’s just unfair and I’m googling full of envy at all those riders.

But, what can you do? It’s hot milk with honey, peppermint-tea and patience instead of kilometres in the sunshine for me.

I can literally feel it in my bones that autumn has arrived. When I inscribed for the Tour d’Afrique back in may I was wondering how to cope with the upcoming autumn and winter. Now it’s time to proof whether it is possible to stay fit despite the bad weather or not. I don’t think I have much of a choice coming to that, though.

Armed with gloves, long trousers and five layers of shirts I’m feeling like the famous Michelin figure: fat, sluggish and pretty unmovable.

But so what? As leaves are falling and days getting shorter I have to take it as it comes. Might be a good preparation for the challenges in Africa anyway. In the meantime, I put on fat off-road tyres on my cyclocross bike and hit off-road tracks much more often. Might be a good idea to get a bit more experience in difficult conditions anyway.

And it’s fun! Chasing down small trails in the forest and crossing the landscape off-road offers a lot of entertainment. The only problem: you get dirty. Very much dirty. And it’s takes a while to clean both the bike and the driver afterwards. But we all know about the “child in men”, don’t we?

Apart of cycling and visiting the gym there is one thing prominently on my list of things to do: Sudan. Getting a visa for this country is becoming a true nightmare. The Sudan embassy in Germany don’t give out Visa for three month (as they do in other countries) but only for a months. As we’ll enter Sudan January 25, I only can apply for it December 25. Apart of the unfavourite day right in the middle of the christmas period it’s worrying me that the embassy is said to take up to three weeks to issue a visa, while I’ll be flying to Cairo on January 10th already. Can’t yet figure out how it might work.

Nonetheless, the TdA-company assures us that it has been the same for the last eight years and that in the end every rider got his or her visa. So we have to trust and keep calm.

Sudan ist causing me some headache anyway. As you might be aware, there will be a vote about a possible seperation of the country. The north is muslim, the south christian. We all know about the horrible condition in the south as the Darfur-crisis regulary hits our news. It’s a fight about ressources (oil) and of course about power and money. As for the possible result of the vote, almost everybody is convinced that people in the South will want seperation.

So we could end up being in Sudan right in the middle of the conflict. As we enter Sudan January 25th, about two weeks after the vote, nobody knows how the situation might be by then. Which causes another problem as our insurance companies won’t cover the costs if we enter a country that has been declared “dangerous”. Much to think about.

Always being an optimist (hi there, Chris!), I only can see myself cycling through a peaceful and sunny Sudan, though.

Sudan. Khartoum - Qallabat

As for the second section of the Tour d’Afrique 2011, we will pedal roughly 1.700 kilometres from Khartoum, capital of Sudan, to Addis Abeba, capital of Ethiopia. After leaving Khartoum February 4th we follow the Blue Nile southwards to the town of Sennar. Doing that, we cross the “bread chamber” of Sudan as the area on both sides of the Blue Nile is fertile and green. Presumably, we’ll love cycling on proper tarmac roads without many problems.

That might chance abruptly after Sennar. Off go the small slick tyres, on go the fat off-road tyres. Sooner or later we will now realise that the funny part of the TdA is over for a while. Off-road we head for the sudanese-ethiopian-border southeast of Sennar while crossing the Dinder National Park on rather rough terrain. As I’m a road-biker by heart with not much experience off-road and I fear I soon will have learned if I’m able to cope with those challenges or not. I dareforesay that I’ll envy all those guys on proper mountain bikes then, wishing to swop my cyclocross bike…

During the last TdA a large number of cyclists lost their EFI-status during the 160 kilometres stage through the Dinder National Park. They either arrived to late at the camp (= after sunset) or had to be picked up by the organisers on the road. So it will be plain survival for us.

Next problem: how are we feeling next day? As another 160 kilometres-stage is waiting for us, only those who recovered well during the night might be ready for this new challenge. All the other will have to struggle to “survive” it and keep there „EFI“.

Being optimistic, I expect myself still sitting on the bike when we arrive at Qallabat on the eastern border of Sudan with Ethiopia. Next day, we will enter the third country of our small adventure.

Äthiopien/Ethiopia. Moyale - Addis Abeba

Ethiopia is famous for its beauty and infamous for its kids. Of about 70 mio. Ethiopians, roughly 50 mio. are under age. Ethiopian bike-veterans keep telling horrible storys about stone-throwing kids, sticks, which are put between the spokes (both with fatal consequences) and large groups of kids running around you all the time as you cycle along. You need strong nerves for that, I’ve been told. Not to be misunderstood – I don’t want to draw a wrong picture of Ethiopia as it seems to be only a small group of children causing us problems. All TdA-veterans are full of praise of the country and the hospitality of the Ethiopians as well. But it won’t be easy, though.

From the cycling perspective Ethiopia is a country for the climber among us (and I hope to belong to that group). From the sudanese border to the town of Gondar it is only one way: upwards. From Tolkiens “Lord of the Ring” we know Gondor as a country in permanent war. That might go with us as well as the former ethiopian capital Gondar lies at 2.100 long and exhausting metres. “This section will challenge your body more than any other due to the high altitude riding”, the TdA-organisers say optimistically.

Heading south we pass the Lake Tana and meet the Blue Nile again in Bahir Dar. Following the river eastwards we cross the famous Blue Nile Gorges where we will have a time-trial of 20 Kilometres and 1.400 m upwards. On our way to Addis Abeba we hit the highest point of the whole journey (3.110 metres) and then slowly head down to the ethiopian capital where we expect some delicious Pizza, tasty Espresso and hot showers. 

By now, we should have 3.668 kilometres on the clock and it will be Febrary, 21th.

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